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+++ Corona-Update +++

Proteste vor dem Westminster-Palast gegen die Verschiebung der geplanten Lockerungen der letzten Corona-Beschränkungen in Großbritannien. Quelle: AP

Großbritannien verschiebt die Lockerungen wegen steigender Infektionszahlen um einen Monat. Und in deutschen Apotheken herrscht Andrang auf Digital-Impfnachweise. Alle aktuellen Corona-News im Überblick.

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Montag, 14. Juni 2021

Briten verschieben Ende der Corona-Beschränkungen

Großbritannien verschiebt wegen der Ausbreitung der Delta-Variante geplante Lockerungen um einen Monat. Die Zahl der Fälle steige um 64 Prozent je Woche und es müssten immer mehr Patienten auf den Intensivstationen behandelt werden, erklärt Premierminister Boris Johnson. Ein umsichtiges Vorgehen jetzt könne Tausende Leben retten.

Andrang auf digitalen Impfnachweis

In Tausenden Apotheken haben sich am Montag bundesweit Menschen einen digitalen Corona-Impfnachweis besorgt. Zwei Drittel der Apotheken bieten den Service für vollständig gegen das Coronavirus Geimpfte an. Für die Bürgerinnen und Bürger ist er kostenlos. Am Vormittag kam es in einigen Regionen zu technischen Problemen und Überlastungen von Servern. Die Apotheken sprachen aber insgesamt von einem gelungenen Start und rieten den Menschen, sich nicht alle sofort einen digitalen Impf-Nachweis zu holen.

Mehr als 13.000 Apotheken bieten die Leistung an, wie der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverband (DAV), Thomas Dittrich, sagte. Apothekerverbände aus den Bundesländern meldeten eine hohe Nachfrage, vereinzelt bildeten sich demnach kleine Schlangen vor den Apotheken. Auf dem Online-Portal „mein-apothekenmanager.de“, wo man teilnehmende Apotheken abrufen kann, kam es laut Dittrich zu einer „extrem hohen Nachfrage“. Phasenweise war das Portal am Vormittag nicht zu erreichen. Aus mehreren Bundesländern meldeten Apotheken zunächst auch Probleme beim Zugriff auf den Apotheken-Server, die im Tagesverlauf aber behoben waren. Nach Angaben des Brandenburger Apothekerverbandes lag das an der Vergabe von neuen Passwörtern aufgrund höherer Sicherheitsanforderungen.

Der digitale Nachweis ist eine freiwillige Ergänzung des weiter gültigen gelben Impfheftes aus Papier. Deutschland setzt damit ein Vorhaben der Europäischen Union um. Dafür wurden einheitliche Details eines Zertifikats vereinbart, mit dem man Impfungen, Tests und überstandene Covid-19-Erkrankungen nachweisen kann. Die App soll als Beleg bei gelockerten Corona-Beschränkungen eingesetzt werden können und zur Sommerferienzeit Reisen in Europa erleichtern. Der digitale Nachweis sei komfortabel, einfach und sicher, betonte Dittrich. Einfacher sei es auch für jene, die einen Impfstatus überprüfen möchten, sagte der Verbandsvorsitzende im ZDF-„Morgenmagazin“.

Hälfte der über 60-Jährigen hat vollen Impfschutz

Der Anteil der Erstgeimpften an der Gesamtbevölkerung nähert sich der 50-Prozent-Marke. 48,4 Prozent (40,2 Millionen Menschen) haben bislang mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus bekommen, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Montag hervorgeht. Den vollständigen Impfschutz haben nun 26,2 Prozent (21,8 Millionen Menschen). Insgesamt wurden laut RKI bislang 60,7 Millionen Impfdosen in Deutschland verabreicht. Am Wochenende kamen über 622.000 hinzu. Am Samstag waren es 391.072 Dosen, am Sonntag 231.Etwa die Hälfte der Menschen über 60 Jahre hat nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den vollen Impfschutz erhalten. Alle aktuellen Corona-News im Überblick.211.

Unter den Bundesländern verzeichnet Bremen mit 53,5 Prozent den höchsten Anteil Erstgeimpfter. Auch das Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen haben die 50-Prozent-Marke geschafft. Schlusslicht bleibt Sachsen mit 43,3 Prozent. Das Saarland zählt mit 31,0 Prozent den höchsten Anteil an Einwohnern mit vollständigem Impfschutz. Hessen ist hier mit 23,9 Prozent am Ende der Rangliste.

Die Impfkampagne gegen den Erreger Sars-CoV-2 hat in Deutschland Ende vergangenen Jahres begonnen. Zunächst waren Menschen über 80, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und medizinisches Personal an der Reihe. Unter anderem werden auch chronisch Kranke mit erhöhtem Risiko für einen schweren und tödlichen Verlauf bevorzugt geimpft. Seit Montag vergangener Woche können sich Menschen auch unabhängig von der bisher gültigen Prioritätenliste impfen lassen.

Lehrerverband gegen Aufhebung der Maskenpflicht

Der Deutsche Lehrerverband ist gegen eine schnelle Aufhebung der Maskenpflicht an den Schulen. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger sagte der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Berlin, er rate insbesondere während des Unterrichts zu „größtmöglicher Vorsicht“. „Das Virus ist ja noch nicht von der Bildfläche verschwunden.“ Maskenpflicht und auch regelmäßige Tests sollten im auslaufenden Schuljahr bleiben. Wegen der stark gesunkenen Corona-Zahlen wird in Deutschland verstärkt über die Maskenpflicht diskutiert, insbesondere auch an Schulen.

Meidinger sagte, alle freuten sich sehr über die fallenden Inzidenzen und die Rückkehr zum Präsenzunterricht. Es gebe aber noch immer erhöhte Infektionszahlen in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen, die bisher kaum geimpft seien. „Auch rund 50 Prozent aller Lehrkräfte verfügen noch nicht über einen vollständigen Impfschutz.“ Zudem sei die Gefahr einer vierten Welle wegen der zunächst in Indien entdeckten Delta-Variante des Virus auch für Deutschland nicht völlig auszuschließen.

„Es ist zwar richtig, dass Masken eine Belastung für die Betroffenen sind, sowohl für Lehrkräfte als auch für Schüler, aber in der Gesamtabwägung warnen wir vor einer vorschnellen Abschaffung“, sagte der Präsident des Lehrerverbands. Zuvor hatte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) die Länder aufgerufen, die Maskenpflicht zu prüfen. Besonders für Schüler, die den Schutz vor Mund und Nase stundenlang im Unterricht tragen müssten, sei dies eine Belastung.

Soll die Maskenpflicht fallen? – Disput über Mund-Nasen-Schutz

Die weitgehende Aufhebung der Maskenpflicht in Dänemark von diesem Montag an befeuert auch in Deutschland die Diskussion über den Sinn des Mund-Nasen-Schutzes. „Bei den fallenden Inzidenzen sollten wir gestuft vorgehen: In einem ersten Schritt kann die Maskenpflicht draußen grundsätzlich entfallen“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). In Regionen mit sehr niedriger Inzidenz und einer hohen Impfquote könne die Pflicht nach und nach auch drinnen entfallen. „Als Empfehlung bleibt in jedem Fall eine einfache Regel: im Zweifel mit Maske – besonders beim Reisen und bei Treffen in Innenräumen“, betonte der CDU-Politiker.

In Dänemark wird ab diesem Montag die Pflicht zum Tragen einer Maske für fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens aufgehoben. Einzige Ausnahme davon bleibt der öffentliche Nahverkehr – dort aber auch nur, wenn man nicht sitzt.

Von FDP und AfD kamen am Wochenende Forderungen nach einer kompletten Aufhebung. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt halten dies draußen für möglich, nicht aber in Innenräumen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir die Maskenpflicht da, wo sie überhaupt noch besteht draußen, entfallen lassen“, sagte Dobrindt in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. Für Innenräume rate er zur Vorsicht.

CSU-Generalsekretär Markus Blume warnte im „Bild live“-Talk „Die richtigen Fragen“ davor, so zu tun, als sei Corona schon vorbei. Er halte die Abstandsregeln und die Maskenpflicht „für die geringste Zumutung und für einen sehr guten Schutz nach wie vor“. Ähnlich äußerte sich sein SPD-Kollege Lars Klingbeil in dem Talk: „Ich glaube, es verlangt uns als Gesellschaft nicht viel ab, wenn wir jetzt im öffentlichen Nahverkehr, dort, wo wir wirklich auf Menschen treffen, wenn wir dort die Masken weiterhin tragen. Ich halte das für richtig.“

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) rief die Länder auf zu klären, ob und wo eine Maskenpflicht noch verhältnismäßig sei. Besonders für Schüler, die Masken stundenlang im Unterricht tragen müssen, sei dies eine Belastung, hatte sie der „Bild am Sonntag“ gesagt.

Fast halbe Bevölkerung mindestens einmal gegen Corona geimpft

Im sechsten Monat nach dem Start der Corona-Impfkampagne in Deutschland hat beinahe die Hälfte der Bevölkerung mindestens eine erste Dosis erhalten. Die Quote der erstgeimpften Bürgerinnen und Bürger lag nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Sonntag bei 48,1 Prozent, 25,7 Prozent haben bereits den vollen Schutz.

