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+++ Corona-Update +++ Deutschland-Tourismus weiter im Corona-Tief

Leere Strände: Deutschland-Tourismus weiter im Corona-Tief. Quelle: dpa

Eine Branche ist in Deutschland ganz besonders von Corona betroffen: der Tourismus. Die Übernachtungen hierzulande brachen ein. Corona-News im Überblick.

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Dienstag, 13. April

Die Hotellerie in Deutschland leidet weiter unter den Folgen der Corona-Krise. Die Zahl der Übernachtungen brach im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund drei Viertel (76,0 Prozent) auf 7,2 Millionen ein, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Besonders dramatisch fiel der Rückgang bei den ausländischen Gästen aus. Hier verringerte sich die Zahl der Übernachtungen um 86,2 Prozent auf 0,8 Millionen. Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Inland ging um 73,6 Prozent auf 6,4 Millionen zurück.

Touristische Übernachtungen sind derzeit verboten. Hotels, Pensionen oder Gasthöfe dürfen seit vergangenem Herbst nur noch Geschäftsreisende aufnehmen. Doch für viele Betriebe lohnt sich der Aufwand offenbar nicht: Von den rund 51.000 vom Statistischen Bundesamt erfassten Beherbergungsbetrieben hatten im Februar nur 29.300 geöffnet. Im Corona-Krisenjahr 2020 war die Zahl der Übernachtungen von Reisenden aus dem In- und Ausland gegenüber dem Vorjahr um 39,0 Prozent auf das Rekordtief von 302,3 Millionen gesunken.

Verband: Impfstoffe können schnell auf Mutanten angepasst werden

Corona-Impfstoffe können nach Angaben einer Expertin recht schnell auf mutierte Virustypen angepasst werden. „Für die Entwicklung müssen wir zirka sechs bis acht Wochen rechnen“, erklärte die Präsidentin des Österreichischen Verbands der Impfstoffhersteller, Renée Gallo-Daniel, der dpa. Zunächst prüften die Hersteller aber, ob die vorliegenden Impfstoffe gegen die Mutanten wirksam oder zumindest teilweise wirksam sind.

Muss ein Impfstoff adaptiert werden, handle es sich um einen neuen Impfstoff, der wieder zugelassen werden müsse, erläuterte Gallo-Daniel. „Nach der Zulassung muss dann die Produktion umgerüstet werden.“ Hier stelle sich die Frage, ob die gesamte Produktion auf die neuen, angepassten Impfstoffe umgestellt werden muss oder nur ein Teil. Zu klären sei auch, ob beide Impfstoffe gespritzt werden müssen oder man komplett auf den neuen „umswitcht“. Die Umstellung der Produktion dauere ebenfalls einige Wochen.

Großbritannien: Allen über 50-Jährigen wurde Corona-Impfung angeboten

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat die britische Regierung nach eigenen Angaben ihr nächstes Ziel erreicht. Allen über 50-Jährigen sei eine Impfung gegen das Virus angeboten worden, teilte die Regierung am Dienstag mit. Damit kommt die Kampagne etwas schneller voran als geplant. „Wir haben jetzt einen weiteren wichtigen Meilenstein in unserem Impfprogramm erreicht“, sagte Premierminister Boris Johnson der Mitteilung zufolge. Schon bald sollen die ersten unter 50-Jährigen geimpft werden.

Insgesamt haben im Vereinigten Königreich bisher mehr als 32 Millionen Menschen eine erste Impfung erhalten – das ist deutlich mehr als die Hälfte der Erwachsenen. Gut 7,5 Millionen wurde bereits die für den kompletten Schutz notwendige zweite Dosis gespritzt. Am Dienstag wurde erstmals der Impfstoff des US-Konzerns Moderna eingesetzt – es ist das dritte Mittel, das in Großbritannien genutzt wird.

Wegen des Erfolgs des Impfprogramms sind seit Montag in England wieder Geschäfte, Friseure und Außengastronomie geöffnet. Zahlreiche Menschen nutzten die Lockerungen für Einkäufe und den ersten Haarschnitt seit Monaten. Angesichts von Bildern Hunderter Feiernder in Kneipen im Londoner In-Bezirk Soho warnten Beobachter, die Fortschritte nicht zu gefährden und die Abstandsregeln weiter einzuhalten.

Am Montag hatte die Regierung den höchsten Anstieg von Neuinfektionen seit Anfang April gemeldet. In Südlondon wurden 44 bestätigte Fälle der zunächst in Südafrika entdeckten Corona-Variante B.1.351 bekannt sowie 30 Verdachtsfälle. Dutzende Menschen in den Bezirken Wandsworth und Lambeth seien in Selbstisolation, teilten die Behörden mit.

Lohnfortzahlung in Quarantäne: über 150 Millionen Euro erstattet

Die Bundesländer haben wegen behördlich angeordneter Quarantäne in der Corona-Zeit bislang Verdienstausfälle in insgesamt dreistelliger Millionenhöhe erstattet. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den zuständigen Ämtern der Länder hervor. Demnach wurden bislang mindestens 150 Millionen Euro an die Antragsteller ausgezahlt.

Im Falle einer behördlich angeordneten Quarantäne haben Arbeitnehmer Anspruch auf Entschädigung. Diese erhalten sie in den ersten sechs Wochen als Lohnfortzahlung von ihren Arbeitgebern. Diese müssen in Vorleistung gehen und können sich den Betrag anschließend erstatten lassen. Auch Selbstständige oder Beschäftigte, die sich wegen Schulschließungen um ihre Kinder kümmern müssen, haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Entschädigung.

Mindestens 750.000 Anträge auf Entschädigungszahlungen wurden bislang bundesweit gestellt – die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Hier forderten Arbeitgeber in etwa 235.000 Fällen Geld zurück, rund 15 Prozent davon wurden bislang bewilligt. Das Land zahlte um die 38 Millionen Euro aus.

Auch in Niedersachsen, Hessen oder Thüringen flossen bis Anfang April jeweils mehr als 20 Millionen Euro an die Antragsteller zurück. In Ländern wie Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg erstatten die zuständigen Ämter hingegen bislang nur einen einstelligen Millionenbetrag.

Montag, 12. April

Kurz vor dem geplanten Beschluss für bundesweit einheitliche Coronaregeln zeichnet sich eine erste Einigung ab. Die SPD setzte sich mit ihrer Forderung nach einer Angebots-Pflicht für Tests in Firmen durch, wie am Montag aus Regierungskreisen verlautete. Laut einem Gesetzentwurf des Arbeitsressorts soll dann ein Test-Angebot pro Woche in den meisten Betrieben Pflicht sein, nachdem zuvor von zweien die Rede war. Das CDU-geführte Wirtschaftsministerium hatte hier Bedenken angemeldet. Zudem sollen laut SPD die bezahlten Kinderkrankentage – auch zur Betreuung von Kindern nach Kita-Schließungen – von 20 auf 30 Tage im Jahr erhöht werden. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte sich zuvor bedeckt gehalten. „Die Abstimmungen für das ganze Paket 'Ergänzung des Infektionsschutzgesetz' laufen noch“, sagte er. Länder und Fraktionen seien eng eingebunden, eine Entscheidung falle noch am Montag. Das Bundeskabinett will die Regelungen am Dienstag beschließen, möglichst noch in der dieser sollen sie Bundestag und falls erforderlich Bundesrat passieren.

Johnson & Johnson startet Lieferung von Corona-Impfstoff in EU

Die Corona-Impfungen mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson können nun auch in der Europäischen Union starten. Der Hersteller begann am Montag mit der Lieferung an die EU-Staaten, wie das Unternehmen und die EU-Kommission bestätigten. Die Brüsseler Behörde erwartet bis Ende Juni 55 Millionen Dosen des Impfstoffs. Gut zehn Millionen Dosen sollen nach Deutschland gehen.

Die Besonderheit: Das Vakzin muss nur einmal gespritzt werden, statt wie die übrigen drei zugelassenen Corona-Impfstoffe zweimal. Deshalb setzen Deutschland und andere Staaten große Hoffnungen darauf, dass die Impfkampagne damit beschleunigt wird. Die belgische Impf-Taskforce bestätigte der Nachrichtenagentur Belga, dass bereits für Montag 36.000 Impfdosen von Johnson & Johnson in Belgien erwartet würden.

Der von der Unternehmenstochter Janssen in den Niederlanden entwickelte Impfstoff ist der vierte, der in der EU zugelassen wurde. Eine Unternehmenssprecherin erklärte in Neuss, die am Montag gestarteten Lieferungen seien der erste Schritt, „um die Verpflichtung des Unternehmens zur Lieferung von 200 Millionen Dosen an die Europäische Union sowie nach Norwegen und Island im Jahr 2021 zu erfüllen“.

Am Zeitpunkt der Lieferungen von Johnson & Johnson gab es immer wieder Kritik. Hanneke Schuikenmacher, bei Johnson & Johnson für die Impfstoffentwicklung verantwortlich, erklärte im Gespräch mit der WirtschaftsWoche im März, dass der Aufbau von Produktion und Logistik der Grund sei, warum die Lieferungen erst jetzt starten.

