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+++ Corona-Update +++ Streit um Vorgaben für Ungeimpfte und Ende kostenloser Tests

Die Gesundheitsämter stellen steigende Corona-Infektionszahlen fest. Quelle: AP

Die Kanzlerin will in der nächsten Woche wieder mit den Ländern über Maßnahmen gegen eine befürchtete vierte Corona-Welle beraten. Vor allem um strengere Regeln für nicht Geimpfte wird heftig gerungen. Alle aktuellen Corona-News im Überblick.

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Donnerstag, 5. August 2021

Vor der Bund-Länder-Runde zum Corona-Kurs im Herbst und Winter gibt es Streit über mögliche neue Beschränkungen und ein Ende kostenloser Schnelltests für alle. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verteidigte Überlegungen, dass bestimmte Beschränkungen bei höheren Infektionszahlen nur für Ungeimpfte gelten könnten. Er appellierte am Donnerstag auf Twitter zugleich erneut an alle Bürger, sich impfen zu lassen: „Impfen ist ein patriotischer Akt.“ Über den Umgang mit Ungeimpften wird aber auch in der Bundesregierung noch diskutiert. Opposition und Sozialverbände forderten, auch negative Tests sollten weiterhin und ohne finanzielle Hürden eingesetzt werden können.

Spahn sagte dem „Münchner Merkur“ (Donnerstag) mit Blick auf den Herbst: „Für das Zusammentreffen in geschlossenen Räumen gelten die 3G – das heißt, man muss geimpft, genesen oder getestet sein. Und ansonsten tragen wir weiter Maske und halten uns an die Hygiene- und Abstandsregeln.“ Wenn es in Regionen weitere Beschränkungen brauchen sollte, könnten Geimpfte und Genesene ausgenommen werden. Dabei müsse es für „essenzielle Dinge“ wie Verkehrsmittel oder Rathausbesuche möglich sein, auch nur mit Test Zugang zu haben. Aber für Discos oder Stadien, also Bereiche, die nicht zur Grundversorgung gehörten, könne er sich Zutritt nur für Geimpfte oder Getestete vorstellen – oder beschränkten Zugang: „Dass zum Beispiel zu einem Fußballspiel im Bayern-Stadion 30.000 Geimpfte und dazu noch 2000 Getestete kommen.“

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten wollen am Dienstag über Maßnahmen beraten, um eine neue große Corona-Welle zu vermeiden. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sagte der „Bild“-Zeitung (Donnerstag): „Ich halte es für falsch und rechtlich unzulässig, Ungeimpfte vom öffentlichen Leben auszuschließen.“ Auch die FDP, die im Frühjahr Lockerungen für Geimpfte gefordert hatte, bekräftigte ihr Nein. „Wer nicht geimpft oder genesen ist, sollte mit einem tagesaktuellen Negativtest am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können“, sagte Parteichef Christian Lindner der „Welt“.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte bei RTL/ntv zu Einschränkungen nur für Ungeimpfte: „Die Inzidenz müsste schon dramatisch ansteigen, dass man über dieses Mittel dann im Rahmen der Verhältnismäßigkeit nachdenken kann. Und diese Situation wollen wir alle gemeinsam verhindern.“ Energie sollte lieber darauf verwendet werden, „die Leute dazu zu bringen, sich impfen zu lassen“.

Vollständig geimpft sind laut Bundesgesundheitsministerium inzwischen knapp 44,6 Millionen Bürger oder 53,6 Prozent der Bevölkerung. Die Impfquote ist in den vergangenen Wochen langsamer angestiegen. Spahn bekräftigte die Absage an eine Impfpflicht. „Aber ein Gebot, sich impfen zu lassen – das gibt es schon“, sagte er dem „Münchner Merkur“. Impfen sei eine persönliche Entscheidung. „Aber es ist auch eine mit Auswirkungen für uns alle. Jeder Einzelne entscheidet mit darüber, wie schwer Herbst und Winter für uns alle werden.“

Der Sozialverband VdK forderte, den Besuch in Kinos oder Restaurants weiterhin auch mit einem aktuellen negativen Test zu ermöglichen. „Würden die kostenlosen Corona-Tests abgeschafft, könnten Familien viele Freizeitangebote nicht wahrnehmen.“ Geplante Ausnahmen seien zu begrüßen. Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte in der ARD, die Debatte komme zur falschen Zeit, da noch mehr als 30 Millionen Menschen ungeimpft seien. Schnelltests ab Herbst kostenpflichtig zu machen, sei „nicht nur unfair, sondern vor allem schlecht, weil es uns in einen neuerlichen Blindflug in der Pandemie bringt“.

Spahn verteidigte eine baldige Umstellung: „Ab Mitte Oktober sollten ungeimpfte Erwachsene, die sich hätten impfen lassen können, vor dem Restaurantbesuch für einen Antigen-Schnelltest bezahlen müssen.“ Das Ministerium schlägt vor, dass es nur für Menschen, die nicht geimpft werden können oder für die keine allgemeine Impfempfehlung vorliegt wie Schwangere oder Unter-18-Jährige, weiterhin kostenlose Tests geben soll. Der Bund übernimmt seit März die Kosten für mindestens einen Schnelltest durch geschultes Personal je Woche samt Nachweis.

Den Staat hat dies in diesem Jahr bisher rund 3,7 Milliarden Euro an Steuergeld gekostet, wie das Gesundheitsministerium auf Anfrage der „Rheinischen Post“ (Donnerstag) mitteilte. Laut Bundesregierung soll nach dem Ende der Gratis-Tests ein „angemessener Preis“ dafür selbst zu zahlen sein. Für die Testanbieter war die Vergütung zum 1. Juli auf 11,50 Euro für Sachkosten und das Testabnehmen gesenkt worden.

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sprach sich dafür aus, dass der Bundestag die vorerst bis Ende September bestehende „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ verlängert. „Das wird sein müssen, wenn man mich fragt“, sagte er am Mittwochabend bei einer Veranstaltung des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) in Kiel. Der Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, Erwin Rüddel (CDU), sagte dagegen dem RND: „Da derzeit und auch wohl zukünftig die Grundlage – also eine drohende Überlastung unseres Gesundheitssystems – nicht gegeben ist, kann ich mir sehr gut vorstellen, die pandemische Lage im September auslaufen zu lassen.“ Sie erlaubt dem Bund, direkt ohne den Bundesrat Verordnungen zu erlassen, etwa zu Tests und Impfungen.

Auch die Debatte um zusätzliche Kriterien für Corona-Beschränkungen geht weiter. Das Gesundheitsministerium erläuterte in einem Bericht, der an die Länder und den Bundestag ging, die Impfquote habe großen Einfluss auf das Bestimmen der Grenzwerte, ab denen weitere Maßnahmen nötig werden. Das Infektionsschutzgesetz ermögliche es bereits, neben der Zahl der Neuinfektionen weitere Indikatoren wie die Zahl neuer schwerer Klinikfälle (Hospitalisierungsinzidenz) und den Anteil von Covid-Patienten an der Kapazität der Intensivbetten heranzuziehen und auf dieser Basis transparente Warnstufen festzulegen.

Grüne wollen Gratis-Coronatests beibehalten

Der Gesundheitsexperte der Grünen im Bundestag, Janosch Dahmen, lehnt Pläne für kostenpflichtige Coronatests ab. „Die Debatte kommt zur völlig falschen Zeit. Wenn wir uns das konkret anschauen, sind über 30 Millionen Menschen nach wie vor ungeimpft“, sagte der Politiker am Donnerstag im „ARD-Morgenmagazin“. Die bisherigen Gratis-Schnelltests ab Herbst kostenpflichtig zu machen, sei „nicht nur unfair, sondern vor allem schlecht, weil es uns in einen neuerlichen Blindflug in der Pandemie bringt“.

Die Gratis-Tests haben den Staat in diesem Jahr bisher rund 3,7 Milliarden Euro gekostet. Diese Zahl nannte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage der „Rheinischen Post“ (Donnerstag). Zum Vergleich: Für die finanzielle Unterstützung von Studierenden und Schülern (Bafög) gab der Bund 2020 rund 2,9 Milliarden Euro aus.

Diskutiert wird derzeit darüber, die Kostenbefreiung bei den Tests künftig für all jene zu beenden, für die es eine Impfempfehlung gibt. Das Ministerium hat dies für Mitte Oktober vorgeschlagen.

USA wollen Einreisebeschränkungen lockern

Die USA wollen Medienberichten zufolge bei der Einreise künftig von fast allen Ausländern den Nachweis einer vollständigen Corona-Impfung verlangen. Zugleich sollten dann allerdings auch die aktuellen Einreisebeschränkungen für Menschen aus Europa und anderen Staaten aufgehoben werden, berichtete unter anderem die „New York Times“ am Mittwoch (Ortszeit) unter Berufung auf Kreise des Weißen Hauses. Offiziell gab es zunächst keine Stellungnahme. Offen blieb auch, wann die geänderten Regelungen in Kraft treten könnten.

Die USA hatten erst vergangene Woche angekündigt, an den wegen der Corona-Pandemie verhängten Einreisebeschränkungen festzuhalten. Als Grund gab die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, die steigenden Corona-Fallzahlen als Folge der ansteckenderen Delta-Variante an. Von der weitgehenden Einreisesperre ist neben der Geschäftswelt auch der Tourismus betroffen. Auch die deutsche Wirtschaft macht bei diesem Thema seit längerer Zeit Druck.

US-Präsident Joe Biden hatte beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel Mitte Juli eine baldige Entscheidung zum Thema Einreisebeschränkungen angekündigt. Bei vielen hatte das Hoffnungen auf eine Lockerung geweckt – die dann aber erst einmal wieder enttäuscht wurden. In den Berichten hieß es nun, die Behörden arbeiteten an einem Plan für eine beständige und sichere internationale Reisestrategie. Ziel sei, ein neues System für den Zeitpunkt parat zu haben, wenn das Reisen wieder aufgenommen werden könne.

Die praktische Umsetzung soll noch relativ unklar sein – einschließlich der Frage, welche Impfnachweise dann anerkannt werden. Auch soll noch nicht entschieden sein, ob die US-Behörden nur Impfungen mit Präparaten akzeptieren würden, die auch in den USA zugelassen sind. Möglich wäre auch, die Zulassung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Maßstab zu machen.

In den USA sind bislang nur die Impfstoffe der Hersteller Moderna, Biontech/Pfizer und Johnson & Johnson erlaubt – AstraZeneca zum Beispiel aber nicht. Offen ist somit auch, wie die Regelung aussieht, wenn jemand verschiedene Präparate gespritzt bekommen hat – zum Beispiel Biontech/Pfizer und AstraZeneca.

Seit vergangenem Jahr gilt in den USA wegen der Pandemie ein weitreichendes Einreiseverbot für Europäer. Ausgenommen sind Besitzer von US-Pässen und einige andere Personengruppen, wie zum Beispiel enge Verwandte von US-Amerikanern, Diplomaten und Mitarbeiter internationaler Organisationen. Auch Einreisen aus China, Südafrika und Brasilien sind auf Ausnahmen begrenzt. Alle Fluggäste müssen bei der Einreise in die USA einen negativen Corona-Test vorweisen können.

Die Europäische Union hatte die Vereinigten Staaten bereits im Juni auf die Liste jener Drittstaaten gesetzt, für die im Normalfall keine strengen Einreisebeschränkungen mehr gelten sollen. Die EU fordert von Washington daher ebenfalls eine zügige Aufhebung der Beschränkungen. „Wir pochen darauf, dass für Einreisende in beiden Richtungen vergleichbare Regeln gelten“, sagte etwa EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen jüngst dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Das darf sich nicht noch wochenlang ziehen.“

Dass die USA bisher im Gegenzug ihre Einschränkungen für Reisende aus Europa nicht lockerten, sorgte für Kritik unter anderem aus der deutschen Wirtschaft. Vor Merkels Treffen mit Biden hatten sich Industrie und Tourismusbranche, aber auch Urlauber Bewegung bei dem Thema erhofft. Biden war auf der gemeinsamen Pressekonferenz wenig konkret geworden – hatte aber zumindest eine baldige Ankündigung in Aussicht gestellt.

Inzwischen hat sich die Lage angesichts von fortschreitenden Impfkampagnen auf beiden Seiten des Atlantiks zwar deutlich gebessert. Wegen der Delta-Variante steigen die Fallzahlen sowohl in den USA als auch in Europa aber wieder deutlich an. Die USA kommen mittlerweile beim Impfen nicht mehr so schnell voran wie erhofft. Bislang sind fast 50 Prozent der Gesamtbevölkerung von rund 330 Millionen Menschen vollständig geimpft, rund 58 Prozent haben mindestens die erste Spritze bekommen.

Verschärfungen für Ungeimpfte? SPD gegen Spahns Vorschlag

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn stößt nicht nur bei FDP und Linken auf Widerspruch mit seinem Vorschlag, die Corona-Regeln für Ungeimpfte zu verschärfen – sondern auch beim Koalitionspartner SPD. Spahns Position sei nicht die der Bundesregierung, sagte die sozialdemokratische Bundesjustizministerin Christine Lambrecht der „Augsburger Allgemeinen“ (Donnerstag). „Es liegen keine Pläne dieser Art auf dem Tisch.“ Mehrere SPD-Landesregierungschefs wiesen den Vorschlag des CDU-Bundesministers klar zurück.

Spahns Vorschlag: Sein Ressort hatte in einem Bericht, der an den Bundestag und die Länder ging, Vorschläge aufgelistet, um die vierte Corona-Welle möglichst flachzuhalten. Besonders für Ungeimpfte könnten abhängig von der Impfquote, der Inzidenz und der Rate schwerer Klinikfälle ab bestimmten Grenzwerten erneut weitergehende Einschränkungen notwendig werden, hieß es darin unter anderem. Dazu zählten Kontaktbeschränkungen und die Begrenzung der Teilnahme oder gar ein Ausschluss bei Veranstaltungen und in der Gastronomie – also auch mit negativem Test. Zusammenfassen lässt sich das mit der Formel „2G statt 3G“, wobei letzteres für „Geimpft, Genesen, Getestet“ steht.

„Für essenzielle Dinge wie öffentliche Verkehrsmittel oder den Rathaus- oder Krankenhausbesuch muss es die Möglichkeit geben, auch nur mit einer Maske oder mit Test Zugang zu haben“, erklärte Spahn im „Münchner Merkur“ (Donnerstag). „Aber für Discos, Stadien oder Theater, also Bereiche, die nicht zur Grundversorgung gehören, kann ich mir auch einen Zutritt nur für Geimpfte oder Getestete vorstellen.“ Auch ein beschränkter Zugang für Ungeimpfte sei denkbar: „Dass zum Beispiel zu einem Fußballspiel im Bayern-Stadion 30.000 Geimpfte und dazu noch 2000 Getestete kommen dürfen.“

Was die SPD sagt: Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte lehnte das in der „Bild“-Zeitung (Donnerstag) ab: „Ich halte es für falsch und rechtlich unzulässig, Ungeimpfte vom öffentlichen Leben auszuschließen.“ Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sagte: „Niemand soll vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden.“ Mit negativem Test sollten Ungeimpfte weiter zum Beispiel an Veranstaltungen teilnehmen dürfen. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erklärte in dem Blatt, es sei wichtig, dass sich mehr Menschen impfen ließen. „Drohungen bringen uns da nicht weiter. Wir müssen überzeugen.“

SPD-Bundestagsfraktionsvize Bärbel Bas sagte der „Welt“: „Die bestehenden Testangebote sollten weiter genutzt werden und den Zugang zu Angeboten in Innenräumen auch ermöglichen.“ Allerdings stellte Bundesministerin Lambrecht zugleich klar, dass private Veranstalter, Geschäftsinhaber und Gastronomen Vertragsfreiheit haben und selbst entscheiden können. „Wer seinen Gästen einen besonderen Schutz anbieten will, kann deshalb auch Angebote machen, die sich nur an Geimpfte richten“, sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Was die FDP sagt: Die FDP, die im Frühjahr noch gesonderte Lockerungen für Geimpfte gefordert hatte, bekräftigte nun ihre Ablehnung etwaiger staatlicher Einschränkungen für Ungeimpfte. „Wer nicht geimpft oder genesen ist, sollte mit einem tagesaktuellen Negativtest am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Alles andere wäre eine unverhältnismäßige Freiheitseinschränkung“, sagte Parteichef Christian Lindner der „Welt“. Aufgrund einer regional unterschiedlichen Corona-Lage sei es außerdem falsch, „das ganze Land über einen Kamm zu scheren“.

Parteivize Wolfgang Kubicki hatte zuvor bereits der Bundesregierung Wortbruch vorgeworfen, weil Spahns Vorschlag einer Impfpflicht gleichkomme. Eine Pflichtimpfung schließt die Regierung aber aus.

Der Vizevorsitzende der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, warf dem FDP-Mann Nähe zu Querdenkern und AfD vor. „Es ist die Aufgabe des Bundesgesundheitsministeriums, Corona-Schutzmaßnahmen für eine mögliche vierte Welle vorzubereiten. Die maßlosen Angriffe von Kubicki liegen auf der Linie der Corona-Verharmloser“, kritisiert er in einer Erklärung. „Mit dieser Linie ist die FDP nicht regierungsfähig.“

Was die Grünen sagen: Offener für eine Ungleichbehandlung von Geimpften und Genesenen gegenüber lediglich Getesteten sind die Grünen. Baden-Württembergs grüner Gesundheitsminister Manfred Lucha verlangte in der „Welt“ einen Paradigmenwechsel ab dem Zeitpunkt, wenn allen ein Impfangebot gemacht worden ist: „Geimpfte erhalten alle Freiheiten zurück, und für Ungeimpfte gelten verschärfte Regeln.“

RKI registriert 3539 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 19,4

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit über vier Wochen an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstagmorgen lag sie bei 19,4 – am Vortag hatte der Wert 18,5 betragen, am Donnerstag der Vorwoche 16,0. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt binnen eines Tages 3539 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04:20 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 3142 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 26 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 21 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.780.985 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.661.200 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.730.

Umfrage: Geimpfte sollten mehr Rechte haben als Ungeimpfte

Einer Umfrage zufolge sprechen sich in Deutschland knapp drei von vier Befragten (72,8 Prozent) dafür aus, dass Geimpfte mehr Rechte haben sollten als Ungeimpfte. 22,4 Prozent sehen das anders. Der Rest ist unentschieden. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Zeitung „Augsburger Allgemeinen“ (Donnerstagausgabe). Demnach fordert mehr als die Hälfte der Befragten sogar „auf jeden Fall“ mehr Freiheiten für vollständig Geimpfte im Vergleich zu ungeschützten Personen.

Nur 16 Prozent sehen Schulen besser für Corona-Krise gewappnet

Nur wenige Bürger sehen die Schulen nach den Sommerferien besser gegen die Herausforderungen der Corona-Krise gewappnet als zum Schulstart vor einem Jahr. Optimistisch zeigten sich in einer YouGov-Befragung lediglich 16 Prozent, während 14 Prozent sogar der Meinung waren, die Schulen seien diesmal schlechter vorbereitet. Etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent) meinten, die Schulen seien gleich gut oder schlecht auf das nächste Schuljahr im Zeichen der Pandemie eingestellt. Keine Angabe machten 16 Prozent. Befragt wurden nur Erwachsene ab 18 Jahren, also nicht die Schülerinnen und Schüler selbst.

Am heutigen Donnerstag beginnt die Schule wieder in Hamburg. In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein büffeln die Schülerinnen und Schüler bereits wieder seit Montag. Zum Ferienende ist eine Debatte darüber entbrannt, ob Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ebenfalls gegen eine Covid-19-Erkrankung geimpft werden sollen.

Bund gibt 2021 schon mehr als 3 Milliarden Euro für Tests aus

Die in Deutschland bislang kostenfreien Corona-Schnelltests verursachen laut Zeitungsbericht beim Bund allein im Jahr 2021 bereits Kosten von mehr als 3 Milliarden Euro. Das teilt das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage der „Rheinischen Post“ (Donnerstagausgabe) mit. Das Ministerium verweist auf Angaben des Bundesamtes für Soziale Sicherung (BAS). Demnach zahlt der Bund in diesem Jahr bislang für Labordiagnostik rund 782 Millionen Euro, 1,084 Milliarden Euro für Sachkosten für die Antigen-Schnelltests (PoC-Verfahren) und weitere Leistungen gemäß der aktuellen Testverordnung in Höhe von knapp 1,75 Milliarden Euro, worunter insbesondere die Abstrichnahmen fallen. Rund 74 Millionen Euro entfallen auf Tests in Einrichtungen der Eingliederungshilfe und Obdachlosenunterkünften. In Summe belaufen sich die bisherigen Kosten im Jahr 2021 demnach auf knapp 3,7 Milliarden Euro.

Berichte: USA wollen Impfung zur Voraussetzung für Einreise machen

Die US-Regierung will Medienberichten zufolge künftig von fast allen einreisenden Ausländern den Nachweis einer vollständigen Corona-Impfung verlangen. Mit der Einführung dieses Systems sollten dann auch die aktuellen Einreisebeschränkungen für Menschen aus Europa und anderen Staaten aufgehoben werden, wie unter anderem die „New York Times“ am Mittwoch (Ortszeit) unter Berufung auf Kreise des Weißen Hauses berichtete. Für die Einführung der Nachweispflicht gibt es demnach noch keinen konkreten Zeitplan.

Auch die praktische Umsetzung des Plans soll noch relativ unklar sein, inklusive der Frage, welche Impfnachweise anerkannt werden sollen. Auch soll den Berichten zufolge noch nicht entschieden sein, ob die US-Behörden nur Impfungen mit Präparaten akzeptieren würden, die auch in den USA zugelassen sind. Eine Alternative wäre es, die Zulassung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Maßstab zu machen. In den USA sind bislang nur die Impfstoffe der Hersteller Moderna, Pfizer/Biontech und Johnson & Johnson zugelassen.

Seit vergangenem Jahr gilt wegen der Pandemie ein weitreichendes US-Einreiseverbot für Personen aus Europa. Ausgenommen sind lediglich US-Bürger und einige andere Personengruppen wie zum Beispiel enge Verwandte von Amerikanern, Diplomaten und Mitarbeiter internationaler Organisationen. Auch Einreisen aus China, Südafrika und Brasilien sind auf Ausnahmen begrenzt. Alle Fluggäste müssen bei der Einreise in die USA einen negativen Corona-Test vorweisen können.

Die Europäische Union hatte die Vereinigten Staaten bereits im Juni auf die Liste jener Drittstaaten gesetzt, für die im Normalfall keine strengen Einreisebeschränkungen mehr gelten sollen. Die EU fordert von Washington daher ebenfalls eine zügige Aufhebung der Beschränkungen. „Wir pochen darauf, dass für Einreisende in beiden Richtungen vergleichbare Regeln gelten“, sagte etwa EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen jüngst dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die epidemiologische Lage in den USA und in der EU sei heute sehr ähnlich. „Wir müssen das Problem so schnell wie möglich lösen und sind mit unseren amerikanischen Freunden im Kontakt“, betonte von der Leyen. „Das darf sich nicht noch wochenlang ziehen.“

Diskussion über Auslaufen der Pandemischen Notlage

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat sich dafür ausgesprochen, den Ende September auslaufenden Status einer Pandemie-Notlage zu verlängern. „Das wird sein müssen, wenn man mich fragt“, sagte Scholz am Mittwochabend in der Veranstaltungsreihe „RND vor Ort“ des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) in Kiel. Nötig seien weiterhin bestimmte Regeln zum Schutz vor Corona. „Und dafür brauchen wir einen rechtlichen Rahmen“, betonte er. Man müsse „ein paar Vorsichtsregeln noch eine lange Zeit beibehalten“. Dazu zähle beispielsweise das Masken-Tragen etwa im öffentlichen Verkehr.

Anders sieht das dagegen der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU). „Wir brauchen wieder mehr Mut zur Normalität“, sagte er dem RND (Donnerstag). „Da derzeit und auch wohl zukünftig die Grundlage – also eine drohende Überlastung unseres Gesundheitssystems – nicht gegeben ist, kann ich mir sehr gut vorstellen, die pandemische Lage im September auslaufen zu lassen.“

Der Beschluss des Bundestags, wonach eine „Epidemische Lage von nationaler Tragweite“ besteht, läuft Ende September aus. An die Feststellung sind eine Reihe von Anti-Corona-Maßnahmen gekoppelt.

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen fordert von der Regierung, sich bald festzulegen. „Viele absehbar erforderliche Schutzmaßnahmen sind bisher an ein Fortbestehen der Regelungen zur epidemischen Lage nationaler Tragweite gebunden. Diese Regelungen laufen aber im September aus“, erklärte er. „Es ist Aufgabe der Bundesregierung, jetzt umgehend zu erklären, wie angesichts ansteigender Infektionszahlen die Menschen in den nächsten Wochen weiter wirkungsvoll geschützt werden sollen.“

Biontech an der Börse nun mehr als 100 Milliarden Dollar wert

Die Rally bei mRNA-Impfstoffaktien kennt weiter keine Grenzen. Die Papiere des deutschen Unternehmens Biontech schossen am Mittwoch in New York zeitweise um fast ein Viertel in die Höhe auf 433,90 Dollar und setzten ihre Rekordrally damit fort. Eine gute halbe Stunde vor Handelsende gewannen sie noch 14 Prozent auf gut 401 Dollar. Der Börsenwert beläuft sich damit auf mehr als 100 Milliarden Dollar (84,2 Mrd Euro). In wenigen Tagen will das Unternehmen Quartalszahlen veröffentlichen.

Wie die „New York Times“ in der Nacht auf Mittwoch unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet hatte, will die US-Gesundheitsbehörde FDA dem gemeinsam mit Pfizer vermarkteten Corona-Impfstoff noch im September die endgültige Zulassung erteilen. Bislang handelt es sich nur um eine Notfallzulassung.

Auch die Pfizer-Aktien kannten in New York zuletzt kein Halten mehr, sie steuern mit großen Schritten auf ihren bisherigen Rekord aus der Zeit vor der Jahrtausendwende zu. Am Mittwoch legten sie aber erst einmal eine Pause ein und gaben zuletzt um 0,7 Prozent nach. Bis zu den 1999 erreichten 47,45 Dollar fehlt aber nicht mehr viel.

Der Rückenwind erstreckt sich auch auf die Aktien von Moderna, die ihre Rekordrally am Mittwoch in den USA ebenfalls fortsetzten. Die Papiere waren schon am Vortag mit mehr als elf Prozent Plus aus dem Handel gegangen.

Wichtige Hintergründe:

- An Impfstoff gegen Covid-19 mangelt es längst nicht mehr, dafür offenbar an Impfbereitschaft. Ansätze, um mehr Menschen vom Impfen zu überzeugen, gibt es viele. Aussichtsreich aber sind Forschern zufolge nur wenige.

- Regierungen weltweit verfolgen derzeit ein Ziel: Impfmuffel zum Impfen zu bewegen. Ideen gibt es viele: etwa Geldprämien, geschenkte Hühner oder Schusswaffen. Ein Überblick zeigt die skurrilsten Impfanreize der Welt.

- Mit Booster-Spritzen und Impfangeboten für Jugendliche ab 12 Jahren soll die vierte Corona-Welle gebrochen werden. Doch Hausärztechef Ulrich Weigeldt ist skeptisch. Er warnt vor politischem Aktionismus, neuen Schulschließungen – und wünscht sich kreativere Impfanreize.