Das bedeutet auch: Viele Millionen Menschen sind noch ungeschützt oder erst teilgeschützt. Eine einmalige Impfung biete noch nicht genügend Schutz vor einer Infektion, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler Anfang Juni. Anders ist das nur beim Janssen-Impfstoff, der bereits nach einer Dosis vollen Schutz bietet. Um weitgehend auf Maßnahmen verzichten zu können, brauchten mehr als 80 Prozent der Bevölkerung einen Immunschutz – entweder durch vollständige Impfung oder durchgemachte Infektion plus Impfung. Sollte man künftig einer noch ansteckenderen Virusvariante die Stirn bieten müssen, wäre wohl ein noch höherer Anteil nötig.

Genaue Daten zum Impffortschritt in bestimmten Gruppen vermissen Experten in Deutschland. Seit auch Spritzen in Arztpraxen gesetzt werden, gibt es in RKI-Statistiken zum Beispiel nur noch eine grobe Alterseinteilung: Ablesen lässt sich der Anteil der Impfungen bei Menschen über 60 oder unter 60 Jahren – und das auch nicht bei allen Bundesländern. Genauere Daten würden höheren Dokumentationsaufwand bedeuten.

Watzl befürchtet für Deutschland, dass Impfmüdigkeit einsetzen könnte, wenn erst einmal 50 Prozent und mehr geimpft sind: „Wenn es uns gelingt, die Inzidenzen über den Sommer niedrig zu halten, werden sich 30-Jährige, die im Frühjahr nicht an einen Impftermin gekommen sind, vielleicht fragen, warum sie sich jetzt noch impfen lassen sollten. Sie könnten sich fragen, wo denn ihr Risiko ist.“ Auch in anderen Ländern, die bereits höhere Quoten aufweisen, zeigte sich, dass die Kampagnen ab einem gewissen Punkt ins Stocken gerieten – teils wird dort nun mit allen erdenklichen Anreizen für den Piks geworben.

Dabei ist der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie sicher, dass es eine vierte Welle geben wird, spätestens im Herbst. „Wie groß sie ausfallen wird, hängt vom Impferfolg und der Höhe der Inzidenzen am Ende des Sommers ab.“ Vermieden werde müsse ein Szenario, bei dem ein Teil der Bevölkerung erst im Herbst bei direkter Konfrontation mit der Virusgefahr wieder ans Impfen denkt: „Dann bekommen wir ein logistisches Problem.“

Erstimpfungen gelten als Schutz insbesondere vor schwerer Erkrankung. Dieser wird durch die Zweitimpfung noch verbessert und verlängert. „Ein bisschen entspannen können sich einfach Geimpfte, aber leichtsinnig werden sollten sie nicht“, sagte Watzl. Insbesondere Virusvarianten, die seit Monaten für das Gros der Fälle in Deutschland sorgen, werden als Gefahr gesehen. „Die Zweitimpfung ist dringend notwendig, um auch die Mutanten gut abwehren zu können.“ Lediglich das Präparat von Johnson & Johnson ist als Einmalimpfung zugelassen.

Allerdings wirkt keine Impfung zu 100 Prozent, Ansteckungen und zumindest leichtere Erkrankungen sind weiterhin möglich – sie sind nur wesentlich unwahrscheinlicher. Varianten können zudem durch Erbgutveränderungen Eigenschaften erlangt haben, die es ihnen ermöglichen, Antikörpern von Geimpften und Genesenen zu entgehen. In der Fachsprache heißt das Immunescape (Immunflucht). Beobachtet wird das etwa bei Beta (B.1.351), Gamma (P.1) und Delta (B.1.617). Der Immunschutz wird nicht komplett ausgeschaltet, ist aber merklich vermindert.

Die derzeit in Deutschland dominierende Variante Alpha (B.1.1.7) hat die Eigenschaft, ansteckender zu sein. Wie eine „Science“-Studie kürzlich zeigte, scheiden damit Infizierte etwa 10 mal mehr Virus aus als Menschen, die sich mit Vorgängerversionen ansteckten. Auch das ist für den Impfschutz bedeutsam, wie Watzl erläutert: „Wie gut der Schutz ausfällt, hängt nicht nur vom Immunsystem des Einzelnen ab, sondern auch von der Menge an Virus, der man ausgesetzt ist.“

Zudem hat sich gerade bei immungeschwächten Menschen – etwa nach Organtransplantation oder mit Krebs – gezeigt, dass die Impfung nicht so gut anschlägt. Watzl rechnet in diesen Gruppen mit Drittimpfungen bereits im Herbst.

Nach Zahlen, die das Bundesgesundheitsministerium im Mai bekanntgab, steckten sich bisher rund 13.000 Menschen an, die bereits voll geimpft waren. Die Zahl klingt hoch, aber in Relation zur Gesamtzahl der bis dahin komplett Geimpften waren nur 0,16 Prozent betroffen. Auch war bei den Zahlen nicht klar, ob die Infektion bei vollem Impfschutz auftrat – also mehr als 14 Tage nach der zweiten Impfung – oder in den Tagen davor.

Debatte über Erhalt der Impfzentren – Ministerberatungen am Mittwoch

Vor den Beratungen der Gesundheitsministerkonferenz am Mittwoch rückt die Debatte über die Zukunft der Impfzentren in den Fokus. „Impfzentren sind sehr teuer“, sagte der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, der „Augsburger Allgemeinen“ (Montag). Eine Impfung dort sei siebenmal teurer als beim Hausarzt. Die Impfzentren seien geschaffen worden, um die Hausärzte von der Bürokratie – etwa der Priorisierung – zu entlasten und eine gerechte Verteilung des knappen Impfstoffs zu gewährleisten, sagte Montgomery. Wenn es genug Impfstoff gebe und die Bürokratie wegfalle, könnten in den meisten Regionen die niedergelassenen Haus- und Fachärzte die Impfungen „hervorragend übernehmen“. Alles stehe und falle mit ausreichenden Impfstoffmengen.

Ähnlich sieht das die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus. Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass die Ärzte mehr und zuverlässig Impfmittel erhalten. „Dann können die Impfzentren demnächst auch auslaufen“, sagte sie der „Augsburger Allgemeinen“.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach widersprach in derselben Zeitung. Deutschland könne sehr schnell wieder auf die Einrichtungen angewiesen sein. „Impfzentren sind auch eine Anlaufstelle für alle, die keinen Hausarzt haben“, argumentierte Lauterbach. Und sie seien eine sehr wichtige Säule, um eventuelle Nachimpfungen im Herbst zu bewältigen.

Für den längerfristigen Betrieb der Impfzentren hatte am Wochenende auch der Deutsche Städtetag geworben. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy verwies in der „Passauer Neuen Presse“ darauf, dass von den Zentren aus die mobilen Impfteams in Pflegeeinrichtungen und soziale Brennpunkte starten. Der Chef des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, bezeichnete es im Redaktionsnetzwerk Deutschland hingegen als fraglich, Strukturen mit so hohen Kosten aufrechtzuerhalten.

Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz und bayerische Ressortchef Klaus Holetschek (CSU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ich denke, die Impfzentren sollten auf jeden Fall bis Ende des Jahres beibehalten werden.“ Dafür sprächen gerade die Auffrischungsimpfungen, die ab Herbst notwendig sein könnten. Es gebe viele Gründe für die Forderungen der Länder, die Impfzentren weiter betreiben zu wollen, hatte auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach der jüngsten Konferenz mit den Länderchefs erklärt.

Laut Robert Koch-Institut wurden bisher etwa zwei Drittel aller Impfungen in den Zentren vorgenommen, ein Drittel in Arztpraxen. Die Hausärzte stiegen flächendeckend am 7. April in die Impfungen ein. Die Betriebsärzte folgten am 7. Juni.

Apotheken beginnen mit dem Ausstellen digitaler Corona-Impfnachweise

Menschen, die vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind, können sich ab Montag in Apotheken einen digitalen Impfnachweis abholen. Die Apothekerverbände wiesen allerdings darauf hin, dass die Zahl der teilnehmenden Apotheken in den ersten Tagen aus technischen und organisatorischen Gründen noch begrenzt sei und baten um Geduld. Die Website mein-apothekenmanager.de soll ab Montag anzeigen, welche Apotheke vor Ort den digitalen Impfpass anbietet.

Der digitale Nachweis ist eine freiwillige Ergänzung des weiter gültigen gelben Impfheftes aus Papier. Deutschland setzt damit ein Vorhaben der Europäischen Union um. Dafür wurden einheitliche Details eines Zertifikats vereinbart, mit dem man Impfungen, Tests und überstandene Covid-19-Erkrankungen nachweisen kann. Die App soll als Beleg bei gelockerten Corona-Beschränkungen eingesetzt werden können und zur Sommerferienzeit Reisen in Europa erleichtern.