In den USA wird das Vakzin schon länger eingesetzt. Vorige Woche hatte die EU-Arzneimittelagentur EMA mitgeteilt, dass sie Fälle von Thrombosen nach einer Corona-Impfung mit dem Wirkstoff Johnson & Johnson prüfe. Vier ernsthafte Fälle von Blutgerinnseln seien nach einer Impfung aufgetreten, eine Person sei gestorben. Die EMA betonte, dass ein Zusammenhang mit dem Impfstoff des US-Herstellers noch nicht festgestellt worden sei.

Biergärten öffnen in England – Johnson mahnt zur Vorsicht

Nach Monaten des Lockdowns dürfen sich die Menschen in England seit Montag über deutlich mehr Freiheiten freuen. Neben Biergärten und anderer Außengastronomie dürfen auch Friseure, Geschäfte, Fitnessstudios und Zoos wieder öffnen. Premierminister Boris Johnson bezeichnete die Lockerungen als „wichtigen Schritt auf unserem Weg Richtung Freiheit“. Er rief seine Landsleute jedoch dazu auf, vorsichtig zu bleiben und nicht über die Stränge zu schlagen.

In Innenräumen dürfen Gastronomen noch keine Gäste empfangen, genauso wie private Treffen drinnen noch bis mindestens Mai verboten bleiben. Johnson verhängt die Corona-Maßnahmen nur für England – Schottland, Wales und Nordirland fahren jedoch einen ähnlichen Kurs.

Bereits in der Nacht nutzten einige Betriebe die neuen Lockerungen aus: Friseure schnitten den ersten Kundinnen bereits um kurz nach Mitternacht die Haare, auch ein Pub im Südosten von London schenkte noch in der Nacht trotz kühlen Temperaturen die ersten Getränke aus.

Johnson hat sein erstes Pint, das er eigentlich am Montagabend „vorsichtig, aber unwiderruflich“ an seine Lippen führen wollte, nach dem Tod von Prinz Philip verschoben. Das Land befindet sich in einer achttägigen Phase der Staatstrauer.

Dank der weit fortgeschrittenen Impfkampagne und dem langen, harten Lockdown hat sich die Corona-Infektionslage in Großbritannien mittlerweile deutlich entspannt. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei knapp 30 Fällen pro 100.000 Einwohnern.

Roche legt weitere Daten zur Wirksamkeit von Antikörper-Mittel vor

Nach Studiendaten kann die Gabe einer Antikörper-Kombination aus Casirivimab und Imdevimab das Risiko symptomatischer Corona-Infektionen um etwa 81 Prozent verringern. Das teilte der Schweizer Pharmakonzern Roche am Montag in Basel mit. Bei Patienten mit symptomatischer Infektion klangen die Symptome demnach im Durchschnitt innerhalb einer Woche ab, verglichen mit drei Wochen in der Placebo-Gruppe. Unerwartete ernste Nebenwirkungen seien nicht aufgetreten.

Bei der klinischen Studie der entscheidenden Phase III ging es darum, das Risiko und die Belastung durch Covid-19 bei Haushaltskontakten von Infizierten zu untersuchen. Rund 1500 solche Kontakte erhielten entweder das Antikörper-Präparat oder ein Placebo. Die Ergebnisse würden den Zulassungsbehörden so bald wie möglich überreicht, hieß es. Den Antikörper-Cocktail hatte Roche zusammen mit seinem Partner Regeneron entwickelt.

Zuvor präsentierten Studienergebnissen zufolge kann die Antikörper-Kombination bei Risikopatienten mit Covid-19 das Risiko für einen schweren Verlauf oder Tod um 70 Prozent reduzieren. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft das Präparat derzeit. In den USA hatte das Mittel eine Notzulassung erhalten. Mit ihm wurde unter anderem der frühere Präsident Donald Trump behandelt.

Monoklonale Antikörper werden im Labor hergestellt und sollen das Virus nach einer Infektion außer Gefecht setzen. Monoklonal bedeutet, dass die eingesetzten Antikörper alle gleich sind und das Virus an einem fest definierten Ziel angreifen. Auch in Deutschland wird die Antikörper-Kombination bereits bei individuellen Heilversuchen in bestimmten Kliniken eingesetzt – bei Risikopatienten in der Frühphase der Infektion mit dem Ziel, einen schweren Verlauf zu verhindern.

Aerosolforscher warnen Politik vor symbolischen Corona-Maßnahmen

Führende Aerosolforscher aus Deutschland fordern von der Politik einen Kurswechsel bei den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Seuche. „Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass DRINNEN die Gefahr lauert“, heißt es in einem Brief an die Bundesregierung und an die Landesregierungen, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Es gilt als sicher, dass sich das Coronavirus vor allem über Luft verbreitet.

„Leider werden bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt“, kritisieren die Verfasser. In Wohnungen, Büros, Klassenräumen, Wohnanlagen und Betreuungseinrichtungen müssten Maßnahmen ergriffen werden. In Innenräumen finde auch dann eine Ansteckung statt, wenn man sich nicht direkt mit jemandem trifft, sich aber ein Infektiöser vorher in einem schlecht belüfteten Raum aufgehalten hat, warnen sie. Debatten über das Flanieren auf Flusspromenaden, den Aufenthalt in Biergärten, das Joggen oder Radfahren seien hingegen kontraproduktiv.

Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Joggen an Alster und Elbe in Hamburg etwa seien eher symbolischer Natur und ließen „keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten“, schreiben die Experten. Sars-CoV-2-Erreger würden fast ausnahmslos in Innenräumen übertragen. Im Freien sei das äußerst selten, im Promille-Bereich. Hierauf sollten die begrenzten Ressourcen nicht verschwendet werden, heißt es in dem Brief. Auch würden im Freien nie größere Gruppen – sogenannte Cluster – infiziert, wie das in Innenräumen etwa in Heimen, Schulen, Veranstaltungen, Chorproben oder Busfahrten zu beobachten sei.

Auch die Ausgangssperren versprechen aus Sicht der Wissenschaftler mehr als sie halten können. „Die heimlichen Treffen in Innenräumen werden damit nicht verhindert, sondern lediglich die Motivation erhöht, sich den staatlichen Anordnungen noch mehr zu entziehen“, schreiben sie. „In der Fußgängerzone eine Maske zu tragen, um anschließend im eigenen Wohnzimmer eine Kaffeetafel ohne Maske zu veranstalten, ist nicht das, was wir als Experten unter Infektionsvermeidung verstehen.“ Mit Ausgangsbeschränkungen will die Politik verhindern, dass sich Menschen zeitweise überhaupt treffen.

Stattdessen empfehlen die Autoren mehrere Maßnahmen wie Treffen in Innenräumen so kurz wie möglich zu gestalten, mit häufigem Stoß- oder Querlüften Bedingungen wie im Freien zu schaffen, effektive Masken in Innenräumen zu tragen sowie Raumluftreiniger und Filter überall dort zu installieren, wo Menschen sich länger in geschlossenen Räumen aufhalten müssen – etwa in Pflegeheimen, Büros und Schulen.

„Die Kombination dieser Maßnahmen führt zum Erfolg“, heißt es weiter. „Wird das entsprechend kommuniziert, gewinnen damit die Menschen in dieser schweren Zeit zugleich ein Stück ihrer Bewegungsfreiheit zurück.“ Zu den Unterzeichnern zählen der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, Generalsekretärin Birgit Wehner und der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch.

Corona-Ampel im Saarland auf „Gelb“: erweiterte Testpflicht ab Montag

Im Saarland hat die Sieben-Tage-Inzidenz drei Tage in Folge über 100 gelegen und damit springt die Corona-Ampel im Land von „Grün“ auf „Gelb“. Ab Montag, dem 12. April, gilt eine erweiterte Testpflicht, wie das Gesundheitsministerium am Sonntagabend mitteilte. Die bestehende Testpflicht werde auf alle bisher geöffneten Bereiche ausgeweitet – dazu zählten auch der Einzelhandel sowie die körpernahen Dienstleistungen.

Im Saarland haben die Gesundheitsbehörden laut Gesundheitsministerium (Stand: 16.00 Uhr) am Sonntag binnen eines Tages weitere 66 Corona-Fälle registriert. Die landesweite Inzidenz, also die Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage, lag bei 121,1 nach 125,0 am Vortag. Seit Beginn der Pandemie wurden insgesamt 33.614 Infektionen nachgewiesen.

Am Dienstag hatte das Saarland trotz steigender Infektionszahlen mit einem Ausstieg aus dem Corona-Lockdown begonnen. Eine ganze Reihe von Einrichtungen und Häusern durfte wieder öffnen, neben der Außengastronomie zählen auch Kinos, Theater, Konzerthäuser, Fitnessstudios und Tennishallen dazu. Wer das Angebot nutzen möchte, braucht in der Regel einen negativen Corona-Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Zudem dürfen sich im Freien bis zu zehn Personen treffen, auch am Biertisch, wenn sie negativ getestet worden sind. Mit dem „Saarland-Modell“ will die Landesregierung den Bürgern wieder mehr Freiheiten ermöglichen.