Mittwoch, 4. August 2021

Kritik an Kinderimpfungen – Konflikte an Schulen befürchtet

Die EU sichert sich den Zugriff auf bis zu 200 Millionen Dosen eines möglichen neuen Corona-Impfstoffs aus den USA. Wie die für den Einkauf zuständige EU-Kommission mitteilte, wurde am Mittwoch der Abschluss eines entsprechenden Vertrags mit dem US-Hersteller Novavax genehmigt. Der Impfstoff-Kandidat muss allerdings noch von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) für sicher befunden werden.

„Da sich neue Coronavirus-Varianten in Europa und weltweit ausbreiten, ist dieser neue Vertrag mit einem Unternehmen, das seinen Impfstoff bereits erfolgreich an diesen Varianten testet, eine weitere Absicherung zum Schutz unserer Bevölkerung“, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Der Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz, 12- bis 17-Jährigen mehr Corona-Impfangebote, etwa in Impfzentren, zu machen, trifft bei Eltern, Ärzten und Lehrern auf erhebliche Vorbehalte. Schulleiter befürchten Konflikte an den Lehranstalten. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat die Impfstoffe von Biontech und Moderna bereits ab 12 Jahren zugelassen. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) Impfungen von Kindern trotz politischen Drucks bisher aber nicht allgemein, sondern nur bei höherem Risiko für schwerere Corona-Verläufe – sie sind mit ärztlicher Beratung aber möglich.

In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hat das neue Schuljahr bereits begonnen, Hamburg folgt am Donnerstag. Die Schulleiter rechnen mit Konflikten zwischen Lehrern, Eltern und Schülern durch eine Zunahme von Corona-Impfungen für 12- bis 17-Jährige. „Natürlich wird es im Alltag heftige Diskussionen geben. Darauf müssen sich die Lehrkräfte einstellen“, sagte die Vorsitzende des Allgemeinen Schulleitungsverbands Deutschland, Gudrun Wolters-Vogeler, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch). So werde es „erwartbare Konflikte geben um die Frage, ob Impfungen notwendig sind und ob Elternrechte übergangen werden“. Zudem werde es „Debatten mit Kindern geben, die Impfungen vielleicht ablehnen oder unbedingt haben wollen“.

Auch im Zusammenhang mit angeordneten Quarantänen könnten sich Konflikte aufbauen, befürchtet die Verbandschefin. Heikel sei zudem die Klärung durch die Schule, welche Kinder und Jugendlichen schon geimpft seien. Sie gehe davon aus, dass die Schulen aus rechtlichen Gründen den Impfstatus einzelner Schüler nicht abfragen dürfen. Die Lehrkräfte müssten sich mit Ratschlägen zur Impfung zurückhalten, sagte Wolters-Vogeler. Das rät auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger. „Das ist nicht ihr Zuständigkeitsbereich. Letztendlich müssen das die Eltern nach ärztlicher Beratung selbst entscheiden“, sagte Meidinger den Funke-Zeitungen.

Auch viele Eltern sehen das Impfangebot an die Kinder sehr kritisch, wie Ines Weber, Vorstandsmitglied im Bundeselternrat, der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die begründete dies damit, dass die Stiko noch keine Empfehlung gebe und Sicherheit über langfristige Wirkungen des Impfens fehle.

Die Hausärzte haben nach den Worten ihres Verbandsvorsitzenden Ulrich Weigeldt noch keine Rückmeldungen über einen Ansturm von Familien, die sich beraten lassen wollen. Ein sicherer Schulstart müsse auch für ungeimpfte Kinder und Jugendliche mit Präsenzunterricht ermöglicht werden, forderte Weigeldt in der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). „Eines muss klar sein: Es darf unter keinen Umständen nur die beiden Optionen „Impfung“ oder „Homeschooling“ geben – die Politik muss mehr liefern, das haben die Kinder und Jugendlichen nach dieser entbehrungsreichen Zeit verdient“, sagte Weigeldt.

Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht verteidigte die Pläne, Kindern und Jugendlichen ein Impfangebot zu machen, um sie so gut wie möglich vor einer Corona-Erkrankung zu schützen. Die Impfung sei freiwillig, die Eltern entschieden darüber mit ihren Kindern eigenverantwortlich, sagte die SPD-Politikerin der „Rheinischen Post“. „Für unsere Kinder ist es unbedingt notwendig, dass nach den Ferien wieder Präsenzunterricht stattfindet. Deshalb ist eine hohe Impfquote entscheidend – vor allem auch bei den Erwachsenen“, fügte Lambrecht hinzu.

Deutlich weniger Risiko für Geimpfte

Ungeimpfte Menschen haben einer aktuellen britischen Studie zufolge ein dreimal so hohes Risiko, sich mit Corona zu infizieren, wie vollständig Geimpfte. In der Untersuchung von Forschern des Imperial College London wurden 1,2 Prozent von 100.000 Probanden in England positiv auf das Virus getestet, während es unter den vollständig Geimpften nur 0,4 Prozent waren. Die noch nicht von Fachleuten begutachteten Ergebnisse wurden am Mittwoch in einem Pre-Print-Papier online veröffentlicht.

„Diese Ergebnisse bestätigen unsere vorherigen Daten und zeigen, dass eine vollständige Impfung guten Schutz davor bietet, sich zu infizieren“, sagte der Studienleiter Paul Elliot einer Mitteilung zufolge. Da jedoch kein Impfstoff eine hundertprozentige Wirksamkeit habe, gebe es auch für Geimpfte noch ein gewisses Risiko, sich zu infizieren. Die am Imperial College London geleitete Studie führt regelmäßige Testreihen unter zufällig ausgewählten Stichproben durch und liefert somit regelmäßig ein realistisches Abbild der Epidemie Entwicklung in England.

Papier des Gesundheitsministeriums: FDP wirft Regierung Wortbruch vor

Von der FDP kommt scharfe Kritik an Plänen des Bundesgesundheitsministeriums für weitere Corona-Vorgaben in den nächsten Monaten und ein Ende kostenloser Corona-Tests. Parteivize Wolfgang Kubicki warf der Bundesregierung in der „Bild“-Zeitung (Mittwoch) Wortbruch vor. In Zielsetzung und Wirkung komme es einer direkten Impfpflicht gleich, wenn die Regierung ungeimpfte Personen vom sozialen Leben ausschließe.

In einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Bericht des Ministeriums, der an Länder und Bundestag ging, heißt es, zur Eindämmung einer neuen großen Infektionswelle seien weitere Corona-Vorgaben nötig. Schutzmaßnahmen könnten aufgrund der fortgeschrittenen Impfkampagne aber moderater ausfallen als im vergangenen Herbst und Winter.

Am 10. August berät Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen in der Pandemie. In dem Ministeriumsbericht werden die weitere Einhaltung von Hygienemaßnahmen und die Notwendigkeit zum verpflichtenden Tragen einer medizinischen Schutzmaske „bis ins Frühjahr 2022“ insbesondere im öffentlichen Nah- und Fernverkehr sowie im Einzelhandel genannt „für alle, auch für Geimpfte und Genesene“.

Mit Blick auf Schutzmaßnahmen erläutert das Ministerium, Impfen und Testen verhinderten mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass Personen mit hoher und damit infektiöser Viruslast einen Raum betreten. „Daher sollte unabhängig von der Inzidenz ab Anfang/Mitte September 2021 die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen in ganz Deutschland generell nur unter Einhaltung der 3G-Regel (3G: geimpft, genesen oder getestet) möglich sein.“ Genannt werden Innengastronomie, Hotelübernachtungen, körpernahe Dienstleistungen, Sport und Veranstaltungen drinnen sowie Großveranstaltungen drinnen und draußen.

Kubicki sagte dazu: „Die Ankündigung, in Zukunft Ungeimpfte vom Gastronomiebesuch ausschließen zu wollen, ist der dreisteste und verheerendste Wortbruch dieser Bundesregierung, die wiederholt Stein und Bein geschworen hat, es werde keine Impfpflicht in Deutschland geben. Dieser Wortbruch wiegt noch schwerer als die Unverhältnismäßigkeit dieser angedrohten Impfpflicht.“ Der FDP-Politiker warf auch die Frage auf, warum der Plan der Bundesregierung für Gastronomiebetriebe gelte, „aber nicht auch für Talkshows, CDU-Parteitage oder Betriebsversammlungen“.

Das Bundesgesundheitsministerium schlug für Mitte Oktober zudem ein Ende der kostenlosen Corona-Schnelltests für alle Bürger vor. Da mittlerweile jedem ein unmittelbares Impfangebot gemacht werden könne, sei eine dauerhafte Kostenübernahme durch den Steuerzahler nicht angezeigt, heißt es in einem Ministeriumsbericht. Daher werde vorgeschlagen, dass der Bund das Angebot kostenloser Bürgertests für alle Mitte Oktober beendet - etwa zum 11. oder zum 18. Oktober. Nur für Personen, die nicht geimpft werden können oder für die keine allgemeine Impfempfehlung vorliege, wie Schwangere oder Kinder und Jugendliche, solle es weiterhin kostenlose Schnelltests geben.

Auch gegen diesen Vorstoß wehrt sich die FDP. Parteivize Kubicki nannte dies in der „Passauer Neuen Presse“ (Mittwoch) „ein Druckmittel, um Menschen zum Impfen zu zwingen“ und „extrem unsozial“.

Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek (CSU), befürwortet zwar ein Ende der kostenlosen Corona-Schnelltests, will dafür aber noch keinen konkreten Zeitpunkt nennen. „Ich unterstütze den Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums, Corona-Schnelltests zum gegebenen Zeitpunkt für eine bestimmte Zielgruppe kostenpflichtig zu machen“, sagte Holetschek der Deutschen Presse-Agentur in München. Er betonte aber: „Über den genauen Zeitpunkt wird noch auf Bund-Länder-Ebene in der Gesundheitsministerkonferenz zu beraten sein.“

Es solle weiterhin niemand für einen Test zahlen müssen, der sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen könne oder bei dem ein akuter Corona-Verdacht bestehe, sagte der CSU-Politiker. „Gratis-Tests für Impfverweigerer oder Impfmuffel sollte es aber nicht dauerhaft geben“, argumentierte er. „Es kann und darf nicht sein, dass die Freiheit des Einzelnen, sich nicht impfen zu lassen, von allen Mitgliedern der Solidargemeinschaft finanziert wird.“

Studie: Kinder mit Covid-19 im Durchschnitt nach sechs Tagen gesund

Kinder mit Covid-19-Symptomen sind einer Studie zufolge im Durchschnitt nach sechs Tagen wieder gesund. Das berichten britische Forscher nach einer Studie im Fachmagazin „The Lancet Child & Adolescent Health“. Nach eigenen Angaben liefern die Autoren, die unter anderem am King's College in London forschen, damit eine erste breit angelegte Untersuchung, die Erkenntnisse zu symptomatisch an Covid-19 erkrankten Kindern ermöglicht.

Basis der Untersuchung waren die von Eltern oder anderen Erziehungsbeauftragten eingetragenen Symptome, die über eine App nach einem positiven Test gemeldet wurden. In die Auswertung flossen die Krankheitsverläufe von 1734 Kindern zwischen 5 und 17 Jahren ein, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden und Krankheitssymptome zeigten. Im Schnitt hatten die erkrankten Kinder drei Symptome zu den häufigsten zählten Müdigkeit, Kopfschmerzen und der Verlust von Geschmacks- oder Geruchssinn.

Selten kam es vor, dass Kinder auch noch vier Wochen nach ihrer Infektion oder länger Symptome zeigen in der Untersuchung war das bei 4,4 Prozent der Fall. Nach acht Wochen verspürten noch weniger als 2 Prozent der Kinder Symptome. „Es ist beruhigend, dass die Zahl der Kinder, die lange unter Covid-19-Symptomen leiden, sehr niedrig ist“, wird Hauptautorin Emma Duncan in einer „Lancet“-Mitteilung zitiert.

Ältere waren etwas länger krank im Schnitt sieben Tage als die Fünf- bis Elfjährigen, bei denen die Symptome im Mittel fünf Tage dauerten. Auch der Anteil jener Heranwachsenden, die noch nach mehr als vier Wochen Symptome spürten, lag mit 5,1 Prozent unter den älteren etwas höher als bei den jüngeren (3,1 Prozent).

Die Autoren räumen als Schwäche ihrer Studie ein, dass die Symptome nicht überprüft oder verglichen werden konnten. Somit spiele die subjektive Einschätzung der Eltern eine große Rolle.

Der Untersuchungszeitraum lief bis Ende Februar. Daher ist unklar, ob die Ergebnisse auf die Delta-Variante des Coronavirus übertragen werden können. Diese wurde zunächst in Indien entdeckt und verbreitete sich erst ab dem Frühjahr von Großbritannien aus über Europa.

RKI registriert 3571 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 18,5

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit nunmehr rund vier Wochen an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Mittwochmorgen lag sie bei 18,5 am Vortag hatte der Wert 17,9 betragen, am Mittwoch der Vorwoche 15,0. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt binnen eines Tages 3571 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Dienstagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.20 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 2768 Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 25 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 21 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.777.446 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.659.900 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.704.

Wichtige Hintergründe:

- Mit Booster-Spritzen und Impfangeboten für Jugendliche ab 12 Jahren soll die vierte Corona-Welle gebrochen werden. Doch Hausärztechef Ulrich Weigeldt ist skeptisch. Er warnt vor politischem Aktionismus, neuen Schulschließungen – und wünscht sich kreativere Impfanreize.

- Trotz fehlender Stiko-Empfehlung sollen jetzt alle Jugendlichen ab 12 ein Impfangebot bekommen. Das ist richtig – denn die Chancen überwiegen die Risiken. Doch nun darf die Politik Eltern und Kinder nicht alleine lassen mit der Entscheidung. Ein Kommentar.

- Regierungen weltweit verfolgen derzeit ein Ziel: Impfmuffel zum Impfen zu bewegen. Ideen gibt es viele: etwa Geldprämien, geschenkte Hühner oder Schusswaffen. Ein Überblick zeigt die skurrilsten Impfanreize der Welt.

Dienstag, 3. August 2021

Das Bundesgesundheitsministerium schlägt ein Ende der kostenlosen Corona-Schnelltests für alle Bürger für Mitte Oktober vor. Da mittlerweile allen Bürgern ein unmittelbares Impfangebot gemacht werden könne, sei eine dauerhafte Kostenübernahme durch den Steuerzahler nicht angezeigt, heißt es in einem Ministeriumsbericht zum weiteren Vorgehen im Herbst und Winter, der den Ländern und dem Bundestag zugesandt wurde, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Daher werde vorgeschlagen, dass der Bund das Angebot kostenloser Bürgertests für alle Mitte Oktober beendet – etwa zum 11. oder zum 18. Oktober. Nur für Personen, die nicht geimpft werden können oder für die keine allgemeine Impfempfehlung vorliege wie Schwangere oder Unter-18-Jährige, solle es weiterhin kostenlose Schnelltests geben.

„Die kostenlosen Bürgertests haben einen wichtigen Beitrag geleistet, um die dritte Welle zu brechen und um den Bürgerinnen und Bürgern zusätzliche Sicherheit für ihren Alltag zu geben“, heißt es in dem Bericht. Das Thema soll am 10. August auch in der Runde von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten besprochen werden, wie die Bundesregierung angekündigt hatte. Dabei sollten Schnelltests „nicht über Nacht plötzlich kostenpflichtig“ werden, sagte die stellvertretende Sprecherin Ulrike Demmer. Der Bund übernimmt seit März die Kosten für mindestens einen Schnelltest pro Woche.

Mehr Impfgelegenheiten für Kinder geplant – Weiter Streit um Stiko

Für Kinder und Jugendliche soll es mit Blick auf den Schulbeginn nach den Ferien mehr Corona-Impfmöglichkeiten geben. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verteidigte Pläne von Bund und Ländern, nun auch in Impfzentren flächendeckend Impfungen für 12- bis 17-Jährige anzubieten, wie es in Arztpraxen schon möglich ist. Es gehe um ein leichter verfügbares Angebot, weil genügend Impfstoff da sei, sich zu schützen, sagte der CDU-Politiker am Dienstag im rbb-Inforadio. „Wer will, kann sich impfen lassen – keiner muss.“ Die Pläne stoßen aber weiter auch auf scharfe Kritik.

Mehrere Ärztevertreter protestierten gegen die Beschlüsse, ohne dass die Ständige Impfkommission (Stiko) bisher allgemein zu Impfungen von Kindern rät. Der Vorsitzende des Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, warnte vor Verunsicherung. „Warum eine Empfehlung der Stiko dazu zunächst nicht abgewartet werden kann, die sich auf Basis von fundierten Studien zeitnah äußern will, ist mir schleierhaft“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstag). Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank-Ulrich Montgomery, sagte bei RTL/ntv: „Was die Politik jetzt macht, ist Wahlkampfgetöse.“ So sei eine unabhängige, herausragend arbeitende Kommission in Nöte gebracht worden.

Die Stiko empfiehlt Impfungen bei Kindern vorerst nur bei höherem Risiko für schwere Corona-Verläufe etwa wegen Erkrankungen wie Diabetes – Impfungen sind laut Stiko aber mit ärztlicher Aufklärung und als individuelle Entscheidung von Kindern und Eltern möglich. Die Impfstoffe von Biontech und Moderna sind ab 12 Jahren zugelassen.

Spahn verteidigte die geplanten zusätzlichen Impfgelegenheiten. „Es geht ausdrücklich nicht darum, Druck zu machen, den machen wir auch nicht.“ Wenn Eltern und Kinder sagten, dass sie noch auf mehr Daten warten wollten, sei das auch okay und kein Problem. Er wandte sich dagegen, einen Gegensatz zu konstruieren – der Beschluss von Bund und Länder sei „durchaus im Einklang mit der Stiko“. Es seien auch schon mehr als 900.000 Kinder zwischen 12 und 17 mindestens einmal geimpft worden, dies entspreche etwa 20 Prozent in der Altersgruppe.

Spahn sagte, er könne sich nur wünschen, dass möglichst viele Familien sich dies nun überlegten. Angesichts der ansteckenderen Delta-Virusvariante gelte generell: „Entweder man wird infiziert ohne Impfschutz, oder man hat den Impfschutz.“ Der Vorsitzende der Sächsischen Impfkommission, Thomas Grünewald, befürwortete eine Corona-Impfung für Kinder ab 12 Jahren. „Der individuelle Nutzen für ein Kind ist deutlich größer als der Schaden oder die Probleme, die eine Impfung anrichten kann“, sagte er der Leipziger Volkszeitung (Dienstag). Grundlage seien neue Daten aus Ländern wie den USA oder Israel, wo seit langem auch ab 12 Jahren geimpft wird.

Mehrere Bundesländer bereiten nach eigenen Angaben Impfangebote für Kinder vor, teils laufen sie auch schon. In Nordrhein-Westfalen gebe es Angebote für Kinder ab 12 Jahren bereits seit rund zwei Wochen in Praxen und Impfzentren, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstag im WDR. Dabei gebe es die „strenge Vorgabe“, dass vor Impfungen individuell beraten werden müsse. In den Impfzentren würden bestimmte Zeiten angeboten, in denen Eltern mit Kindern kommen könnten und Kinder- und Jugendärzte die Impfungen vornehmen.

Hessen will künftig in allen Impfzentren Impfungen für 12- bis 17-Jährige anbieten. In einigen können sich Kinder und Jugendliche dieser Altersgruppe bereits kostenlos impfen lassen. „Das soll bald in allen möglich sein“, erklärte die Landesregierung. Nötig seien ein besonderes ärztliches Aufklärungsgespräch und eine Begleitung oder mindestens Zustimmung der Sorgeberechtigten. Kinder-, Jugend- und Hausärzte böten ebenfalls bereits Impfungen an. In Thüringen gab es in Impfzentren bereits so genannte Familienimpftage. „Das wollen wir wiederholen“, sagte eine Ministeriumssprecherin.

SPD-Fraktionsvize Bärbel Bas unterstützte den Beschluss der Minister. Der Deutschen Presse-Agentur sagte sie: „Die Impfung schützt Jugendliche vor einer Erkrankung und ist ein wichtiger Baustein dafür, ihnen wieder mehr Normalität zu ermöglichen.“ Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag), die Städte stünden bereit, Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren Impfungen zu ermöglichen. Sowohl Impfzentren als auch mobile Teams könnten das.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßte derweil die ab September vorgesehenen Auffrischungs-Impfungen für Risikogruppen. „Insbesondere bei den 900 000 Pflegeheimbewohnern liegt die zweite Impfung bereits ein halbes Jahr zurück“, sagte Vorstand Eugen Brysch der dpa. Es sei gut, dort erneut auf aufsuchende Impfungen zu setzen, es fehle aber noch ein verbindlicher Zeitplan. Anders als zu Jahresbeginn dürften die mobilen Impfteams auch die fast 200 000 Menschen im betreuten Wohnen von Anfang an nicht vergessen.

Spahn verteidigt erweitertes Corona-Impfangebot für Kinder

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die geplanten zusätzlichen Corona-Impfmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren gegen Kritik verteidigt. Es gehe um ein leichter verfügbares Angebot als bisher, weil genügend Impfstoff da sei, sich zu schützen, sagte der CDU-Politiker am Dienstag im rbb-Inforadio. „Wer will, kann sich impfen lassen – keiner muss.“ Wenn Eltern und Kinder sagten, dass sie noch auf mehr Daten warten wollten, sei das auch okay und kein Problem. „Es geht ausdrücklich nicht darum, Druck zu machen, den machen wir auch nicht.“

Spahn wandte sich dagegen, in der Debatte einen Gegensatz zur Ständigen Impfkommission (Stiko) zu konstruieren. Der Beschluss von Bund und Ländern sei „durchaus im Einklang mit der Stiko“. Das Gremium empfiehlt Impfungen von Kindern bisher nicht allgemein, sondern nur bei höherem Risiko für schwerere Corona-Verläufe etwa wegen Erkrankungen wie Diabetes. Impfungen sind laut Stiko aber mit ärztlicher Beratung möglich. Die Impfstoffe von Biontech und Moderna sind für Kinder ab 12 Jahre in der EU zugelassen.

Spahn betonte, dass bereits mehr als 900.000 Kinder zwischen 12 und 17 mindestens einmal geimpft worden seien, dies entspreche etwa 20 Prozent dieser Altersgruppe. Die Gesundheitsminister hatten am Montag beschlossen, Impfungen für 12- bis 17-Jährige in allen Ländern nun auch in Impfzentren anzubieten - so wie es in Arztpraxen schon möglich ist. Spahn sagte, er könne sich nur wünschen, dass sich möglichst viele Familien dies nun für sich überlegten. Angesichts der ansteckenderen Delta-Virusvariante gelte generell: „Entweder man wird infiziert ohne Impfschutz, oder man hat den Impfschutz.“

Mit Blick auf das insgesamt langsamere Impftempo in Deutschland warb Spahn erneut für Gelegenheiten, dass sich Menschen einfach und im Vorbeigehen impfen lassen können. Er verwies zudem auf viele Hundert Millionen Corona-Impfungen, die es mittlerweile auf der Welt gebe. Es dürfte keinen Impfstoff geben, der öfter verimpft worden und damit auch in Nebenwirkungen so gut bekannt sei. Im Zweifel sei die Impfung die sicherere Entscheidung.

Laumann: NRW hält sich bei Impfung von Kindern an Stiko-Rat

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat die wegen ihrer Haltung zur Impfung von Kindern und Jugendlichen unter Druck geratene Ständige Impfkommission verteidigt. Man solle die Unabhängigkeit der Stiko akzeptieren, er habe Vertrauen in das wissenschaftliche Gremium, sagte der CDU-Politiker am Dienstag auf WDR 5 im „Morgenecho“. Nordrhein-Westfalen werde die Stiko-Empfehlung zur Corona-Schutzimpfung von Heranwachsenden ab 12 Jahren weiter einhalten.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten am Montag einstimmig beschlossen, die Impfungen für 12- bis 17-Jährige in allen Ländern auch in regionalen Impfzentren anzubieten – so wie es in Arztpraxen bereits möglich ist. NRW mache dieses Angebot Kindern ab 12 Jahren bereits seit rund zwei Wochen in Praxen und Impfzentren, schilderte Laumann.

Dabei gebe es die „strenge Vorgabe“, dass vor einer Impfung individuell beraten werden müsse. In NRW gehe man hier „sehr sorgsam“ vor. In den Impfzentren des Landes würden bestimmte Zeiten angeboten, in denen speziell Eltern mit ihren Kindern kommen könnten und die Impfungen von Kindern- und Jugendärzten vorgenommen würden. Laumann appellierte an Eltern, Großeltern, Personal in Kitas und Schulen oder Jugendvereinen, sich impfen zu lassen. Denn das erhöhe auch den Schutz für die Kinder.

Das Gesundheitsministerium prüft laut „Rheinischer Post“ (Mittwoch) zudem weitere Impfangebote an Schulen und plant auch eine Impfaktion für Berufskollegs. „Neben Angeboten in den Impfzentren werden auch Impfaktionen an oder in Berufskollegs ermöglicht“, zitierte das Blatt eine Sprecherin. Ob weitere besondere Impfaktionen erforderlich seien, werde fortlaufend geprüft.

In Deutschland empfiehlt die Stiko Impfungen von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren nicht allgemein, sondern nur bei höherem Risiko für schwerere Corona-Verläufe etwa wegen Erkrankungen wie Diabetes. Die Datenlage reiche nicht, um mögliche Folgeschäden auszuschließen. Kritik kam etwa von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach oder auch dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Nach Angaben des Düsseldorfer Gesundheitsministeriums vom Montag sind in NRW bereits rund 22 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal geimpft.

Corona-Impfquote für vollständigen Schutz bei 52,6 Prozent

Die Quote der vollständig gegen das Coronavirus geimpften Menschen in Deutschland steigt nur langsam. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag lag sie zuletzt bei 52,6 Prozent der Bevölkerung, nach 52,3 Prozent am Vortag. Insgesamt wurden zuletzt 274.941 Dosen verabreicht, wie aus den Daten hervorgeht (Stand 9.25 Uhr). Höhepunkt war der 9. Juni mit mehr als 1,4 Millionen Dosen. Gerade bei den Erstimpfungen geht es derzeit nur langsam voran - daher hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Bürger nochmals ermuntert, sich möglichst bald impfen zu lassen. Die höchsten Quoten der vollständig Geimpften in den 16 Bundesländern gibt es in Bremen (62,1 Prozent) und im Saarland (56,3 Prozent).

Sächsische Impfkommission verteidigt Impfempfehlung für Kinder ab 12

Der Vorsitzende der Sächsischen Impfkommission (Siko), Thomas Grünewald, hat die Empfehlung für eine Corona-Schutzimpfung für alle Kinder ab zwölf Jahren verteidigt. „Der individuelle Nutzen für ein Kind ist deutlich größer als der Schaden oder die Probleme, die eine Impfung anrichten kann“, sagte der Experte der Leipziger Volkszeitung (LVZ) am Dienstag. Grundlage seien neue Daten aus Ländern wie den USA oder Israel, wo seit Langem auch ab 12 Jahren geimpft wird.