Der Nachweis wird in einem sogenannten QR-Code aus schwarzen und weißen Quadraten hinterlegt, der künftig in der Regel mit dem zweiten Impfgang im Impfzentrum oder beim Arzt ausgehändigt wird. Der Code kann dann mit bestimmten Handy-Apps eingescannt und vorgezeigt werden. Neben der App CovPass und der Corona-Warn-App des Bundes wird der Nachweis ab Mittwoch auch über die Luca-App möglich sein.

Nach einer Testphase sollen sich laut Bundesgesundheitsministerium nun nach und nach Impfzentren, Arztpraxen und Apotheken anschließen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung betonte, es werde aus technischen Gründen nicht sofort einen flächendeckenden Start in den Praxen geben.

Ob, ab wann und auf welchem Weg neben Apotheken auch Impfzentren oder Ärzte auch Nachweise für die bereits vor der Einführung vollständig geimpften rund 20 Millionen Menschen ausstellen, hängt vom jeweiligen Bundesland ab. In Bayern oder Sachsen-Anhalt etwa sollen Menschen, die bereits in Impfzentren geimpft worden sind, über eigens eingerichtete Websites Zugang zum Zertifikat bekommen. In Baden-Württemberg sollen Impfnachweise laut Gesundheitsministerium im Laufe der nächsten Wochen nachträglich per Post verschickt werden.

In Thüringen hatte die Kassenärztliche Vereinigung am Freitag dagegen klargestellt, dass eine nachträgliche Ausstellung des digitalen Impfpasses für bereits Geimpfte in den Impfzentren und Impfstellen nicht möglich sei, weil der Aufwand nicht zu bewältigen sei. Auch in Nordrhein-Westfalen hatten die Kassenärztlichen Vereinigungen erklärt, dass in den Arztpraxen und Impfzentren zunächst noch keine elektronischen Impfzertifikate ausgestellt werden könnten.

RKI registriert 549 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 16,6

Erstmals seit mehr als acht Monaten haben die Gesundheitsämter in Deutschland weniger als 1000 Neuinfektionen binnen eines Tages an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet. So registrierte das RKI 549 neue Fälle, wie aus Zahlen vom Montagmorgen hervorgeht. Sie geben den Stand des RKI-Dashboards von 05.01 Uhr wieder, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen des RKI sind möglich. Zuletzt war die Zahl der Neuinfektionen pro Tag am 21. September mit 922 dreistellig.

Vor einer Woche hatte der Wert bei 1117 Ansteckungen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI am Montagmorgen mit bundesweit 16,6 an (Vortag: 17,3, Vorwoche: 24,3).

Deutschlandweit wurden den Angaben nach binnen 24 Stunden 10 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 22 Tote.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.715.518 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte aber deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 3.580.600 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, wird nun mit 89.844 angegeben.

Ein Jahr Corona-Warn-App: Vertrauen der Bevölkerung steigt

Ein Jahr nach der Vorstellung der offiziellen Corona-Warn-App können sich immer mehr Menschen in Deutschland vorstellen, der Anwendung auch ein positives Testergebnis anzuvertrauen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Digitalverbandes Bitkom, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

72 Prozent derjenigen, die die App installiert haben oder dies planen, würden ein positives Ergebnis in der App teilen. Im Januar 2021 waren es nur 62 Prozent. 33 Prozent hatten zum Jahresbeginn eingeräumt, andere App-Anwender im Falle einer eigenen Infektion trotz der durch die App gesicherten Anonymität nicht warnen zu wollen. Dieser Anteil sank nun auf nur noch 22 Prozent.

Eine Mehrheit derjenigen, die ein positives Ergebnis nicht teilen würden, sorgt sich, dass die eigenen Daten nicht anonym sind (79 Prozent). 35 Prozent aus dieser Gruppe wollen grundsätzlich keine Gesundheitsdaten teilen. Fünf Prozent sehen sich technisch außerstande.

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes war am 16. Juni 2020 in den App-Stores von Apple und Google veröffentlicht worden. Seit dem vergangenen Dezember ist auch eine inoffizielle Version („Corona Contact Tracing Germany (CCTG)“) verfügbar, die auch auf Android-Smartphones läuft, die nicht über Google-Dienste verfügen.

In den ersten Monaten entwickelte sich die Verbreitung sehr dynamisch. Im September 2020 hatte das Robert Koch-Institut (RKI) über 18 Millionen Downloads in den Stores von Google und Apple registriert. Danach flachte die Kurve deutlich ab. Zuletzt verzeichnete das RKI 28,3 Millionen Downloads.

Bei der Bitkom-Umfrage sagten 36 Prozent der Menschen, sie hätten die App installiert. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung wären das über 29 Millionen. Weitere sechs Prozent planen demnach, dies künftig zu tun. Insgesamt 55 Prozent der Befragten nutzen die Corona-Warn-App nicht, wovon 22 Prozent kein Smartphone besitzen. Acht Prozent haben die Corona-Warn-App bereits wieder deinstalliert, 25 Prozent haben generell kein Interesse.

Bitkom-Präsident Achim Berg sagte, die App habe sehr wertvolle Dienste geleistet: „Sie funktioniert, sie ist kostenlos und sie schützt die persönlichen Daten optimal.“ Die Anwendung habe Menschenleben gerettet. Berg betonte, entscheidend sei, dass wirklich alle Nutzerinnen und Nutzer ihre Testergebnisse über die App teilen. „Wir schlagen daher bei einem positiven Testergebnis eine automatische Warnmeldung mit Widerspruchsmöglichkeit vor. Das würde die Hürden für jeden Einzelnen senken und die Wirksamkeit der App weiter steigern.“

Wichtige Hintergründe:

- Die Impfrate steigt, aber es ergeben sich neue Fragen: Wie gefährlich ist die Delta-Variante?

- Die Ökonomin Dalia Marin sagt ein neues Automatisierungszeitalter in deutschen Fabriken und eine Rückverlagerung von Produktion voraus.

- Wie gefährlich sind die Corona-Mutationen? Die Virologin Helga Rübsamen-Schaeff sagt voraus, dass es Dritt- oder Viertimpfungen geben wird.

Sonntag, 13. Juni 2021

Merkel: G7 liefern bis Ende 2022 2,3 Milliarden Impfdosen an ärmere Länder

Die G7-Staaten werden nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel ärmeren Ländern bis Ende 2022 2,3 Milliarden Corona-Impfdosen liefern. Deutschland finanziere vor allem über die internationale Impfinitiative Covax dabei umgerechnet 350 Millionen Impfdosen, sagte Merkel am Sonntag am Rande des G7-Gipfels. Aus eigenen Beständen werde man zunächst 30 Millionen Dosen spenden. Es könnten aber noch mehr werden, wenn es einen Überschuss gebe. Derzeit sei es schwierig, auf diesem Feld Zusagen zu machen, weil man etwa durch die Kürzung beim Hersteller Johnson & Johnson wieder die Erfahrung gemacht habe, dass nicht alle bestellten Impfstoffmengen geliefert würden.

„Wenn wir etwas überzählig haben, werden wir das weitergeben“, sagte Merkel mit Blick vor allem auf das vierte Quartal, wenn mehr Impfstoff von den Firmen geliefert werden solle, als für die Impfungen der Menschen in Deutschland nötig ist. Die Bundesregierung wolle ausdrücklich, dass Impfstoffe künftig auch in Afrika produziert würden. Sie freue sich deshalb, dass das deutsche Unternehmen BioNTech dazu bereits die Initiative ergriffen habe.

EMA-Vertreter für Zurückhaltung mit AstraZeneca auch bei Älteren
Ein Vertreter der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) wirbt für Zurückhaltung bei der Verimpfung des Wirkstoffs von AstraZeneca auch bei Menschen im Alter von über 60 Jahren. „Im Kontext der Pandemie war und ist es unsere Position, dass der Nutzen einer Astrazeneca-Impfung die Risiken in allen Altersgruppen übersteigt“, sagt EMA-Impfexperte Marco Cavaleri der italienischen Zeitung „La Stampa“. Auf Nachfrage sagte Cavaleri, die Behörden sollten aber nicht nur für Jüngere, sondern auch für Personen über 60 eher mRNA-Impfstoffe wie jene von Biontech/Pfizer und Moderna empfehlen. „Viele Länder wie Frankreich und Deutschland erwägen dies mit Blick auf die größere Verfügbarkeit von mRNA-Vakzinen.“

IWF: Pandemie verstärkt soziale Spaltung der Welt
IWF-Chefin Kristalina Georgiewa warnt vor einen stärkeren sozialen Spaltung auf der Welt durch die Pandemie. Die konjunkturelle Erholung von der Krise falle sehr unterschiedlich aus, weil es für einige Länder noch keinen Impfstoff gebe. „Die jüngsten Daten bestätigen, dass sich dieser Trend nicht nur fortsetzt, er verstärkt sich“, sagt die Bulgarin zu Journalisten am Rande des G7-Gipfels in England.

Fast 1000 Neuinfektionen weniger als vor einer Woche
Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet 1489 neue Positiv-Tests. Das sind 951 weniger als am Sonntag vor einer Woche, als 2440 Neuinfektionen gemeldet wurden. Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt weiter auf 17,3 von 18 am Vortag. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. 18 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle binnen 24 Stunden auf 89.834. Insgesamt fielen in Deutschland bislang mehr als 3,7 Millionen Corona-Tests positiv aus.

