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+++ Corona-Update +++ Astrazeneca wegen Liefer-Kürzungen in die EU unter Druck

Bei der Impfstofflieferung von Astrazeneca gibt es Kürzungen. Quelle: AP

Der Pharmakonzern Astrazeneca bekommt hohen Druck zu spüren. Grund sind gekürzte Impfstofflieferungen in die EU. Alle aktuellen Corona-News im Überblick.

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Dienstag, 26. Januar

Der französische Pharmakonzern Sanofi will dem Mainzer Unternehmen Biontech und dem US-Konzern Pfizer beim Abfüllen des Corona-Impfstoffs unter die Arme greifen. „In unserem Werk in Frankfurt werden wir das Produkt verpacken, das uns ab Juli von Pfizer-Biontech geliefert wird“, sagte Sanofi-Generaldirektor Paul Hudson der Zeitung „Le Figaro“ am Dienstag. „Wir sollten in der Lage sein, bis Ende des Jahres mehr als 100 Millionen Dosen zu liefern, die für die Europäische Union und damit teilweise für Frankreich bestimmt sind“, sagte Hudson.

„Da wir mit unserem Hauptimpfstoff einige Monate hinter dem Zeitplan zurücklagen, fragten wir uns, wie wir uns jetzt nützlich machen könnten“, so Hudson weiter. Das Abfüllen des Impfstoffs müsse in einer sterilen Umgebung und bei einer sehr niedrigen Temperatur erfolgen. Sanofi wolle das in einem großen Maßstab tun. Da die Sanofi-Produktionsstätte in der Nähe des Biontech-Hauptsitzes in Mainz liege, werde das die Sache erleichtern.

Die Arbeit an eigenen Impfstoffen wolle Sanofi fortsetzen. Zuletzt war bekanntgeworden, dass die Corona-Impfstoffentwicklung von Sanofi und GSK (GlaxoSmithKline) sich verzögere. „Wir streben eine Markteinführung im letzten Quartal des Jahres an“, bestätigte Hudson frühere Angaben. Man sei zuversichtlich. Die ersten Ergebnisse zur Dosierung und Wirksamkeit werde man voraussichtlich im Mai erhalten, danach könne man mit großangelegten Tests beginnen.

Astrazeneca wegen Liefer-Kürzungen in die EU unter Druck

Der Druck auf den britisch-schwedischen Pharmakonzern Astrazeneca wegen gekürzter Impfstoff-Lieferungen in die EU nimmt zu. Mitgliedsstaaten sollten überlegen, wegen Vertragsbruch vor Gericht zu ziehen, wie Lettlands Außenminister Edgars Rinkevics am Dienstag sagte. „Die Möglichkeit sollte erwogen werden und sie sollte unter den EU-Ländern koordiniert werden,“ erklärte er. Die europapolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Franziska Brantner, hatte zuvor rechtliche Schritte gefordert. Der in Großbritannien zuständige Minister, Nadhim Zahawi, äußerte sich dagegen im Sender Times Radio zuversichtlich, dass sowohl Großbritannien als auch die EU bestellte Impfdosen auch erhalten würden.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte die Hersteller von Corona-Impfstoffen auf, ihren vertraglichen Pflichten nachzukommen. Auf dem digital stattfindenden Davos-Weltwirtschaftsforum Forum wies sie am Dienstag darauf hin, dass Europa Milliarden an Geldern zur Impfstoff-Entwicklung beigesteuert habe. „Und jetzt müssen die Firmen liefern. Sie müssen ihre Verpflichtungen einhalten,“ sagte sie. Von der Leyen kündigte zudem an, dass Brüssel einen Mechanismus einrichten werde, um Impfstoff-Exporte aus der EU zu überwachen.

6408 Corona-Neuinfektionen und 903 neue Todesfälle gemeldet

Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 6408 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Außerdem wurden 903 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie das RKI am Dienstagmorgen bekanntgab. Vergangenen Dienstag hatte das RKI 11.369 Neuinfektionen und 989 neue Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet. Allerdings enthielten die beiden Werte Nachmeldungen aus Rheinland-Pfalz.

Der Höchststand von 1244 neuen Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert gemeldet worden - darin waren jedoch 3500 Nachmeldungen enthalten.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Dienstagmorgen bei 107,6. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden. Die Zahl schwankte danach und sinkt seit einigen Tagen wieder.

Das RKI zählt seit Beginn der Pandemie 2.148.077 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 26.01., 00.00 Uhr). Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte noch deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 52 990. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 1.844.000 an.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Montagabend bei 0,95 (Vortag 1,01). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 95 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Die wichtigsten Hintergründe:

Montag, 25. Januar

Vertreter des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca müssen sich am Montag vor der EU-Kommission erklären, warum es bei der vereinbarten Lieferung von Impfstoff gegen das Coronavirus zu Verzögerungen kommt. Das Treffen sei für den frühen Nachmittag geplant, erklärte die Brüsseler Behörde. Der Konzern selbst war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Ein EU-Vertreter, der an den Verhandlungen mit AstraZeneca beteiligt war, äußerte sich zurückhaltend, was das Ergebnis des Gesprächs betrifft.

Wegen der Knappheit bei Corona-Impfstoffen sollen zusätzlich alle Exporte solcher Mittel aus der Europäischen Union künftig erfasst und genehmigt werden. Die EU-Kommission schlug dafür am Montag ein sogenanntes Transparenzregister vor.

Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 6729 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Außerdem wurden 217 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie das RKI am Montagmorgen bekanntgab. Vergangenen Montag hatte das RKI 7141 Neuinfektionen und 214 neue Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet. Allerdings waren die Daten aus Rheinland-Pfalz zu diesem Zeitpunkt nur unvollständig übermittelt worden. An Montagen sind die erfassten Fallzahlen zudem meist geringer, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird.

Der Höchststand von 1244 neuen Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert gemeldet worden - darin waren jedoch 3500 Nachmeldungen enthalten.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Montagmorgen bei 111,2. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden. Die Zahl schwankte danach und sinkt seit einigen Tagen wieder.

Das RKI zählt seit Beginn der Pandemie 2.141.665 nachgewiesene Infektionen mit Corona in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte noch deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Corona gestorben sind, stieg auf 52.087. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 1.823.500 an.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Sonntagabend bei 1,01 (Vortag ebenfalls 1,01). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 101 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Die wichtigsten Hintergründe:

- Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer fürchtet um die Zukunft der Innenstädte. Er hofft auf die Rettungspakete des Bundes.

- Die EU-Kommission hat den Vertrag mit Curevac ins Internet gestellt. Besonders brisant: Der Impfstoffhersteller trägt die Haftung.

- Albrecht Broemme ist einer der angesehensten Experten im deutschen Katastrophenschutz. Im Kampf gegen die Pandemie vermisst er einiges.

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