„Wir können die Impfung nun guten Gewissens empfehlen“, so Grünewald. Auch die Ständige Impfkommission (Stiko) prüfe die Daten gründlich und werde noch Ergebnisse aus Deutschland und Europa hinzuziehen. „Doch in Sachsen sind wir vielleicht etwas elastischer als auf Bundesebene.“

Die Impfung sollte aber nur erfolgen, „wenn alle – sowohl Impfling als auch Sorgeberechtigte und natürlich der Impfende – zustimmen“, betonte Grünewald. Mit der neuen Empfehlung werde auch keine Impfpflicht eingeführt. Sachsen, das mit der Siko als einziges Bundesland über eine eigene Impfkommission verfügt, empfiehlt seit dieser Woche eine Corona-Schutzimpfung auch für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahre.

In Deutschland hingegen empfiehlt die unabhängige Ständige Impfkommission (Stiko) Impfungen von Kindern bisher aber nicht allgemein, sondern nur bei höherem Risiko für schwerere Corona-Verläufe etwa wegen Erkrankungen wie Diabetes. Die Gesundheitsminister von Bund und Länder hatten am Montagabend einstimmig beschlossen in allen Ländern Impfungen für 12- bis 17-Jährige auch in regionalen Impfzentren anzubieten. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und von Moderna sind für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen.

In Sachsen sind laut Übersicht des Robert-Koch-Institutes (RKI) aktuell 10,1 Prozent der 12- bis 17-Jährigen vollständig geimpft – der Freistaat liegt damit genau im Bundesdurchschnitt und im bundesweiten Vergleich zusammen mit Bayern auf dem vierten Platz.

Britischer Finanzminister: Junge Beschäftigte sollten ins Büro gehe

Der britische Finanzminister Rishi Sunak hat jungen Beschäftigten geraten, wieder mehr im Büro zu arbeiten. „Insbesondere für junge Menschen, denke ich, ist es wertvoll, physisch im Büro zu sein“, sagte Sunak im Interview der Plattform „LinkedIn News“, wie die „Times“ am Dienstag berichtete. Er selbst habe am Anfang seiner Karriere im Büro wertvolle Kontakte geknüpft, die ihm noch heute helfen würden. „Ich bezweifle, dass ich diese engen Beziehungen hätte, wenn ich mein Praktikum oder die ersten Schritte meiner Karriere über Teams oder Zoom gemacht hätte.“

In England gilt seit der Aufhebung fast aller Corona-Maßnahmen am 19. Juli keine offizielle Aufforderung der Regierung mehr, von zuhause zu arbeiten. Unternehmen wird freigestellt, wie sie ihre Arbeit organisieren. Im vergangenen Sommer hatte die britische Regierung eine große „Zurück ins Büro“-Kampagne gestartet, musste jedoch nach wenigen Wochen wegen des Ausbruchs der zweiten Corona-Welle zurückrudern. Auch aktuell birgt die Rückkehr ins Büro noch Risiken: Wegen Kontakten zu Corona-Infizierten wurden in den vergangenen Wochen Hunderttausende in Quarantäne geschickt.

Umfrage: Unzufriedenheit mit Corona-Krisenmanagement steigt

Die Unzufriedenheit mit dem Corona-Krisenmanagement der Bundesregierung hat einer Umfrage zufolge in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Bei einer repräsentativen Umfrage der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gaben im Juli fast 60 Prozent der befragten Erwerbstätigen an, sie seien weniger oder gar nicht zufrieden mit den aktuellen Leistungen der großen Koalition bei der Pandemiebekämpfung. Zum Vergleich: Im November vergangenen Jahres war nicht einmal die Hälfte (44 Prozent) der Befragten unzufrieden mit den Leistungen der Politik, im Sommer 2020 sogar nur jeder Dritte.

Gleichzeitig gingen demnach jedoch die durch Corona ausgelösten Ängste und Belastungsgefühle in der Bevölkerung deutlich zurück. Hatten während des Lockdowns im Januar noch 40 Prozent der Befragten die eigene Gesamtsituation – familiär, finanziell und bezüglich des Arbeitsplatzes – als äußerst oder stark belastend empfunden, so waren es im Juli nur noch 28 Prozent.

Die gegensätzliche Entwicklung in der Beurteilung der persönlichen Situation und der Bewertung der Leistungen der Politik ist auch für die Forscher des WSI nicht ganz einfach zu deuten. „Der erhoffte Sommer der Befreiung ist für viele ausgeblieben, die Gesellschaft verharrt im Zwiespalt“, erklärte die wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Bettina Kohlrausch. „Schaut man auf die allgemeinen Statistiken zur Wirtschaftsentwicklung oder zu Impfquoten, arbeitet sich Deutschland aus der Krise. Aber bei etlichen Menschen kommt dieser Fortschritt nicht voll an.“

„Zur größeren Unzufriedenheit dürfte auch beigetragen haben, dass die Pandemie Lücken im sozialen Sicherungssystem offengelegt hat“, glauben die Forscher. So setze sich etwa der Trend fort, dass Erwerbspersonen, die schon vor der Krise wirtschaftlich schlechter gestellt waren, während der Pandemie auch noch häufiger an Einkommen eingebüßt hätten. Es zeige sich zudem, dass Menschen mit niedrigen Einkommen bei Impfungen weiterhin etwas zurücklägen. Und die Unterschiede zwischen Müttern und Vätern bei Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit hätten sogar wieder etwas zugenommen. „Die Hauptlast hier lag und liegt während der Krise bei den Frauen“, sagte Kohlrausch.

RKI registriert 1766 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 17,9

Die Corona-Inzidenz ist in Deutschland erneut leicht angestiegen: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Dienstagmorgen lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 17,9. Am Vortag betrug der Wert 17,8, am Dienstag der Vorwoche 14,5. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 1766 Corona-Neuinfektionen. Die Zahlen geben den Stand des RKI-Dashboards von 03.15 Uhr wieder. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 1545 Neuansteckungen gelegen, in den Tagen danach war er jedoch deutlich über 2000, am Donnerstag sogar über 3000 gestiegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Bundesweit wurden den Angaben zufolge binnen 24 Stunden 19 Todesfälle in Verbindung mit einer Sars-CoV-2-Infektion verzeichnet. Vor einer Woche waren es 38 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.773.875 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 3.658.300 an. Die Zahl der Menschen, die an oder in Verbindung mit einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.679.

Ausweitung des Impfangebots für Kinder – Auffrischung für Ältere

Mit einem breiteren Impfangebot für Kinder und Jugendliche wollen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern den Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus forcieren. Die Ressortchefs beschlossen am Montagabend einstimmig, in allen Ländern Impfungen für 12- bis 17-Jährige auch in regionalen Impfzentren anzubieten – so wie es in Arztpraxen bereits möglich ist. Ab September sollen Risikogruppen wie Alte und Pflegebedürftige zudem erste Auffrisch-Impfungen bekommen können. Die geplante Ausweitung des Impfangebots stieß auf ein geteiltes Echo.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat sowohl den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer als auch den von Moderna für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen. In Deutschland empfiehlt die unabhängige Ständige Impfkommission (Stiko) Impfungen von Kindern bisher aber nicht allgemein, sondern nur bei höherem Risiko für schwerere Corona-Verläufe etwa wegen Erkrankungen wie Diabetes – sie sind mit ärztlicher Beratung jedoch möglich. Die Stiko begründete ihre Position unter anderem mit der Datenlage, die aus ihrer Sicht bislang nicht ausreichte, um mögliche Folgeschäden auszuschließen. In anderen Ländern wie Israel laufen hingegen bereits Impfkampagnen von Kindern und Jugendlichen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hielt der Stiko im Deutschlandfunk zuletzt eine „Außenseiterposition“ vor.

Im Beschluss der Minister vom Montag wurde betont, dass bei Impfungen von Kindern und Jugendlichen ärztliche Aufklärung und gegebenenfalls das Ja der Sorgeberechtigten nötig sei. Die Angebote seien so auszugestalten, dass die „Freiwilligkeit der Annahme“ nicht in Frage gestellt werde. Die Umsetzung liegt jeweils bei den Ländern. Das Impftempo in Deutschland ging zuletzt zurück, die Infektionszahlen stiegen.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek bekräftigte, er sehe in dem geplanten Angebot keinen Widerspruch zur Stiko. Eine individuelle Risikoabschätzung sei sehr wichtig, betonte der CSU-Politiker und Vorsitzende der Länder-Gesundheitsminister am Abend im ZDF-„heute journal“. Einen Konflikt mit der Stiko könne er aber nicht erkennen, „weil wir ja einen Weg gehen, den die Stiko durchaus für möglich hält. Und auf dieser Basis unterbreiten wir jetzt dieses Impfangebot.“ Bundesminister Jens Spahn (CDU) hatte erklärt, ein solches Angebot zur individuellen Entscheidung von Eltern und Kindern stehe im Einklang mit den Stiko-Empfehlungen. Seinem Ministerium zufolge wurden bereits 900.000 Kinder zwischen 12 und 17 geimpft.

Stiko-Chef Thomas Mertens sagte dem „Spiegel“ mit Blick auf eine neue Empfehlung: „Ich hoffe, dass wir das in den nächsten zehn Tagen schaffen.“ Den Inhalt könne er aber nicht vorausnehmen.

Bei einer Online-Veranstaltung mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Ronja Kemmer am Abend in Ulm appellierte er an die 18- bis 59-Jährigen, sich impfen zu lassen. Sie seien bei den Geimpften unterrepräsentiert. Eine Impfung von Kinder- und Jugendlichen trage zur Herdenimmunität nicht bei. Dass in anderen Ländern aufgrund derselben Daten aus internationalen Studien andere Entscheidungen gefallen seien, verwundere nicht, fügte Mertens an. Die Auswertung der Daten und die Schlussfolgerungen seien immer mit den jeweiligen Voraussetzungen verbunden. Dass etwa in den USA so viele Jugendliche geimpft seien, sei Folge höherer Anteile an Mangelernährung, Übergewicht und Diabetes in dieser Altersgruppe.

Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, wünschte sich eine rasche Neubewertung der Stiko-Position. „Bereits heute dürfen Ärztinnen und Ärzte entsprechend der aktuell gültigen Stiko-Empfehlung nach intensiver Aufklärung Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren impfen“, sagte Fischbach der „Rheinischen Post“ (Dienstag). „Das Risiko von Nebenwirkungen durch die Impfung ist extrem gering, das zeigen alle Daten aus anderen Ländern.“

SPD-Fraktionsvize Bärbel Bas begrüßte den Beschluss der Minister. Der Deutschen Presse-Agentur sagte sie: „Die Impfung schützt Jugendliche vor einer Erkrankung und ist ein wichtiger Baustein dafür, ihnen wieder mehr Normalität zu ermöglichen.“ Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag), die Städte stünden bereit, Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren Impfungen zu ermöglichen. Sowohl Impfzentren als auch mobile Teams könnten das.

Der Deutsche Hausärzteverband kritisierte hingegen, dass die Stiko außen vor gelassen wurde. „Diese Diskussion unter Missachtung der Kompetenz der Ständigen Impfkommission kann eher zur Verunsicherung führen, als dass sie der Impfkampagne hilft“, sagte dessen Bundesvorsitzender Ulrich Weigeldt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). „Warum eine Empfehlung der Stiko dazu zunächst nicht abgewartet werden kann, die sich auf Basis von fundierten Studien zeitnah äußern will, ist mir schleierhaft. Das Ganze klingt ein wenig nach Wahlkampfgetöse.“

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßte derweil die ab September vorgesehenen Auffrischungs-Impfungen für Risikogruppen. „Insbesondere bei den 900 000 Pflegeheimbewohnern liegt die zweite Impfung bereits ein halbes Jahr zurück“, sagte Vorstand Eugen Brysch der dpa. Es sei gut, dort erneut auf aufsuchende Impfungen zu setzen, es fehle aber noch ein verbindlicher Zeitplan. Anders als zu Jahresbeginn dürften die mobilen Impfteams auch die fast 200.000 Menschen im betreuten Wohnen von Anfang an nicht vergessen. Zudem wäre es fatal, das erneute Impfangebot für Heimbewohner nicht mit einem Angebot für Pflegekräfte zu kombinieren.

Fachleute erwarten, dass eine Schutz-Auffrischung zuerst bei Menschen fällig werden dürfte, deren Immunsystem nicht so gut auf eine Impfung anspricht – etwa wegen Alters oder Erkrankungen. Und bei solchen Risikogruppen liegen die Impfungen seit Jahresbeginn schon am längsten zurück. Sie sollen daher nun ab September auch zuerst eine weitere Spritze angeboten bekommen.

Bidens Impfziel verspätet erreicht – „Covid-19 nicht mit uns fertig“

Mit rund einem Monat Verspätung haben die USA ein von US-Präsident Joe Biden ausgerufenes Impfziel erreicht. Mit Stand Montag haben 70 Prozent aller Erwachsenen mindestens eine Impfdosis erhalten, wie aus Daten der Gesundheitsbehörde CDC hervorgeht. „Wir haben genug Impfstoff für jeden Amerikaner, der einen haben möchte“, sagte der Corona-Koordinator der Regierung, Jeff Zients. All diejenigen, die für eine Impfung in Frage kämen, müssten jetzt die Ärmel hochkrempeln und ihren Beitrag leisten. Gleichzeitig warnten die Gesundheitsbehörden eindringlich vor der Delta-Variante des Coronavirus.

Eigentlich sollte die 70-Prozent-Marke bereits am Unabhängigkeitstag am 4. Juli erreicht werden. Das Ziel wurde damals jedoch trotz zahlreicher Impfanreize und eines großen Vorrats an Impfstoffen verfehlt. In den USA sind bislang fast 50 Prozent der Gesamtbevölkerung von rund 330 Millionen Menschen vollständig geimpft, rund 58 Prozent haben mindestens die erste Spritze bekommen. Angesichts der rasch steigenden Zahl neuer Corona-Infektionen haben sich in den USA zuletzt wieder deutlich mehr Menschen impfen lassen.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Land weiter an. Im Durchschnitt der vergangenen Tage verzeichneten die USA rund 72.000 Neuinfektionen pro Tag. Das entspreche einem Anstieg von 44 Prozent gegenüber der Vorwoche und liege über dem Spitzenwert des vergangenen Sommers, sagte Chefin der US-Gesundheitsbehörde CDC, Rochelle Walensky. Auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen und der Todesfälle steige an. „Obwohl wir mit dieser Pandemie unbedingt fertig sein wollen, ist Covid-19 eindeutig noch nicht mit uns fertig. Und so muss unser Kampf noch ein wenig länger dauern.“

Walensky warnte die Menschen im Land vor der Delta-Variante, die „hochgradig ansteckend“ sei. „Wenn Sie an der Alpha-Variante erkranken, könnten Sie etwa zwei andere ungeimpfte Personen anstecken. Wenn Sie an der Delta-Variante erkranken, könnten Sie nach unseren Schätzungen etwa fünf andere ungeimpfte Personen anstecken“, so die CDC-Chefin. Deshalb sei es umso wichtiger, sich impfen zu lassen. Zwar könnten sich Menschen trotz Impfung anstecken. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie aber erkranken sei durchaus geringer.

„Kein Impfstoff ist zu 100 Prozent wirksam, so dass mit Impfdurchbrüchen zu rechnen ist“, sagte auch US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci. „Die meisten dieser Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mild.“ Auch der prominente US-Senator Lindsey Graham ist trotz Impfung positiv auf das Coronavirus getestet worden. Seine Symptome seien mild, betonte Graham. „Ich bin sehr froh, dass ich geimpft wurde, denn ohne Impfung würde ich mich sicher nicht so gut fühlen wie ich es jetzt tue“, schrieb der Republikaner auf Twitter.

Die Impfkampagne in den USA war seit Juni ins Stocken geraten und die Behörden hatten die Menschen gerade zu angefleht, sich impfen zu lassen. In den vergangenen Wochen habe sich die Zahl der Erstimpfungen um fast 70 Prozent erhöht, sagte Corona-Koordinator Zients. Allein in den vergangenen sieben Tagen haben sich demnach drei Millionen Amerikaner zum ersten Mal impfen lassen. Das sei der höchste Wochendurchschnitt seit dem 4. Juli.

Kinderärzte drängen Stiko zu Neubewertung von Kinder-Impfempfehlung

In der Debatte um breitere Corona-Impfangebote für Kinder und Jugendliche hat der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, die Ständige Impfkommission (Stiko) zu einer Neubewertung ihrer Position aufgerufen. „Bereits heute dürfen Ärztinnen und Ärzte entsprechend der aktuell gültigen Stiko-Empfehlung nach intensiver Aufklärung Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren impfen“, sagte Fischbach der „Rheinischen Post“ (Dienstag). „Ich persönlich bin ein Befürworter dieser Impfungen. Das Risiko von Nebenwirkungen durch die Impfung ist extrem gering, das zeigen alle Daten aus anderen Ländern.“ Daher wünsche er sich „eine zeitnahe Neubewertung durch die Stiko“.

Der Deutsche Hausärzteverband kritisierte das Vorgehen ohne vorherige Empfehlung der Stiko. „Diese Diskussion unter Missachtung der Kompetenz der Ständigen Impfkommission kann eher zur Verunsicherung führen, als dass sie der Impfkampagne hilft“, sagte dessen Bundesvorsitzender Ulrich Weigeldt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). „Das Risiko liegt mehr bei den nicht impfwilligen Erwachsenen als bei den Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren.“ Für Kinder und Jugendliche mit hohem Risikopotenzial gebe es ja bereits eine Impfempfehlung. „Warum eine Empfehlung der Stiko dazu zunächst nicht abgewartet werden kann, die sich auf Basis von fundierten Studien zeitnah äußern will, ist mir schleierhaft. Das Ganze klingt ein wenig nach Wahlkampfgetöse.“

Stiko-Chef: Mehr 18- bis 59-Jährige sollten sich impfen lassen

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, hat die 18- bis 59-Jährigen aufgerufen, sich gegen Corona impfen zu lassen. Sie seien bei den Geimpften unterrepräsentiert, sagte er in einer Online-Veranstaltung mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Ronja Kemmer am Montagabend in Ulm.

„Über 75 Prozent in dieser Altersgruppe wäre toll.“ Dann lasse sich auch eine vierte Welle abflachen. Der Gemeinschaftssinn sei dabei gefragt, denn Ungeimpfte könnten andere anstecken, die dann wiederum schwer an dem Virus erkranken könnten.

Insbesondere die ungeimpften 20 Prozent der Lehrer sollten das nachholen. Das Coronavirus werde bleiben, nach einer Durchseuchung der Bevölkerung würden die schweren Verläufe aber verschwinden. „Es wird wie ein normales Virus werden, was uns nicht mehr so schreckt.“

Eine Impfung von Kinder- und Jugendlichen trage zur Herdenimmunität hingegen nicht bei. Der Virologe verteidigte die Position der Stiko, Impfungen für 12- bis 17-Jährige nicht generell zu empfehlen – es sei denn sie leiden unter bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf mit sich bringen.

Dass in anderen Ländern aufgrund derselben Daten aus internationalen Studien andere Entscheidungen gefallen seien, verwundere nicht. Die Auswertung der Daten und die Schlussfolgerungen seien immer mit den jeweiligen Voraussetzungen verbunden. Dass etwa in den USA so viele Jugendliche geimpft seien, sei Folge höherer Anteile an Mangelernährung, Übergewicht und Diabetes in dieser Altersgruppe.

Bei gesunden Kindern sei eine intensivmedizinische Behandlung eine „absolute Rarität“, Todesfälle gebe es nur bei schwerst vorerkrankten Kindern und Jugendlichen. Die Stiko war für ihre „Außenseiterposition“ kritisiert worden.

Einig sind sich laut Mertens die Wissenschaftler aber, dass derzeit für 9,1 Millionen Kinder von 0 bis 11 Jahren in Deutschland eine Impfung nicht in Frage komme.

Die Politik hat dagegen gerade bundesweit zusätzliche Impfmöglichkeiten beschlossen. Alle Länder wollen Impfungen für 12- bis 17-Jährige nun auch in den regionalen Impfzentren anbieten. Das beschlossen die Gesundheitsminister am Montag einstimmig. Nach Worten von Mertens ist dies eine reine Vorsorgemaßnahme, sie basiere nicht auf wissenschaftlicher Evidenz.

Wichtige Hintergründe:

- Mit Booster-Spritzen und Impfangeboten für Jugendliche ab 12 Jahren soll die vierte Corona-Welle gebrochen werden. Doch Hausärztechef Ulrich Weigeldt ist skeptisch. Er warnt vor politischem Aktionismus, neuen Schulschließungen – und wünscht sich kreativere Impfanreize.

- Trotz fehlender Stiko-Empfehlung sollen jetzt alle Jugendlichen ab 12 ein Impfangebot bekommen. Das ist richtig – denn die Chancen überwiegen die Risiken. Doch nun darf die Politik Eltern und Kinder nicht alleine lassen mit der Entscheidung. Ein Kommentar.

- Regierungen weltweit verfolgen derzeit ein Ziel: Impfmuffel zum Impfen zu bewegen. Ideen gibt es viele: etwa Geldprämien, geschenkte Hühner oder Schusswaffen. Ein Überblick zeigt die skurrilsten Impfanreize der Welt.

Montag, 2. August 2021

Impf-Angebote für Kinder ab 12 Jahren in allen Ländern geplant

Als Corona-Schutz zum Schulstart nach den Sommerferien sollen zusätzliche Impfgelegenheiten für Kinder und Jugendliche kommen. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beschlossen am Montag, dass nunmehr alle Länder Impfungen für 12- bis 17-Jährige auch in Impfzentren oder auf andere niedrigschwellige Weise anbieten wollen. Dabei sei entsprechende ärztliche Aufklärung erforderlich. Zudem sollten Kinder und Jugendliche auch durch Kinder- und Hausärzte sowie im Rahmen von Impfungen für Angehörige von Beschäftigten in Firmen geimpft werden können. Für Jugendliche und junge Erwachsene in Universitäten und Berufsschulen sind ebenfalls Impf-Angebote geplant.

Bundesminister Jens Spahn (CDU) sagte: „Jeder, der will, kann im Sommer geimpft werden. Wir haben genügend Impfstoff für alle Altersgruppen.“ Auch 12- bis 17-Jährige, die sich nach ärztlicher Aufklärung für eine Impfung entscheiden, könnten sich und andere schützen. Mit der Möglichkeit einer Auffrischimpfung im September sollten zudem besonders gefährdete Gruppen im Herbst und Winter bestmöglich geschützt werden. „Denn für sie ist das Risiko eines nachlassenden Impfschutzes am größten.“ Der Vorsitzende der Länder-Gesundheitsminister, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte: „Wir gehen vorbereitet in den Herbst.“

England ändert Warn-App – Weniger Aufforderungen zur Isolation

England will nach der Kritik über zu viele Aufrufe zur Isolation die Warn-App ändern. Sollte jemand positiv getestet werden, aber keine Symptome zeigen, sollen nur noch die Kontakte der letzten zwei Tage vor dem Test ausgemacht werden und nicht mehr wie vorher der letzten fünf Tage, teilt das Gesundheitsministerium mit. Damit sollen die Quarantäne-Aufforderungen reduziert werden. Unternehmen aller Branchen hatten beklagt, dass sie Schwierigkeiten haben, den Betrieb aufrechtzuerhalten, wenn so viele Beschäftigte angewiesen werden, zu Hause zu bleiben. So waren zwischenzeitlich Regale in Supermärkten leer geblieben, weil das Personal fehlte, sie aufzufüllen.

Plan des Gesundheitsministeriums: Mehr Impfungen für Jugendliche

Die Gesundheitsminister der Länder wollen an diesem Montag über Corona-Impfangebote für Jugendliche beraten. Nach einem Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums sollen 12- bis 17-Jährige in allen Bundesländern ein solches Angebot bekommen. Das geht aus einem Beschlussentwurf hervor.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte im Mai den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen, vor wenigen Tagen folgte auch die Freigabe für Moderna. Für Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung trotz heftigen politischen Drucks bisher jedoch nur vor allem Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben.

„Es werden nunmehr alle Länder Impfungen für 12- bis 17-Jährige in den Impfzentren anbieten“, schreibt das Ministerium in dem an die Länder versendeten Beschlussvorschlag. Auch niedergelassene Ärzte und Betriebsärzte, die Angehörige impften, könnten eingebunden werden. In einigen Ländern sind bereits Impfaktionen etwa an Schulen geplant. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern beginnt der Unterricht nach den Sommerferien an diesem Montag wieder, in Hamburg am Donnerstag.

Für junge Erwachsene sollen die Länder „niedrigschwellige Angebote“ in Universitäten, Berufsschulen und Schulen machen, so der Beschlussentwurf für Montag. „Dies kann maßgeblich zu einem sichereren Start in den Lehr- und Lernbetrieb nach den Sommerferien beitragen.“

Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) befürwortet Impfungen für Jugendliche. Auch aus Sachsen-Anhalt kam Zustimmung. Die amtierende sachsen-anhaltische Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Die Nachfrage dazu ist vorhanden.“ Das Land plane bereits Sonder-Impfaktionen für Heranwachsende. Kritik kam von der FDP. „Wenn die Gesundheitsminister die Impf-Empfehlung an der Stiko vorbei ändern, kommt das einer Entmachtung gleich“, sagte Andrew Ullmann, Obmann der FDP im Gesundheitsausschuss des Bundestags, dem „Tagesspiegel“.

Ein weiteres Thema der Gesundheitsminister sollen Auffrischimpfungen sein. Für bestimmte Gruppen schlägt das Bundesgesundheitsministerium entsprechende Impfungen ab September vor. Insbesondere bei immungeschwächten, sehr alten und pflegebedürftigen Menschen wiesen Studienergebnisse auf einen verminderten oder schnell nachlassenden Schutz nach einer Impfung hin. Die Länder sollen deshalb laut Entwurf mobile Impfteams unter anderem in Pflegeeinrichtungen schicken. Menschen mit einer Immunschwäche oder in häuslicher Pflege sollen demnach von ihren Ärzten eine Auffrischimpfung angeboten bekommen. Diese Impfungen sollen mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe erfolgen, also mit den Mitteln von Biontech/Pfizer und Moderna.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sprach sich für eine Auffrischimpfung aus. Es brauche aber „klare und unbürokratische Vorgaben“ dazu, welche Gruppe als erstes dran sei. Dazu brauche es belastbare Aussagen des Bundes und der Ständigen Impfkommission, sagte er der dpa.

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen forderte unterdessen verstärkte Aufklärungskampagnen für die Impfungen und „alltagstaugliche Lösungen“. „Offensichtlich fehlt es an überzeugenden, zielgruppenspezifischen Aufklärungskampagnen, an mehr Mobilität des Impfstoffs, also Impfbussen, und an einer Corona-Warn-App, die die Menschen auf Spontan-Impfangebote in der Umgebung hinweist“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Montag). „Es braucht Gestaltungswillen und bessere Informationsangebote, gute Argumente und alltagstaugliche Lösungen“.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich schloss Nachteile für Ungeimpfte nicht aus. „Private Anbieter können natürlich Geimpften oder Genesenen Vorteile gewähren. Staatliche Stellen müssen aber allen gleichermaßen ihre Leistungen anbieten, wobei durch Hygienekonzepte oder künftig durch Eigenleistungen für Tests durchaus auch Nachteile für Ungeimpfte entstehen können“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Montag).

Bund will mit Ländern über Ende von Gratis-Corona-Tests beraten

Die Bundesregierung will mit den Ländern über ein Ende kostenloser Corona-Schnelltests beraten – kommen soll dies aber erst später. Das Thema soll am 10. August in der Runde von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten besprochen werden, wie die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Montag in Berlin sagte. Sie betonte, dass Schnelltests „ganz sicher nicht über Nacht plötzlich kostenpflichtig“ werden, sondern noch eine ganz Weile kostenlos bleiben sollten. Aus Fairnessgründen solle erst allen Menschen die Chance gegeben werden, sich mit dem gebotenen Abstand zweimal impfen zu lassen und die dann vorgesehenen 14 Tage zusätzlich einhalten zu können, nach denen der Impfschutz als vollständig gilt.