Samstag, 12. Juni 2021

Mehr als 40 Millionen Menschen in Deutschland erstgeimpft
Mehr als 40 Millionen Menschen in Deutschland haben bislang mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Das entspricht 48,1 Prozent der Gesamtbevölkerung, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Samstag (Stand: 10.10 Uhr) hervorgeht. Den vollständigen Impfschutz hat nun demnach mehr als jeder Vierte (21,35 Millionen Menschen oder 25,7 Prozent). Insgesamt wurden laut RKI bislang 60,1 Millionen Impfdosen in Deutschland verabreicht, 965 478 davon am Freitag. In dieser Woche sei erstmals an drei Tagen die Millionenmarke bei den täglichen Impfungen geknackt worden, schrieb Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei Twitter. Laut RKI wurden etwa zwei Drittel aller Impfungen in Impfzentren verabreicht, ein Drittel in Arztpraxen.

Unter den Bundesländern verzeichnet Bremen mit 52,9 Prozent weiterhin den höchsten Anteil Erstgeimpfter, Schlusslicht bleibt Sachsen mit 43,0 Prozent. Das Saarland zählt mit 30,4 Prozent den höchsten Anteil an Einwohnern mit vollständigem Impfschutz und hat pro Einwohner bislang auch die meisten Impfdosen verabreicht. Am langsamsten läuft die Impfkampagne dem RKI zufolge in Hamburg, das aber auch zu den Ländern gehört, die bislang die wenigsten Impfdosen erhalten haben.

Die Impfkampagne gegen den Erreger Sars-CoV-2 hat in Deutschland Ende vergangenen Jahres begonnen. Zunächst waren Menschen über 80, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und medizinisches Personal an der Reihe. Unter anderem werden auch chronisch Kranke mit erhöhtem Risiko für einen schweren und tödlichen Verlauf bevorzugt geimpft. Seit Montag können sich Menschen auch unabhängig von der bisher gültigen Prioritätenliste impfen lassen.

Studie: Hohe Impfquote mindert Corona-Risiko für junge Ungeimpfte
Eine hohe Impfquote im Land kann offenbar das Risiko für ungeimpfte Jugendliche vermindern, sich mit Corona anzustecken. Das zeigen Gesundheitsdaten aus Israel, die im Fachjournal „Nature Medicine“ vorgestellt werden. Mit zunehmender Zahl geimpfter Erwachsener wurden demnach immer weniger unter 16-Jährige positiv auf Corona getestet – im Mittel halbierte sich der Anteil positiv Getesteter in der noch ungeimpften Bevölkerung mit jedem Anstieg um 20 Prozentpunkte beim Anteil Geimpfter.

Die Daten stützen die Hoffnung, dass die Kinder in Deutschland im Herbst vor größeren Ansteckungswellen geschützt sein könnten, wenn bis dahin ein Großteil der Erwachsenen den vollen Impfschutz hat. Die Forscher merken allerdings an, dass bei den Ergebnissen die Möglichkeit einer natürlich erworbenen Immunität gegen Corona – also durch überstandene Infektion – bei den unter 16-Jährigen nicht berücksichtigt wurde. Zudem habe es zeitweise Lockdown-Maßnahmen gegeben, deren Einfluss auf das Infektionsgeschehen in der Auswertung nicht berücksichtigt sei.

Die Forscher um Roy Kishony vom Technion-Israel Institute of Technology in Haifa hatten Impfdaten von Erwachsenen und Corona-Testergebnisse von unter 16-Jährigen in Israel betrachtet. Für die junge Altersgruppe war in dem Land zum Erhebungszeitpunkt noch keine Impfung zugelassen. Die Ergebnisse basieren auf Daten aus 177 israelischen Gemeinden, die von Anfang Dezember 2020 bis Anfang 2021 erfasst wurden.

Das Neun-Millionen-Einwohner-Land Israel setzt seit dem 19. Dezember sehr schnell seine Impfkampagne um. Rund 5,5 Millionen Menschen haben dort bereits eine Erstimpfung und mehr als 5,1 Millionen eine Zweitimpfung erhalten. Inzwischen werden auch 12- bis 15-Jährige geimpft. Die Zahl der Neuinfektionen und schweren Erkrankungen ging in den vergangenen Monaten stark zurück. In Israel wird das Vakzin der Hersteller Biontech und Pfizer verwendet.

Die hohe Wirksamkeit dieses Impfstoffs bei der Vorbeugung von Infektion und Krankheit hätten klinische Studien und Impfkampagnen gezeigt, heißt es in der Studie. Dennoch habe es in Israel zunächst Bedenken gegeben, die Impfkampagnen könnten zu einer vermehrten Übertragung des Virus führen - wenn geimpfte Menschen unachtsamer mit Abstands- oder Quarantäneregeln umgingen. Dies sei offensichtlich nicht passiert.

Johnson & Johnson muss Corona-Impfstoffdosen entsorgen
Die US-Gesundheitsbehörde FDA ordnet den Wegwurf von Millionen an Johnson&Johnson-Impfdosen an, die in einer Fabrik in Baltimore hergestellt wurden. Die New York Times meldet unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass etwa 60 Millionen Dosen davon betroffen seien. In einer Pressemitteilung teilt die FDA keine genauen Angaben über die Anzahl der zu vernichtenden Impfdosen mit. Zwei Lieferungen seien zur Verwendung zugelassen worden, viele weitere seien jedoch nicht zur Verwendung geeignet, heißt es in der Pressemitteilung. Zwei mit der Situation vertraute Personen sagten Reuters, die Behörde habe etwa zehn Millionen Dosen aus der von Problemen geplagten Fabrik freigegeben.

Fast vier Millionen Menschen starben im Zusammenhang mit dem Coronavirus
Weltweit haben sich mehr als 175,1 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt. Das ergibt eine Reuters-Erhebung auf Grundlage offizieller Daten. Danach starben mehr als 3,93 Millionen Menschen in Zusammenhang mit dem Virus, seit es im Dezember 2019 erstmals im chinesischen Wuhan nachgewiesen wurde. Nach den USA weist Brasilien mit mehr als 482.000 die meisten Todesfälle auf. Dort wurden mehr als 17,2 Millionen Ansteckungsfälle nachgewiesen. Weltweit ist das der dritthöchste Wert nach den USA und Indien.

Sieben-Tage-Inzidenz sinkt weiter
Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet 1911 neue Positiv-Tests. Das sind 383 weniger als am Freitag vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt leicht auf 18,3 von 18,6 am Vortag. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. 129 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle binnen 24 Stunden auf 89.816. Insgesamt fielen in Deutschland bislang mehr als 3,7 Millionen Corona-Tests positiv aus.

Freitag, 11. Juni 2021

Nach mehr als einem Jahr hebt die Bundesregierung die Reisewarnung für touristische Reisen in Corona-Risikogebiete am 1. Juli auf. Das betrifft fast 100 Länder weltweit. „Nach langen Monaten des Lockdowns dürfen wir uns auf mehr Normalität freuen, das gilt auch für das Reisen“, erklärte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Freitag diesen Schritt.

Die Bundesregierung rät ab 1. Juli auch nicht mehr generell von touristischen Reisen ins Ausland ab. Für Länder der EU sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz, die nicht mehr als Risikogebiet eingestuft sind, wird künftig in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts nur noch „um besondere Vorsicht gebeten“. Das betrifft zum Beispiel Italien, große Teile Spaniens und ab kommenden Sonntag auch ganz Österreich.

G7 will ärmeren Ländern mit einer Milliarde Impfdosen helfen

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie will die G7-Gruppe westlicher Wirtschaftsmächte ärmeren Staaten mit einer Milliarde Impfdosen helfen. Dies solle sowohl durch Verteilung als auch durch Finanzierung von Impfstoff möglich werden, teilte die britische Regierung in der Nacht zum Freitag mit. Die Staats- und Regierungschefs wollen demnach auch einen Plan ausarbeiten, um die Impfstoffproduktion auszuweiten. Der britische Premierminister Broris Johnson ist in diesem Jahr Gastgeber des dreitägigen G7-Gipfels, der am Freitagnachmittag im südwestenglischen Cornwall beginnt.

Erstmals seit zwei Jahren kommen die Staats- und Regierungschefs der wirtschaftsstarken westlichen Demokratien wieder persönlich zusammen – wenn auch wegen Covid-19 unter strengen Vorsichtsmaßnahmen. Zur Gruppe der Sieben (G7) gehören die USA, Deutschland, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und Japan. Für US-Präsident Joe Biden ist es der erste große internationale Gipfel, für den er seine erste Auslandsreise seit Amtsantritt unternimmt. Bundeskanzlerin Angela Merkel reist erst am Freitag an. Für sie wird es der 15. und letzte G7-Gipfel sein.