Die Öffnungen sind nach dem Beschluss der Regierung in dieser Form nur erlaubt, solange die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt. Steigt die Inzidenz an drei Tagen über 100, greift ein Ampelsystem – mit einer dann ausgeweiteten Testpflicht (gelb) unter anderem für den Einzelhandel. Wenn eine Überlastung des Gesundheitswesen droht, soll die Notbremse (rot) gezogen werden: Die Öffnungen werden kassiert, es folgt ein Lockdown.

RKI registriert 13.245 Corona-Neuinfektionen und 99 neue Todesfälle

Die Zahl der insgesamt in Deutschland gemeldeten Corona-Infektionen ist auf über drei Millionen gestiegen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Montag haben sich nachweislich 3.011.513 Menschen in Deutschland mit dem Virus infiziert. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die erste bestätigte Infektion wurde am 27. Januar 2020 bekannt gegeben. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.683 .900 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 78.452.

Binnen eines Tages wurden 13.245 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 99 neue Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI von Montagmorgen hervor. Am Montag sind die vom RKI gemeldeten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Zudem könnten die Zahlen wegen der Schulferien noch nicht vergleichbar mit früheren Werten sein. RKI-Präsident Lothar Wieler rechnete ab Mitte dieser Woche wieder mit verlässlicheren Daten zur Pandemie. Vor einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 8497 Neuinfektionen und 50 neue Todesfälle verzeichnet.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Montagmorgen bundesweit bei 136,4. Die Daten geben den Stand des RKI-Dashboards von 05.07 Uhr wieder, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen des RKI sind möglich.

Am Vortag gab das RKI diese Sieben-Tage-Inzidenz mit 129,2 an, vor einer Woche lag sie bei 128. Der Inzidenzwert ist momentan noch mit Vorsicht zu genießen und dürfte wegen weniger Tests und Meldungen über Ostern zu niedrig ausfallen. Das RKI erwartet, dass der Wert im Laufe der kommenden Woche wieder belastbar sein wird.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Sonntag bei 1,08 (Vortag: 1,02). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 108 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert sei weiter gestiegen, schreibt das RKI. Die in den Tagen nach Ostern beobachtete Absenkung des Werts könnte an der vorübergehend geringeren Testzahl gelegen haben. Auch der R-Wert kann nach RKI-Angaben erst in einigen Tagen wieder aussagekräftig bewertet werden.

Sonntag, 11. April

Merkel spricht von nötigem „Brücken-Lockdown“
Kanzlerin Angela Merkel hat sich hinter den umstrittenen Vorstoß des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (beide CDU) für einen „Brücken-Lockdown“ gegen die dritte Corona-Welle gestellt. Das exponentielle Wachstum der Corona-Infektionen müsse gebrochen werden, sagte Merkel nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur von Teilnehmern am Sonntag in der Klausur der Spitze der Unionsfraktion in Berlin. Laschet habe dies mit der Idee des Brücken-Lockdowns beschrieben, sagte Merkel.

Die Kanzlerin wurde von den Teilnehmern mit den Worten zitiert: „Es geht um eine Brücke zu mehr Normalität. Die Brücke soll kurz sein.“ In der Runde wurden die Äußerungen der Kanzlerin als fast schon demonstrative Unterstützung für Laschet gewertet. Laschet und sein unausgesprochener Rivale im Ringen um die Unions-Kanzlerkandidatur, der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder, hätten in die Diskussion zunächst nicht eingegriffen, hieß es weiter.

Heil plant Corona-Testpflicht für Betriebe in ganz Deutschland
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will schon an diesem Dienstag eine Corona-Testpflicht für Unternehmen in ganz Deutschland im Kabinett durchsetzen - obwohl die Union eine solche Pflicht bisher ablehnt. „Alle müssen jetzt ihren Beitrag im Kampf gegen Corona leisten, auch die Arbeitswelt. Um die zu schützen, die nicht von zu Hause arbeiten können, brauchen wir flächendeckend Tests in den Betrieben“, sagte Heil der „Bild am Sonntag“. „Ich will, dass wir das am Dienstag in der Bundesregierung beschließen.“

Eine von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Umfrage unter Beschäftigten hatte ergeben, dass aktuell 61 Prozent einen Arbeitgeber haben, der Corona-Tests anbietet. „40 Prozent der Beschäftigten bekommen keine Testangebote vom Arbeitgeber. Deshalb müssen wir die Wirtschaft verpflichten, den Beschäftigten einfach und unbürokratisch Testangebote zu machen. Denn Testen schützt die Beschäftigten und hält die Betriebe offen“, sagte Heil. Die Pläne des Bundesarbeitsministeriums sehen nach Informationen der „Bild am Sonntag“ vor, dass alle Mitarbeiter, die nicht im Homeoffice sind, das Recht auf einen Corona-Test pro Woche bekommen. Wer viel Kundenkontakt habe oder mit Lebensmitteln arbeite, solle Anspruch auf zwei Tests pro Woche haben. Eine Bescheinigungspflicht sei nicht vorgesehen. Damit reiche es, wenn der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern Selbsttests zur Verfügung stelle.

Bislang hatte die Union eine Testpflicht für Betriebe abgelehnt. Nach Informationen der „Bild am Sonntag“ will die SPD eine solche Einführung nun über eine Verschärfung der Arbeitsschutzverordnung im Paket mit der Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes durchsetzen. Über die Arbeitsschutzverordnung soll demnach am Dienstag auch die Homeoffice-Regel, die am 30. April ausläuft, verlängert werden.

RKI meldet 1. 855 Corona-Neuinfektionen und 104 neue Todesfälle
Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 17 855 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 104 neue Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI von Sonntagmorgen hervor. Am Sonntag sind die vom RKI gemeldeten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Die Zahlen könnten zudem wegen der Schulferien noch nicht mit früheren Werten vergleichbar sein. Vor einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 12 196 Neuinfektionen und 68 neue Todesfälle verzeichnet.

Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Sonntagmorgen bundesweit bei 129,2. Die Daten geben den Stand des RKI-Dashboards von 03.08 Uhr wieder, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen des RKI sind möglich.

Wichtige Hintergründe:

- Die Betriebsärzte wehren sich gegen eine verschärfte Testpflicht für Unternehmen. Die Tests würden dafür nicht ausreichen – besser sollte die Energie ins Impfen gesteckt werden.

- WirtschaftsWoche-Korrespondent Matthias Hohensee hat sich in Utah zum zweiten Mal impfen lassen mit Pfizer-Biontech – in einem Supermarkt. Ein Erfahrungsbericht aus den Vereinigten Staaten.

- Als erstes Bundesland hat sich das Saarland am Dienstag an Massenöffnungen getraut. Doch die Stimmung ist durchwachsen – nicht nur wegen des miesen Wetters. Wie lief es?

- Der Mann, der Deutschland für das pandemische Horrorszenario wappnen muss: Der Spitzenbeamte Christoph Krupp soll die Impfstoffproduktion sichern – weit über die akute Lage hinaus.

Samstag, 10. April

Südafrika-Variante kann Biontech/Pfizer-Schutz durchbrechen
Die zuerst in Südafrika entdeckte Coronavirus-Variante kann vorläufigen Ergebnissen einer israelischen Studie zufolge den Schutz der Impfung von Biontech und Pfizer durchbrechen. Die Wissenschaftler der Universität Tel Aviv und des Gesundheitsdienstleisters Clalit verglichen 400 Personen, die geimpft und danach positiv auf das Virus getestet wurden, mit einer gleich großen Gruppe Infizierter, die nicht geimpft waren. Bei den Geimpften trat die südafrikanische Variante überproportional oft auf.

Scholz fordert Testpflicht in deutschen Unternehmen
Vizekanzler Olaf Scholz bekräftigt seine Forderung nach einer Testpflicht in den Betrieben. „Nur sechs von zehn Beschäftigten erhalten bislang ein Angebot ihres Arbeitgebers, sich regelmäßig testen zu lassen“, sagt der SPD-Kanzlerkandidat der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ laut Vorabbericht. „Das ist deutlich zu wenig, unsere Vereinbarung zielte auf eine Testquote von 90 Prozent.“ Deshalb sei die Zeit der Appelle vorüber. „Wir müssen die Unternehmen verbindlich dazu verpflichten, ihren Beschäftigten ein Testangebot zu machen. Das sollte Bestandteil unserer Corona-Beschlüsse in der kommenden Woche sein.“ Mehr Homeoffice, der Einsatz von medizinischen Masken und umfangreiches Testen, darauf seien viele Unternehmen in der Pandemie auch von selbst gekommen, erstaunlicherweise aber nicht alle, so der Finanzminister. „Das könnte man auch als nationale Pflicht begreifen. Es gibt Dinge, die man einfach tut, weil es sich gehört.“ Man könne eine Pandemie nicht bekämpfen, wenn jeder als Erstes nach einer Entschädigung frage.

Curevac erwartet Zulassung im Mai oder Juni
Der Tübinger Impfstoffhersteller Curevac hält eine europäische Zulassung seines Corona-Impfstoffes angesichts von Fortschritten in den erforderlichen Studien noch im Mai oder Juni für möglich. „Wir sind bereits sehr fortgeschritten in der dritten klinischen Testphase und erwarten die Daten für das finale Zulassungspaket“, sagte Curevac-Sprecher Thorsten Schüller der „Augsburger Allgemeinen“ laut Vorabbericht. Die Virus-Varianten hätten die Komplexität für die laufende klinische Studie drei erhöht. Curevac plane weiter mit der Produktion von bis zu 300 Millionen Impfdosen in diesem Jahr. Auch Bayer werde den mRNA-Impfstoff produzieren.