Der Bund übernimmt seit März die Kosten für mindestens einen Schnelltest pro Woche für alle Bürger. Angesichts der schwächeren Nachfrage nach Corona-Impfungen wird darüber diskutiert, dass man für Tests künftig etwas bezahlen soll – auch als Anreiz für Menschen, die sich impfen lassen könnten, damit aber zögern. Demmer sagte, dass es hierzu keine Einigung in der Regierung gebe. Gespräche dazu würden fortgesetzt. Unter anderem Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte sich dafür ausgesprochen, dass der Staat ab einem bestimmten Zeitpunkt die Tests für jene nicht mehr zahlt, die sich impfen lassen könnten. Dies müsse aber lange vorher angekündigt werden.

Grüne fordern Einsatz von Impfteams in Schulen

Die Grünen im Bundestag fordern zum Beginn des neuen Schuljahres den Einsatz von Impfteams in Schulen. „Kinder und Jugendliche müssen endlich in den Mittelpunkt der Corona-Strategie“, sagt Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Impfungen sind der wichtigste Teil im Kampf gegen Corona. Dafür braucht es jetzt einfache, auch unkonventionelle Wege, zum Beispiel durch Impfteams an Schulen und Schulhöfen, für alle, die das wollen. Und einfache, klare Information und Aufklärung für die Eltern.“ Wichtig sei auch das verbindliche Versprechen, dass Schulen und Kitas nur im absoluten Notfall und als letztes geschlossen würden.

Studie: Hälfte der Jugendlichen will zurück zum Präsenzunterricht

Die Hälfte der Jugendlichen möchte sich nach der Corona-Pandemie wieder vom Homeschooling verabschieden. Bei der Jugend-Digitalstudie der Postbank sprachen sich 51 Prozent der Befragten dafür aus, dass es in Zukunft wieder ausschließlich Präsenzunterricht gibt. Immerhin ein gutes Drittel wünscht sich aber zumindest einen Wechsel zwischen persönlicher Anwesenheit in der Schule und digitalem Fernunterricht. Für die am Montag veröffentlichte, repräsentative Studie waren nach Angaben der Postbank 1000 Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren befragt worden.

Die Hälfte von ihnen räumte ein, dass sie sich beim Homeschooling leichter ablenken lässt. 55 Prozent der Befragten hoben jedoch die Zeitersparnis positiv hervor, weil das Pendeln zur Schule wegfällt. Nachholbedarf sehen die Jugendlichen bei der technischen Ausstattung der Schulen: Diese bewerteten sie im Schnitt mit der mäßigen Schulnote 3,1. Auch für die technischen Fähigkeiten der Lehrkräfte gab es lediglich die Note 3,0.

Bayerns Polizeigewerkschaft: Stichproben-Checks unzureichend

Die Gewerkschaft der Polizei in Bayern hält die Stichproben-Kontrollen von Urlaubsrückkehrern für unzureichend. Eine flächendeckende Überprüfung sei allerdings nicht zu schaffen, sagte der bayerische Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Peter Pytlik am Montag dem Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, „radioWelt“).

Wer aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehrt, muss seit Sonntag auch bei der Reise per Auto oder Bahn nachweisen, dass er entweder negativ getestet ist, gegen Corona geimpft oder genesen ist. Sonst drohen Bußgelder. Über Bayern läuft der Großteil des Verkehrs aus Österreich, Italien und Kroatien.

„Wir sind halt nicht in der Lage, das flächendeckend zu kontrollieren – was ja Sinn machen würde, wenn man denn diesen Weg geht“, sagte Pytlik. „Diese stichprobenartigen Kontrollen sind aus meiner Sicht auch nicht vollends zufriedenstellend.“

Die Bundespolizei in Koblenz berichtete am Montag, dass in den Grenzregionen von Rheinland-Pfalz und des Saarlands bei rund 1400 stichprobenartigen Überprüfungen kaum Verstöße registriert worden seien. Lediglich zwei Personen hätten im Saarland keinen Test vorweisen können. Die Reisenden in Autos und Bahn seien gut vorbereitet gewesen.

61,7 Prozent der Bevölkerung einmal geimpft – Impftempo sehr gering

Das Tempo bei den Erstimpfungen gegen das Coronavirus in Deutschland ist so gering wie seit Monaten nicht. Mittlerweile haben 61,7 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens eine Impfdosis bekommen, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts vom Montag (Stand 9.55 Uhr) hervorgeht. Das sind gut 51,3 Millionen Menschen. „Allerdings ist Zahl der Erstimpfungen so niedrig wie zuletzt im Februar“, schrieb Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf Twitter. „Damals hatten wir nicht genug Impfstoff, das ist heute anders: bitte impfen lassen!“ Vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind mittlerweile 52,3 Prozent der Bevölkerung – also knapp 43,5 Millionen Menschen.

Bei den Bundesländern liegt Bremen mit 61,5 Prozent Bevölkerungsanteil der vollständig Geimpften weiter an der Spitze, Sachsen ist mit 47,4 Prozent Schlusslicht.

Stiko wartet weiter ab für Entscheidung zu Impfung von Kindern

Die Ständige Impfkommission (Stiko) bleibt trotz politischen Drucks bei ihrer abwartenden Haltung zur Impfung von Kindern und Jugendlichen. Der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens sagte am Montag dem Sender NDR Info, es gebe noch zu wenige Daten über mögliche gesundheitliche Folgeschäden für 12- bis 17-Jährige. „Wir sagen, wir können nicht eine generelle Empfehlung aussprechen, solange wir diesbezüglich nicht die notwendige Datensicherheit haben.“

Politischer Druck für eine schnelle Entscheidung habe keinen Einfluss auf die Stiko, machte Mertens deutlich. „Es kann durchaus sein, dass wir unsere Empfehlung ändern werden, aber sicher nicht, weil Politiker sich geäußert haben“, sagte der Stiko-Vorsitzende.

An diesem Montag beraten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern über Corona-Impfangebote für Jugendliche. „Es werden nunmehr alle Länder Impfungen für 12- bis 17-Jährige in den Impfzentren anbieten“, schreibt das Bundesgesundheitsministerium in einem an die Länder versendeten Beschlussvorschlag.

Müller: Impfangebot für Kinder „sehr sachgerecht“

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller verteidigt Pläne, Kindern ab 12 Jahren ein Corona-Impfangebot zu machen. Obwohl die Ständige Impfkommission (Stiko) hier noch zögere, seien viele Ärzte und Wissenschaftler der Ansicht, dass eine Impfung junge Menschen deutlich besser schütze, sagte der SPD-Politiker am Montag im ARD-„Morgenmagazin“. In Berlin sei bereits zu sehen, dass die Gruppe der 15- bis 25-Jährigen eine doppelt bis vierfach so hohe Inzidenz aufweise wie andere Bevölkerungsgruppen. Darauf zu reagieren und ein Angebot zu machen, das keine Pflicht sei, halte er für „sehr sachgerecht“

Lehrerverband kritisiert Vorbereitungen auf neues Schuljahr

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, ist unzufrieden mit den Vorbereitungen auf das neue Schuljahr. Man stehe ehrlicherweise nicht viel besser da als im vergangenen Jahr, sagte Meidinger am Montag im ARD-„Morgenmagazin“. „Wenn wir uns die Luftfilter anschauen, dann stehen wir da nicht so gut da, wie wir stehen könnten. Das Bundesprogramm kam ja viel zu spät – erst im Juli.“ Hier habe man viel Zeit liegen gelassen. Besser sehe es aber bei den Schnelltests aus.

Als weiteres Problem machte Meidinger beim milliardenschweren dem Bundesprogramm für Aufholförderung aus. Es gebe einigen Regionen nicht genügend Personal, um Kindern versäumten Unterrichtsstoff zu vermitteln.

Dennoch müsse man mit Optimismus ins neue Schuljahr gehen, sagte der Verbandspräsident weiter. Noch seien die Inzidenzzahlen niedrig und vollständiger Präsenzunterricht möglich. Allerdings könne man hier keine Garantie geben, dass es nicht doch wieder Wechselunterricht geben werde.

Nach gut sechs Wochen Ferien beginnt in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern als erste Bundesländer an diesem Montag das neue Schuljahr.

Lauterbach für Impfung von Kindern – „Außenseiterposition“ der Stiko

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält Corona-Impfungen von Kindern ab zwölf Jahren für angemessen. Dass die Politik hier jetzt Fakten schaffe, sei richtig, sagte Lauterbach am Montag im Deutschlandfunk vor Beratungen der Gesundheitsministerkonferenz zu dem Thema. Die wesentlichen Studien zur Impfung von Kindern zeigten, dass eine Durchseuchung mit der Delta-Variante des Coronavirus gefährlicher sei als eine Impfung. Wissenschaftlich komme er klar zu dem Ergebnis, dass Impfungen Kindern helfen.

Auch die US-Gesundheitsbehörde CDC, die weltweit wohl die besten Experten habe, empfehle die Impfung von Kindern. In den USA seien mehr als sechs Millionen Kinder geimpft, die Immunisierung sei hier gut untersucht.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte im Mai den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen, vor wenigen Tagen folgte auch die Freigabe für Moderna. Für Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung trotz heftigen politischen Drucks bisher jedoch nur vor allem Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Lauterbach sagte, die Stiko vertrete hier eine „Außenseiterposition“.

An diesem Montag beraten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern über Corona-Impfangebote für Jugendliche. „Es werden nunmehr alle Länder Impfungen für 12- bis 17-Jährige in den Impfzentren anbieten“, schreibt das Bundesgesundheitsministerium in einem an die Länder versendeten Beschlussvorschlag.

Präsident der Ärztekammer Nordrhein: Erst alle Erwachsenen impfen

Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke (CDU), sieht ein generelles Impfangebot für 12- bis 17-Jährige skeptisch. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), nur vor allem Kinder und Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen zu impfen, sei „nicht unvernünftig“, sagte Henke, der auch CDU-Bundestagsabgeordneter ist, am Montag im Radioprogramm WDR5.

Die Gesundheitsminister der Länder wollen an diesem Montag über Corona-Impfangebote für Jugendliche beraten. Nach einem Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums sollen 12- bis 17-Jährige in allen Bundesländern ein solches Angebot bekommen. Das geht aus einem Beschlussentwurf hervor.

„Als Arzt sage ich, jede Maßnahme braucht eine begründete Indikation„, betonte Henke. „Mein Präferenz wäre: Alle Erwachsenen, die Kontakte zu Kindern haben, lassen sich erstmal impfen und dann reden wir neu über die Stiko-Empfehlung“.

Inzidenz steigt weiter - 847 Neuinfektionen

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Montagmorgen lag sie bei 17,8 - am Vortag hatte der Wert 17,5 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9 betragen. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 847 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Montagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.15 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 958 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden ein Todesfall verzeichnet. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3 772 109 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3 656 300 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91 660.

Wichtige Hintergründe:

- In den USA finden inzwischen wieder Konzerte in vollen Hallen statt – ausschließlich für Geimpfte. Auch die deutsche Eventbranche ist dieser Lösung nicht abgeneigt. Doch die Angst vor verärgerten Kunden ist offenbar groß.

Sonntag, 1. August 2021

Zum Start der Corona-Testpflichten für Reiserückkehrer aus dem Ausland an diesem Sonntag hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Kontrollen angekündigt. „Wer nach Deutschland einreist, muss damit rechnen, kontrolliert zu werden. Bundes- und Landespolizei arbeiten hier Hand in Hand“, sagte er der „Bild am Sonntag“. An den Binnengrenzen werde es Stichproben geben, um kilometerlange Staus im Urlaubsverkehr zu verhindern. „Bei Einreisen aus Ländern außerhalb der EU, an den Flug- und Seehäfen wird jeder kontrolliert, ohne Ausnahme.“ Wer keinen negativen Test habe, müsse eventuell in Quarantäne, und es drohten „empfindliche Bußgelder“.

Seit Sonntag gilt bei der Einreise nach Deutschland eine Testpflicht. Damit soll eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zum Ende der Sommerferien verhindert werden. Alle Menschen ab zwölf Jahren müssen bei der Einreise nachweisen können, dass bei ihnen das Übertragungsrisiko verringert ist – mit dem Nachweis einer Impfung, einem Nachweis als Genesener oder einem negativen Testergebnis. Eine solche Vorgabe gab es schon für alle Flugpassagiere. Jetzt gilt sie für alle Verkehrsmittel, also auch bei Einreisen per Auto oder Bahn.

Bei einem Aufenthalt in Gebieten mit neuen, besorgniserregenden Virusvarianten ist ein Testnachweis Pflicht. Nachweise als Genesener oder Geimpfter reichen in diesem Fall nicht. Außerdem gibt es nur noch zwei statt drei Kategorien für weltweite Gebiete mit höheren Infektionsrisiken: Hochrisikogebiete und Gebiete, in denen neue, besorgniserregende Virusvarianten kursieren.

Seehofer sprach sich dagegen aus, mit weiteren Maßnahmen den Druck auf Impfverweigerer zu erhöhen: „Wir haben bislang ein gut funktionierendes Prinzip für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete. Daran sollten wir festhalten. Ich halte auch nichts davon, direkten oder indirekten Druck auszuüben, was die Impfung angeht.“ Er sprach sich aber dafür aus, stärker als bisher für die Impfung zu werben. „Sie ist der einzige Weg, der uns aus der Pandemie herausbringt. Ohne eine ausreichende Impfquote in der Bevölkerung hüpfen wir nur von Welle zu Welle.“

Nur etwa jeder vierte Ungeimpfte will sich nach einer Umfrage noch gegen Corona impfen lassen. In einer repräsentativen Befragung des Instituts Insa für die „Bild am Sonntag“ gaben 27 Prozent derer, die bislang kein Impfangebot angenommen haben, an, sich eine Impfung vorstellen zu können. Aber 54 Prozent erklärten, sich grundsätzlich nicht impfen lassen zu wollen. 19 Prozent zeigten sich unentschlossen. Als Hauptgrund nannten 67 Prozent der Impfverweigerer mangelndes Vertrauen in die Impfstoffe.

Bundesgesundheitsministerium will mehr Impfangebote für Jugendliche

Jugendliche sollen nach einem Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums in allen Bundesländern Corona-Impfangebote bekommen. Das geht aus einem Entwurf für einen Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz an diesem Montag hervor, der der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. Zuvor hatte die „Bild am Sonntag“ darüber berichtet. „Eine entsprechende ärztliche Aufklärung sowie eine ggf. notwendige Zustimmung der Sorgeberechtigten werden dabei sichergestellt“, heißt es in dem Entwurf.

„Es werden nunmehr alle Länder Impfungen für Zwölf- bis 17-Jährige in den Impfzentren anbieten“, schreibt das Ministerium in dem an die Länder versendeten Beschlussvorschlag. Auch niedergelassene Ärzte und Betriebsärzte, die Angehörige impften, könnten eingebunden werden. In einigen Ländern sind bereits Impfaktionen etwa an Schulen geplant. Das Impftempo bei Erwachsenen hatte sich zuletzt verlangsamt.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte im Mai den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen, vor wenigen Tagen folgte auch die Freigabe für Moderna. Für Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung trotz heftigen politischen Drucks bisher jedoch nur vor allem Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Als Gründe nannte die Stiko noch fehlende Daten zur Sicherheit des Impfstoffs. Eine Aktualisierung der Impfempfehlung könne es erst dann geben, wenn aussagekräftige Daten für diese Altersgruppe zum Risiko durch die Impfung und zum Risiko durch die Corona-Variante Delta vorlägen, betonte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens kürzlich.

Für junge Erwachsene sollen die Länder „niedrigschwellige Angebote“ in Universitäten, Berufsschulen und Schulen machen, so der Beschlussentwurf für Montag. „Dies kann maßgeblich zu einem sichereren Start in den Lehr- und Lernbetrieb nach den Sommerferien beitragen.“

Für bestimmte Gruppen schlägt das Bundesgesundheitsministerium zudem Auffrischimpfungen gegen das Coronavirus ab September vor. Erste Studienergebnisse wiesen darauf hin, dass es bei ihnen zu einem verminderten oder schnell nachlassenden Schutz nach einer Impfung kommen könne, heißt es in dem Entwurf. „Dies gilt insbesondere für die Gruppe relevant immungeschwächter Patientinnen und Patienten sowie für Höchstbetagte und Pflegebedürftige.“

Die Länder sollen deshalb laut Entwurf mobile Impfteams unter anderem in Pflegeeinrichtungen schicken. Menschen mit einer Immunschwäche oder in häuslicher Pflege sollen demnach von ihren Ärzten eine Auffrischimpfung angeboten bekommen. Diese Impfungen sollen mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe erfolgen, also mit den Mitteln von Biontech/Pfizer und Moderna.

Wer mit einem Vektor-Impfstoff von Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurde, dem soll zudem eine weitere Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer angeboten werden.

Inzidenz steigt weiter – 2097 Neuinfektionen

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Sonntagmorgen lag sie bei 17,5 – am Vortag hatte der Wert 16,9 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9 betragen. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 2097 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Sonntagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.19 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 1548 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden ein Todesfall verzeichnet. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.771.262 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.654.500 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.659.

Wichtige Hintergründe:

- US-Präsident Joe Biden will mit Geld neue Impfanreize schaffen. Nora Szech hält das für den richtigen Weg. Es werde Zeit, dass auch die deutsche Politik ins Handeln komme, fordert die Ökonomin.

- Der Ton wird dunkel, dräuend, drohend – die Regierenden verlieren die Geduld mit denen, die ihr Impfangebot ausschlagen. Auf der Strecke bleibt das liberale Denken. Und die Fähigkeit, moralisch zu diskutieren. Eine Kolumne.

- Während Biontech und Moderna schon zu Auffrischungsimpfungen raten, ist die Coronaimpfung mit dem Wirkstoff von US-Hersteller Johnson & Johnson mit weniger Aufwand verbunden.

Samstag, 31. Juli 2021

Bundesregierung plant Ende von kostenlosen Coronatests

Die Bundesregierung plant ein Ende der kostenlosen Coronatests. „Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat schon vor Wochen gesagt, dass er es für denkbar hält, die Tests zu einem späteren Zeitpunkt für Ungeimpfte nicht mehr kostenlos anzubieten. Der genaue Zeitpunkt ist noch festzulegen“, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Samstag auf Anfrage mit. Wie aus Regierungskreisen verlautete, gibt es dazu allerdings noch keine Einigung.

Die „Bild“-Zeitung hatte zuvor berichtet, die Bundesregierung habe sich grundsätzlich darauf geeinigt, dass die Tests kostenpflichtig werden, sobald sich alle Deutschen zweimal impfen lassen konnten – also Ende September oder Anfang Oktober.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Corona-Tests sollten kostenpflichtig werden, wenn alle sich hätten impfen lassen können - also in wenigen Wochen.“ Ausnahmen müssten natürlich für die gelten, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können sowie für Kinder und Jugendliche.

Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther forderte den Bund auf, Corona-Tests so schnell wie möglich kostenpflichtig zu machen. „Die Bundesregierung sollte schon in der kommenden Woche ein konkretes Datum für die Umstellung auf die Kostenpflichtigkeit der Corona-Tests festlegen“, sagte der CDU-Politiker der „Welt“. Dieses Datum könnte der 20. September sein. „Bis dahin hätte jeder bisher Ungeimpfte noch die Chance, sich vollständig impfen zu lassen.“

Mobile Teams und große Kampagne: Massives Werben fürs Impfen

Angesichts der gesunkenen Impfbereitschaft und des näher rückenden Schuljahresbeginns werben Politik und Verbände massiv für die Corona-Impfungen. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz forderte ein offensiveres Auftreten auch der Geimpften selbst. „Wir müssen unsere Freundinnen und Freunde davon überzeugen, dass sie sich impfen lassen. Das ist eine Sache, die berührt jeden von uns“, sagte der Bundesfinanzminister den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstag). „Wir alle sollten bei der Arbeit oder im Sportverein sagen: Ich habe mich impfen lassen, das war gut.“

SPD-Chefin Saskia Esken und der Deutsche Städtetag sprachen sich für Impfaktionen an Schulen aus, wenn das neue Schuljahr begonnen hat. In der kommenden Woche enden in den ersten Bundesländern die Sommerferien, in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg beginnt der Unterricht dann wieder in Präsenz. „Ich werbe dafür, Impfmobile an die Schulen zu schicken, um in Absprache mit den Eltern den Jugendlichen die Impfung so einfach wie möglich zugänglich zu machen“, sagte Esken dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag).

Städtetag-Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Um den Unterricht in Präsenz abzusichern, appellieren wir an die Länder, mehr Impfungen in Schulen möglich zu machen.“ Dies könne ein Beitrag sein zum Schutz junger Menschen und für weniger Infektionen mit dem Coronavirus an Schulen.

Im Norden ist das teils bereits geplant. In Schleswig-Holstein können sich an den Gemeinschaftsschulen und Gymnasien Schülerinnen und Schülern ab zwölf sowie alle Beschäftigten von mobilen Teams impfen lassen. Mecklenburg-Vorpommern will den Bedarf ermitteln und dann in der zweiten Woche mobile Impfteams für 16- und 17-Jährige in die Schulen schicken. Hamburg plant mobile Angebote für Berufsschüler.

Dedy sagte: „Das kann über mobile Impfteams in den Schulen laufen, wie in Schleswig-Holstein. Oder das kann über mehr Angebote für Jugendliche etwa in Fußballstadien oder Einkaufszentren laufen, wo sich viele von ihnen treffen“, so der Kommunalvertreter. „Wir müssen mit den Impfungen zu den jungen Leuten gehen und nicht warten, bis sie ins Impfzentrum oder in die Arztpraxis kommen.“ Allerdings bedarf es dazu erst des Einverständnisses der Eltern.

Bisher sind gut 51 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft nach Ansicht von Experten viel zu wenig, um angesichts der grassierenden hochansteckenden Delta-Virusvariante die anrollende vierte Welle flach zuhalten. Und das Impftempo lässt nach: Derzeit werden an vielen Tagen noch gut eine halbe Million Impfdosen verabreicht, im Mai/Juni waren es teils an die 1,5 Millionen. Derweil steigen die Infektionszahlen noch auf niedrigem Niveau von etwas mehr als 15 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner und Woche, aber stetig werden es mehr.

Die Linksfraktion im Bundestag fordert eine breitere Aufklärungskampagne. In einem dem RND vorliegenden Papier ruft ihr Fraktionsgeschäftsführer Jan Korte dazu auf, Akteure wie Gewerkschaften, Sportverbände, Glaubensgemeinschaften, aber auch Clubs und Kultureinrichtungen einzubeziehen. „Wir werden fanatische ImpfgegnerInnen nicht überzeugen können. Es muss darum gehen, die Leute für eine Impfung zu gewinnen, die sich nicht ausreichend informiert fühlen und Ängste haben, die man ihnen nehmen kann.“

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland appellierte an alle islamischen Gläubigen, sich impfen zu lassen. „Es gibt für Muslime keine religiösen Gründe, das Impfen gegen Corona abzulehnen. Im Gegenteil: Der Schutz anderer vor Krankheiten und die eigene gesundheitliche Unversehrtheit sind im Islam ein hohes Gut“, sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman A. Mazyek, dem RND.

RKI registriert 2400 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 16,9

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit nun dreieinhalb Wochen an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Samstagmorgen lag sie bei 16,9 am Vortag betrug der Wert 16,5, am Samstag der Vorwoche 13,6. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 2400 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Samstagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.10 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 1919 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 21 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 28 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.769.165 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.653.300 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.658.

Wichtige Hintergründe:

- US-Präsident Joe Biden will mit Geld neue Impfanreize schaffen. Nora Szech hält das für den richtigen Weg. Es werde Zeit, dass auch die deutsche Politik ins Handeln komme, fordert die Ökonomin.

- Als erste große Unternehmen im Silicon Valley machen Google und Facebook die Impfung ihrer Mitarbeiter für eine Rückkehr ins Büro zur Pflicht. Was bedeutet dies für die deutschen Standorte der Konzerne?

- Während Biontech und Moderna schon zu Auffrischungsimpfungen raten, ist die Coronaimpfung mit dem Wirkstoff von US-Hersteller Johnson & Johnson mit weniger Aufwand verbunden.

Freitag, 30. Juli 2021

Nach der Entscheidung Israels zu Auffrischimpfungen gegen Corona für ältere Menschen sieht die Ständige Impfkommission (Stiko) noch nicht die nötigen Daten für eine solche Empfehlung in Deutschland. Es sei aber eines der Themen, mit denen sich das Gremium weiter intensiv beschäftige, sagte Stiko-Chef Thomas Mertens am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Den unabhängigen Experten gehe es bei den Daten um zwei Aspekte: ob die messbare Immunantwort im Labor nachlasse und ob trotz Impfung vermehrt Infektionen mit Erkrankung aufträten, erklärte Mertens. Laboruntersuchungen zu Antikörperspiegeln gebe es bereits, diese erlaubten aber nicht die direkte Schlussfolgerung, dass auch die Schutzwirkung beim Menschen nachlässt. Es gehe auch noch um die Frage, welche Gruppen eine Auffrischung bekommen könnten: ob zum Beispiel Immunsupprimierte, Alte oder alle.

Der Impfexperte Leif Sander von der Charité in Berlin erklärte auf dpa-Anfrage, er rechne damit, dass es zu einer Empfehlung zu Auffrischungen kommen werde. Er halte es für sinnvoll, dies Hochbetagten sowie Menschen mit besonderem Risiko „schon bald breitflächig“ zu empfehlen und anzubieten. Er hatte bereits vor mehreren Wochen gesagt, dass die nächste Phase beim Impfen angedacht werden müsse, auch in Anbetracht der zu erwartenden nachlassenden Immunantwort bei älteren Menschen.

Für Deutschland hält Sander Auffrischungsimpfungen zunächst vor allem bei den über 80-Jährigen für nötig: Diese seien besonders vulnerabel und schon zu Jahresbeginn geimpft worden. Das heiße, dass ein nachlassender Immunschutz sowie die Verbreitung der Delta-Variante bei einem Teil der Menschen zu erneuten Infektionen und eventuell zu Erkrankungen führen könnten. „Immunsupprimierte Personen könnten ebenfalls eine Auffrischungsimpfung erhalten“, teilte Sander mit.

Aus Sicht des Charité-Wissenschaftlers ist es nicht nötig, Impfstoffe zu verwenden, die speziell an die neuen, als besorgniserregend eingestuften Varianten angepasst wurden: „Auch die bereits verfügbaren Impfstoffe bieten einen sehr guten Schutz und heben die Immunantwort nach einer Auffrischungsimpfung wahrscheinlich deutlich an.“

Die Impfstoffhersteller Pfizer und Biontech hatten schon anfang Juli mitgeteilt, dass sie von einem Rückgang der Schutzwirkung ihres Corona-Vakzins ein halbes Jahr nach der zweiten Impfung ausgehen. Grundlage seien unter anderem vom israelischen Gesundheitsministerium aus der praktischen Anwendung erhobene Daten. Daher sei es wahrscheinlich, „dass eine dritte Dosis innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein wird“. Aktuell wirbt Biontech bei der Politik stark für das Vorhaben.