Die G7-Staaten wollen bei dem Gipfel ihre Kräfte bündeln, um die Pandemie zu bekämpfen und die Welt besser für künftige Virusausbrüche zu rüsten. „Globale Lösungen sind gefordert“, steht in dem Entwurf einer „Gesundheitserklärung von Carbis Bay“, berichtet die Deutsche Presse-Agentur vorliegt. Darin verpflichten sich die Staats- und Regierungschefs, „die kollektiven Abwehrkräfte zu stärken, um durch wirksames multilaterales Handeln und ein gestärktes globales Gesundheitssystem besser gegen künftige Pandemien vorzubeugen, diese zu entdecken, darauf zu reagieren und sich davon zu erholen“.

Biden unterstrich, dass die Pandemie noch nicht besiegt sei. „Ich möchte klarstellen, dass dies nicht das Ende unserer Bemühungen ist, Covid-19 zu bekämpfen und die Welt zu impfen“, sagte er am Donnerstagabend. „Morgen werden die G7-Staaten den vollen Umfang unseres Engagements ankündigen.“

- Für die VEREINIGTEN STAATEN hat Biden kurz vor dem Gipfel eine neue Spende von 500 Millionen Impfdosen an 92 ärmere Länder sowie an die Afrikanische Union zugesagt. Sie sollen bis spätestens Juni nächsten Jahres geliefert und mithilfe der internationalen Impfstoffinitiative Covax verteilt werden. „Unsere Impfstoffspenden beinhalten keinen Druck für Gefälligkeiten oder mögliche Zugeständnisse. Wir tun das, um Leben zu retten. Um diese Pandemie zu beenden“, betonte Biden. „Dieser US-Beitrag ist die Grundlage für weitere koordinierte Anstrengungen, um die Welt zu impfen.“

- Für GROSSBRITANNIEN hat Premierminister und Gipfel-Gastgeber Boris Johnson angekündigte, dass sein Land 100 Millionen Impfdosen aus seinem Überschuss beisteuern werde, den Großteil über die Impfstoffinitiative Covax. Großbritannien hatte sich derart mit Impfstoff eingedeckt, dass es seine Bevölkerung damit mehrfach durchimpfen könnte. Bisher hat das Land kaum Impfstoffe exportiert – das rief scharfe Kritik hervor. „Wegen des erfolgreichen britischen Impfprogramms sind wir nun in der Lage, einige unserer überzähligen Dosen mit denen zu teilen, die sie benötigen“, sagte Johnson nun.

- Wie viel DEUTSCHLAND zur Spende von einer Milliarde Impfdosen beitragen könnte, blieb zunächst offen. Merkel hatte im Mai angekündigt, bis Jahresende 30 Millionen Dosen an Covax spenden zu wollen. Gleichzeitig verwies sie darauf, dass Deutschland das Programm auch mit mehr als einer Milliarde Euro finanziell unterstütze. Dieses Geld könnte für die Milliarden-Spende der G7 in Impfdosen umgerechnet werden. Zusätzliche Beiträge stellte die Bundesregierung vor dem Gipfel jedenfalls nicht in Aussicht. Man habe bereits sehr viel getan und sei „einer der großen Unterstützer“, hieß es aus Regierungskreisen.

Keine Einigkeit gibt es innerhalb der G7 weiter in der Debatte, ob der Patentschutz für Impfstoffe aufgehoben werden soll – Biden, viele andere Staaten sowie Entwicklungsorganisationen fordern das. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte am Donnerstag an, gemeinsam mit Südafrika auf dem G7-Gipfel einen Vorschlag auf den Tisch zu legen, um an einer zeitlich und räumlich begrenzten Ausnahmeregelung zu arbeiten.

Kanzlerin Merkel und die EU-Kommission sprachen sich erneut gegen eine Aussetzung aus. In Regierungskreisen in Berlin hieß es, die Kanzlerin glaube nicht, dass eine Freigabe hilfreich und der Patentschutz das Problem sei. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller sprach sich in der „Augsburger Allgemeinen“ für den Aufbau einer afrikanischen Impfstoffproduktion aus. „Das hilft mehr, als Patente einfach nur freizugeben, denn dadurch wird noch keine einzige Impfdosis zusätzlich produziert.“

Kritiker einer Freigabe argumentieren, nicht die Patente seien das Hindernis, sondern Produktionskapazitäten, Kenntnisse und Rohstoffnachschub. EU-Ratspräsident Charles Michel sagte: „Eine Aussetzung von Patenten mag gut klingen, aber sie ist keine Wunderwaffe.“ Er verwies darauf, dass aus der EU bereits mehr als 270 Millionen Impfstoffdosen exportiert worden seien. Zudem sei die EU der größte Unterstützer der Covax-Initiative für eine faire Impfstoff-Verteilung. Mit mehr als 2,8 Milliarden Euro würden bis Jahresende mindestens 100 Millionen Dosen an Impfstoff gespendet.

Dass der Gipfel in Pandemiezeiten Risiken birgt, wurde schon vor Beginn deutlich. Trotz aller Schutzmaßnahmen kam es zu einem Corona-Ausbruch in einem Hotel, in dem zwei Sicherheitsleute Merkels untergebracht waren. Auf die Anreise Merkels wird das nach Angaben aus London und Berlin aber keine Auswirkungen haben.

RKI registriert 2440 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 18,6

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 2440 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen vom Freitagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.00 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 3165 Ansteckungen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI am Freitagmorgen mit bundesweit 18,6 an (Vortag: 19,3; Vorwoche: 29,7).

Deutschlandweit wurden den Angaben nach binnen 24 Stunden 102 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 86 Tote gewesen.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.711.569 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte aber deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.569.000 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, beträgt nun 89.687.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Donnerstagabend bei 0,79 (Vortag: 0,74). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 79 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Wichtige Hintergründe:

- Mit seinem Coronavakzin liegt Curevac gegenüber der Konkurrenz im Rückstand. Nun hofft das Unternehmen auf seine letzten Trümpfe.

- Der Bundesgesundheitsminister hat stolz den Start des digitalen Impfnachweises CovPass angekündigt.

Donnerstag, 10. Juni 2021

Von der Leyen: Jeder zweite Erwachsene in der EU geimpft

Jeder zweite Erwachsene in der Europäischen Union ist mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft. Die Zahl nannte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Donnerstag. Nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC sind das 183,1 Millionen Menschen. Knapp 26 Prozent der Erwachsenen - rund 94,8 Millionen - haben demnach den vollen Impfschutz, für den in der Regel zwei Spritzen nötig sind.

Von der Leyen schrieb auf Twitter, die EU sei auf gutem Weg zu dem Ziel, bis Ende Juli genügend Impfstoff zu haben, um 70 Prozent der Erwachsenen zu impfen. Ein Sprecher der EU-Kommission stellte klar, dass dieses Ziel gelte, auch wenn sich die Zulassung für den deutschen Hersteller Curevac verzögern sollte.

1,3 Millionen Impfungen an einem Tag

In Deutschland sind innerhalb eines Tages fast 1,3 Millionen Impfungen gegen das Coronavirus vorgenommen worden. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstag (Stand: 11.05 Uhr) wurden am Mittwoch 1.280.338 Impfdosen gespritzt. 47,0 Prozent (39,1 Millionen Menschen) sind nun laut RKI mindestens einmal gegen Corona geimpft, 23,9 Prozent (19,9 Millionen) bereits vollständig geimpft. Insgesamt wurden laut RKI bislang 57,9 Millionen Impfdosen verabreicht.

Je nach Bundesland variiert laut RKI die Impfquote. Die höchste Quote an Menschen, die mindestens einmal geimpft sind, verzeichnet Bremen mit 51,2 Prozent. Sachsen bleibt mit 42,1 Prozent etwas hinter den anderen Bundesländern zurück.

Der neue digitale Corona-Impfnachweis soll jetzt schrittweise starten, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Nach einer Testphase würden sich nach und nach Impfzentren, Praxen und Apotheken anschließen. „Aber nicht alle sind heute oder morgen schon angeschlossen.“ Ziel sei, dass bis Ende Juni die Anwendung namens „CovPass“, eine freiwillige Ergänzung des weiter gültigen gelben Impfausweises aus Papier, für alle Interessenten zu Verfügung stehe. Für das nachträgliche Erstellen eines digitalen Nachweises hätten viele Bundesländer in diesen Tagen damit begonnen, per Post einen QR-Code nach Impfungen in Impfzentren zu verschicken. Den Code kann man dann mit dem Smartphone einscannen.

Apotheken erzielen Rekordumsatz

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat höhere Vergütungen für Impfstofflieferungen an Privat-, Betriebs-, und Kassenärzte gefordert. „Der Aufwand, der in den Apotheken betrieben werden muss, um eine in einer derartigen Mangelsituation im Wesentlichen reibungslose Lieferung zu gewährleisten, ist enorm“, sagte der DAV-Vorsitzende, Thomas Dittrich, am Donnerstag in Berlin. „Eine Entspannung der Situation ist nicht in Sicht, die schwierige Versorgungssituation wird noch eine ganze Weile bestehen bleiben.“

Derzeit erhielten Apotheker pro abgegebenem Impfstoff-Fläschchen 6,58 Euro. Das sei „weit entfernt von den tatsächlich in den Apotheken anfallenden Kosten“. Die Politik sei aufgefordert, „Anpassungen der Vergütung vorzunehmen, um den Kolleginnen und Kollegen vor Ort eine kostendeckende Lieferung der Corona-Impfstoffe an die Ärzte zu ermöglichen“, sagte Dittrich.