RKI: Zahl der Neuinfektionen erneut gestiegen
Das Robert-Koch-Institut meldet 24.097 Neuinfektionen. Damit stieg die Gesamtzahl der Infektionen auf 2.980.413. Weitere 246 Menschen starben dem RKI zufolge innerhalb von 24 Stunden nach einer Infektion mit dem Virus. Damit wuchs die Zahl der Menschen, die nach einer Ansteckung gestorben sind, auf 78.249. Die Sieben-Tage-Inzidenz kletterte von 105,7 am Vortag auf 120,6.

Freitag, 09. April

EMA prüft Johnson & Johnson-Impfstoff wegen Thrombose-Fällen

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) prüft Fälle von Thrombosen nach einer Coronaimpfung mit dem Vakzin des Herstellers Johnson & Johnson. Vier ernsthafte Fälle von Blutgerinnseln seien nach einer Impfung aufgetreten, teilte die EMA am Freitag in Amsterdam mit. Eine Person sei gestorben. Einer der Verdachtsfälle sei bereits während der klinischen Studien aufgetreten. Damals hatte das Pharmaunternehmen keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Impfung gefunden. Die EMA betonte, dass ein Zusammenhang mit dem Impfstoff des US-Herstellers noch nicht festgestellt worden sei.

Die Thrombosen sind in den USA aufgetreten, wo bereits ca. fünf Millionen Menschen den Impfstoff erhalten haben. In der EU ist der Impfstoff zwar bereits zugelassen, aber bislang noch nicht verimpft worden. Allerdings setzt die EU stark auf das Vakzin, um die schleppende Impfkampagne voranzutreiben. Das Mittel von Johnson & Johnson hat den Vorteil, dass nur eine Dosis zur Immunisierung notwendig ist.

Die Prüfung erinnert an ähnlich Fälle beim Vakzin des Herstellers Astrazeneca. Bei einer erneuten Prüfung von seltenen Thrombosen-Fällen nach der Impfung mit dem Präparat von Astrazeneca hatte die EMA am Mittwoch festgestellt, dass es einen Zusammenhang gebe. Die Häufigkeit gemeldeter Zwischenfälle mit Blutgerinnseln im Gehirn treten nach EMA-Angaben mit ungefähr eins je 100.000 auf. Die EMA gab weiter uneingeschränkt grünes Licht für eine Verwendung. Der Nutzen des Wirkstoffes sei höher zu bewerten als die Risiken, erklärte die Arzneimittelbehörde.

Bund legt Gesetzentwurf für verbindliche Corona-Notbremse vor – keine MPK

Überraschende Wende bei der Corona-Strategie von Bund und Ländern: Die vor Ostern für Montag vereinbarte nächste Runde von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder fällt aus. Stattdessen soll im Eilverfahren das Infektionsschutzgesetz nachgeschärft werden, wie die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Freitag in Berlin mitteilte. Ziel sei es, bundesweit einheitliche Regelungen für Regionen mit hohen Infektionszahlen zu schaffen. Die Änderung solle schon in der kommenden Woche vom Kabinett beschlossen werden. Dessen Sitzung werde von Mittwoch auf Dienstag vorgezogen.

Demmer sagte: „Bund und Länder haben sich heute darauf verständigt, in enger Absprache mit den Bundestagsfraktionen das Infektionsschutzgesetz zu ergänzen, um nun bundeseinheitlich zu regeln, welche Beschränkungen zu ergreifen sind, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einem Landkreis über 100 liegt.“ Angestrebt werde ein „ganz normales Gesetzgebungsverfahren“, sagte die Sprecherin. Der Entwurf werde vor der Verabschiedung im Kabinett mit den Fraktionen im Bundestag und mit den Ländern besprochen. In der kommenden Woche wird es nach Demmers Angaben gar keine Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) mehr geben.

Für den Fall, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region den Wert von 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner übersteigt, hatten Bund und Länder bereits Anfang März Regeln vereinbart: Alle Lockerungen der Corona-Maßnahmen müssten demnach wieder vollständig zurückgenommen werden. Allerdings hat sich in den vergangenen Wochen vielfach gezeigt, dass diese sogenannte Notbremse nicht angewendet wird. Dies hatte auch Merkel kritisiert.

Offenbar sollen diese Regeln nun im Infektionsschutzgesetz verbindlich festgeschrieben werden. Wie die zusätzlichen Regelungen aussehen könnten, wollte Demmer am Freitag allerdings nicht sagen. „Das wäre den Verhandlungen vorgegriffen.“ Sie betonte, dass das Vorgehen in enger Abstimmung zwischen Bund und Ländern vereinbart worden sei.

Eine Verschiebung der Ministerpräsidentenkonferenz hatte sich zuvor bereits angedeutet. Sie wurde auch durch einen Vorstoß der Spitzen der Koalitionsfraktionen im Bundestag nötig. Die Fraktionschefs Ralph Brinkhaus (CDU) und Rolf Mützenich (SPD) sowie CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hatte in einem Brief an die Kanzlerin und den MPK-Vorsitzenden, Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), eine Bundestagsdebatte noch vor der nächsten Bund-Länder-Runde verlangt. Sie hatten dazu eine Regierungserklärung oder eine Debatte im Parlament vorgeschlagen. Der Bundestag kommt wieder planmäßig vom kommenden Mittwoch bis Freitag zusammen.

Nach Darstellung von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble lässt sich das Infektionsschutzgesetz in kürzester Zeit ändern. „Es kann schnell gehen, wenn die Beteiligten alle wollen“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstagabend im ZDF-„Heute Journal“. Zur Not könne dies sogar in einer einzigen Sitzungswoche passieren.

EU-Kommission will Impfstoff für Kinder und Auffrischungen bestellen

Die EU-Kommission will bis zu 1,8 Milliarden Corona-Impfdosen für Auffrischungen und für Kinder bestellen. Entsprechende Pläne stellte die Brüsseler Behörde am Freitag im zuständigen Ausschuss der Mitgliedsstaaten vor, wie die Deutsche Presse-Agentur aus EU-Kommissionskreisen erfuhr. Zunächst werde man mit dem Hersteller Biontech/Pfizer verhandeln. Zuvor hatte die „Welt“ über die Pläne berichtet.

Konkret soll es um eine Bestellung von 900 Millionen Dosen sowie eine Option auf weitere 900 Millionen gehen, wie es hieß. Damit sollen zum einen die 70 bis 80 Millionen Kinder in der EU geimpft werden. Bislang ist in der Staatengemeinschaft kein Impfstoff für Kinder und Jugendliche zugelassen. Außerdem soll der Schutz bereits geimpfter Menschen mit diesen Impfstoffen aufgefrischt werden. Die ersten Dosen sollen bereits in diesem Jahr geliefert werden.

Zu den Kriterien der EU-Kommission gehört, dass es sich um Impfstoffe auf Grundlage der mRNA-Technologie handelt, wie es hieß. Mit den Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna sind bislang zwei Impfstoffe dieser Art in der EU zugelassen. Im Sommer könnte das Mittel von Curevac hinzukommen. Weitere Kriterien sind, dass der Impfstoff in Europa produziert wird und dass das Unternehmen ausreichende Produktionskapazitäten hat.

WHO ist gegen Impfung mit zwei verschiedenen Vakzinen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht keine Empfehlung für sogenannte Kreuzimpfungen gegen das Coronavirus aus. Es lägen noch keine ausreichenden Daten für mögliche Risiken einer ersten Impfdosis mit Astrazeneca und einem anderen Mittel als Zweitimpfung vor, sagte WHO-Sprecherin Margaret Harris am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Harris bezog sich bei ihren Aussagen auf eine vorläufige Empfehlungen eines WHO-Expertengremiums von Februar. Demnach solle vorläufig das gleiche Produkt für beide Teilimpfungen gespritzt werden. Die Experten forderten weitergehende Forschungen, um die Mischung von Vakzinen zu überprüfen.

In Deutschland gibt es eine gewissen Druck, genau solche Kreuzimpfungen vorzunehmen. Der Grund: Seit kurzem bekommen Menschen unter 60 den Astrazeneca-Impfstoff wegen Thrombosegefahr nicht mehr gespritzt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zufolge haben aber bereits 2,2 Millionen Bürger unter 60 eine erste Impfung mit Astrazeneca erhalten. Die Frage ist nun, wie diese Menschen ihren vollen Impfschutz bekommen, für den eine zweite Dosis nötig ist. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt, dass die Betroffenen nun nach zwölf Wochen eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech/Pfizer oder Moderna) bekommen. Allerdings ist eine Entscheidung dazu noch nicht gefallen. Die Gesundheitsminister der Länder wollen zunächst noch offene Fragen diskutieren.