Zusätzlich arbeiten Biontech und Pfizer an einer Version des Impfstoffs, die an die Delta-Variante angepasst ist. Dabei werde das vollständige Spike-Protein dieser Virusvariante verwendet. Die erste Charge des neuen Botenmoleküls mRNA – des eigentlichen Wirkstoffs in dem Vakzin – sei bereits im Mainzer Biontech-Werk produziert worden, erklärten die Unternehmen bereits vor einiger Zeit. Eine Studie mit rund 800 Teilnehmern solle noch im August beginnen, teilte Biontech auf Nachfrage am Freitag mit.

Zum Vorgehen Israels sagte Virologe Mertens, dass nichts dagegen spreche, wenn ein Staat aus Fürsorgepflicht solche Impfangebote mache – auch ohne Evidenz. Aufgabe der Stiko seien jedoch Empfehlungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Insofern warte man eine Datengrundlage ab.

Israel hatte angesichts steigender Infektionszahlen als erstes Land mitgeteilt, 60-Jährigen und älteren Jahrgängen eine dritte Impfung gegen das Coronavirus zu geben. Dies gelte für Patienten, die vor mindestens fünf Monaten ihre zweite Impfdosis erhalten haben, hieß es. Präsident Izchak Herzog (60) hat am Freitag als erster seine Auffrischungsimpfung erhalten.

Ein Expertenteam hatte eine solche Impfung mit dem Biontech-Pfizer-Präparat empfohlen. Die allgemeine Impfkampagne in den Krankenkassen soll laut Ministerpräsident Naftali Bennett binnen weniger Tage beginnen. Nach Angaben des Regierungschefs haben in Israel bereits 2000 Menschen mit Immunschwäche eine solche dritte Dosis erhalten, ohne dass es schwere Nebenwirkungen gegeben hätte.

Hintergrund sind Zahlen des Ministeriums, wonach die Effektivität der in Israel verwendeten Biontech/Pfizer-Impfung seit Anfang Juni stark nachgelassen habe. Demnach verhindere die Impfung eine Infektion nur noch zu 39 Prozent und schwere Erkrankungen zu 91 Prozent. Gleichzeitig verbreite sich die ansteckendere Delta-Variante. Allerdings kritisieren auch Experten der Regierung, dass die Zahlen zur Effektivität nicht wissenschaftlich erhoben seien.

Kabinett beschließt strengere Einreise-Regeln ab Sonntag: Das müssen Urlauber jetzt wissen

Für Rückkehrer aus dem Sommerurlaub soll ab diesem Sonntag eine neue Testpflicht zum Schutz vor einer Corona-Ausbreitung greifen. „Alle nicht geimpften Einreisenden nach Deutschland müssen sich künftig testen lassen – egal ob sie mit dem Flugzeug, Auto oder der Bahn kommen“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). „Damit reduzieren wir das Risiko, dass zusätzliche Infektionen eingetragen werden.“ Das Bundeskabinett beschloss am Freitag eine entsprechende Verordnung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Umlaufverfahren, wie die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer mitteilte.

Extra-Aufwand bedeuten die neuen Vorgaben vor allem für Menschen, die keine vollständige Impfung haben, was auch die meisten älteren Kinder betrifft. Denn die Testpflicht entsteht daraus, dass eine generelle Nachweispflicht eingeführt wird: Ab Sonntag müssen alle ab 12 Jahren bei der Einreise belegen können, dass bei ihnen das Übertragungsrisiko verringert ist: mit dem Nachweis einer Impfung, einem Nachweis als Genesener oder eben einem negativen Testergebnis. Eine solche Vorgabe gibt es bisher schon für alle Flugpassagiere.

Spahn warb angesichts des inzwischen schwächeren Andrangs auf Impfungen in Deutschland denn auch noch einmal für den praktischen Nutzen. Reisen sei mit Impfung generell leichter. Geimpfte sparten sich Tests und müssten grundsätzlich nicht in Quarantäne. „Das Impfangebot an alle im Sommer steht. Wir haben genügend Impfstoff.“

Allerdings soll künftig eine Testpflicht ohne Ausnahmen für alle gelten, die aus Gebieten mit neuen, besorgniserregenden Virusvarianten kommen. Dann ist immer ein Testnachweis notwendig. „Ein Genesenennachweis oder ein Impfnachweis sind in diesem Fall nicht ausreichend“, heißt es in der Endfassung der Verordnung, die in der Regierung abgestimmt wurde.

Generell muss man den jeweiligen Nachweis bei der Einreise dabei haben und bei „stichprobenhaften“ Überprüfungen durch die Behörden vorlegen. Flugreisende müssen der Airline den Nachweis schon vor dem Start zeigen, in grenzüberschreitenden Zügen soll es auch während der Fahrt möglich sein. Direkte Grenzkontrollen aller einreisenden Autos sind nicht vorgesehen - man soll aber zumindest mit Überprüfungen rechnen müssen. Für Bayern kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verstärkt Stichproben und Kontrollen mittels Schleierfahndung an. Die Gesundheitsämter sollten außerdem 20 Prozent der digitalen Einreiseanmeldungen überprüfen, sagte er dem Magazin „Der Spiegel“.

Ein Überblick über weitere konkrete Regeln bei Einreisen:

Tests und Kosten: Um im Ausland einen Testnachweis zu bekommen, sind Schnelltests durch Fachpersonal oder PCR-Labortests möglich – zu zahlen aus eigener Tasche. Das können durchaus zweistellige Beträge pro Kopf sein. Schnelltests dürfen bei der Einreise in Deutschland höchstens 48 Stunden zurückliegen, genauere PCR-Tests höchstens 72 Stunden. Bei Virusvariantengebieten verkürzt sich die Frist für Schnelltests auf 24 Stunden. Der Nachweis muss auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch sein - digital oder auf Papier. Per Handy abfotografierte Papiernachweise sollen bei Kontrollen wegen der Missbrauchsgefahr nicht akzeptiert werden.

Risikogebiete: Künftig soll es statt drei nur noch zwei Kategorien für weltweite Regionen mit höherem Risiko geben: Hochrisikogebiete und Virusvariantengebiete. Als Hochrisikogebiete gelten Regionen mit besonders hohen Fallzahlen. Ein Indiz: eine Sieben-Tage-Inzidenz von „deutlich mehr als 100“. Betrachtet werden sollen aber auch andere Faktoren wie Testraten und Klinikfälle. Die Stufe des „einfachen“ Risikogebiets mit mehr als 50 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen entfällt. Bisher gab es auch die mittlere Stufe der „Hochinzidenzgebiete“ mit Sieben-Tage-Inzidenz über 200.

Quarantäne: Vorgesehen ist für Hochrisikogebiete, dass nicht Geimpfte und nicht Genesene nach der Rückkehr zehn Tage in Quarantäne müssen, die frühestens ab dem fünften Tag mit einem negativen Test beendet werden kann. Eine zunächst vorgesehene Vorgabe zu PCR-Tests fiel wieder weg. Für Kinder unter zwölf soll die Quarantäne generell nach dem fünften Tag nach Einreise enden. Bei der Rückkehr aus Virusvariantengebieten sind weiterhin grundsätzlich 14 Tage häusliche Quarantäne vorgesehen.

Sonderfälle: Sonderregelungen sieht die Verordnung unter anderem für berufliche Grenzpendler und Kurzreisen im Grenzverkehr mit weniger als 24 Stunden Aufenthalt vor. Für sie soll die Nachweispflicht nur gelten, wenn man aus Risikogebieten wieder einreist. Für nicht Geimpfte und nicht Genesene soll ein Testnachweis nur zweimal pro Woche nötig sein, nicht bei jeder Einreise. Wer nur ohne Zwischenstopp durch ein Hochrisiko- oder Virusvariantengebiet reist, muss deswegen bei der Einreise in Deutschland nicht in Quarantäne.

Anmeldung: Urlauber aus Risikogebieten müssen sich weiter beim amtlichen digitalen Einreiseportal anmelden. Auch Test-, Impf- oder Genesenennachweise sind dort hochzuladen, sobald man sie hat.

Dass man sich rund ums Verreisen testen lassen muss, ist für viele nicht ganz neu. Auch für Ferienwohnungen in Deutschland ist oft ein negativer Test mitzubringen. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sagte am Donnerstagabend in der ARD, viele ließen sich ohnehin im Urlaub testen, etwa weil es für bestimmte Aktivitäten nötig sei. „Wir müssen vermeiden, dass es jetzt im Herbst wieder zu Situationen kommt wie im letzten Jahr – da hilft uns das Impfen, aber eben auch das Testen.“

Corona-Ansteckungen, die wahrscheinlich auf Reisen passiert sind, spielen laut Robert Koch-Institut (RKI) eine zunehmende Rolle beim Infektionsgeschehen in Deutschland. Als wahrscheinliche Infektionsländer in den betrachteten Wochen vom 28. Juni bis 25. Juli wurden Spanien, die Türkei und die Niederlande am häufigsten genannt, vor Kroatien und Griechenland. Der Großteil der Corona-Übertragungen finde aber weiter im Inland statt – die Rede ist von mindestens 81 Prozent.

Großbritannien: Hoffnung nach sinkenden Corona-Zahlen

Nachdem Boris Johnson seine Landsleute am 19. Juli mit der Aufhebung fast aller Corona-Beschränkungen in England in die Freiheit entließ, konnte man mit vielem rechnen. Eins jedoch erwartete eigentlich niemand: dass die Infektionszahlen fallen würden. Selbst Gesundheitsminister Sajid Javid hatte es als „unvermeidlich“ bezeichnet, dass der „Freedom Day“ einen Anstieg nach sich ziehen würde. Doch es kam erst einmal anders.

Rund eine Woche lang ging die Zahl der Neuinfektionen lang stetig zurück. Zuletzt wurden mit rund 30.000 Neuinfektionen zwar wieder etwas mehr Fälle gezählt als in den Tagen zuvor. Allerdings liegt diese Zahl noch immer deutlich unter dem Niveau der Vorwoche und weit unter den Prognosen von Experten wie dem Epidemiologen Neil Ferguson, der schon in naher Zukunft 100.000 bis 200.000 Fälle pro Tag erwartete. Und so starrte das Land recht ungläubig auf den überraschenden Verlauf der Infektionskurve.

Während Fachleute davor warnen, dass der Knick in der Kurve nur eine zeitweise Schwankung sein könnte, wirft der regierungsnahe „Telegraph“ bereits der Wissenschaft vor, mit ihren Warnungen übertrieben zu haben. Woran der Rückgang tatsächlich liegt, vermag bisher niemand sicher zu sagen. Es gibt jedoch mehrere Vermutungen.

Die Bilder von prall gefüllten Tanzflächen in den englischen Nachtclubs gingen um die Welt - doch sie sind nur ein Teil der Wahrheit. In einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Online-Portals Politico gab mehr als die Hälfte von 1500 Befragten an, weiterhin große Menschenansammlungen zu meiden und freiwillig weiterhin Maske zu tragen. 46 Prozent waren der Meinung, das Ende der Maßnahmen sei „zu früh“ gekommen. So könnte die Eigenverantwortung der Menschen, an die auch Johnson immer wieder appelliert, einen entscheidenden Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben.

Auch die Fußball-EM - beziehungsweise viel mehr ihr Ende - könnte eine Rolle spielen. Etliche Public Viewing-Veranstaltungen, Reisen und die Spiele in Wembley mit Zehntausenden Zuschauern lagen zeitlich so, dass sie den massiven Anstieg der Corona-Zahlen, die in der Spitze der aktuellen Welle 60.000 Fälle überstiegen, beschleunigt haben könnten. Eine Auswertung der „Financial Times“ belegt, dass sich vor allem viele jüngere Männer zwischen 20 und 34 ansteckten, was daraufhin deuten könnte, dass dies bei oft männlich dominierten Fußball-Events passiert ist. In Schottland, dessen eigene Mannschaft schnell aus dem Turnier flog, begann der Rückgang zudem früher.

Die große Hoffnung ist jedoch, dass der ersehnte Rückgang auch zu einem großen Teil auf den Schutz durch Impfungen zurückgeht. Diese waren allerdings in die vorherigen Prognosen einbezogen. Rechnet man Kinder und Jugendliche mit ein, sind zudem erst gut 56 Prozent der Briten vollständig geimpft. Das lässt immer noch etliche Millionen von Menschen zurück, bei denen das Virus ein leichteres Spiel hat. Die Behörde Public Health England schätzt immerhin für die englischen Erwachsenen, dass etwa neun von zehn mittlerweile einige Antikörper in sich tragen - entweder durch eine Impfung, oder, weil sie eine Corona-Infektion überstanden haben.

Dennoch bleibt die Sorge, dass dem Knick in der Kurve bald ein weiterer folgen könnte und die Zahlen wieder ansteigen. In der Infektionsstatistik des Office for National Statistics, für die jede Woche eine repräsentative Auswahl an Briten getestet wird, zeichnet sich der Rückgang außer in Schottland noch nicht ab, allerdings reichen die jüngsten Zahlen auch nur bis zum 24. Juli. Die Zahlen könnten mittelfristig Aufschluss darüber geben, ob sich tatsächlich weniger Menschen anstecken oder nur - etwa wegen der Sommerferien - weniger getestet werden.

In der Downing Street im Londoner Regierungsviertel gibt man sich bislang zurückhaltend, obwohl die Hoffnung groß sein dürfte, dass das riskante Experiment namens „Freedom Day“ ohne größere Katastrophe über die Bühne geht. Es sei noch zu früh, sich zu entspannen, sagte Boris Johnson vor einigen Tagen. „Die Menschen müssen vorsichtig bleiben und das bleibt auch der Ansatz der Regierung.“

Zu groß ist noch die Sorge, dass der englische Weg aus dem Lockdown, den Johnson selbst als „vorsichtig, aber unumkehrbare“ anpreist, am Ende doch noch eine Kehrtwende nach sich zieht. Genau das konnte man zuletzt in den Niederlanden beobachten, wo nach einem heftigen Anstieg der Fallzahlen die gerade erst geöffneten Nachtclubs wieder schließen mussten. Aktuell versprechen die Sommerferien in England weitere Entlastung. Doch auch diese werden in ein paar Wochen enden.

Scholz verteidigt breitere Testpflichten

Vizekanzler Olaf Scholz hat den für Freitag angestrebten Beschluss zu erweiterten Corona-Testpflichten für nach Deutschland Einreisende verteidigt. „Es geht darum, die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land zu schützen“, sagte der SPD-Kanzlerkandidat am Donnerstagabend in den ARD-„Tagesthemen“. Auf Änderungen müssen sich nach einem Verordnungsentwurf des Bundesgesundheitsministeriums in diesem Sommer nun vor allem Ungeimpfte einstellen. Es wird erwartet, dass die breiteren Testpflichten am Freitag vom Kabinett beschlossen werden und dann ab Sonntag (1. August) gelten.

Grundsätzlich sollen laut Entwurf künftig alle Einreisenden ab zwölf Jahren über einen negativen Testnachweis, einen Genesenen-Nachweis oder einen Nachweis einer vollständigen Impfung verfügen müssen - egal von wo und auf welchem Weg sie kommen. Bei Einreise aus einem Gebiet mit besorgniserregenden Virusvarianten soll ein Testnachweis nötig sein, Nachweise als Geimpfter oder Genesener sollen dann nicht reichen. Mögliche Schnell- oder PCR-Tests im Ausland sind selbst zu zahlen.

„Wir alle sind es gewohnt, uns testen zu lassen, das tun wir schon seit sehr, sehr langer Zeit“, argumentierte Scholz. Viele würden sich ohnehin im Urlaub testen lassen, zum Beispiel weil es für bestimmte Aktivitäten notwendig sei. „Wir müssen vermeiden, dass es jetzt im Herbst wieder zu Situationen kommt wie im letzten Jahr - da hilft uns das Impfen, aber eben auch das Testen.“

Generell sollen die Nachweise bei der Einreise mitzuführen und bei „stichprobenhaften“ Überprüfungen durch die Behörden vorzulegen sein, wie es im Entwurf heißt. Kontrollen aller Einreisenden direkt an den Grenzen sind nicht vorgesehen. Reist man mit einem Beförderungsunternehmen wie einer Fluggesellschaft, sollen die Nachweise vor dem Start auf Anforderung vorgelegt werden müssen - so ist es für Flugpassagiere schon bisher. Im grenzüberschreitenden Bahnverkehr soll dies auch während der Fahrt möglich sein.

Der Vorsitzende des Bezirks Bundespolizei der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Roßkopf, warnte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag) vor einem enormen logistischen Aufwand - vor allem personell. „Wir haben über 3 800 Kilometer Landgrenze. Wenn wir sie regelmäßig stichprobenartig kontrollieren sollen, ist das kaum zu meistern.“ Es gebe zudem viele ungeklärte Fragen, zum Beispiel auch bei Zügen.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag): „Grundsätzlich begrüßenswert als Maßnahme, aber leider extrem kurzfristig in der Umsetzung.“ Dabei hofft er auch auf einen Nebeneffekt: „Vielleicht könnte so mancher, der sich bisher noch nicht hat impfen lassen, auch dadurch noch zur Impfung gebracht werden.“

Die deutsche Exportwirtschaft warnte indes vor einer Testpflicht für Fernfahrer im innereuropäischen Warenverkehr. „Grundsätzlich ist das Bemühen zur Pandemie-Eindämmung nachvollziehbar. Nationale Alleingänge sind jedoch gerade im Güterverkehr der falsche Weg und würden die ohnehin angespannten Lieferketten zusätzlich stressen“, sagte der Sprecher des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), André Schwarz, der „Rheinischen Post“ (Freitag). „Die kilometer- und tagelangen Staus, die wir bereits erleben mussten, sind noch in lebhafter Erinnerung.“

Corona-Ansteckungen, die wahrscheinlich auf Reisen passiert sind, spielen dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge eine zunehmende Rolle beim Infektionsgeschehen in Deutschland. Das schreibt das RKI in seinem am Donnerstagabend vorgelegten wöchentlichen Lagebericht. Als wahrscheinliche Infektionsländer in den vier betrachteten Wochen vom 28. Juni bis 25. Juli wurden Spanien, die Türkei und die Niederlande am häufigsten genannt, vor Kroatien und Griechenland. Der überwiegende Anteil der Corona-Übertragungen finde allerdings weiterhin innerhalb Deutschlands statt - die Rede ist von mindestens 81 Prozent.

Impfpflicht light: US-Regierung drängt Mitarbeiter zur Corona-Spritze

Angesichts einer neuen Corona-Welle und einer stockenden Impfquote drängt die US-Regierung mehrere Millionen Mitarbeiter mit neuen Regeln zur Impfung. Angestellte, die keinen Impfnachweis vorlegen können, sollen künftig stets eine Maske tragen müssen und ein bis zwei Mal pro Woche auf eine mögliche Infektion getestet werden, wie US-Präsident Joe Biden am Donnerstag (Ortszeit) erklärte. Um die Impfquote in der Bevölkerung anzuheben, fordert er Bundesstaaten und Kommunen zudem auf, jeder neu geimpften Person eine Belohnung von 100 US-Dollar (85 Euro) zu zahlen.

Die Regelung für die mehr als zwei Millionen zivilen Angestellten der Regierung gilt demnach auch für Mitarbeiter von Vertragspartnern, die in Einrichtungen der Regierung arbeiten. Ungeimpfte Mitarbeiter sollen in Bezug auf Dienstreisen zudem starken Beschränkungen unterliegen. Das Weiße Haus will mit den strengen Regeln Impfungen offenbar zur einzig bequemen Lösung machen - allerdings ohne dabei explizit auf eine politisch umstrittene Impfpflicht zu setzen.

Biden betonte aber, die Regierung unterstütze Firmen, die eine Impfpflicht für ihre Mitarbeiter verhängen wollten. „Wir alle wollen, dass unsere Leben wieder normal werden und vollständig geimpfte Arbeitsplätze werden schnell dafür sorgen.“ Am Mittwoch hatten zum Beispiel Google und Facebook eine Impfpflicht angekündigt.

Biden wies nun auch das Verteidigungsministerium an, zu prüfen, ab wann die Streitkräfte eine Corona-Impfpflicht verhängen könnten. Das Pentagon erklärte umgehend, zunächst würden für alle Angestellten und Soldaten die gleichen strengen Regeln gelten wie für die Mitarbeiter des Bundes. Minister Lloyd Austin werde zudem Beratungen veranlassen, ab wann und wie die Impfung zur Pflicht gemacht werden könne, hieß es. Das Ministerium beschäftigt rund drei Millionen Menschen, darunter rund zwei Millionen Soldatinnen und Soldaten.

Biden forderte die Amerikaner mit Nachdruck auf, sich rasch impfen zu lassen. „Impfungen sind die allerbeste Verteidigung, um nicht schwer an Covid-19 zu erkranken.“ Die Impfung sei der einzige Weg, die Pandemie zu besiegen. Die Delta-Variante des Coronavirus sei „hoch ansteckend“ und führe zu vielen Erkrankungen unter Ungeimpften. Es handle sich in den USA nun um eine „Pandemie der Ungeimpften“, betonte Biden. Rund 99 Prozent aller Corona-Toten seien nicht geimpft gewesen. „Das ist eine amerikanische Tragödie. Menschen, die nicht sterben müssten, sterben und werden sterben“, sagte Biden.

Die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen in den USA werde noch weiter ansteigen, bevor sich eine Besserung einstellen könne, warnte der Präsident unter Berufung auf Experten. Wegen der Delta-Variante stieg die Zahl der Neuinfektionen pro Tag im Schnitt wieder auf rund 65.000 an. Vor einem Monat lag der Schnitt noch bei rund 13 000. Pro Tag sterben derzeit mehr als 300 Menschen nach einer Infektion.

Biden betonte, die Regierung habe mehr als genug Impfstoff für alle Amerikaner. „Es ist eine Schande. Es ist so eine Schande, diesen Segen zu vergeuden.“ Der Demokrat hat sich gegen eine landesweite Impfpflicht ausgesprochen, macht inzwischen aber immer mehr Druck. „Wenn Sie in der Tat ungeimpft sind, dann stellen Sie ein Problem dar - für sich selbst, für ihre Familie und für jene, mit denen sie arbeiten“, warnte Biden.

In den USA sind bislang gut 49 Prozent der Bevölkerung von rund 330 Millionen Menschen vollständig geimpft, rund 57 Prozent haben mindestens die erste Spritze bekommen. Mehr als 50 Millionen von der Regierung an die Bundesstaaten ausgelieferte Dosen wurden bislang noch nicht eingesetzt, wie Daten der Gesundheitsbehörde CDC zeigen. Experten warnen, viele Dosen könnten bald ablaufen, falls die zuständige Behörde FDA das Haltbarkeitsdatum nicht verlängern sollte.

Der Präsident forderte nun Bundesstaaten, Bezirke und Kommunen auf, eine Belohnung von 100 US-Dollar für neu geimpfte Personen auszuloben. Sie sollen dafür übrige Mittel aus dem Konjunkturpaket vom März verwenden. Dies solle „ein extra Anreiz“ sein, um die Impfquote zu erhöhen „und Leben zu retten“, erklärte das Finanzministerium. Biden fügte hinzu: „Wenn uns Anreize helfen, dieses Virus zu besiegen, dann finde ich, sollten wir sie nutzen.“ Wenn mehr Leute geimpft seien, profitiere davon das ganze Land.

In dem Konjunkturpaket waren 350 Milliarden US-Dollar Hilfen für Bundesstaaten, Bezirke und Kommunen vorgesehen, die oftmals noch nicht völlig abgerufen oder verplant sind. Viele Bundesstaaten und Kommunen haben aber bereits zahlreiche Anreize ausgelobt, um die Impfquote zu erhöhen - darunter auch Millionengewinne, Anleihen oder eine Belohnung für alle Geimpften. Die Stadt New York etwa bietet Impfwilligen als Anreiz schon ab Freitag je 100 US-Dollar.

RKI: Zunehmend Corona-Fälle nach Reisen gemeldet

Corona-Ansteckungen, die wahrscheinlich auf Reisen passiert sind, spielen laut dem Robert Koch-Institut (RKI) eine zunehmende Rolle beim derzeitigen Infektionsgeschehen in Deutschland. Das schreibt das RKI in seinem wöchentlichen Lagebericht vom Donnerstagabend. In der Zeit vom 28. Juni bis 25. Juli sind demnach 3662 Fälle gemeldet worden, in denen die Betroffenen dem Virus wahrscheinlich im Ausland ausgesetzt waren.

Als wahrscheinliche Infektionsländer in den vier betrachteten Wochen wurden Spanien, die Türkei und die Niederlande am häufigsten genannt, vor Kroatien und Griechenland. Ein besonders starker Zuwachs seit Mitte Juli ist für die Türkei verzeichnet, hier verdoppelte sich die Zahl der pro Woche erfassten Fälle ungefähr. Mit Frankreich, Italien, Österreich und Dänemark stehen weitere beliebte Reiseziele auf den ersten zehn Plätzen der Liste.

Eine Corona-Ausbreitung durch heimkommende Sommerurlauber soll durch neue Regeln für die Einreise nach Deutschland gebremst werden. Auf breitere Testpflichten müssen sich nach einem Verordnungsentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vor allem Nicht-Geimpfte einstellen.

Der überwiegende Anteil der Corona-Übertragungen finde allerdings weiterhin innerhalb Deutschlands statt, betont das RKI - die Rede ist von mindestens 81 Prozent. Angaben zum wahrscheinlichen Infektionsland liegen bei weitem nicht bei jedem Fall vor.

In Deutschland und dem europäischen Ausland sind dem Bericht zufolge als besorgniserregend eingestufte Virusvarianten vorherrschend. Hierzulande wird die deutlich ansteckendere Delta-Variante in einer Stichprobe mittlerweile in rund neun von zehn Fällen gefunden (91 Prozent). Der Anteil war über Wochen teils sehr rasch gewachsen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland steigt laut RKI derzeit vor allem bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 10 und 34 Jahren. Die mit Abstand höchsten Werte werden für die Vorwoche bei den Untergruppen der 15- bis 19-Jährigen mit 40 und bei den 20- bis 24-Jährigen mit 45 verzeichnet. Vor allem die Menschen ab 60, bei denen die Impfquote höher ist als bei Jüngeren, sind bislang von dem deutlichen Anstieg verschont.

Da die Zahl der Ansteckungen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen insgesamt noch niedrig sei, könnten Gesundheitsämter viele Infektionsketten nachvollziehen, hält das RKI fest.

Weiter setzt sich laut RKI der Rückgang der Zahl von Krankenhaus- und Intensivstation-Fällen mit Covid-19 nicht fort. Stattdessen sei der Anteil von Patienten mit dieser Diagnose an allen Fällen mit schweren Atemwegsinfektionen vergangene Woche wieder leicht angestiegen. „Insgesamt liegen die Werte zurzeit aber auf einem niedrigen Niveau.“

Wichtige Hintergründe:

- US-Präsident Joe Biden will mit Geld neue Impfanreize schaffen. Nora Szech hält das für den richtigen Weg. Es werde Zeit, dass auch die deutsche Politik ins Handeln komme, fordert die Ökonomin.

- Als erste große Unternehmen im Silicon Valley machen Google und Facebook die Impfung ihrer Mitarbeiter für eine Rückkehr ins Büro zur Pflicht. Was bedeutet dies für die deutschen Standorte der Konzerne?