Das Corona-Jahr 2020 haben Deutschlands Apotheken mit einem Rekordumsatz abgeschlossen: Die Branche setzte 56,71 Milliarden Euro um, mehr als je zuvor. Das hat zum einen mit dem Verkauf der Corona-Produkte zu tun, aber auch mit Vorzieheffekten, weil viele Verbraucher zu Beginn der Krise Medikamente horteten. Die Zahl der öffentlichen Apotheken ist im ersten Quartal 2021 weiter zurückgegangen. Insgesamt zählte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in den ersten drei Monaten dieses Jahres rund 18.670 Filialen und Einzelapotheken, wie sie am Donnerstag mitteilte. Das waren demnach 82 Apotheken weniger als Ende 2020. Während 103 Einrichtungen schließen mussten, wurden lediglich 21 neu eröffnet.

RKI registriert 3187 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 19,3

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 3187 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen vom Donnerstagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 5.03 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 4640 Ansteckungen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI am Donnerstagmorgen mit bundesweit 19,3 an (Vortag: 20,8; Vorwoche: 34,1).

Deutschlandweit wurden den Angaben nach binnen 24 Stunden 94 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 166 Tote gewesen.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.709.129 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte aber deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.563.800 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, wird nun mit 89.585 angegeben.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Mittwochabend bei 0,74 (Vortag: 0,71). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 74 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Start für freiwilligen Corona-Impfpass fürs Smartphone

Eine vollständige Corona-Impfung soll man künftig auch per Smartphone nachweisen können – mit einem digitalen Impfpass, der am Donnerstag an den Start gehen soll. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will Einzelheiten dazu in Berlin vorstellen. Die Anwendung namens „CovPass“ soll als Beleg bei gelockerten Corona-Beschränkungen eingesetzt werden können und zur Sommerferienzeit Reisen in Europa erleichtern. Dabei geht es um eine freiwillige Ergänzung des weiter gültigen gelben Impfheftes aus Papier. Vorgesehen ist auch, dass sich mehrere Millionen bereits geimpfte Menschen den digitalen Nachweis etwa bei Ärzten und Apotheken nachträglich besorgen können.

Spahn will ab Juli 5,50 Euro weniger pro Schnelltest erstatten

Nach Betrugsfällen in Testzentren sollen die Kontrollen verschärft und die staatliche Kostenerstattung verringert werden. Private Betreiber von Teststellen sollen vom 1. Juli an nicht mehr 18 Euro sondern nur noch bis zu 12,50 Euro pro Schnelltest abrechnen können, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstagausgaben) aus dem Entwurf einer neuen Corona-Testverordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) berichten. In der künftigen Erstattungssumme seien acht Euro für die Dienstleistung und bis zu 4,50 Euro für Sachkosten enthalten. Zudem würden die Kassenärztlichen Vereinigungen verpflichtet, mehr Kontrollen durchzuführen. „Die Kassenärztliche Vereinigung hat stichprobenartig und, sofern dazu Veranlassung besteht, gezielte Prüfungen durchzuführen.“

Veranstaltungswirtschaft dringt auf Konzept für Events ohne Abstandsregeln

Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) kritisiert vor dem Bund-Länder-Treffen die Corona-Politik. „Es ist nicht erkennbar, was noch geschehen soll, damit die Branche endlich wieder Geld verdienen kann anstatt auf staatliche Hilfen angewiesen zu bleiben“, sagt BDKV-Präsident Jens Michow den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstagausgaben) laut Vorabbericht. Die Branche sei in der Lage, nur geimpften, getesteten oder genesenen Personen den Zutritt zu Veranstaltungen zu gewähren. „Sofern sich die aktuelle Entwicklung der Inzidenzrate fortsetzt, ist für mich nicht erkennbar, wieso Kapazitätseinschränkungen in Veranstaltungsstätten noch verhältnismäßig sein sollten.“ Er fordert Rahmenbedingungen, wie Veranstaltungen ohne Abstandsregeln wieder möglich sein können.

Kein deutliches Wachstum von Virusvariante Delta in Deutschland

Die in Indien entdeckte Coronavirus-Variante Delta bleibt in Deutschland weiter relativ selten. Ihr Anteil an den untersuchten Proben betrage nun 2,5 Prozent, geht aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) zu den als besorgniserregend eingestuften Mutanten vom Mittwochabend hervor. Die Angabe bezieht sich auf Proben aus der Woche vom 24. bis 30. Mai.

Die Entwicklung der Variante (B.1.617.2) der Wochen zuvor beschreibt das RKI in der Tendenz als ansteigend, auf bis zu 3,1 Prozent in der Woche vom 17. bis 23 Mai. In den RKI-Berichten der Vorwochen war der Anteil dieser Variante stets mit Werten um zwei Prozent beziffert worden, nun gab es aber rückwirkend Änderungen, die etwa mit Nachmeldungen begründet werden.

Mit einem Anteil von 94 Prozent an den untersuchten Proben löst die Variante Alpha (B.1.1.7, entdeckt in Großbritannien) bundesweit weiter den Großteil der Infektionen aus. Die weiteren besorgniserregenden Varianten Beta und Gamma spielen nach wie vor eine untergeordnete Rolle.

Mittwoch, 09. Juni 2021

Berichte: USA wollen 500 Millionen Impfdosen an andere Länder spenden

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie will die US-Regierung übereinstimmenden Medienberichten zufolge 500 Millionen Impfdosen erwerben und sie an andere Länder spenden. Das Weiße Haus habe sich entsprechend mit den Pharmakonzernen Pfizer und Biontech geeinigt, berichtete am Mittwoch unter anderem die „Washington Post“ unter Berufung auf mehrere mit den Plänen vertraute Personen. Den Berichten zufolge dürfte US-Präsident Joe Biden das Vorhaben vor oder beim G7-Gipfel im südwestenglischen Cornwall verkünden, an dem er während seiner ersten Auslandsreise als Präsident teilnimmt. Laut „New York Times“ sollen die Impfdosen im Laufe der kommenden zwei Jahre an etwa 100 Länder verteilt werden.

Die Impfkampagnen gehen in den einzelnen Ländern der Welt im Vergleich in höchst unterschiedlichem Tempo voran. In den USA haben bereits mehr als 171,7 Millionen der rund 330 Millionen Einwohner mindestens eine Impfdosis erhalten. Mehr als 140,4 Millionen Menschen sind voll geimpft.

Die US-Regierung hat bislang zugesagt, bis Ende Juni 80 Millionen Impfstoffdosen mit anderen Staaten zu teilen. Vergangene Woche hatte das Weiße Haus Details zur Verteilung der ersten 25 Millionen Dosen veröffentlicht. Mindestens 75 Prozent davon, knapp 19 Millionen Dosen, sollen demnach über das Impfprogramm Covax vergeben werden. Die verbleibendenden rund 25 Prozent, etwa 6 Millionen Dosen, will die US-Regierung direkt an Länder abgeben: etwa an die Nachbarländer Kanada und Mexiko sowie Indien und Südkorea.

Digitaler Impfpass ab Donnerstag im Einsatz

Der digitale Impfpass soll ab Donnerstag in Deutschland in den Einsatz kommen. Das sagt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Mit dem digitalen Impfpass sollen Nutzer leichter nachweisen können, dass sie bereits ausreichend gegen Corona geimpft sind. Dies gilt etwa für die Reisebranche als wichtig.

In Deutschland geht die Zahl der gemeldeten Ansteckungen mit dem Coronavirus weiter deutlich zurück. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Mittwoch eine 7-Tage-Inzidenz von 20,8 (Vortag: 22,9; Vorwoche: 36,8), das ist der niedrigste Wert seit acht Monaten. Die gute Entwicklung könnte an den wärmeren Temperaturen, dem wachsenden Immunschutz in der Bevölkerung vor allem durch Impfungen sowie an Schnelltests bei Schule, Arbeit und Freizeit liegen. Ein Risikofaktor bleiben Virus-Mutanten wie die zunächst in Indien aufgetretene Delta-Variante. Bislang ist hierzulande aber keine starke Zunahme zu sehen.

Bis auf wenige Ausnahmen lag die Inzidenz in allen Landkreisen und kreisfreien Städten unter der prägnanten Schwelle von 50 – nur etwas mehr als 10 lagen darüber. Schlusslicht ist der Stadtkreis Zweibrücken mit 79 Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche.

Auf Bundeslandebene liegen alle Länder unter einer Inzidenz von 25 – außer Baden-Württemberg. Für den Südwesten gab das RKI den Wert mit 26,9 an. Die Zahl der Menschen auf den Intensivstationen geht weiter zurück. Zuletzt gab die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sie mit deutlich unter 2000 an. Ende April waren es noch mehr als 5000.