Altmaier will keine Testpflicht für Unternehmen und spricht sich für Verlängerung der Coronahilfen aus

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hält eine Pflicht zu Corona-Tests in Unternehmen nicht für nötig. „Es ist erstaunlich, wie viel erreicht wurde“, sagte der CDU-Politiker am Freitag in Berlin mit Blick auf den freiwilligen Aufbau von Testmöglichkeiten in Firmen. Es brauche aber eine weitere Steigerung. „Ich glaube, dass es machbar und möglich ist.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte der Wirtschaft zuletzt mit Auflagen gedroht, wenn nicht mindestens 90 Prozent der Firmen regelmäßige Testmöglichkeiten schaffen, am besten zwei Tests pro Woche. Dies gelte nach wie vor, die Zahlen seien aber ermutigend, sagte Altmaier. Details zum weiteren Vorgehen würden Anfang nächster Woche geklärt.

Arbeits- und Wirtschaftsministerium hatten am Donnerstag mitgeteilt, in etwa zwei von drei Firmen seien auf Kurs zu regelmäßigen Corona-Tests. Das SPD-geführte Arbeitsministerium nannte die Ergebnisse aus zwei jeweils repräsentativen Umfragen allerdings „nicht zufriedenstellend“. Regelungen für eine Verpflichtung seien vorbereitet und könnten zügig umgesetzt werden. Auch die Vorsitzende der Linken, Janine Wissler, kritisierte Altmaier: Eine Testpflicht sei naheliegend, stattdessen vergeude die Regierung wegen Altmaier wertvolle Zeit im Kampf gegen die Pandemie.

Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) müssen die Mitarbeiter allerdings noch überzeugt werden. Momentan nutzten erst 20 bis 40 Prozent das Angebot ihrer Arbeitgeber. Es sei wichtig, dies in den Alltag der Mitarbeiter zu integrieren.

Altmaier sprach sich außerdem dafür aus, die Überbrückungshilfe III für Firmen bis zum Jahresende zu verlängern. Es gebe dazu Gespräche in der Regierung, sagte Altmaier am Freitag in Berlin. Die Überbrückungshilfe III ist bisher bis Mitte des Jahres befristet.

Es werde auch bei einem zu Ende gehenden Lockdown einige Monate dauern, bis sich das wirtschaftliche Leben normalisiert habe, sagte Altmaier. Deshalb sollte die Überbrückungshilfe III verlängert werden. Er strebe an, dazu noch vor der Sommerpause Klarheit zu erzielen. Firmen, die in der Corona-Krise besonders belastet sind, bekommen Zuschüsse.

Altmaier forderte gleichzeitig härtere Maßnahmen, um die dritte Corona-Welle zu brechen. Die Lage sei ernster, als viele wahrhaben wollten. Er verwies etwa auf die zunehmend kritischer werdende Lage in der Intensivmedizin. Eine Schließung des produzierenden Gewerbes und von Industrieunternehmen sei aber nicht nötig. Ein „monatelanger Dauerlockdown“ müsse verhindert werden.

RKI registriert 25.464 Corona-Neuinfektionen und 296 neue Todesfälle

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 25 464 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 296 neue Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI von Freitagmorgen hervor. Das RKI geht jedoch davon aus, dass sich in den Ferien meist weniger Menschen testen lassen, was zu einer geringeren Meldezahl an die Gesundheitsämter führe.

Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 21 888 Neuinfektionen und 232 neue Todesfälle verzeichnet. Die Daten geben den Stand des RKI-Dashboards von 04.55 Uhr wieder, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen des RKI sind möglich. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner lag laut RKI am Freitagmorgen bundesweit bei 110,4. Am Vortag gab das RKI diese Sieben-Tage-Inzidenz mit 105,7 an.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2 956 316 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2 647 600 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 78 003.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Donnerstagabend bei 0,80 (Vortag: 0,76). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 80 weitere Menschen anstecken. Die nach Ostern beobachteten kleinen R-Werte können laut RKI jedoch auch mit einer geringen Testzahl in den vergangenen Tagen zusammenhängen. „Die Werte können erst in einigen Tagen bewertet werden“, schreibt das Institut.

Donnerstag, 08. April

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sieht trotz der geänderten Empfehlung für den Astrazeneca-Impfstoff in seinem Land keinen Grund für Impfstoffmangel. „Wir haben mehr als genug an Pfizer- und Moderna-Impfstoff, um ihn all denen anzubieten, die jünger sind als 30 Jahre“, sagte Hancock der BBC am Donnerstag. Das werde die Geschwindigkeit der Impfkampagne nicht beeinflussen.

Die britische Impfkommission hatte ihre Empfehlung am Mittwoch für den Astrazeneca-Impfstoff nach einer Überprüfung geändert. Das Präparat soll künftig möglichst nur noch über 30-Jährigen verabreicht werden, wie die Kommission am Mittwoch mitteilte. Grund sind Berichte über seltene Fälle von Blutgerinnseln im Zusammenhang mit einer Impfung mit dem Vakzin.

In Großbritannien sind nach Angaben der Arzneimittelbehörde MHRA bislang 79 Fälle von seltenen Blutgerinnseln nach Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff aufgetreten. Dabei kam es zu 19 Todesfällen. Die meisten dieser Fälle betrafen junge Menschen. Ein direkter Zusammenhang mit dem Impfstoff konnte laut Impfkommission zwar noch nicht nachgewiesen worden. Aber angesichts des geringeren Risikos für jüngere Menschen an Covid-19 zu sterben, habe man diese Abwägung getroffen, hieß es.

Lieferung vom Sputnik Impfstoff

Deutschland will mit Russland über mögliche Lieferungen des Corona-Impfstoffs Sputnik V sprechen. Die EU-Kommission habe erklärt, dass sie über das russische Präparat keine Verträge wie mit anderen Herstellern schließen werde, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag im WDR5-„Morgenecho“. Daraufhin habe er bei einer Videokonferenz der EU-Gesundheitsminister erklärt, „dass wir dann bilateral auch mit Russland reden werden“.

Zugleich betonte Spahn, dass es zunächst eine Zulassung des Impfstoffs durch die Europäische Arzneimittelagentur EMA geben müsse. Dafür müsse Russland Daten liefern. Auch müsse geklärt werden, wie viel Impfstoff Russland kurzfristig liefern könne. Doch haben einige Bundesländer schon vor einer möglichen EU-Zulassung Alleingänge gestartet. Bayern unterzeichnete am Mittwoch einen Vorvertrag über 2,5 Millionen Sputnik-Dosen, Mecklenburg-Vorpommern zog am Donnerstag mit einer Option auf eine Million Dosen nach.

Deutschland plant bilateralen Vertrag zum Sputnik-V-Ankauf

Deutschland will einen bilateralen Vertrag für den Ankauf des russischen Impfstoffes Sputnik V aushandeln. In der Sitzung der EU-Gesundheitsminister habe die EU-Kommission am Mittwoch erklärt, dass sie keinen Vorvertrag zu Sputnik V wie mit den anderen Impfstoffanbietern schließen zu wollen, erfuhr Reuters aus Teilnehmerkreisen. Bundesminister Jens Spahn habe bei dem Treffen angekündigt, dass Deutschland nunmehr bilateral einen Vertrag verhandeln werde, um sich den Impfstoff zu sichern. Zuerst müsse dabei geklärt werden, welche Mengen Russland überhaupt wann liefern könne. In jedem Fall setze Deutschland aber weiterhin auf eine europäische Zulassung, habe Spahn betont. Russland müsse der europäischen Arzneimittelagentur EMA dafür nun die dafür notwendigen Daten liefern.

Die Bundesregierung dringt seit längerem darauf, dass die EU-Kommission auch über einen möglichen Ankauf dieses Impfstoffes verhandelt. EU-Kommissar Thierry Breton hatte das als nicht notwendig bezeichnet, weil sich die EU bereits genügend Impfstoff von anderen Herstellern gesichert habe. Etliche EU-Staaten haben sich aber auf bilateralem Weg bereits Dosen von Sputnik V gesichert. CSU-Chef Markus Söder hat angekündigt, dass Bayern einen Vorvertrag für den Bezug von Sputnik V mit einem Hersteller in Illertissen schließen werde.

RKI registriert 20 407 Corona-Neuinfektionen und 306 neue Todesfälle

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 20 407 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 306 neue Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI von Donnerstagmorgen hervor. Das RKI geht jedoch davon aus, dass sich rund um die Osterfeiertage weniger Menschen testen ließen, was zu einer geringeren Meldezahl an die Gesundheitsämter führe. Zudem könne es sein, dass nicht alle Gesundheitsämter an allen Tagen Daten an das RKI übermittelten.

Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 24.300 Neuinfektionen und 201 neue Todesfälle verzeichnet. Die Daten geben den Stand des RKI-Dashboards von 04.55 Uhr wieder, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen des RKI sind möglich. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Donnerstagmorgen bundesweit bei 105,7. Am Vortag gab das RKI diese Sieben-Tage-Inzidenz mit 110,1 an.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.930.852 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.631.400 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 77 707.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Mittwochabend bei 0,76 (Vortag: 0,81). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 76 weitere Menschen anstecken. Eine Absenkung des R-Werts könne auch mit den Osterfeiertagen zusammenhängen, schreibt das RKI. „Die Werte können erst in einigen Tagen bewertet werden.“

Mittwoch, 07. April

Die britische Impfkommission hat ihre Empfehlung für den Astrazeneca-Impfstoff geändert. Das Präparat soll künftig möglichst nur noch Erwachsenen über 30 Jahren verabreicht werden, wie die Kommission am Mittwoch mitteilte. Grund sind Berichte über seltene Fälle von Blutgerinnseln im Zusammenhang mit einer Impfung mit dem Vakzin.