- Während Biontech und Moderna schon zu Auffrischungsimpfungen raten, ist die Coronaimpfung mit dem Wirkstoff von US-Hersteller Johnson & Johnson mit weniger Aufwand verbunden.

Donnerstag, 29. Juli

Neue Regeln für die Einreise nach Deutschland sollen eine Corona-Ausbreitung durch heimkommende Sommerurlauber bremsen. Auf breitere Testpflichten müssen sich nach einem Verordnungsentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vor allem Nicht-Geimpfte einstellen. Es sei nötig, „die Eintragung zusätzlicher Infektionen einzudämmen und die Infektionszahlen gering zu halten, um in dieser Zeit weiter die Impfquoten steigern zu können“, heißt es in dem Entwurf, berichtet die Deutsche Presse-Agentur vorliegt. „Die nach aktuellen Prognosen zu erwartende nächste Welle an hohen Infektionszahlen soll möglichst weit nach hinten verzögert werden.“

Zu dem Referentenentwurf mit Stand von Mittwochabend gab es nach dpa-Informationen am Donnerstag eine weitere Abstimmungsrunde der beteiligten Ministerien. Er sieht ein Inkrafttreten der Neuregelungen an diesem Sonntag (1. August) vor. Angestrebt wird ein Beschluss des Kabinetts im Umlaufverfahren an diesem Freitag.

Test- und Nachweispflicht: Grundsätzlich sollen laut dem Entwurf künftig alle Einreisenden ab sechs Jahren über einen negativen Testnachweis, einen Genesenen-Nachweis oder einen Nachweis einer vollständigen Impfung verfügen müssen – egal von wo und auf welchem Weg sie kommen. Bei Einreise aus einem Gebiet mit besorgniserregenden Virusvarianten soll ein Testnachweis nötig sein, Nachweise als Geimpfter oder Genesener sollen dann nicht reichen. Derzeit gelten etwa Brasilien und Südafrika als Virusvariantengebiete. Kosten für mögliche Schnell- oder PCR-Tests im Ausland sind selbst zu zahlen.

Kontrollen: Generell sollen die Nachweise bei der Einreise mitzuführen und bei „stichprobenhaften“ Überprüfungen durch die Behörden vorzulegen sein, wie es im Entwurf heißt. Kontrollen aller Einreisenden direkt an den Grenzen sind nicht vorgesehen. Reist man mit einem Beförderungsunternehmen wie einer Fluggesellschaft, sollen die Nachweise vor dem Start auf Anforderung vorgelegt werden müssen – so ist es für Flugpassagiere schon bisher. Im grenzüberschreitenden Bahnverkehr soll dies auch während der Fahrt möglich sein.

Sonderfälle: Sonderregelungen sieht der Entwurf unter anderem für Grenzpendler und kürzere Reisen im Grenzverkehr vor. Für sie soll die Testpflicht nur gelten, wenn sie aus Risikogebieten kommen. Für nicht Geimpfte und nicht Genesene soll ein Testnachweis demnach auch nur zweimal pro Woche nötig sein, nicht bei jeder Einreise.

Risikogebiete: Geplant sind dem Entwurf zufolge auch Änderungen bei der Einstufung internationaler Regionen mit höherem Risiko. Künftig soll es statt drei nur noch zwei Kategorien geben: Hochrisikogebiete und Virusvariantengebiete. Als Hochrisikogebiete sollen Regionen mit besonders hohen Fallzahlen gelten. Ein Indiz dafür soll eine Sieben-Tage-Inzidenz von „deutlich mehr als 100“ sein, betrachtet werden sollen aber auch andere Faktoren wie niedrige Testraten oder viele Krankenhausfälle. Die Stufe eines „einfachen“ Risikogebiets mit mehr als 50 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen soll wegfallen. Bisher gibt es auch eine mittlere Stufe der „Hochinzidenzgebiete“ mit Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200.

Quarantäne: Vorgesehen ist laut dem Entwurf für Hochrisikogebiete, dass nicht Geimpfte und nicht Genesene direkt nach der Rückkehr zehn Tage in Quarantäne müssen, die frühestens ab dem fünften Tag mit einem negativen Testnachweis beendet werden kann. Eine dafür zunächst vorgesehene Vorgabe zu PCR-Tests statt Schnelltests sollte dem Vernehmen nach voraussichtlich entfallen. Für Kinder unter zwölf Jahren soll die Quarantäne nach dem fünften Tag nach Einreise enden. Bei der Rückkehr aus Virusvariantengebieten sind weiterhin 14 Tage häusliche Quarantäne vorgesehen.

Die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus nannte die generelle Einreise-Testpflicht erneut unverhältnismäßig. „Es macht einen gravierenden Unterschied, ob man aus einem Hochinzidenzgebiet einreist oder aus einem Land mit einer niedrigen Inzidenz.“ Die Regierung wiederhole zudem die Fehler des vergangenen Jahres: „Erst wenn die Sommerferien voll im Gange sind, wird über Testmaßnahmen für Reiserückkehrer diskutiert.“

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte die im Entwurf genannte Regelung sinnvoll, dass Ungeimpfte aus Hochrisikogebieten in Quarantäne sollten, bis sie per PCR freigetestet seien. „Für Geimpfte und Genesene sollte es freie Fahrt geben. Damit wird die 4. Welle begrenzt“, schrieb er bei Twitter. Hierzu wurden aber auch Bedenken laut. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider sagte der dpa, diese Tests seien erheblich teurer als Schnelltests. „Deshalb fordere ich, dass in diesen Fällen die Kosten für die PCR-Tests vom Staat übernommen werden.“ Der Urlaub dürfe nicht zur Kostenfalle werden.

AstraZeneca prüft Optionen für Corona-Impfstoffsparte

AstraZeneca prüft einem hochrangigen Manager zufolge Optionen für sein Coronavirus-Impfstoffgeschäft. „Diese große strategische Frage wird diskutiert“, sagte der Leiter der biopharmazeutischen Sparte, Ruud Dobber, am Donnerstag, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. „Wir prüfen verschiedene Optionen, aber zu diesem Zeitpunkt ist es viel zu früh, das abzuschließen.“ Vor Jahresende werde hoffentlich klarer sein, wie es in den kommenden Jahren weitergehen werde. Konzernchef Pascal Soriot erklärte dazu bei einem Gespräch mit Analysten, die Frage habe gegenwärtig keine Priorität. „Wir werden natürlich prüfen, wie es weitergeht. Aber wir haben dafür keinen konkreten Zeitplan.“

Dobber weis darauf hin, dass der Impfstoff auf den Gesamtgewinn des Unternehmens laste, im Gegensatz zu der Situation bei Rivalen wie Pfizer, dem Biontech-Partner. „Ohne Gewinne ist das nicht langfristig tragbar, aber es ist noch zu früh, darüber zu spekulieren“, sagte er. AstraZeneca hatte sich 2020 trotz fehlender Erfahrung in dem Bereich bereiterklärt, zusammen mit der University of Oxford den Impfstoff zu entwickeln. Dabei hatte sich der Pharmakonzern verpflichtet, während der Pandemie auf einen Gewinn durch das Mittel zu verzichten. AstraZeneca liegt nun mit der EU im Streit wegen schleppender Lieferungen, die Zulassung in den USA dauert länger als erwartet und wegen sehr seltener Nebenwirkungen ist der Einsatz in gewissen Altersgruppen beschränkt.

Apotheken: Impfzertifikate schrittweise wieder erhältlich

Erste Apotheken in Deutschland stellen nach einer Unterbrechung wieder digitale Corona-Impfzertifikate aus. Schrittweise werde begonnen, den Service für Geimpfte wieder anzubieten, wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda) am Donnerstag in Berlin mitteilte. Wer das Zertifikat haben möchte, solle sich jedoch vorab auf der Internetseite www.mein-apothekenmanager.de informieren, welche Apotheke man zu dem Zweck aufsuchen kann.

Wie viele Apotheken bereits wieder Zertifikate ausstellen, war zunächst nicht bekannt. Man rechne damit, dass in den nächsten Tagen die Allermeisten wieder an das notwendige System angeschlossen seien, sagte ein Abda-Sprecher. Dies hänge von den jeweiligen IT-Dienstleistern ab.

Vor gut einer Woche hatte der Deutsche Apothekerverband (DAV) das Ausstellen der digitalen Zertifikate nach Rücksprache mit dem Bundesgesundheitsministerium gestoppt. Grund waren Hinweise auf eine Sicherheitslücke. Dem „Handelsblatt“ war es demnach gelungen, „mithilfe von professionell gefälschten Dokumenten“ auf dem DAV-Server einen Gastzugang für einen nicht existierenden Apothekeninhaber zu erzeugen, mit dem dann zwei Impfzertifikate online ausgestellt worden seien.

„Alle erteilten Zugänge wurden überprüft und verifiziert; dabei wurde die Rechtmäßigkeit aller anderen Zugänge bestätigt“, bekräftigte die Abda nun. Auch technische Schritte für mehr Sicherheit seien umgesetzt worden.

SPD-Fraktion fordert Kostenübernahme für PCR-Tests von Reiserückkehrern

Der Staat muss nach Ansicht der SPD-Fraktion die Kosten für geplante PCR-Tests für Rückkehrer aus Corona-Hochrisikogebieten übernehmen. Nach den Plänen des Gesundheitsministeriums sollten bei Einreise aus einem solchen Land Schnelltests zur Abkürzung der Quarantäne bald nicht mehr ausreichen, sagte der parlamentarische Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Die dann geforderten PCR-Tests seien aber erheblich teurer. „Für eine Familie kann das schnell mehrere hundert Euro betragen“, sagte Schneider. „Deshalb fordere ich, dass in diesen Fällen die Kosten für die PCR-Tests vom Staat übernommen werden.“ Der Urlaub dürfe nicht zur Kostenfalle werden.

Die Pläne des Gesundheitsministeriums sehen eine generelle Testpflicht bei Einreisen nach Deutschland vor, um die Corona-Ausbreitung zu bremsen. Ein mit anderen Ressorts abgestimmter Entwurf sieht ein Inkrafttreten an diesem Sonntag (1.8.) vor. Er soll aber noch weiter beraten werden.

Grundsätzlich müssten dann alle Einreisenden ab sechs Jahren einen negativen Test, eine zurückliegende Coronaerkrankung oder eine vollständige Impfung nachweisen. Wer aus einem Hochrisikogebiet kommt und nicht geimpft oder genesen ist, müsste für zehn Tage in Quarantäne gehen. Diese könnte frühestens ab dem fünften Tag mit einem negativen PCR-Test beendet werden.

Seehofer: Corona-Tests sollten während Pandemie kostenfrei bleiben

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ist dagegen, Corona-Tests für Nicht-Geimpfte bald kostenpflichtig zu machen. „Solange die Pandemie anhält, würde ich nichts an der Kostenfreiheit ändern. Ich möchte, dass denen, die weder geimpft noch genesen sind, die Chance des Tests bleibt“, sagte Seehofer der „Mittelbayerischen Zeitung“. „Was glauben Sie, wie viele Leute den Test nicht mehr machen oder machen können, wenn er nicht kostenfrei ist? Damit könnte ein verstecktes Infektionsgeschehen stattfinden“, warnte er.

Seehofer stellte sich damit gegen jüngste Überlegungen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) und auch von CSU-Chef und Bayerns Regierungschef Markus Söder. Diese hatten zuletzt dafür plädiert, Corona-Tests auf Dauer nicht mehr öffentlich zu bezahlen - wenn alle, die sich impfen lassen können, ein Impfangebot erhalten haben.

Eine Impfpflicht etwa von Unternehmen für ihre Mitarbeiter lehnte Seehofer strikt ab. „Ganz allergisch reagiere ich, wenn jemand sagt: Wenn du nicht geimpft bist, wirst du bei uns nicht mehr beschäftigt. Oder weil du nicht geimpft bist, bekommst du keine Kranken- oder Lebensversicherung. Davor kann ich nur dringend warnen.“

Er selbst könne „nur dafür werben, dass man sich impfen lässt“, sagte Seehofer und betonte: „Die Impfung hilft. Es ist bis dato der beste Schutz gegen eine potenziell tödliche Krankheit.“ Bei ihm selbst habe schon die Erstimpfung nach Angaben der Ärzte zu einem milden Verlauf geführt. „Ich bin aber strikter Gegner einer Impfpflicht“, sagte der CSU-Politiker. „Der Staat hat noch genügend Möglichkeiten, für die Impfung zu werben. Er sollte die notwendige Gelassenheit aufbringen. Es braucht nicht jeden Tag ein Stimmengewirr, was alles am Horizont droht, wenn sich die Leute nicht impfen lassen.“

Rekordzahl an „Pings“ in England und Wales nach Corona-Kontakten

Wegen hoher Corona-Fallzahlen sind in England und Wales erneut so viele Menschen von der Corona-App als enge Kontakte von Infizierten benachrichtigt worden wie nie zuvor. In der Woche bis zum 21. Juli wurde laut Zahlen, die der Gesundheitsdienst am Donnerstag veröffentlichte, eine Rekordzahl von 689.313 Kontakten „gepingt“, die sich daraufhin in Quarantäne begeben mussten. In der Woche zuvor waren es 618.903 Kontakte. Die App schlägt an, wenn sich Nutzer eine gewisse Zeit in direkter Nähe eines positiv Getesteten aufgehalten haben.

Die „Pingdemic“, wie das Phänomen von britischen Medien genannt wird, hat in Großbritannien in den vergangenen Tagen und Wochen für erhebliche Störungen gesorgt. Weil so viele Arbeitskräfte ausfielen, blieben Supermarktregale leer, Mülltonnen voll, und Züge fielen aus. Mittlerweile sind für eine Reihe von Berufsgruppen Ausnahmeregelungen beschlossen worden. Von Mitte August an sollen für alle Geimpften gelockerte Quarantäne-Regeln eingeführt werden.

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt im Land derzeit bei 377 (Stand: 23. Juli) mit fallender Tendenz. Gespannt wird darauf gewartet, ob sich der überraschende Trend trotz der weitreichenden Lockerungen in der vergangenen Woche fortsetzen wird.

Umfrage: Weniger Skeptiker der Corona-Impfung für Kinder

Einer Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen stehen laut einer YouGov-Umfrage inzwischen mehr Menschen offen gegenüber. Nach der repräsentativen Befragung hat der Anteil der Skeptiker abgenommen: 37 Prozent gaben an, eine Impfung dieser Gruppen skeptisch zu sehen – nach 44 Prozent Ende Mai. 46 Prozent erklärten, sie seien nicht skeptisch – Ende Mai waren es 43 Prozent, wie das Meinungsforschungsinstituts YouGov am Donnerstag mitteilte. Demnach stehen vor allem AfD-Wähler der Impfung von Kindern und Jugendlichen skeptisch gegenüber.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat vorerst keine generelle Impfempfehlung für Kinder ab 12 Jahren ausgesprochen – sie empfiehlt Impfungen für 12- bis 17-Jährige nur bei bestimmten Vorerkrankungen wie Adipositas. Unabhängig davon sind Impfungen aber als individuelle Entscheidung von Eltern mit ihren Kindern und den Ärztinnen und Ärzten möglich. Für Kinder unter 12 Jahren gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff.

Corona-Immunisierung: Impfquote legt weiter leicht zu

Die Corona-Impfquote steigt in Deutschland weiter leicht an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstag sind inzwischen 50,9 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft (Stand 9.45 Uhr). Das entspricht 42,36 Millionen Menschen. Am Vortag war ein wichtiger Meilenstein erreicht worden: Erstmals war mehr als die Hälfte der Bevölkerung zwei Mal gegen die Viruskrankheit immunisiert. Mindestens eine Impfdosis haben dem RKI zufolge inzwischen 61,3 Prozent der Bevölkerung beziehungsweise 51,01 Millionen Menschen verabreicht bekommen. Im Schnitt werden fünf Menschen pro Sekunde geimpft.

Bei den Bundesländern liegt Bremen mit 59,2 Prozent Bevölkerungsanteil der vollständig Geimpften weiterhin an der Spitze, das Schlusslicht bildet Sachsen mit 46,5 Prozent. Die meisten Impfdosen wurden bislang mit 20,50 Millionen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen verabreicht.

Ifo-Schätzung: Nur noch ein Viertel arbeitet im Homeoffice

Nach eineinhalb Jahren Corona-Pandemie ist eine stetig wachsende Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer wieder in der Firma tätig. Im Juli arbeitete nach einer neuen Schätzung des Münchner Ifo-Instituts nur noch ein Viertel der Beschäftigten (25,5 Prozent) zumindest zeitweise zuhause, eine Fortsetzung des rückläufigen Trends der vergangenen Monate. Im Juni waren es noch 28,4 Prozent gewesen.

Die Münchner Ökonomen führten das am Donnerstag nicht nur auf das Ende der Homeoffice-Pflicht für Unternehmen zurück: „Die Menschen suchen wieder häufiger den persönlichen Kontakt im Büro“, sagte Ifo-Wissenschaftler Jean-Victor Alipour am Donnerstag.

Überdurchschnittlich häufig in den eigenen vier Wänden arbeiten nach wie vor Beschäftigte in Dienstleistungsberufen. Besonders deutlich sichtbar war die Entwicklung laut Ifo-Einschätzung in Fernsehen und Rundfunk: Der Anteil der Heimwerker fiel demnach von 60,9 Prozent in Juni auf 36,9 Prozent im Juli.

Laut einer Umfrage des Reisezahlungs-Dienstleisters AirPlus rechnen die Firmen aber künftig mit einem bleibenden Homeoffice-Anteil. Besonders geeignet sei dies für Mitarbeiter der IT, Finanzen und Management sowie bei Marketing, Kommunikation und allgemeiner Verwaltung. Weil sich bei der Fernarbeit aber auch Schwächen wegen fehlender menschlicher Interaktion zeigten, rechneten die meisten Firmen für die Zukunft mit Mischformen zwischen mobilem und stationärem Arbeiten. Mit Homeoffice-Angeboten könne man auch bei Fachkräften punkten.

Google und Facebook führen in den USA Impfpflicht für Mitarbeiter ein

Wegen der raschen Ausbreitung der Delta-Variante in den USA verschärfen Google und Facebook die Corona-Regeln für ihre Beschäftigten. Die Mitarbeiter der zwei Internetriesen in den Vereinigten Staaten müssen sich vor einer Rückkehr in die Büros gegen das Coronavirus impfen lassen, wie beide Unternehmen unabhängig voneinander am Mittwoch (Ortszeit) mitteilten.

Google-Chef Sundar Pichai erklärte, die Regelung betreffe zunächst die USA, werde in den kommenden Monaten aber auch für andere Regionen gelten, sobald dort Impfungen weithin verfügbar seien. Der Vorstoß der zwei Tech-Giganten setze andere große Unternehmen unter Druck, dem Beispiel zu folgen, hieß es in Medienberichten.

Google sei sich bewusst, dass viele Beschäftigte sich Sorgen machten, wegen der zunehmenden Infektionen durch die Delta-Variante ins Büro zurückzukehren. „Sich impfen zu lassen, ist eine der wichtigsten Maßnahmen, uns und unsere Gemeinden in den kommenden Monaten gesund zu halten“, betonte Pichai in einer Mitteilung.

Google verschiebe zudem die geplante größere Rückkehr in die Büros bis 18. Oktober. Er hoffe, die Mitarbeiter mit diesen Schritten beruhigen zu können, schrieb er. Apple wiederum hatte die Rückkehr in die Büros bereits vergangene Woche ebenfalls um zunächst einen Monat verschoben, nun bis Oktober. Das Unternehmen kündigte aber bislang keine Impfpflicht an.

Bei Facebook kündigte Personalchefin Lori Goler an, die Umsetzung der Impfpflicht für Mitarbeiter in den US-Büros werde von „örtlichen Bedingungen und Vorschriften“ abhängen. „Wir werden auch eine Vorgehensweise haben für jene, die aus medizinischen oder anderen Gründen nicht geimpft werden können“, ergänzte sie. Das Vorgehen mit Blick auf Standorte außerhalb der USA werde weiter geprüft. Die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe bei den Rückkehrkonzepten Priorität.

Die Impfkampagne in den USA tritt inzwischen auf der Stelle – und das trotz einer Fülle an Impfstoffen und vielen Impfanreizen. Daher haben inzwischen bereits die Bundesstaaten New York und Kalifornie eine Pflicht für Angestellte angekündigt, sich entweder impfen oder regelmäßig testen zu lassen.

Auch die Bundesregierung prüft nach Aussage von Präsident Joe Biden für ihre gut zwei Millionen Angestellten eine Impfpflicht. Der offenbar erwogenen Regelung zufolge werden jene, die sich nicht impfen lassen wollen, sich regelmäßigen Corona-Tests unterziehen müssen. Der Idee einer landesweiten Impfpflicht hat Biden jedoch eine klare Absage erteilt.

In den USA sind bislang gut 49 Prozent der Bevölkerung von rund 330 Millionen Menschen vollständig geimpft. Das ist deutlich weniger, als die Regierung für diesen Zeitpunkt angepeilt hatte. Zuletzt stieg die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen wegen der besonders ansteckenden Delta-Variante im Schnitt wieder auf rund 60.000 an.

So wurden am Mittwoch fast 69.000 neue Ansteckungen gemeldet, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore vom Donnerstagmorgen (MESZ) hervorging. Das sind knapp 17.000 mehr als vor einer Woche. Die Zahl der binnen eines Tages gemeldeten Toten mit einer bestätigten Corona-Infektion stieg im Wochenvergleich von 333 auf 513.

Die bisherigen Höchstwerte wurden am 2. Januar mit 300 462 Neuinfektionen sowie am 12. Januar mit 4460 Toten verzeichnet. Mehr als 83 Prozent aller erfassten Infektionen im Land sind nach Schätzungen der Gesundheitsbehörde CDC auf die besonders ansteckende Delta-Variante zurückzuführen.

Entwurf: Einreise-Testpflicht soll neue Infektionswelle verzögern

Die vorgesehene generelle Testpflicht bei Einreisen nach Deutschland soll nach Plänen des Bundesgesundheitsministeriums eine neue raschere Corona-Ausbreitung bremsen. Es sei notwendig, „die Eintragung zusätzlicher Infektionen einzudämmen und die Infektionszahlen gering zu halten, um in dieser Zeit weiter die Impfquoten steigern zu können“, heißt es in einem Verordnungsentwurf aus dem Ministerium, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Die nach aktuellen Prognosen zu erwartende nächste Welle an hohen Infektionszahlen soll möglichst weit nach hinten verzögert werden.“

Der Referentenentwurf mit Stand von Mittwochabend wurde nach dpa-Informationen mit anderen Ressorts vorabgestimmt, darüber soll nun noch weiter beraten werden. Der Entwurf sieht ein Inkrafttreten der Verordnung an diesem Sonntag (1. August) vor. Die Bundesregierung hatte den Starttermin der Neuregelung aber zuletzt offen gelassen und auf noch nötige interne Abstimmungen verwiesen.

Grundsätzlich sollen laut dem Entwurf künftig alle Einreisenden ab sechs Jahren über einen negativen Testnachweis, Genesenennachweis oder Nachweis einer vollständigen Impfung verfügen müssen – egal von wo und auf welchem Weg sie nach Deutschland kommen. Bei Einreise aus einem Gebiet mit besorgniserregenden Virusvarianten soll immer ein Testnachweis nötig sein - Nachweise als Geimpfter oder Genesener sollen dann nicht reichen.

Generell sollen die Nachweise bei der Einreise mitzuführen und bei „stichprobenhaften“ Überprüfungen durch die Behörden vorzulegen sein. Reist man mit einem „Beförderer“ wie einer Fluggesellschaft, sollen die Nachweise vor dem Start auf Anforderung vorgelegt werden müssen – so ist es für Flugpassagiere schon bisher. Im grenzüberschreitenden Bahnverkehr soll dies auch während der Fahrt möglich sein.

Sonderregelungen sieht der Entwurf unter anderem für Grenzpendler und kürzere Reisen im Grenzverkehr vor. Für sie soll die Testpflicht nur bei einer Einreise aus Risikogebieten mit hohen Infektionszahlen gelten. Für nicht Geimpfte und nicht Genesene soll ein Testnachweis nur zweimal pro Woche nötig sein und nicht bei jeder Einreise.

Geplant sind dem Entwurf zufolge auch Änderungen bei der Einstufung von Regionen mit höherem Risiko. Künftig soll es statt drei nur noch zwei Kategorien geben: Hochrisikogebiete und Virusvariantengebiete. Die bisherige Stufe eines „einfachen“ Risikogebiets soll entfallen. Als Hochrisikogebiete sollen Regionen mit besonders hohen Fallzahlen gelten, ein Indiz dafür sei ein Niveau von deutlich mehr als 100 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen.

Vorgesehen ist für Hochrisikogebiete, dass nicht Geimpfte und nicht Genesene bei der Rückkehr zehn Tage in Quarantäne gehen müssen, die frühestens ab dem fünften Tag mit einem negativen PCR-Testnachweis beendet werden kann. Für Kinder unter zwölf Jahren soll die Quarantäne nach dem fünften Tag nach Einreise enden. Bei der Rückkehr aus Virusvariantengebieten sollen weiter 14 Tage Quarantäne nötig sein.

Vorgesehen war, dass der Entwurf im Umlaufverfahren zwischen den Ministerien weiter abgestimmt und beschlossen werden sollte. Dies könnte bis zu diesem Freitag geschehen.

RKI ändert seine Angaben in 3142 Neuinfektionen und 21 Tote

Das Robert-Koch-Institut (RKI) ändert seine Angaben vom Donnerstag zu den Infektions- und Totenzahlen. Demnach wurden den Gesundheitsämtern binnen 24 Stunden 3142 Neuinfektionen gemeldet. 21 Menschen starben mit oder an dem Coronavirus. Zunächst hatte das RKI 3520 Neuinfektionen und zehn weitere Todesfälle gemeldet. Insgesamt registriert das RKI damit mehr als 3,76 Millionen nachgewiesene Infektionsfälle und 91.607 Tote. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 16,0, wie sie zuvor ausgewiesen wurde. Das RKI teilte zuvor mit, dass seine Angaben auf der Website auf ihre Richtigkeit hin überprüft würden.

Wichtige Hintergründe:

- Als erste große Unternehmen im Silicon Valley machen Google und Facebook die Impfung ihrer Mitarbeiter für eine Rückkehr ins Büro zur Pflicht. Was bedeutet dies für die deutschen Standorte der Konzerne?

- Während Biontech und Moderna schon zu Auffrischungsimpfungen raten, ist die Coronaimpfung mit dem Wirkstoff von US-Hersteller Johnson & Johnson mit weniger Aufwand verbunden.

- Während Google und Facebook ihre Mitarbeiter zur Impfung verpflichten, gerät die deutsche Kampagne ins Stocken. Deshalb überlegen Unternehmen derzeit, wie sie ihre Belegschaft vom Segen der Spritze überzeugen können. Doch wirken solche Anreize wirklich?

Mittwoch, 28. Juli

Die Inzidenz sollte nach Ansicht des Robert Koch-Instituts weiterhin der Leitindikator für die Infektionsdynamik bleiben. Das geht aus einem Papier hervor, das RKI-Chef Lothar Wieler am Montag bei einer Schaltkonferenz mit den Chefs der Staatskanzleien der Länder präsentierte.