Mittlerweile haben mehr als 45 Prozent der Menschen in Deutschland mindestens eine Impfdosis erhalten. Man müsse nun aufpassen, dass die Menschen künftig nicht nachlässig würden und sich zum Beispiel die Zweitimpfung nicht mehr abholten, weil sie keine Lust mehr hätten oder es zu kompliziert sei, sagte der Leiter der Virologie der Berliner Charité am Dienstag im Podcast „Coronavirus-Update“ (NDR-Info). „Solche Dinge dürfen einfach nicht eintreten. Das wird, glaube ich, die nächste große Aufgabe sein.“

Drosten erwartet demnach in einigen Wochen eine Diskussion über die Förderung der Impfbereitschaft. Ziel seien mindestens 80 Prozent Zweifachimpfungen, zumindest in der „impffähigen erwachsenen Bevölkerung“. Dies werde hoffentlich bis Ende August, Mitte September erreicht werden. Auch nach der Aufhebung der festgelegten Reihenfolge seit Montag bleibe es zunächst wichtig, die Gruppen zu impfen, in denen dies wegen des erhöhten Covid-19-Risikos dringlich sei. Das Augenmerk müsse im Moment noch auf der Versorgung der Menschen ab Mitte 40 liegen, so Drosten.

Bei den Neuinfektionen pro Tag meldeten die Gesundheitsämter dem RKI 3254 Fälle. Vor einer Woche hatte der Wert bei 4917 Ansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurden den Angaben nach binnen 24 Stunden 107 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 179 Tote gewesen.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Dienstagnachmittag bei 0,71 (Vortag: 0,76). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 71 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Wichtige Hintergründe:

- Auch in der Schweiz können Bürger sich in Testzentren und bei Ärzten kostenlos testen lassen – aber von Betrugsfällen ist dort nichts zu hören.

- Markus Söder hat der EMA vorgeworfen, die Prüfung des russischen Impfstoffs Sputnik V zu verzögern.

- In der Krise liegt eine Chance: vier Bausteine, mit denen wir nach Corona Dynamik entfalten und digitalen Wandel beschleunigen.

Dienstag, 08. Juni 2021

Viele deutsche Apotheken werden ab dem 14. Juni einen digitalen Impfnachweis für vollständig gegen das Corona-Virus geimpfte Bürger ausstellen können.
Statt den gelben Impfpass der Weltgesundheitsorganisation WHO ständig bei sich tragen zu müssen, können Geimpfte ihre Immunisierung dann per Handy nachweisen und so gegebenenfalls Freiheiten bei Reise, Sport, Gastronomie oder Kultur genießen. Derzeit sind bereits mehr als 17 Millionen Menschen, ein Fünftel der Bevölkerung, vollständig geimpft und können den digitalen Impfnachweis nachfragen.
„Wir wollten so schnell wie möglich ein Werkzeug entwickeln, mit dem Apotheken sicher und rechtsverbindlich einen Impfnachweis digitalisieren können. Über das wohnortnahe Apothekennetz bringen wir den Impfnachweis am besten zu den Menschen“, sagt Thomas Dittrich, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV). „In den ersten Tagen wird die Zahl der Apotheken, die das Angebot machen, wahrscheinlich noch begrenzt sein. Wir gehen aber davon aus, dass die Zahl der Apotheken sehr schnell im vierstelligen Bereich liegt.“

Fast die Hälfte der Deutschen mindestens einmal gegen Corona geimpft

In Deutschland sind inzwischen 46 Prozent der Menschen mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft worden. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag (Stand: 10.05 Uhr) haben 38,2 Millionen Menschen mindestens eine Impfdosis erhalten. 18,2 Millionen Menschen (21,9 Prozent) sind vollständig geimpft. Insgesamt sind demnach 55,5 Millionen Impfdosen verabreicht worden. Am Montag wurden laut RKI 577.653 Dosen gespritzt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schrieb am Dienstag bei Twitter, bei den Über-60-Jährigen seien über 80 Prozent und bei den 18- bis 59-Jährigen 40 Prozent mindestens einmal geimpft. „Wollen wir eine Impfquote von über 75 Prozent erreichen, müssen wir mindestens noch 15 Millionen Menschen überzeugen.“

Je nach Bundesland variiert laut RKI die Impfquote. Die höchste Quote an mindestens Erstgeimpften verzeichnet Bremen mit 49,9 Prozent. Sachsen liegt mit 41,0 Prozent etwas hinter den anderen Bundesländern zurück. Das Saarland liegt bei der Berücksichtigung aller verabreichter Impfdosen beim Tempo an der Spitze, während die Kampagne dem RKI zufolge in Brandenburg am langsamsten läuft. Das östliche Bundesland hat aber von allen Ländern bislang auch knapp die wenigsten Impfdosen erhalten.

Impfwillige können sich seit Montag unabhängig von der bisher gültigen Prioritätenliste in Deutschland gegen Corona impfen lassen. Gleichzeitig stiegen Tausende Betriebsärztinnen und -ärzte in die Impfungen ein. Die Impfkampagne in Deutschland hat Ende vergangenen Jahres begonnen. Zunächst waren Menschen über 80, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und medizinisches Personal an der Reihe. Unter anderem werden auch chronisch Kranke mit erhöhtem Risiko für einen schweren und tödlichen Verlauf bevorzugt geimpft.

Appell vor G7-Gipfel: Patente zur Impfstoffproduktion freigeben

Vor dem G7-Gipfel in Großbritannien haben regierungsunabhängige Organisationen die reichen Industrieländer aufgefordert, im Kampf gegen die Pandemie die Patente für Impfstoffe freizugeben. Auch müsse Technologie in ärmere Länder transferiert werden, um dort eine Produktion aufzubauen. „Spenden können marginal helfen, aber die Entwicklungsländer brauchen die Rechte, das Know-how und die Technologie zur eigenen, regionalen Herstellung der Impfstoffe“, sagte Jörn Kalinski von Oxfam International am Dienstag, berichtet die Deutsche Presse-Agentur vor dem Gipfel im britischen Carbis Bay.

Die Staats- und Regierungschefs der Gruppe der Sieben (G7) aus USA, Deutschland, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und Japan kommen von Donnerstag bis Sonntag in dem Touristenort in Cornwall zusammen. Der Kampf gegen Covid-19 ist eines der zentralen Themen des Gipfels, der Freitag beginnt. Oxfam und andere in der People's Vaccine Alliance zusammengeschlossene Organisationen warnten, dass ohne eine Ausweitung der Impfungen in Entwicklungsländern das Virus weiter mutieren und heutige Impfstoffe unwirksam machen könnte.

Scharfe Kritik wurde an Deutschland und G7-Gastgeber Großbritannien geübt, die einen Vorstoß von US-Präsident Joe Biden und Ländern wie Indien und Südafrika zur vorübergehenden Aufhebung der Impfpatente „blockieren“. „Mit ein paar gespendeten, überzähligen Impfdosen kann die Welt nicht geimpft werden“, sagte Kalinski. „Die Covid-19-Pandemie ist eine weltweite Katastrophe, und es kann nicht sein, dass die Mittel und das Wissen zu ihrer Bekämpfung sich in Privatbesitz befinden.“ Die Entwicklung der Impfstoffe sei mit Milliarden an öffentlichen Geldern unterstützt worden. „Sie sind ein globales Gut und gehören unter öffentliche Kontrolle.“

Die Technologie zur Herstellung von Impfstoffen müsse über C-TAP (Covid-19 Technology Access Pool) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an qualifizierte Hersteller weltweit weitergegeben werden. Es müsse strategisch in allen Regionen der Welt in den Kapazitätsaufbau investiert werden. „Alles andere wird scheitern“, sagte Kalinski. „Alles andere würde unnötig Millionen Menschenleben gefährden.“

„Langfristig braucht Afrika eigene Produktionskapazitäten, um selbst in die Herstellung von Vakzinen einzusteigen“, sagte auch Karoline Lerche von der Entwicklungsorganisation One. Die G7-Staaten hätten sich zusammen mit der EU über 2,6 Milliarden mehr Impfdosen gesichert als sie benötigten. Das Nachsehen hätten ärmere Länder: Weniger als ein Prozent der Impfungen weltweit seien Menschen verabreicht worden, die in Ländern mit niedrigem Einkommen leben. „Dieser Impfnationalismus kann Leben kosten und die Pandemie um Jahre verlängern“, warnte Lerche.

Daher müssten die reichen Länder bereits jetzt beginnen, Impfdosen an ärmere Länder abzugeben, forderte Lerche. Die bisherigen Zusagen reichten nicht. „Kanzlerin Merkel muss mit gutem Beispiel und ehrgeizigen Maßnahmen vorangehen, um die anderen G7-Staaten dazu zu bewegen, die zu viel bestellten Impfdosen abzugeben.“

RKI registriert 1204 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 22,9

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 1204 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen vom Dienstagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.02 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 1785 Ansteckungen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI am Dienstagmorgen mit bundesweit 22,9 an (Vortag: 24,3; Vorwoche: 35,2).