EMA: Keine Einschränkung von Astrazeneca-Impfstoff

Trotz sehr seltener Fälle von Hirnthrombosen empfiehlt die EU-Arzneimittelbehörde EMA uneingeschränkt die Anwendung des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca. Der Nutzen des Wirkstoffes sei höher zu bewerten als die Risiken, erklärte die EMA am Mittwoch in Amsterdam.

Bundesregierung für „kurzen einheitlichen Lockdown“

Die Bundesregierung ist für ein erneutes deutliches Herunterfahren des öffentlichen Lebens in Deutschland und unterstützt indirekt die Idee eines „Brücken-Lockdowns“ von CDU-Chef Armin Laschet. Auf die Frage, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Laschets Vorschlag bewerte, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Mittwoch in Berlin, es gebe im Moment bei den Corona-Neuinfektionen keine gute Datenbasis, die Zahl der belegten Intensivbetten spreche aber eine sehr deutliche Sprache. „Deswegen ist auch jede Forderung nach einem kurzen einheitlichen Lockdown richtig. Auch ein gemeinsames bundeseinheitliches Vorgehen wäre hier wichtig.“

Demmer fügte hinzu: „Die Vielfalt der beschlossenen Regeln trägt im Moment nicht zur Sicherheit und zur Akzeptanz bei.“ Für vorgezogene Beratungen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin, wie von Laschet ebenfalls vorgeschlagen, gibt es nach ihren Worten im Moment aber „erkennbar keine Mehrheit“. Die nächsten Beratungen der Kanzlerin mit den Länderchefs sind für Montag geplant.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich der Forderung von CDU-Chef Armin Laschet nach einem „kurzen, konsequenten Lockdown“ angeschlossen. „Das macht aber nur Sinn, wenn alle mitmachen“, sagte der CSU-Chef am Mittwoch im ZDF. Er sei sich mit Laschet, Kanzlerin Angela Merkel und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) einig. Allerdings gebe es bei den SPD-Ländern, aber auch einigen CDU-geführten Ländern dafür keine Bereitschaft. Manche hätten den Ernst der Lage nicht verstanden, sagte Söder. Er kritisierte, dass etwa SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz Ausgangsbeschränkungen abgelehnt habe, die aber in vielen Ländern sehr effektiv seien. Söder forderte erneut eine bundeseinheitliche Regelung, damit Länder die verabredete „Notbremse“ bei steigenden Corona-Fallzahlen einheitlich umsetzen.

Für Verunsicherung sorgten erneut die Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Das RKI meldete am Mittwoch deutlich weniger Corona-Neuinfektionen als am Mittwoch der Vorwoche. Allerdings weist das Institut selbst darauf hin, dass sinkende Zahlen auch daran liegen könnten, dass an Ostern weniger Menschen einen Arzt aufsuchten und somit weniger getestet werde. Am Mittwoch wurden 9677 Neuinfektionen gemeldet nach 17.051 in der Vorwoche. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank auf 110,1 von 123,0 am Vortag. Sie gibt an, wie viele Menschen sich rechnerisch innerhalb einer Woche auf 100.000 Einwohner anstecken. 298 weitere Menschen sind laut RKI in Verbindung mit dem Coronavirus gestorben.

Söder erklärte den Rückgang „vor allem“ mit den Schulferien über Ostern. Es habe sich gezeigt, dass die Schulen ein wichtiger Ansteckungsort seien, so dass diese Infektionen derzeit wegfielen. Die meisten der 16 Bundesländer wollen am kommenden Montag (12. April) die Schulen wieder öffnen, debattieren aber noch über eine Testpflicht für Lehrer und Schüler. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte deshalb wie Laschet vorgeschlagen, das nächste Bund-Länder-Spitzengespräch vom 12. April auf diese Woche vorzuziehen. Vor allem die SPD, aber auch einige CDU-geführte Länder lehnen dies aber ab. Söder sprach sich mit Blick auf andere Bundesländer gegen einen „Öffnungs-Blindflug“ aus. Je weniger konsequent man derzeit vorgehe, desto länger werde die Pandemie dauern.

9677 Neuinfektionen und 298 Todesfälle

Die regionalen Unterschiede bei den Corona-Fallzahlen sind weiter sehr groß - aber auch hier können die Werte dadurch verzerrt sein, dass unterschiedlich stark getestet wurde. Thüringen wies laut RKI am Mittwoch eine Sieben-Tage-Inzidenz von 188,2 auf - deutlich weniger als an den Vortagen. In fünf Bundesländern lag die Zahl laut RKI unter 100 - am niedrigsten dabei in Schleswig-Holstein mit 62,4. Im Saarland, wo am Dienstag etliche Einrichtungen in Verbindung mit einer Testpflicht geöffnet wurden, lag der Wert bei 74,4.

Nach Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) setzte sich auch Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) dafür ein, dass Corona-Beschränkungen für Geimpfte teilweise zurückgenommen werden. „Wenn jetzt wissenschaftlich belegt wird, dass von Geimpften keine höhere Gefahr für andere ausgeht als von negativ getesteten Personen, entfällt eine wichtige Begründung für die Einschränkung ihrer Grundrechte“, sagte sie der „Bild“. Deshalb sei es ein logischer Schritt, Geimpfte in Zukunft mit negativ getesteten Personen gleichzustellen. Dies hatte auch Spahn am Wochenende vorgeschlagen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 9677 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 298 neue Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI von Mittwochmorgen hervor. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 17 051 Neuinfektionen und 249 neue Todesfälle verzeichnet. Nach RKI-Annahmen werden derzeit aufgrund von Urlaub und geschlossenen Praxen gegebenenfalls noch etwas weniger Tests als vor den Ferien durchgeführt. Das RKI geht davon aus, dass die Testhäufigkeit erst nach den Osterferien, also in den meisten Bundesländern nach dem kommenden Wochenende, wieder auf einem mit den Vorwochen vergleichbaren Niveau liegt.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Mittwochmorgen bundesweit bei 110,1. Am Vortag gab das RKI diese Sieben-Tage-Inzidenz mit 123,0 an.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.910.445 nachgewiesene Infektionen mit Corona in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.614.500 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Corona gestorben sind, stieg auf 77.401.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Dienstagabend bei 0,81 (Vortag: 0,90). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 81 weitere Menschen anstecken. Eine Absenkung des R-Werts könne auch mit den Osterfeiertagen zusammenhängen, schreibt das RKI. „Die Werte können erst in einigen Tagen bewertet werden.“

Wichtige Hintergründe:

- In kaum einer Region in Deutschland ist die Zahl der Coronainfektionen so hoch wie in Oberfranken.

- Der Internationale Währungsfonds revidiert seine Konjunkturprognosen nach oben. Doch es wird deutlicher, wer die Verlierer der Krise sein werden.

- Seit einem Jahr gilt Corona als Katalysator für die Digitalisierung. Viele Mittelständler sprechen stolz von Homeoffice und Videokonferenzen.

Dienstag, 06. April

Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sind mehr als zwölf Prozent der Deutschen mindestens einmal gegen das Corona-Virus geimpft worden. Das sind mehr als zehn Millionen Menschen, wie der CDU-Politiker twittert. 4,3 Millionen haben auch die zweite Impfung erhalten. Verimpft wurden rund 10,7 Millionen Dosen des Vakzins von Biontech und Pfizer, 2,9 Millionen von Astrazeneca und 700.000 von Moderna.

Allermeisten Firmen bieten Coronatests an

Die allermeisten Unternehmen in Deutschland ziehen laut Arbeitgeberverband BDA bei den geplanten Corona-Tests für Mitarbeiter mit. In 80 bis 90 Prozent der Firmen sei dies bereits möglich oder stehe unmittelbar bevor, teilte der BDA am Dienstag mit. Die Spitzenverbände der Wirtschaft hatten ihre Mitglieder vor knapp einem Monat aufgerufen, auf freiwilliger Basis Angebote zu machen, um in der dritten Welle der Coronavirus-Pandemie eine höhere Sicherheit in Büros zu gewährleisten.

Die Umsetzung erfolge ohne Bürokratie und gesetzliche Regulierung, am stärksten bei großen Konzernen, so der BDA. „Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Dazu zählen Lieferschwierigkeiten und Beschaffungsprobleme, aufwendige Organisation der Tests in Betrieben sowie eine zögerliche Annahme des Testangebots bei Beschäftigten und zusätzlich rechtliche Unsicherheiten.“

Spahn plant Verzicht auf Corona-Tests für Geimpfte

Für Menschen mit Corona-Impfschutz zeichnen sich Erleichterungen ab. Vollständig Geimpfte sollen Gesundheitsminister Jens Spahn zufolge künftig wie Personen mit negativen Tests behandelt werden. Dies solle gelten, wenn die dritte Welle gebrochen und etwa beim Einzelhandel ein Schnelltest-System aufgebaut worden sei, zitierte die „Bild am Sonntag“ den CDU-Politiker. „Wer geimpft ist, kann ohne weiteren Test ins Geschäft oder zum Friseur.“ Auch auf eine Quarantäne könne bei Geimpften verzichtet werden, sagte Spahn und berief sich dabei auf eine Einschätzung des Robert-Koch-Instituts.