„Inzidenz ist Leitindikator für Infektionsdynamik (hohe Inzidenzen haben zahlreiche Auswirkungen)“, heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über das zuerst die „Bild“ und „The Pioneer“ berichtet hatten. Die 7-Tage-Inzidenz bleibe wichtig, um die Situation in Deutschland zu bewerten und frühzeitig Maßnahmen zur Kontrolle zu initiieren. Nach Informationen der „Bild“ soll es deshalb in der Schalte zu größeren Diskussionen gekommen sein, weil viele Länder von der Inzidenz als wichtigstem Kriterium abkommen wollen.

Zur aktuellen Lage heißt es in dem Papier, dass die Inzidenzen seit rund drei Wochen wieder stiegen, der Anteil der Hospitalisierungen seit rund zwei Wochen. „Die vierte Welle hat begonnen.“

Hohe Impfquoten alleine seien nicht ausreichend, die vierte Welle flach zu halten, heißt es weiter. Zusätzliche „Basisschutz-Maßnahmen“ seien notwendig, um die vierte Welle so zu senken, dass die Patientenzahlen in Krankenhäusern nicht zu hoch würden. Als Maßnahmen nennt das Papier eine Reduzierung der Kontakte sowie eine Reduktion der Mobilität.

Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA steigt deutlich

In den USA steigt die Zahl der an einem Tag erfassten Corona-Neuinfektionen an. Die Behörden meldeten am Dienstag 70 740 neue Fälle, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore vom Mittwochmorgen (MESZ) hervorging. Das sind etwa 28.000 mehr als vor genau einer Woche. Die Zahl der Toten mit einer bestätigten Corona-Infektion stieg im Wochenvergleich von 286 auf 533.

Die bisherigen Höchstwerte wurden am 2. Januar mit 300.462 Neuinfektionen sowie am 12. Januar mit 4460 Toten verzeichnet. Mehr als 83 Prozent aller erfassten Infektionen im Land sind nach Schätzungen der Gesundheitsbehörde CDC auf die besonders ansteckende Delta-Variante zurückzuführen.

In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern haben sich bislang etwa 34,6 Millionen Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert, mehr als 611.000 Menschen starben. In absoluten Zahlen gemessen – aber nicht relativ zur Bevölkerung – sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt. Bislang haben in den USA nach CDC-Daten mehr als 56,9 Prozent der Menschen mindestens die erste Impfung erhalten, rund 49 Prozent sind vollständig geimpft.

Die Johns-Hopkins-Webseite wird regelmäßig aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder der CDC. In manchen Fällen werden die Zahlen – unter anderem die der Neuinfektionen binnen 24 Stunden, aber auch die der Toten – nachträglich aktualisiert.

RKI registriert 2768 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 15,0

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit drei Wochen an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Mittwochmorgen lag sie bei 15,0 am Vortag betrug der Wert 14,5, beim jüngsten Tiefststand vom 6. Juli waren es 4,9.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 2768 Corona-Neuinfektionen, wie aus den Zahlen weiter hervorgeht, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.28 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 2203 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 21 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 19 Tote gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.761.169 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.649.100 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.586.

Dienstag, 27. Juli

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die Politik in Bund und Ländern aufgefordert, mit einer klaren Strategie gegen eine vierte Corona-Welle in den Herbst zu gehen. Mitte August werde es eine Ministerpräsidentenkonferenz geben, sagte Söder am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München. „Dafür brauchen wir klare Linien“, sagte er. Es dürfe in der Pandemiebekämpfung kein Zögern geben und die Hoffnung, „in die Bundestagswahl zu stolpern“, sagte Söder.

Söder sprach sich dafür aus, geimpften Menschen ihre Freiheitsrechte zurückzugeben, Ungeimpften dagegen nicht ohne weiteres. Es gehe nicht um die Benachteiligung Ungeimpfter oder um einen Impfdruck durch die Hintertür. Jedoch sei das Vorenthalten von Grundrechten für Geimpfte nicht zu rechtfertigen.

Er sprach sich dafür aus, das Impfen für Minderjährige deutlich voranzubringen. Ziel müsse es sein, bei den Schülerinnen und Schülern im neuen Schuljahr die Quarantänezeiten so weit wie möglich zu reduzieren, sagte Söder. In Großbritannien, wo die Infektionszahlen deutlich in die Höhe gegangen sind, befänden sich derzeit 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Quarantäne.

Das Robert Koch-Institut erarbeite gerade eine neue Berechnungsweise als Messlatte für die Schwere der Pandemie. Sie solle Impffortschritt und Sieben-Tage-Inzidenz unter einen Hut bringen.

Die Grenze von 50 bei der Sieben-Tage-Inzidenz müsse wohl nach oben angepasst werden, mit Ausnahme der Schulen. „Ist das alte 50 noch das neue 50? In der Schule ja, weil da gibt es noch zu wenig Impfung“, sagte Söder.

In den Schulen Bayerns werde nach den Ferien zudem zumindest in den ersten Wochen Maskenpflicht gelten. Auch eine Testpflicht soll es geben, möglichst schon vor dem ersten Schultag.

Länderchefs wollen sich am 10. August zu Corona abstimmen

Die Ministerpräsidenten der Länder wollen sich am 10. August zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie abstimmen. Das teilte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) und Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), am Dienstag mit. Müller hatte kurz zuvor angesichts der steigenden Infektionszahlen erklärt, dass der Korridor enger werde, in dem der gegenwärtigen Entwicklung noch wirksam entgegengewirkt werden könne. Er und andere Regierungschefs hatten ein zügiges Handeln und eine schnelle Beratung der Ministerpräsidenten gefordert. Diese werde nun am übernächsten Dienstag in gewohnter Form mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Videoschaltkonferenz stattfinden, hieß es. Ursprünglich war die nächste MPK für Ende August geplant.

Erweiterte Corona-Testpflichten für Urlaubsrückkehrer geplant

Zum Schutz vor einer Corona-Ausbreitung nach den Sommerferien müssen sich Urlauber auf erweiterte Testpflichten bei der Rückkehr nach Deutschland gefasst machen. Die Bundesregierung stimmt sich derzeit über eine vorgesehene Neuregelung ab, wie eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Dienstag sagte. Ressortchef Jens Spahn (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) streben eine schnellstmögliche Ausweitung der Testpflichten bei der Einreise an. Die Reisebranche rief Urlauber auf, sich impfen zu lassen. Mit Blick auf den Herbst wollen mehrere Länder baldige Beratungen mit dem Bund.

Eine generelle Testpflicht bei der Einreise besteht schon für alle Flugpassagiere. Der Nachweis eines negativen Ergebnisses muss noch im Urlaubsland gemacht und vor dem Start vorgezeigt werden – oder aber ein Nachweis als Genesener oder voll Geimpfter. Nach Vorstellungen Spahns und Seehofers sollte künftig grundsätzlich ein Test verlangt werden – egal, von wo und mit welchen Verkehrsmitteln man kommt. Wer weder geimpft ist noch eine Infektion hatte, müsste etwa auch einen Test machen, wenn er oder sie per Auto aus Polen kommt. Stationäre Grenzkontrollen sind aber dem Vernehmen nach nicht Teil des Konzepts.

Spahn hatte bereits in der vergangenen Woche deutlich gemacht, dass eine Ausweitung der Testpflicht sehr schnell kommen solle. Zunächst berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Dienstag über das Thema. Kritik kam von der Opposition. Eine so umfassende Ausweitung der Testpflicht sei weder hilfreich bei der Bekämpfung der Pandemie noch verhältnismäßig, sagte die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus. Der Fokus der Testpflicht sollte auf Reisende aus Hochrisiko- und Virusvariantengebieten gelegt und auch kontrolliert werden. Die Bundesregierung müsse sich zudem für eine europäische Regelung einsetzen, statt einseitig eine Verschärfung voranzutreiben.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Mittwoch) dagegen: „Eine generelle Testpflicht bei der Einreise nach Deutschland für alle, die weder vollständig geimpft noch genesen sind, ist aus medizinischer Sicht sehr sinnvoll.“ Bei Urlaubsreisen bestehe wegen der größeren Zahl an Kontakten grundsätzlich ein höheres Risiko, sich zu infizieren – zunächst einmal unabhängig vom Reiseort und dem genutzten Verkehrsmittel.

An diesem Mittwoch tritt bereits eine vom Kabinett beschlossene neue Einreiseverordnung in Kraft. Da es zu der von Spahn und Seehofer geplanten Regelung keine Einigkeit gab, werden im Wesentlichen die bestehenden Regelungen bis vorerst 10. September verlängert. Eine Erleichterung gibt es für Einreisende aus Virusvariantengebieten, in denen neue, besorgniserregende Virusformen kursieren.

Bisher müssen auch Genesene und Geimpfte, die von dort zurückkommen, für 14 Tage in Quarantäne. Künftig kann diese generell vorzeitig beendet werden, wenn die Region noch während der Quarantänezeit nicht mehr als Virusvariantengebiet eingestuft wird.

Welche Regionen die Bundesregierung zu Risiko-, Hochinzidenz- oder Virusvariantengebiete mit besonderen Vorgaben zu Tests und Quarantäne erklärt, veröffentlicht das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Internetseite. Seit Dienstag gelten Spanien und die Niederlande als Hochinzidenzgebiete mit besonders vielen Neuinfektionen. Wer aus einem solchen Gebiet zurückkehrt und nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss für zehn Tage in Quarantäne, kann diese aber durch einen negativen Test nach fünf Tagen verkürzen.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) und der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) appellierten an die Bürger, Angebote zu Corona-Impfungen auch mit Blick auf den Urlaub anzunehmen. „Für Geimpfte ist die Reiseplanung verlässlicher und das Reisen einfacher.“ Einige Länder behielten bestimmte Aktivitäten vor Ort auch ausschließlich Geimpften vor. „Mit dem Impfschutz beugen Sie solchen Überraschungen im Urlaub vor.“

Über das weitere Corona-Vorgehen nach den Sommerferien soll nach dem Willen mehrerer Länder bald auch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gesprochen werden. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz sprach sich für eine Beratung innerhalb der nächsten zwei Wochen aus. Er wünsche sich vom Bund, dass er zügig Regularien für Reiserückkehrer anfasse und es etwa an Flughäfen nicht nur bei Stichproben bleibe. „Der Korridor, um der gegenwärtigen Entwicklung noch wirksam entgegen zu wirken, wird enger“, sagte Müller.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte in München, Mitte August werde es eine Ministerpräsidentenkonferenz geben. „Dafür brauchen wir klare Linien.“ Es dürfe in der Pandemiebekämpfung kein Zögern geben und die Hoffnung, „in die Bundestagswahl zu stolpern“. Söder sprach sich dafür aus, das Impfen für Minderjährige deutlich voranzubringen. Ziel müsse es sein, bei Schülerinnen und Schülern im neuen Schuljahr Quarantänezeiten so weit wie möglich zu reduzieren.

Zugang zu Impfungen führt zu ungleichem Wachstum der Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft erholt sich von der Corona-Krise, aber die Ungleichheit steigt dabei nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) weiter: Für die reichen Industrieländer, darunter Deutschland, haben sich die Wachstumsaussichten einer neuen Prognose zufolge nochmals verbessert, die Aussichten für viele ärmere Entwicklungs- und Schwellenländer haben sich hingegen verschlechtert. Die Konjunkturaussichten vieler Staaten hingen inzwischen direkt von deren Zugang zu Corona-Impfstoffen ab, erklärte der IWF. Zudem können ärmere Länder Arbeitsmarkt und Konjunktur nur sehr begrenzt stützen.

Die Weltwirtschaft soll der am Dienstag vorgestellten Prognose zufolge dieses Jahr um starke 6 Prozent wachsen. Das entspricht dem vorigen Ausblick vom April, aber die Zusammensetzung des Wachstums hat sich geändert: Das Plus für die Industrieländer soll 5,6 Prozent betragen, 0,5 Prozentpunkte mehr als noch im April angenommen. Die Prognose für die Wirtschaft der Entwicklungs- und Schwellenländer für 2021 hingegen wurde um 0,4 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent gesenkt.

„Schneller als erwartete Impfkampagnen und die Rückkehr zur Normalität haben zu Hochstufungen geführt, während der mangelnde Zugang zu Impfstoffen und wiederholte Covid-19-Wellen in manchen Ländern, insbesondere in Indien, zu Herabstufungen geführt haben“, erklärte IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath. „Die weltweite Erholung der Wirtschaft setzt sich fort, aber mit einer größeren Lücke zwischen entwickelten Volkswirtschaften und vielen Schwellen- und Entwicklungsländern“, sagte sie.

Das Muster wird sich dem IWF zufolge auch 2022 fortsetzen. Die Weltwirtschaft soll um 4,9 Prozent wachsen, 0,5 Prozentpunkte mehr als noch im April angenommen. Angetrieben werden soll die Entwicklung von einem um 0,8 Prozentpunkte stärkeren Wachstum der Industrieländer (4,4 Prozent), vor allem aufgrund höherer staatlicher Ausgaben in den USA und der EU. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schwellen- und Entwicklungsländer wiederum soll um 5,2 Prozent wachsen, eine Zunahme von 0,2 Prozentpunkten gegenüber der April-Schätzung. Die globale Erholung der Wirtschaft „ist nicht gesichert, bis die die Pandemie weltweit zurückgeschlagen ist“, betonte Gopinath.

Allein die Wachstumsprognose für die USA, die weltgrößte Volkswirtschaft, hob der IWF zum Beispiel für kommendes Jahr um ganze 1,4 Prozentpunkte auf 4,9 Prozent an. Auch Deutschlands Wirtschaft soll 2022 stärker zulegen: Nach einer Prognose von 3,4 Prozent im April geht der IWF nun von einem Wachstum von 4,1 Prozent aus. Für dieses Jahr wird weiter ein Plus von 3,6 Prozent erwartet.

Die USA werden auch in diesem Jahr die große Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft sein. Dort soll die Wirtschaft dank der erfolgreichen Impfkampagne und eines massiven Konjunkturpakets um 7 Prozent wachsen. Das wäre das stärkste Wachstum seit einer Generation, wie der IWF bereits in seiner Anfang Juli um 0,6 Prozentpunkte angehobenen Prognose für die USA erklärt hatte.

Die vergleichsweise hohe IWF-Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft liegt zum Teil auch daran, dass viele Staaten im Vorjahr wegen der Corona-Krise eine Rezession von historischem Ausmaß erlebt hatten und nun wieder aufholen. Dem IWF zufolge brach die globale Wirtschaft 2020 wegen der Pandemie um historische 3,2 Prozent ein.

Der IWF geht unterdessen davon aus, dass sich die aktuell höheren Inflationsraten in den Industriestaaten im kommenden Jahr wieder auf das Niveau von vor der Pandemie einpendeln dürften. Viele Faktoren, die die Preise antrieben, seien vorübergehend, und die Lage am Arbeitsmarkt sei in den meisten Ländern weniger gut als vor der Pandemie. „Diese Einschätzung ist jedoch wegen der beispiellosen Natur dieser Erholung mit bedeutender Unsicherheit verbunden“, schränkte Gopinath ein. Nachhaltige Störungen globaler Lieferketten und ein starker Anstieg der Immobilienpreise seien Faktoren, die zu nachhaltig höherer Inflation führen könnten, warnte sie.

Für die Eurozone prognostiziert der IWF ein stärkeres Wachstum: In diesem Jahr soll die Wirtschaft des Währungsraums um 4,6 Prozent wachsen, 0,2 Prozentpunkte mehr als noch im April angenommen. Für 2022 soll das Wachstum 4,3 Prozent betragen (plus 0,5 Prozentpunkte.)

Zu den Verlierern der jüngsten Prognose gehören unter anderem die Staaten Asiens, die zuletzt mit einer neuen Corona-Welle zu ringen hatten. Neben Indien zählt der IWF auch Malaysia, Thailand, Vietnam die Philippinen und Indonesien zu dieser Kategorie. Das Wachstum in Indien etwa soll dieses Jahr infolge der dramatischen Corona-Welle rund 9,5 Prozent betragen - ganze 3 Prozentpunkte weniger als noch in der April-Prognose. Im kommenden Jahr soll das Wachstum mit 8,5 Prozentpunkten wiederum um 1,6 Prozentpunkte höher ausfallen.

Die Wachstumsprognose für China wurde ebenfalls gesenkt, allerdings vor allem wegen abnehmender staatlicher Unterstützung für die Wirtschaft. Die zweitgrößte Volkswirtschaft soll dieses Jahr um 8,1 Prozent wachsen, 0,3 Prozentpunkte weniger als im April angenommen. Nächstes Jahr soll es ein Plus von 5,7 Prozent geben.

Israel erlaubt in Ausnahmefällen Corona-Impfung von Kindern

Israel will in extremen Ausnahmefällen eine Impfung von Fünf- bis Elfjährigen gegen das Coronavirus erlauben. Solche Ausnahmen könnten für Kinder gelten, die besonders gefährdet seien, im Falle einer Corona-Infektion schwer zu erkranken oder zu sterben, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstag mit. Dies könne zum Beispiel bei extremer Fettleibigkeit, schweren chronischen Lungenkrankheiten oder Herzproblemen der Fall sein.

Grundsätzlich sei eine Impfkampagne für Kinder in dem Alter derzeit kein Thema, hieß es in einer Anweisung an die Krankenkassen. Es gehe darum, die Zahl der Genehmigungen in solchen Fällen niedrig zu halten. Die Gruppe der bis Neunjährigen hat inzwischen im Altersvergleich den höchsten Anteil der registrierten Neuinfektionen. Laut Ministerium stellt sie mehr als zehn Prozent der Infizierten.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt in Israel weiter deutlich an: Das Gesundheitsministerium meldete am Dienstag 2112 Fälle – so viele wie seit Mitte März nicht mehr. Die meisten neuen Fälle stehen nach offiziellen Angaben in Verbindung mit der Delta-Variante des Virus.

Mehr als 57 Prozent der 9,3 Millionen Bewohner Israels sind bereits vollständig geimpft. Bei den 10- bis 19-Jährigen sind es nach Angaben des Gesundheitsministeriums rund 32 Prozent.

Scholz stellt öffentliche Bezahlung von Corona-Tests in Frage

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat sich dafür ausgesprochen, Corona-Tests nicht mehr öffentlich zu bezahlen – wenn alle, die sich impfen lassen können, ein Impfangebot erhalten haben. Scholz schrieb am Dienstag auf Twitter, das Wichtigste sei nun, möglichst viele von einer Impfung überzeugen. „Ich bin für mobile Impfteams in Turnhallen, vor Supermärkten und Fußballstadien. Der Impfstoff muss jetzt zu den Leuten kommen.“

Viele Veranstaltungen würden weiterhin nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete möglich sein, so Scholz. „Aber der Zeitpunkt wird kommen, an dem alle, die sich impfen lassen können, ein Impfangebot erhalten haben.“ Dann werde es nicht mehr möglich sein, die Corona-Tests öffentlich zu bezahlen.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte sich gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gegen eine Impfpflicht ausgesprochen. Allerdings sollte die Allgemeinheit aus ihrer Sicht nicht mehr auf Dauer für die Kosten von Corona-Tests aufkommen müssen, wenn Menschen ihre Impfangebote nicht wahrnähmen.

Deutsche Industrie: USA schaden sich mit Einreisestopp selbst

Die deutsche Industrie hat Kritik an der Entscheidung der USA geäußert, Einreisebeschränkungen für Reisende aus Europa und anderen Staaten vorerst nicht aufzuheben. „Mit den Einreisestopps schadet sich die US-Regierung selbst und anderen“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Joachim Lang, am Dienstag in Berlin. Verzögerungen in der Produktion, Lieferung und Durchführung strategischer Projekte behinderten eine beherzte Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivität.

„Wegen der Delta-Variante werden wir die bestehenden Reisebeschränkungen an dieser Stelle beibehalten“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Montag. US-Präsident Joe Biden hatte beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Mitte Juli eine baldige Entscheidung zum Thema angekündigt. Bei vielen weckte das die Hoffnung auf eine Lockerung.

Lang erklärte: „Unter den Beschränkungen leiden nicht nur die vielen in den USA aktiven deutschen Unternehmen mit ihren Arbeitnehmern, sondern auch alle im Produktionsverbund beteiligten Akteure, wie Lieferanten, Partner und Kunden, vor Ort.“ Deutsche Firmen, insbesondere mit Tochtergesellschaften in den USA, hätten derzeit große Probleme, ihre Mitarbeiter in die USA zu entsenden oder ihre Rückkehr dorthin sicherzustellen, obwohl die EU ihre Beschränkungen für US-Bürger aufgehoben habe.

Regierung berät über weitere Testpflichten für Reiserückkehrer

Die Bundesregierung berät über erweiterte Testpflichten für Reiserückkehrer als Corona-Schutz zum Ende der Sommerferienzeit. Das Gesundheitsministerium ist für „eine schnellstmögliche Ausweitung der Testpflichten bei Einreise“, wie eine Sprecherin auf Anfrage am Dienstag sagte. Die Abstimmungen innerhalb der Regierung dazu liefen. Zunächst berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag) darüber. Minister Jens Spahn (CDU) hatte bereits in der vergangenen Woche deutlich gemacht, dass eine Ausweitung der Testpflicht aus seiner Sicht wie der des Bundesinnenministeriums sehr schnell kommen solle.

Eine generelle Testpflicht besteht bisher für alle Flugpassagiere. Der Nachweis eines negativen Ergebnisses muss bereits im Urlaubsland gemacht und vor dem Start nach Deutschland vorgezeigt werden – oder aber ein Nachweis als Genesener oder vollständig Geimpfter. Die Funke-Zeitungen berichteten, es könnte künftig grundsätzlich ein Test verlangt werden, unabhängig davon, aus welchen Gebieten und mit welchen Verkehrsmitteln Reisende nach Deutschland kommen.

An diesem Mittwoch tritt bereits eine vom Kabinett beschlossene neue Einreiseverordnung in Kraft. Im Wesentlichen werden die bestehenden Regelungen bis vorerst 10. September verlängert. Eine Erleichterung gibt es für Einreisende aus Virusvariantengebieten, in denen neue, besorgniserregende Virusformen kursieren. Bisher müssen auch Genesene und Geimpfte, die von dort zurückkommen, für 14 Tage in Quarantäne. Künftig kann diese vorzeitig beendet werden, wenn die betroffene Region noch während der Quarantänezeit nicht mehr als Virusvariantengebiet eingestuft wird.

Welche ausländischen Regionen die Bundesregierung als Risiko-, Hochinzidenz- oder Virusvariantengebiete mit besonderen Vorgaben einstuft, veröffentlicht das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Internetseite.

Wie viele dürfen rein: Zuschauerzahl als Frage für die Gerichte?

Die kontroverse Debatte um die Zuschauerzahl bei Eintracht Frankfurt könnte ein Vorgeschmack darauf sein, was dem deutschen Fußball im Corona-Herbst 2021 droht. Stadt gegen Land, Rechtsmittel beim Verwaltungsgericht und die große Frage, wie bei steigenden Inzidenz-Zahlen die Geimpften und Genesenen bei Großveranstaltungen gezählt werden: Der Fußball und seine immer gewaltigere Sehnsucht nach großen Zuschauerzahlen könnten nach fast 17 Monaten ernüchternder Pandemie-Leere im Herbst zu einem Fall für die Justiz werden.

Worum geht es in dem Beispiel, der bei einem entsprechenden Urteil zum Präzedenzfall werden könnte? Die Hessen treten am Samstag gegen AS Saint-Étienne zum Testspiel an, zunächst waren 10.000 Fans – die Hälfte davon geimpft oder genesen – genehmigt. Angesichts einer gestiegener Sieben-Tage-Inzidenz, die den Schwellenwert von 35 in der Mainmetropole mehrere Tage überschritten hatte, präzisierte Hessens Sozialministerium die Regelung und legte am Sonntag fest: 5000 Zuschauer sind in einem solchen Fall das Maximum, Geimpfte und Genesene dürfen nicht extra gezählt werden.

Was zunächst harmlos klang, rief heftigen Protest hervor – und zwar nicht nur vom Verein, der beim Verwaltungsgericht einen Eilentscheid erwirken und damit doch die 10 000 Fans in seine WM-Arena einlassen will. Auch die Stadt Frankfurt beschwerte sich massiv und monierte, dass es in dieser Phase der Pandemie besonders wichtig sei, Anreize zum Impfen zu schaffen.

„Und für viele ist eben ein Fußballspiel ein solcher Anreiz“, stellte Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer von den Grünen klar. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) schickte sogar einen offenen Brief an die Landesregierung um Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), in dem er Kritik übte.

Die Eintracht will nun vor Gericht ziehen, sollte die Reduzierung auf 5000 Fans wirklich Bestand haben. „Es ist unklar und nicht schlüssig begründbar, weshalb man die 35 gewählt hat. Das ist kein haltbarer Weg mehr“, sagte Eintracht-Justiziar Philipp Reschke, der die Politik angesichts der veränderten Lage mit immer mehr Impfungen zu einem sofortigen Umdenken aufforderte. „Das ist, wenn man so will, Pandemie 2020. Aber Pandemie 2021 muss anders funktionieren. Die Vorzeichen haben sich geändert.“

Nach fast eineinhalb Jahren, in denen Fans im Stadion pandemiebedingt Mangelware oder gar nicht vorhanden waren, wächst bei den Vereinen allmählich die Ungeduld. Vor drei Wochen hatten die Chefinnen und Chefs der Staats- und Senatskanzleien die Rückkehr beschlossen und dabei eingeschränkt: maximal 50 Prozent der eigentlichen Kapazität, Gesamtzahl zunächst nicht über 25.000 Menschen. Schon das ging nicht allen Verantwortlichen weit genug.

Die zunächst bis 11. September gültige Verordnung hat zudem einen Haken: Sie bezieht sich auf eine Inzidenz von unter 35 (pro 100.000 Menschen in sieben Tagen). Ein Wert, der in Frankfurt tagelang überschritten wurde, bevor er an diesem Dienstag erstmals seit knapp einer Woche wieder unter den wichtigen Wert fiel. An anderen Orten dürfte dies angesichts der Entwicklung nur eine Frage der Zeit sein.

Die Sehnsucht nach Veranstaltungen wie früher spiegelt nicht nur den Willen der Fußballclubs wider, sondern ist auch Ausdruck eines gesamtgesellschaftlichen Phänomens. Im Testspiel-Fall der Eintracht bemängelt der Bundesligist zudem, dass die Entscheidung derart kurzfristig geändert werden sollte. Planungssicherheit wird so unmöglich, argumentierte die Eintracht. Auch diesen Zustand würden die Fußballvereine so bald wie möglich gerne hinter sich lassen.

Viele Macher im Profifußball sind nicht mehr mit einer Rückkehr der Zuschauer zufrieden, sie wollen mehr. Besonders deutlich äußerte dies BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, der jüngst einen Wunsch äußerte. „Warum soll ein Stadion nicht ausverkauft sein nur mit Geimpften? Wo ist das Problem? Was ist eigentlich, wenn die ersten Geimpften klagen, warum sie nicht ins Stadion dürfen? Darüber macht sich keiner Gedanken“, hatte Watzke betont. Für das offensive Auftreten, das an manch andere Situation des Fußballs inmitten der Pandemie-Wirren erinnerte, gab es auch Kritik.

Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin, geht es ähnlich wie der in diesen Tagen schwer beschäftigten Eintracht, ihm fehlt Verlässlichkeit. Der Funktionär setzt darauf, dass die Kopplung der 50-Prozent-Regel an eine Inzidenz von 35 fällt, wenn die Bundesländer „das Überfällige“ tun und die Corona-Warnwerte nicht mehr nur an die Inzidenzen knüpfen. „Ich glaube, dass es danach mehr Planbarkeit gibt“, meinte Zingler. Mehr Klarheit darüber dürfte bereits vor dem Bundesliga-Start am 13. August herrschen, womöglich schon durch ein Urteil zum Testkick der Frankfurter gegen Saint-Étienne.