Deutschlandweit wurden den Angaben nach binnen 24 Stunden 140 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 153 Tote gewesen.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.702.688 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte aber deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.549.900 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, wird nun mit 89.384 angegeben.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Montag bei 0,76 (Vortag: 0,81). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 76 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Roche-Selbsttest wird in Europa breit zugelassen

Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat in Europa die Zulassung für einen Covid-Antigen-Selbsttest für den Heimgebrauch erhalten. Der über einen Nasenabstrich funktionierende Test liefere innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis. Eine frühe Version des Tests sei bereits seit Februar in einer Reihe von europäischen Märkten im Rahmen lokaler Sonderzulassungen erhältlich. Neu verfüge der Test nun über eine offizielle Zulassung.

Die wichtigsten Hintergründe:

- Seit Montag ist die Impfreihenfolge aufgehoben. Mit Blick auf die nahende Urlaubssaison wollen nicht alle auf Biontech warten.

- Ab Montag impfen die Betriebsärzte mit. Die Konzerne sind vorbereitet, doch es fehlt weiterhin an Dosen.

- Die Antwort scheint für viele klar: Den mRNA-Vakzinen steht eine große Zukunft bevor. Doch was unterscheidet eigentlich die beiden Arten?

Montag, 07. Juni 2021

Corona-Impfung für alle möglich – aber Geduld weiter nötig

Die streng festgelegte Reihenfolge bei der Corona-Impfung ist seit diesem Montag bundesweit aufgehoben. Mit dem Ende der sogenannten Priorisierung haben alle ab zwölf Jahren nun zumindest theoretisch die Möglichkeit, einen Impftermin zu bekommen. Allerdings ist Geduld gefragt, und in den Bundesländern wird die Priorisierung teilweise auch noch aufrechterhalten. Mediziner und Vertreter der Kommunen sowie Betriebsärzte, die seit Montag ebenfalls mitimpfen dürfen, dämpften entsprechend die Erwartungen.

Knapp 55 Millionen Impfdosen wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen verabreicht (Stand Montagmittag). 38 Millionen Menschen (45,7 Prozent) sind mindestens einmal, 17,7 Millionen (21,3 Prozent) vollständig geimpft. Die Impfungen hatten Ende vergangenen Jahres begonnen. Zunächst waren Menschen über 80, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und medizinisches Personal an der Reihe. In der Reihenfolge kamen auch chronisch Kranke, später Lehrkräfte und Erzieher und andere Berufsgruppen früher zum Zug, bis die sogenannte Priorisierung nun schließlich aufgehoben wurde.

Moderna lässt Impfstoff für Kinder und Jugendliche zu

Nun hat auch der US-Hersteller Moderna bei der EU-Arzneimittelbehörde EMA die Zulassung seines Corona-Impfstoffs für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren beantragt. Dies teilte das Unternehmen am Montag mit. Bisher darf in der EU nur das Vakzin von Biontech/Pfizer auch so jungen Menschen verabreicht werden. Moderna hat eine EU-Zulassung ab 18 Jahren.
Grundlage des Antrags sei eine Phase-2/3-Studie mit dem mRNA-1273 genannten Moderna-Impfstoff bei 2500 Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren in den USA, teilte das Unternehmen mit. Die Wirksamkeit habe dabei bei 100 Prozent gelegen. Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil seien wie bei der Phase-3 Studie von Erwachsenen, hieß es weiter. Das Präparat werde „im Allgemeinen gut vertragen“.
Für Erwachsene hat der Moderna-Impfstoff bereits seit 6. Januar eine bedingte Marktzulassung in der Europäischen Union. Er wurde inzwischen millionenfach gespritzt. Die EU-Kommission hatte im Namen der 27 Mitgliedsstaaten zunächst 160 Millionen Dosen des Präparats geordert. Im Februar folgte dann ein zweiter Vertrag über bis zu 300 Millionen weitere Dosen.

Viele Betriebsärzte starten erst ab Dienstag mit Corona-Impfungen

Viele Betriebsärzte in Deutschland können erst am Dienstag oder Mittwoch in größerem Umfang mit den Corona-Schutzimpfungen beginnen. Der Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, Wolfgang Panter, begründete dies damit, dass die Lieferungen von Impfdosen erst im Laufe des Montag erfolgten. Somit könnten die Ärzte erst für die Folgetage sicher planen. Die Bereitschaft unter den Betriebsärzten, beim Impfen mitzuwirken sei sehr hoch, sagte Panter der Deutschen Presse-Agentur in Karlsruhe. Das gelte auch für die Mitarbeiter. In Pilotprojekten hätten sich bis zu 70 Prozent der Mitarbeiter impfen lassen.

Die Betriebsärzte starten an diesem Montag mit den Impfungen. In der ersten Woche sollen sie insgesamt 702.000 Dosen bekommen. Sie starten zunächst mit dem Präparat von Biontech/Pfizer.

„Wir könnten mehr leisten“, sagte Panter mit Verweis auf die begrenzten Impfstoffmengen. Rund 6300 Betriebsärzte hätten Impfstoff geordert. „Da ist eine Menge Power da“, sagte der Verbandsvorsitzende. Geimpft werde in großen, mittleren, aber auch in kleinen Betrieben. Auch Familienangehörige können sich bei Betriebsärzten impfen lassen. Panter ging aber davon aus, dass die Unternehmen sich zunächst auf die Belegschaften konzentrieren werden.

RKI registriert 1117 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 24,3

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 1117 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen vom Montagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.20 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 1978 Ansteckungen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI am Montagmorgen mit bundesweit 24,3 an (Vortag: 24,7; Vorwoche: 35,1).

Das RKI wies allerdings in einem Lagebericht auf den Feiertag Fronleichnam in vielen Bundesländern am Donnerstag hin: „Bei der Interpretation der Fallzahlen ist zu beachten, dass an Feiertagen weniger Personen einen Arzt aufsuchen, wodurch auch weniger Proben genommen und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt werden. Dies führt dazu, dass weniger Erregernachweise an die zuständigen Gesundheitsämter gemeldet werden.“

Deutschlandweit wurden den Angaben nach binnen 24 Stunden 22 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 36 Tote gewesen.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.701.484 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte aber deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.542.700 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, wird nun mit 89.244 angegeben.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Sonntagabend bei 0,81 (Vortag: 0,84). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 81 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Patientenschützer gegen Aufhebung der Impfpriorisierung

Patientenschützer kritisieren die Aufhebung der Impfpriorisierung. „Die vom Bundesgesundheitsminister angekündigten 80 Millionen Impfdosen des zweiten Quartals werden reine Illusion bleiben. Daher haben am 8. Juni zig Millionen Kranke und Menschen in gefährdeten Berufsgruppen immer noch kein Impfangebot erhalten“, sagt Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, der Zeitung „Rheinische Post“ (Montagausgabe). Er wirft der Politik vor, sich mit der Aufhebung der Priorisierung aus der Verantwortung zu stehlen. So würden der Impfneid und Streit in die Gesellschaft getragen. Auch die Betriebsärzte schon jetzt zuzuschalten, werde den Konflikt vergrößern. Es mangele nicht an Impfstellen, sondern an Impfstoff. Für die Patienten sei das ein verheerendes Zeichen, wenn ihre Hausärzte für sie nur zehn Impfdosen pro Woche vorhalten könnten, aber „im Gewerbegebiet nebenan die Betriebe gleich mit Tausenden Ampullen“ versorgt würden.

Hausärzte dämpfen Erwartung an das Ende der Impfpriorisierung

Die deutschen Hausärzte haben die Erwartungen an das Ende der Impfpriorisierung an diesem Montag gedämpft. „Denn letztlich ist der Impfstoff noch immer zu knapp für die hohe Nachfrage und wird auch weiterhin zu unzuverlässig geliefert“, sagte Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Gleichzeitig werde mit der Aufhebung der Priorisierung und der Ankündigung der Kinder- und Jugendimpfungen die Nachfrage noch zunehmen. „Aber das Setting wird das Gleiche bleiben: Wir impfen, so viel wir eben können.“

Um Enttäuschungen unter den Impfwilligen zu vermeiden, sollten sich die Ankündigungen der Politik künftig stärker an der tatsächlichen Umsetzbarkeit der Impfkampagne orientieren und weniger am beginnenden Bundestagswahlkampf, forderte Weigeldt. Für viele Kolleginnen und Kollegen werde der 7. Juni ein Tag wie viele andere seit Beginn der Impfkampagne sein.

Impfwillige können sich ab diesem Montag unabhängig von der bisher gültigen Prioritätenliste in Deutschland gegen Corona impfen lassen. In Deutschland können nun alle ab zwölf Jahren geimpft werden. Allerdings soll es den Sommer über dauern, bis für alle genug Impfstoff da ist.

Mehr als 45 Prozent der Bevölkerung haben mindestens eine Impfung. Vielerorts dominieren derzeit die Zweitimpfungen, denn erst mehr als jede und jeder Fünfte hat den kompletten Impfschutz.

Die wichtigsten Hintergründe:

- Ab Montag impfen die Betriebsärzte mit. Die Konzerne sind vorbereitet, doch es fehlt weiterhin an Dosen.

- Bis zur Zulassung des Curevac-Impfstoffs wird es wohl noch einige Wochen dauern. Das hätte schneller gehen sollen.

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