Zustimmung kam aus den Reihen des Koalitionspartners SPD. Deren Gesundheitsexperte Karl Lauterbach befürwortet den Vorstoß. „Ich unterstütze diesen Vorschlag, weil es sich gezeigt hat, dass Geimpfte sich nur noch selten anstecken und sie wahrscheinlich bei Ansteckung nicht mehr ansteckend für andere sind“, sagte Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Allerdings sollte das jeweils nur nach der zweiten Impfung gelten.“

Laschets Corona-Vorstoß stößt auf Skepsis

Die Forderung des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet nach einem schnellen und harten „Brücken-Lockdown“ in Deutschland hat ein geteiltes Echo ausgelöst. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) lehnte den Vorschlag Laschets ab, schon diese Woche auf einer vorgezogenen Ministerpräsidentenkonferenz über eine Verschärfung der Corona-Regeln zu beraten. Dazu seien noch zu viele Fragen offen. Andere Länder signalisierten zwar grundsätzlich Bereitschaft zu einem schnellen Treffen, verlangten aber, vorher müsse ein Konzept auf dem Tisch liegen, das alle mittragen wollten.

Laschet hatte am Ostermontag überraschend vorgeschlagen, im Kampf gegen die dritte Corona-Welle einen „Brücken-Lockdown“ zu beschließen. Damit solle die Zeit überbrückt werden, bis viele Menschen geimpft seien. Die Lage erfordere es, „dass wir noch mal in vielen Bereichen nachlegen“, sagte der CDU-Vorsitzende. Er sei sich bei seiner Einschätzung der Lage mit vielen Länderchefs, Kanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) einig. Die für den 12. April geplante Runde von Merkel und den Ministerpräsidenten will er deshalb auf die kommenden Tage vorziehen.

Im Kreis seiner Länderkollegen löste Laschets Vorstoß Erstaunen aus. Der Vorschlag werfe viele Fragen auf, sagte Müller dem ARD-Hauptstadtstudio. „Ein Brücken-Lockdown für eine Übergangszeit und dann mit welchen Maßnahmen? Und das soll so lange gelten, bis viele Menschen geimpft sind. Was heißt das alles?“ Er glaube, da seien viele Überlegungen bei Laschet noch nicht abgeschlossen, sagte Müller, zurzeit auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK). Insofern mache eine vorzeitige MPK jetzt auch keinen Sinn.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow sagte dem „Spiegel“, man könne gerne jederzeit zusammenkommen. „Aber da muss auch vorher was auf dem Tisch liegen, was wir dann auch wirklich gemeinsam beschließen und vor allem auch alle umsetzen“, betonte der Linken-Politiker. „Die aktuellen Wortmeldungen sind wieder Stückwerk und von Hektik geprägt.“ Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zeigte sich bereit, das Bund-Länder-Treffen vorzuziehen, es müsse dann aber als Präsenzveranstaltung stattfinden. „Ziel muss eine Verständigung der Länder sein“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag).

Bayern ist laut CSU-Generalsekretär Markus Blume nur dann für ein Vorziehen der Gespräche, wenn alle Bundesländer grundsätzlich zu einer Verschärfung der Corona-Regeln bereit sind. Blume sagte am Montagabend im Politik-Talk „Die richtigen Fragen“ auf „Bild live“: „Eine neue MPK bringt ja nichts, wenn danach wieder jeder Seins macht. Deshalb ist ganz entscheidend, dass die Bereitschaft der Länder da ist zu weitergehenden Maßnahmen.“

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte sich skeptisch: Solange sich einzelne Bundesländer gegen Ausgangsbeschränkungen sperrten, nutze auch ein neues Treffen nichts, sagte er bei „Bild live“. FDP-Vize Wolfgang Kubicki bezeichnete Laschets Vorstoß als „Verzweiflungstat“. Die Menschen sollten noch stärker eingeschränkt werden, „um das Scheitern der Impfstrategie der CDU-geführten Bundesregierung zu überdecken“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte der „Rheinischen Post“ (Dienstag): „Ein neuer Name bedeutet noch lange kein konsequentes Handeln.“

Die Ministerpräsidenten von Bayern und Baden-Württemberg, Markus Söder (CSU) und Winfried Kretschmann (Grüne), hatten schon vergangene Woche in einem gemeinsamen Brief an ihre Kollegen eine strikte Anti-Corona-Politik mit einer konsequenten Umsetzung der Notbremse in Hotspots gefordert, auch mit nächtlichen Ausgangsbeschränkungen. Härtere Maßnahmen fordert auch Merkel. Bisher war der Ruf jedoch vielerorts ungehört verhallt - auch in CDU-geführten Bundesländern.

Das Saarland will an diesem Dienstag trotz steigender Infektionszahlen sogar mit einem Ausstieg aus dem Lockdown beginnen. Viele Einrichtungen und Häusern dürfen wieder öffnen, neben der Außengastronomie zählen auch Kinos, Theater, Konzerthäuser, Fitnessstudios und Tennishallen dazu. Wer das Angebot nutzen möchte, braucht in der Regel einen negativen Corona-Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden sein darf.

Damit geht erstmals ein ganzes Bundesland als Corona-Modellprojekt an den Start. „Es muss uns nach einem Jahr Pandemie mehr einfallen als nur zu schließen und zu beschränken“, hatte Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) gesagt. Merkel bezeichnete die Ankündigung als „sehr gewagt“. Am Ostermontag wurde für das Saarland eine Inzidenz von 91,3 gemeldet.

Zweites Quartal – zweite Chance fürs schnelle Impfen?

Nach drei Monaten mit Frust und Dauerstreit über schleppende Corona-Impfungen ruhen einige Hoffnungen auf dem Kalender. Im zweiten Quartal werde sich die Lage in Deutschland klar verbessern, versicherte die Bundesregierung immer wieder und bat die Bürger um Geduld. Klappt es jetzt im April, Mai und Juni, beim entscheidenden Schutz gegen das Virus schneller voranzukommen? An knappen Impfdosen soll es nicht mehr scheitern - angekündigt sind deutlich größere Millionen-Lieferungen. Die Erwartungen sind aber hoch, dass es in den Impfzentren und mit Tausenden erfahrenen Arztpraxen auch organisatorisch runder läuft.

„Für das zweite Quartal brauchen wir eine Wende im Management der Impfkampagne“, sagte Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen. Bisher sei es zu langsam, zu unflexibel und zu einseitig auf die Impfzentren fokussiert gewesen - trotz allgemeinen Impfstoffmangels blieben so Millionen Dosen unverimpft. Statt nur die Einbindung der Hausärzte zu organisieren, seien schon jetzt auch Fach- und Betriebsärzte mit einzuplanen. Jeder Kontakt einer Patientin oder eines Patienten zum Gesundheitswesen, egal ob zur Vorsorgeuntersuchung oder wegen eines akuten medizinischen Problems, sollte immer auch zu einem parallelen Impfangebot führen. Und: „Die Impfungen müssen jeden Tag und rund um die Uhr laufen, damit wir die hohe Menge schnell verimpfen können.“

Tatsächlich sollen die Lieferungen jetzt kräftig auf Touren kommen. Allein im April werden mehr als 15 Millionen Dosen erwartet. Und damit mehr, als im gesamten ersten Quartal gespritzt wurden, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erläuterte. Im zweiten Quartal sollen insgesamt 70 Millionen Dosen anrollen. Dabei kommt neben den Präparaten von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca ab Mitte April noch ein vierter zugelassener Impfstoff dazu: das Mittel von Johnson & Johnson, bei dem nur eine einzige Spritze reicht. Der Bund als Impfstoffbeschaffer weist aber generell darauf hin, dass Liefertermine immer auch wackeln könnten - siehe erstes Quartal.

Auch wenn sich nun viele Blicke auf die Arztpraxen richten, stehen die rund 430 regionalen Impfzentren der Länder aber zunächst noch im Vordergrund. Sie sollen weiterhin vorrangig beliefert werden. Und zwar mit reservierten 2,25 Millionen Dosen pro Woche im April, wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten bei einem „Impfgipfel“ am 19. März beschlossen. Hausärzte und auch der Bund hätten sich schon mehr Impfstoff für die Praxen gewünscht. „Jetzt müssen die Länder aber auch liefern“, verlangte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Nach teils vertrackten Terminbuchungen rief Spahn auch zu „kreativen Lösungen“ auf. Etwa mit Stand-by-Listen, um übrig gebliebenen Impfstoff an Wochenenden spritzen zu können.