EU erreicht Etappenziel bei Impfkampagne

Die Europäische Union hat im Kampf gegen das Coronavirus ein weiteres Etappenziel erreicht. Nach Angaben von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vom Dienstag sind mittlerweile 70 Prozent der Erwachsenen mindestens ein Mal geimpft. 57 Prozent der Volljährigen haben demnach bereits den vollen Impfschutz. „Mit diesen Werten gehört Europa zur weltweiten Spitzengruppe“, sagte von der Leyen. Der Aufholprozess sei sehr erfolgreich gewesen.

Die CDU-Politikerin spielte damit darauf an, dass Anfang des Jahres etwa die USA oder Israel deutlich schneller darin gewesen waren, der Bevölkerung Impfangebote zu machen. Dies lag vor allem daran, dass in der EU anfangs nur sehr wenig Impfstoff zur Verfügung stand.

Die EU-Kommission ermunterte am Dienstag auch noch einmal alle Impfskeptiker, sich immunisieren zu lassen. „Die Gefahr von leichter übertragbaren Varianten ist real“, kommentierte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Es gelte nun, „die Immunitätslücke und die Tür für neue Varianten zu schließen“.

Kyriakides verwies dabei auch darauf, dass die 70 Prozent nur ein Durchschnittswert sind und EU-Länder wie Rumänien und Lettland zuletzt noch Impfquoten von deutlich unter 50 Prozent hatten. Einige Mitgliedstaaten lägen besorgniserregend zurück, kommentierte sie.

Das Ziel, bis Ende Juli 70 Prozent der Erwachsenen in der Europäischen Union durch mindestens eine Impfung zu schützen, hatte die EU-Kommission im Frühjahr ausgegeben. Das erste Etappen-Impfziel der EU hatten Deutschland und viele andere Mitgliedsstaaten zu dem Zeitpunkt deutlich verfehlt. Nach ihm sollten bis Ende März mindestens 80 Prozent der Über-80-Jährigen sowie 80 Prozent des Personals in Gesundheits- und Sozialberufen in den EU-Staaten geimpft sein. Doch blieb ein Großteil der Länder deutlich unter diesem Wert.

Über 70 Prozent der Erwachsenen mindestens einmal gegen Covid geimpft

Mehr als 70 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Das teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Dienstag auf Twitter mit. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI/Stand 9.30 Uhr) wurden 61 Prozent der gesamten Bevölkerung mindestens einmal geimpft. Das sind 50,7 Millionen Menschen. Fast die Hälfte der Bevölkerung (49,7 Prozent) ist inzwischen vollständig geimpft. Laut RKI wurden am Montag 313.275 Impfungen verabreicht.

Unter den Bundesländern lag Bremen dem RKI zufolge nach wie vor an erster Stelle mit einem Anteil von 69,9 Prozent mindestens einmal geimpfter Menschen. Auch bei den vollständig Geimpften belegte Bremen mit 57,5 Prozent den Spitzenplatz. Schlusslicht bei den Erstimpfungen blieb Sachsen (51,7 Prozent), genau wie bei den vollständig Geimpften (45,8 Prozent).

Bericht: Italien prüft Corona-Impfpflicht für Lehrer

In Italien erwägt die Regierung nach einem Zeitungsbericht eine Corona-Impfpflicht für Lehrer und anderes Personal an den Schulen. Noch in dieser Woche könnte dazu ein Dekret erlassen werden, hieß es am Dienstag in der Zeitung „Corriere della Sera“. Zuvor solle es noch ein Treffen mit den Gewerkschaften geben. Gesundheitsminister Roberto Speranza sagte im Fernsehen, es werde geprüft, was das wirksamste Mittel sei, um Präsenzunterricht wieder zu ermöglichen.

Nach offiziellen Angaben sind 85 Prozent der Lehrer zumindest einmal gegen Covid-19 geimpft. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen. Ministerpräsident Mario Draghi betonte in der Vergangenheit immer wieder, wie wichtig normaler Unterricht in den Klassen sei. Derzeit sind in Italien Ferien, noch bis September. Wegen der Pandemie mussten viele Mädchen und Jungen vergangenes Jahr zu Hause via Internet am Unterricht teilnehmen.

Jens Spahn will offenbar strengere Regeln für Reise-Rückkehrer

Die Bundesregierung bereitet einem Medienbericht zufolge eine erhebliche Verschärfung der Corona-Reiseauflagen vor. Das Gesundheitsministerium will „eine schnellstmögliche Ausweitung der Test-Pflichten bei Einreise“, berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstagausgaben) laut Vorabbericht.

Künftig will Minister Jens Spahn (CDU) einen Test offenbar unabhängig davon verlangen, aus welchen Gebieten und mit welchen Verkehrsmitteln die Reisenden nach Deutschland kommen, heißt es in dem Bericht. „Die Abstimmung in der Regierung dazu läuft“, erklärt eine Sprecherin des Ministeriums. Wie die Zeitungen weiter berichten, sträubt sich bisher im Kabinett vor allem Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) gegen die Pläne, weil die umfassende Testpflicht unverhältnismäßig sei. Bisher müssen Flugpassagiere und Einreisende aus Hochrisikogebieten einen negativen Corona-Test vorlegen – es sei denn, sie sind vollständig geimpft oder genesen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter an, seit knapp drei Wochen nun. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Dienstagmorgen lag sie bei 14,5 - am Vortag betrug der Wert 14,3, beim Tiefststand vom 6. Juli 4,9.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 1545 Corona-Neuinfektionen, wie aus den Zahlen vom Dienstagmorgen weiter hervorgeht, die den Stand des RKI-Dashboards von 4.37 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 1183 Ansteckungen gelegen.

Montag, 26. Juli

Angesichts schnell steigender Corona-Infektionszahlen rücken wieder stärkere Gegenmaßnahmen in den Blick – doch was heißt das für Millionen schon geimpfte Bürger? Die Bundesregierung will mit den Ländern jetzt darüber beraten, um eine neue große Welle nach den Sommerferien zu verhindern. Dabei geht der Streit um möglicherweise strengere Regeln für Menschen weiter, die sich trotz vieler Angebote auch in den nächsten Wochen nicht impfen lassen. Eine „Impfpflicht durch die Hintertür“ will die Bundesregierung aber nicht, wie die stellvertretende Sprecherin Ulrike Demmer am Montag in Berlin sagte.

Die aktuelle Lage biete trotz niedriger Inzidenzen „durchaus Anlass zur Sorge“, sagte Demmer. Stand heute seien die Fallzahlen binnen einer Woche um 75 Prozent gestiegen. „Wenn sich diese Entwicklung so fortsetzt, müssen wir zusätzliche Maßnahmen ergreifen.“ Es gelte alles zu tun, um eine Situation wie im Frühjahr zu vermeiden, sagte sie mit Blick auf die dritte Corona-Welle. Bundesweit stieg die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen laut Robert Koch-Institut (RKI) nun weiter auf 14,3 – am Vortag waren es 13,8 gewesen, der jüngste Tiefststand am 6. Juli lag bei 4,9.

Zwei Monate vor der Bundestagswahl ist das weitere Vorgehen beim Corona-Krisenmanagement eine heikle Angelegenheit: Welche Schritte sind wann für wen sinnvoll und treffen womöglich mitten in der heißen Wahlkampfphase auch auf breitere Akzeptanz? Mit den Ländern solle in den kommenden Tagen und Wochen überlegt werden, was möglich und zu machen sei, sagte Demmer. Angepeilt wird auch eine Runde von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten – Termin noch offen. Im Fokus stünden eine höhere Impfquote, der Umgang mit Reiserückkehrern und mögliche Maßnahmen gegen steigende Zahlen.

Bei den Impfungen gibt es nach langem Bitten um Geduld nun regelmäßig Appelle an Zögernde – denn genug Impfstoff sei inzwischen da. „Das zu Beginn der Impfkampagne ausgegebene Ziel, jeder impfwilligen Person bis Ende des Sommers ein Angebot einer Erstimpfung zu machen, wurde also bereits zu Anfang des Sommers und damit deutlich früher erreicht“, heißt es in einem Bericht, mit dem Ressortchef Jens Spahn (CDU) am Montag den Bundestag und seine Länderkollegen informierte.

Jetzt gelte es, Bürger zu erreichen, die sich noch nicht für eine Impfung entschieden hätten, heißt es darin weiter. Wichtig dafür seien konkrete niedrigschwellige Angebote vor Ort. Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland (49,4 Prozent) ist inzwischen laut RKI vollständig geimpft, mindestens eine erste Spritze haben demnach 60,9 Prozent der Bevölkerung. Es gibt aber regionale Unterschiede: In Bremen sind 69,8 Prozent der Einwohner mindestens einmal geimpft, Schlusslicht ist weiterhin Sachsen mit einem Anteil von 51,6 Prozent.

Als Impf-Anreiz soll dabei durchaus auch wirken, von möglichen neuen Beschränkungen verschont bleiben zu können – wie genau, ist aber offen. Die Bundesregierung betonte allgemein, dass voll Geimpfte und Genesene mit einmaliger Impfung – im Unterschied zu per Schnelltest Getesteten – nicht mehr relevant zum Infektionsgeschehen beitrügen. Tests seien auch nicht zu 100 Prozent sicher und aussagekräftig.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht bei einer möglichen vierten Corona-Welle Geimpfte im Vorteil. „Sie dürfen keine Einschränkungen haben wie diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen“, sagte er, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. „Ich halte es für richtig, dass es keinen Impfzwang gibt. Das heißt aber auch, dass man ohne Impfung Nachteile wie das ständige Testen in Kauf nehmen muss.“

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte im ZDF: „Es wird keine allgemeine Impfpflicht geben.“ Es solle dabei bleiben, dass Geimpfte, Genesene und auch negativ Getestete Zugänge haben. „Wenn alle, die sich impfen lassen können, das dann trotzdem nicht machen, dann muss man auch vielleicht darüber nachdenken, ob die Testmöglichkeiten dann eben auf deren Kosten gehen.“

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hatte mögliche Beschränkungen für Nicht-Geimpfte ins Gespräch gebracht. „Das kann auch bedeuten, dass gewisse Angebote wie Restaurant-, Kino- und Stadionbesuche selbst für getestete Ungeimpfte nicht mehr möglich wären, weil das Restrisiko zu hoch ist“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Am Montag erläuterte Braun im „Bild“-Talk, nur für den Fall, dass die Gruppe der Ungeimpften so groß bleiben sollte, dass es eine relevante Welle gebe, seien sie bei Beschränkungen auch anders zu behandeln.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sagte, das Wichtigste sei zunächst, jedem ein Impfangebot zu machen. „Und dann im nächsten Schritt, wenn das geleistet worden ist, darüber zu sprechen, dass in manchen Bereichen eben Leute, die geimpft sind, Dinge tun können und andere nicht.“ Linke-Bundesgeschäftsführer Jörg Schindler warnte davor, nicht Geimpfte unter Druck zu setzen. Nötig seien bessere Informationen und Impfmöglichkeiten. FDP-Generalsekretär Volker Wissing sagte der „Rheinischen Post“, statt mit Impfpflichten oder neuen Kontaktbeschränkungen zu drohen, seien alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit die „eingeschlafene Impfkampagne“ Fahrt aufnehme.

Lambrecht wies zugleich auf die Vertragsfreiheit hin. Sie lasse einem Gastronomen „selbstverständlich offen, ob er die Bewirtung in seinem Restaurant auf Geimpfte beispielsweise beschränkt“. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband hält so etwas nur in einem „Worst Case“ für vorstellbar, wenn die Infektionslage sich dramatisch verschlechtert. Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges sagte der dpa: „Es gibt derzeit keine Veranlassung, so etwas auf den Weg zu bringen. Das wäre Stufe X, davon sind wir aber weit entfernt.“ Aktuell bestehe in den meisten Ländern keine Testpflicht für die Innengastronomie.

Steigende Fallzahlen: Diskussion um Einschränkungen für Nicht-Geimpfte

Mit Blick auf steigende Infektionszahlen ist eine Debatte um mehr Einschränkungen für Ungeimpfte in der Corona-Pandemie entfacht. „Das ist keine Diskriminierung der Nicht-Geimpften“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) im Interview mit RTL/ntv. Er achte es, wenn jemand sich aus persönlichen Gründen gegen eine Impfung entscheide. „Aber die nicht geimpfte Person muss auch einsehen, dass wir die Gesamtgesellschaft schützen müssen und deshalb nur die Geimpften zu größeren Gemeinschaftsveranstaltungen zulassen können.“

Auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, befürwortet, Geimpften mehr Freiheiten im Alltag zuzugestehen. Es gebe keinen Grund, Geimpften und Immunen ihre Grundrechte weiter vorzuenthalten, „nur weil ein paar ewige Skeptiker sich der Impfung entziehen“, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Es gehe nicht um Privilegien für Geimpfte, sondern um Grundrechtseinschränkungen.

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hatte am Wochenende mögliche Beschränkungen für Nicht-Geimpfte ins Gespräch gebracht, falls Deutschland eine hohe vierte Welle drohe. „Das kann auch bedeuten, dass gewisse Angebote wie Restaurant-, Kino- und Stadionbesuche selbst für getestete Ungeimpfte nicht mehr möglich wären, weil das Restrisiko zu hoch ist“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet sprach sich am Sonntag dagegen aus. „Ich halte nichts von Impfpflicht und halte auch nichts davon, auf Menschen indirekt Druck zu machen, dass sie sich impfen lassen sollen“, sagte er im ZDF-Sommerinterview.

Auch die Linken-Chefin Janine Wissler wandte sich gegen den Vorstoß Brauns. Menschen, die sich noch nicht haben impfen lassen, mit Benachteiligungen zu drohen, sei der falsche Weg, sagte sie der „Welt“. Zumal es für viele Menschen auch noch keine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission gebe, wie etwa für Kinder unter zwölf Jahren und Schwangere.

Kritik kam unter anderem auch aus der FDP. Kubicki bezeichnete Brauns Vorschlag am Sonntag als „Einführung der Impfpflicht durch die Hintertür“ und „klar verfassungswidrig“. Montgomery kritisierte die Einwände scharf. Wer wie die FDP eine Impflicht durch die Hintertür vermute und mehr Rechte für Geimpfte ablehne, bediene „einen primitiven Populismus“ und verstehe den Begriff der Freiheit nicht richtig. „Nur durch Impfen können wir alle unsere Freiheiten wiedergewinnen. Das sollte auch die FDP die angebliche Freiheitspartei endlich einmal begreifen“, sagte Montgomery.

FDP-Generalsekretär Volker Wissing forderte derweil mehr Tempo beim Impfen. „Anstatt mit Impfpflichten oder erneuten Kontaktbeschränkungen zu drohen, sollten die Verantwortlichen lieber alle Hebel in Bewegung setzen, damit die eingeschlafene Impfkampagne wieder Fahrt aufnimmt“, sagte Wissing der „Rheinischen Post“ (Montag). Es brauche mehr niederschwellige Angebote.

Der SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich schlägt vor, den Einsatz von Impfmobilen auszuweiten. „Wenn die Menschen nicht zur Impfung kommen, dann muss die Impfung zu den Menschen kommen“, sagte Mützenich dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag). Die bisherigen Erfahrungen damit, Impfmobile in bestimmte Stadtviertel zu schicken, seien gut. „Diese Möglichkeiten müssen wir komplett ausreizen.“ Auch für jüngere Menschen brauche es zielgenauere Angebote.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) forderte die Bundesregierung derweil auf, neue Entscheidungskriterien für die Beurteilung der Infektionslage zu entwickeln. „Massive Einschränkungen für die Gesellschaft wie auch für die Wirtschaft sind allein mit hohen Inzidenzen nicht mehr zu rechtfertigen“, sagte die Hauptgeschäftsführerin, Ingrid Hartges, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Es müssten weitere Faktoren, wie zum Beispiel die Impfquote, die Entwicklung der Krankheitsverläufe, der Hospitalisierungsgrad sowie die Sterberate berücksichtigt werden. Im Idealfall sollten diese Kriterien bundesweit festgelegt werden.

Mehrere Bundesländer signalisierten am Wochenende ihre Bereitschaft für eine vorgezogene Bund-Länder-Konferenz. Laut Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) müsse ein Bund-Länder-Treffen möglichst bald stattfinden. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sieht aktuell einen kurzfristigen Abstimmungsbedarf. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder knüpfte seine Bereitschaft an Bedingungen wie den Beschluss eines Schüler-Impfprogramms. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag in Aussicht gestellt, die nächste, eigentlich erst für Ende August vorgesehene Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Pandemie vorzuziehen.

Lindner hält Risiko falsch negativer Corona-Tests für verantwortbar

Nach Auffassung von FDP-Chef Christian Lindner rechtfertigt das Risiko falsch negativer Coronatests nicht die Ungleichbehandlung von geimpften und negativ getesteten Menschen. „Es ist ein verantwortbares Risiko“, sagte Lindner am Montag auf der Insel Usedom. Neben Tests, die nicht anschlagen, gebe es auch Impfdurchbrüche, und auch Genesene könnten sich erneut infizieren. Es gehe um die Frage, welches Risiko verantwortbar sei und welche Folgen es etwa hätte, wenn negativ getestete Menschen „prinzipiell keinen Zugang, auch nach Test, zum Beispiel zum gesellschaftlichen Leben haben“.

Steigende Corona-Infektionszahlen hatten die schon seit längerem geführte Debatte um mehr Einschränkungen für Ungeimpfte neu entfacht. Laut SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dürfte die Gleichstellung negativ Getesteter mit Geimpften und Genesenen wegen zu vieler falsch negativer Tests nicht aufrechtzuerhalten sein, sollten die Fallzahlen wieder deutlich steigen. Damit sei zu rechnen, „wenn die Menschen aus den Ferien zurückkommen und sich im Herbst wieder verstärkt in Innenräumen begegnen“, hatte er der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt.

Lindner hält hingegen an der Gleichbehandlung negativ Getesteter, Geimpfter und Genesener fest. Man wisse, dass sie in gleicher Weise keine Gefahr für ihre Mitmenschen seien, sagte er vor der Ahlbecker Seebrücke bei seiner Wahlkampf-Sommertour. Er warnte vor einer „Untertanenmentalität“ und davor, sich unverhältnismäßige Eingriffe in die eigene Freiheit gefallen zu lassen.

Die meisten Urlauber bleiben im Corona-Hochinzidenzland Spanien

Die meisten deutschen Touristen auf Mallorca lassen sich den Urlaub von der Einstufung Spaniens als Hochinzidenzgebiet offensichtlich ganz und gar nicht vermiesen. Kurz vor Inkrafttreten der Entscheidung der Bundesregierung am Dienstag hätten nur sehr wenige Besucher den Urlaub auf der spanischen Mittelmeerinsel vorzeitig abgebrochen, sagte der Sprecher des Reiseveranstalters Tui, Aage Dünhaupt, am Montag, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Auch der Deutsche Reiseverband sprach von einer „relativ entspannten“ Lage. Es habe zwar „vermehrt Anfragen von Kundinnen und Kunden“ bezüglich der Rückreise gegeben. Aber: „Die meisten Urlaubenden möchten ihren Urlaub zu Ende verbringen und auch bei denen, die den Urlaub geplant haben, gibt es keine Storno-Welle“, teilte DRV-Sprecherin Kerstin Heinen am Montag, berichtet die Deutschen Presse-Agentur mit.

Noch bis Mitternacht zum Dienstag konnten Spanien-Urlauber unter Vorlage eines negativen Corona-Tests in die Heimat zurückfliegen. Ab Dienstag muss ein Nachweis über eine vollständige Impfung oder eine überstandene Erkrankung erbracht werden, um einer zehntägigen Quarantäne zu entgehen. Erst nach fünf Tagen besteht die Möglichkeit, sich mit einem Test aus der Quarantäne zu befreien.

Bei herrlichem Badewetter und knapp 30 Grad im Schatten machte diese Aussicht nur wenige Tui-Kunden auf Mallorca nervös. Am Ballermann, der deutschen Urlauber-Hochburg an der Playa de Palma, waren auch am Montag die Strände voll. „Wir hatten heute sechs Rückflüge mit vielen freien Plätzen, so dass wir die wenigen Gäste, die umbuchen wollten, problemlos mitnehmen konnten“, erklärte Dünhaupt. Die Lage auf der Insel, auf der er sich bis Montagabend aufhielt, bezeichnete der Tui-Sprecher als ruhig. Zahlen konnte er nicht nennen. Es gebe aber keine größeren Rückreisetendenzen. „Im Gegenteil.“

Am Montag gab es für die Balearen mit Mallorca eine gute Nachricht: Die 7-Tage-Inzidenz ging nach Behördenangaben auf rund 340 Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner zurück, im Vergleich zu gut 382 am Sonntag. Die landesweite 7-Tage-Inzidenz betrug 338.

Der DRV schätzt, dass rund 200.000 Pauschalreisende aus Deutschland aktuell in Spanien Urlaub machen, davon 60 Prozent auf den Balearen mit Mallorca. Hinzu kommen noch etwa 200.000 Individualtouristen.

Dehoga: Zugang nur für Geimpfte in Restaurants jetzt kein Thema

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband hält einen Zugang nur für Geimpfte in Restaurants und Kneipen nur in einem „Worst Case“ für vorstellbar, wenn die Infektionslage sich dramatisch verschlechtert. Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges sagte am Montag: „Es gibt derzeit keine Veranlassung, so etwas auf den Weg zu bringen. Das wäre Stufe X, davon sind wir aber weit entfernt“, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Aktuell bestehe in den meisten Bundesländern keine Testpflicht für die Innengastronomie. Diese trete nach den meisten Verordnungen der Länder wieder in Kraft, wenn der Inzidenzwert über 35 oder 50 liege. „Diese 3G-Regel, Zugang nur für Geimpfte, Genesene und Getestete, wäre dann die sachgerechte wie verhältnismäßige Maßnahme.“

Hartges sagte weiter: „Im Interesse der Gesellschaft und der betroffenen Wirtschaft muss jetzt alles unternommen werden, um einen erneuten Lockdown zu verhindern. Das Erreichen einer relevanten Impfquote muss jetzt oberste Priorität haben. Die Aufklärung ist zu intensivieren, ebenso müssen vor Ort unkomplizierte Angebote ohne vorherige Anmeldungen für Impfwillige geschaffen werden.“

Die Ministerpräsidentenkonferenz sollte vorgezogen werden, so Hartges. „Denn jetzt muss geklärt werden, wie künftig die Infektionslage beurteilt wird. Es müssen neben dem Inzidenzwert weitere Parameter definiert werden, dazu gehören insbesondere die Impfquote und die Hospitalisierungsrate.“

Die weiter steigenden Corona-Infektionszahlen hatten die schon seit längerem geführte Debatte um mehr Einschränkungen für Ungeimpfte neu entfacht. Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hatte am Wochenende mögliche Beschränkungen für Nicht-Geimpfte ins Gespräch gebracht, falls Deutschland eine hohe vierte Welle drohe. „Das kann auch bedeuten, dass gewisse Angebote wie Restaurant-, Kino- und Stadionbesuche selbst für getestete Ungeimpfte nicht mehr möglich wären, weil das Restrisiko zu hoch ist“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Den Zeitungen der Funke Mediengruppe hatte Hartges gesagt, die Bundesregierung solle positive Anreize für Doppelgeimpfte schaffen, um die Impfquote zu erhöhen. „Dies bedeutet, dass der Restaurantbesuch wie der Hotelaufenthalt auf jeden Fall für doppelt Geimpfte auch im Herbst und Winter weiterhin erlaubt sein muss.“ Es müsse alles getan werden, um einen weiteren Lockdown zu verhindern.

Linke: Nicht-Geimpfte nicht unter Druck setzen

Die Linke hat davor gewarnt, nicht geimpfte Menschen unter Druck zu setzen. Stattdessen seien bessere Informationen und Impfmöglichkeiten notwendig, sagte Bundesgeschäftsführer Jörg Schindler am Montag in Berlin. Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hatte am Wochenende mögliche Beschränkungen für Nicht-Geimpfte ins Gespräch gebracht, falls Deutschland eine hohe vierte Welle drohe.

Schindler sprach von einer falschen Debatte zur falschen Zeit. Menschen die nicht geimpft seien, bräuchten keine Gängelung. Es gehe um bessere Impfangebote und nicht um einen Impfzwang. Er glaube, ein Großteil wolle sich impfen lassen.

Bundesregierung will über zusätzliche Corona-Maßnahmen beraten

Die Bundesregierung will angesichts rasch steigender Corona-Infektionszahlen über ein stärkeres Gegensteuern beraten. Die aktuelle Lage biete trotz der niedrigen Inzidenzen durchaus Anlass zur Sorge, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Montag in Berlin. Stand heute seien die Fallzahlen binnen einer Woche um 75 Prozent gestiegen. „Wenn sich diese Entwicklung so fortsetzt, müssen wir zusätzliche Maßnahmen ergreifen.“ Es gelte alles zu tun, um eine Situation wie im Frühjahr zu vermeiden, sagte sie mit Blick auf die zurückliegende dritte große Corona-Welle.

Gemeinsam mit den Ländern solle daher in den kommenden Tagen und Wochen überlegt werden, was möglich und zu machen sei, sagte Demmer. Dies solle auch Thema einer Runde mit den Ministerpräsidenten sein. Einen Termin dafür nannte sie noch nicht. Im Fokus stünden Bemühungen für eine höhere Impfquote, der Umgang mit Reiserückkehrern und mögliche konkrete Maßnahmen gegen die steigenden Zahlen.

Demmer hob hervor, dass vollständig Geimpfte sowie Genesene mit einer einmaligen Impfung – im Unterschied zu per Schnelltest Getesteten – nicht mehr relevant zum Infektionsgeschehen beitrügen. Tests seien auch nicht zu 100 Prozent sicher und aussagekräftig. Sie betonte, die Bundesregierung wolle „keine Impfpflicht durch die Hintertür“.

Baerbock schließt Einschränkungen für Ungeimpfte nicht aus

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock schließt angesichts steigender Corona-Infektionszahlen Einschränkungen für Ungeimpfte nicht aus. Das Wichtigste sei zunächst, jedem Menschen ein Impfangebot zu machen, sagte sie am Montag beim Wahlkampfauftakt der Brandenburger Grünen für die Bundestagswahl in Michendorf. „Und dann im nächsten Schritt, wenn das geleistet worden ist, darüber zu sprechen, dass in manchen Bereichen eben Leute, die geimpft sind, Dinge tun können und andere nicht“, erklärte Baerbock.

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hatte die Diskussion über Einschränkungen für Menschen ohne Corona-Impfung am Sonntag angestoßen. „Das kann auch bedeuten, dass gewisse Angebote wie Restaurant-, Kino- und Stadionbesuche selbst für getestete Ungeimpfte nicht mehr möglich wären, weil das Restrisiko zu hoch ist“, sagte Braun der „Bild am Sonntag“.

RKI registriert 958 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 14,3

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit knapp drei Wochen an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Montagmorgen lag sie bei 14,3 am Vortag betrug der Wert 13,8 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt binnen eines Tages 958 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Montagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.50 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 546 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden drei Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche war es ein Todesfall gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.756.856 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.646.100 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.527.

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