RKI registriert 6885 Corona-Neuinfektionen und 90 neue Todesfälle

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 6885 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 90 neue Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI von Dienstagmorgen hervor. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 9549 Neuinfektionen und 180 neue Todesfälle verzeichnet. Das RKI weist darauf hin, dass rund um die Osterfeiertage vielerorts meist weniger Tests gemacht und gemeldet werden. Zudem könne es sein, dass nicht alle Gesundheitsämter und zuständigen Landesbehörden an allen Tagen an das RKI übermitteln. Die berichteten Fallzahlen dürften dadurch niedriger ausfallen und nur eine eingeschränkte Aussagekraft haben.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Dienstagmorgen bundesweit bei 123,0. Am Vortag gab das RKI diese Sieben-Tage-Inzidenz mit 128,0 an, vor drei Wochen mit 83,7.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.900.768 nachgewiesene Infektionen mit Corona in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 2.597.100 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Corona gestorben sind, stieg auf 77.103.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Montagnachmittag bei 0,90 (Vortag: 0,97). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 90 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Wichtige Hintergründe:

Montag, 05. April

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet hat sich angesichts der dritten Corona-Welle für einen harten und kurzen Lockdown im April ausgesprochen. Mit einem solchen „Brücken-Lockdown“ müsse die Zeit überbrückt werden, bis viele Menschen geimpft seien, sagte der CDU-Bundesvorsitzende am Montag nach einem Besuch des Impfzentrums der Städteregion Aachen gemeinsam mit dem Präsidenten der Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx. Vor diesem Hintergrund sprach sich Laschet für ein Vorziehen der für den 12. April geplanten Runde von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder auf die kommenden Tage aus.

Der Bund sei immer bereit, zu beraten, wenn es sich als erforderlich erweise, hieß es aus Regierungskreisen in Berlin. Einen Termin für vorgezogene Beratungen der Länder mit Merkel gibt es allerdings noch nicht. Eine solche Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) mit der Kanzlerin müsse aber gut vorbereitet sein, so dass bereits vorher im Wesentlichen klar sei, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten. Eine schnell anberaumte MPK mit völlig unterschiedlichen Vorstellungen zwischen den Ländern dürfe es nicht noch einmal geben, hieß es weiter. Daher sei noch kein Termin festgelegt. Von den Landesregierungen in Berlin und Bayern – dem MPK-Vorsitzland und dem stellvertretenden Vorsitz – gab es zunächst keine Reaktion auf den Vorstoß des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten.

Die Lage erfordere es, „dass wir nochmal in vielen Bereichen nachlegen und uns Richtung Lockdown bewegen“, sagte Laschet. Er sei sich bei seiner Einschätzung mit vielen Ministerpräsidenten, der Kanzlerin und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einig. Es seien nun mehr Tempo und klare Entscheidungen notwendig. Die Runde der Ministerpräsidenten mit Merkel müsse in dieser Woche in Präsenz tagen. „Wir dürfen nicht wieder eine Ministerpräsidentenkonferenz erleben wie beim letzten Mal. Mit stundenlangen Diskussionen, mit stundenlangen Auszeiten.“

Gebraucht würden weniger private Kontakte, sagte Laschet mit Blick auf seine Forderung nach einem „Brücken-Lockdown“. Das könnten auch Ausgangsbeschränkungen in den Abend- und Nachtstunden bedeuten. Diese seien ein effektives Mittel, um Kontakte im privaten Raum zu reduzieren. Zudem müsse man sich auf das Notwendige bei Kitas- und Schulen fokussieren – bei gleichzeitiger Absicherung durch flächendeckende und eng getaktete Tests.

Mehr müsse zudem im Bereich Homeoffice getan werden. „Es sind immer noch viel zu viele Menschen in Bewegung zum Arbeitsplatz“, sagte Laschet. In den zwei bis drei Wochen des Lockdowns müsse die Homeoffice-Offensive der Wirtschaft nochmals vorankommen. Dazu werde die Bundesregierung diese Woche nochmals mit den Wirtschaftsverbänden auch über Testungen sprechen. Es müsse zudem bei der Schließung der Gastronomie bleiben, außerdem müsse es im gesamten Freizeitbereich nochmals eine Reduzierung geben.

Auch Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte von der Bundesregierung ein härteres Vorgehen. „Wir brauchen jetzt einen radikalen Wellenbrecher“, sagte sie der „Welt“. Ihre Partei unterstütze einen „verbindlichen, bundeseinheitlichen Stufenplan, eingebettet in das Infektionsschutzgesetz und vom Bundestag beschlossen“.

„Bis Anfang Mai werden 20 Prozent der Deutschen geimpft sein können“

Auch bei einer steigenden Impfquote in Deutschland sieht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorerst keinen Spielraum, die Einschränkungen zur Eindämmung der Coronapandemie zu lockern. „Bis Anfang Mai werden 20 Prozent der Deutschen geimpft sein können“, sagte der CDU-Politiker in Berlin. Dies könne kein Grund sein, Kontaktbeschränkungen zurückzunehmen: „Die dritte Welle wächst.“ Allerdings will Spahn bei Geimpften auf eine Testpflicht etwa beim Friseurbesuch verzichten. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach plädierte dafür, die Abstände zwischen erster und zweiter Impfung bei Biontech- und Moderna-Impfstoffen auf zwölf Wochen zu verlängern. „Bis Juli könnten über 60 Millionen Menschen in Deutschland die Erstimpfung haben“, sagte er der „Augsburger Allgemeinen“.

Spahn stellte klar, dass es auch bei einer Gleichbehandlung von vollständig Geimpften mit Getesteten weiterhin Einschränkungen gebe: „Das heißt nicht, dass jemand, der vollständig geimpft ist, jetzt einfach wieder ohne Maske in die U-Bahn geht.“ Für beide Gruppen würden Abstandsregeln, Hygiene und das Tragen medizinischer Schutzmasken weiter gelten. Ihre Gleichbehandlung könne aber Fragen der Einreise erleichtern wie auch testgestützte Öffnungsschritte nach dem Brechen der dritten Infektionswelle. Jeder könne sich kostenlos testen lassen. Daher habe niemand mehr oder weniger Möglichkeiten als jemand anderes.



Bundesregierung stuft Niederlande als Hochinzidenzgebiet ein

Wegen besonders hoher Corona-Infektionszahlen in den Niederlanden stuft die Bundesregierung das Nachbarland nach Ostern als Hochinzidenzgebiet ein. Wer ab Dienstag von dort nach Deutschland einreist, muss bereits bei der Einreise einen negativen Corona-Test vorweisen können, wie das Robert Koch-Institut am Sonntag bekanntgab. Die Quarantänepflicht von zehn Tagen mit der Möglichkeit, sich nach fünf Tagen mit einem zweiten Test zu befreien, bleibt unverändert. Für Pendler gibt es Ausnahmeregelungen.

Nach Tschechien, Polen und Frankreich sind die an Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen grenzenden Niederlande das vierte Nachbarland, das als Hochinzidenzgebiet mit mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen (Inzidenz) eingestuft wird. Zuvor galten die Niederlande laut RKI als Risikogebiet, Einreisende mussten erst nach 48 Stunden ein Corona-Testergebnis vorlegen können.

Städte- und Gemeindebund skeptisch gegenüber bundeseinheitlichen Regeln

Der Städte- und Gemeindebund reagiert mit Skepsis auf den Vorstoß von Bundesinnenminister Horst Seehofer, einheitliche Corona-Regeln per Bundesgesetz durchzusetzen. „Mehr Einheitlichkeit zwischen den Bundesländern wäre wünschenswert, weil die Menschen die unterschiedlichen Regelungen sonst kaum nachvollziehen können“, sagt Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wenn es die Möglichkeit geben soll, dass der Bund dies gesetzlich festlegt, wird das für die jetzt laufende dritte Welle nicht mehr in Betracht kommen.“ Bund und Länder könnten sich auch kurzfristig auf strengere gemeinsame Regeln verständigen, dies wäre rascher umzusetzen. „Das würde allerdings voraussetzen, dass sich dann auch alle wirklich an die getroffenen Vereinbarungen halten.“

RKI registriert 8497 Corona-Neuinfektionen und 50 neue Todesfälle

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet 8497 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. 50 weitere Menschen sind in Verbindung mit dem Coronavirus gestorben. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 128,0 von 127,0 am Vortag. Insgesamt wurden bislang mehr als 2,89 Millionen Infektionen in Deutschland bestätigt. 77.013 Personen starben dem RKI zufolge nach einer Infektion mit dem Virus. Das RKI erklärte auf der offiziellen Webseite, sinkende Zahlen könnten auch daran liegen, dass an Ostern weniger Menschen einen Arzt aufsuchten und weniger getestet werde. Auch könne es sein, dass nicht alle Gesundheitsämter und Landesbehörden ihre Fallzahlen an das RKI übermittelten.

Wichtige Hintergründe:

- Ein Investment-Profi mit US-Erfahrung und ein alter Fuchs der sowjetischen Wissenschaft sind die beiden Gesichter von Sputnik V in Russland. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein.

- In immer mehr Städten und Kreisen gelten nächtliche Ausgangssperren. Der Handel warnt jedoch vor kontraproduktiven Folgen – und die Polizei vor zu hoher Belastung für Tausende Einsatzkräfte

- Impfkampagne: Jetzt setzt die Regierung auf diese prominenten „Impfluencer“

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