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Deutscher Beamtenbund Kitas werden unbefristet bestreikt

Nicht nur Bahnfahren fällt in den kommenden Tagen vielfach aus - auch die Kinder werden vielerorts bald nicht wie gewohnt betreut. Mit unbefristeten Streiks wollen die Kita-Beschäftigten für mehr Anerkennung kämpfen.

Eine Mutter steht mit ihrem Kind vor einer bestreikten Kita. Quelle: dpa

Die Eltern in Deutschland stehen vor unbefristeten Streiks in Kitas. Als erste der beteiligten Gewerkschaften gab der Beamtenbund dbb am Montag das Ergebnis seiner Urabstimmung im aktuellen Tarifkonflikt bekannt. 96,5 Prozent der Beschäftigten sind für zeitlich unbegrenzte Arbeitskampfmaßnahmen, wie der dbb-Verhandlungsführer Andreas Hemsing in Berlin mitteilte.

Bis Wochenmitte werden noch die Ergebnisse der Gewerkschaften Verdi und GEW erwartet, die mehr Mitglieder im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst haben. Eine Zustimmung zu Streiks gilt auch hier als sicher. Hemsing sagte: „Die hohe Zustimmung zu unbefristeten Streiks ist ein Ausdruck der großen Wut, die sich bei den Beschäftigten angestaut hat.“ Der DBB ist bei den betroffenen Kommunalbeschäftigten schwerpunktmäßig in Nordrhein-Westfalen, aber etwa auch in Teilen Niedersachsens vertreten.

Warum die Deutschen keine Kinder wollen
KostenVon der Spielpuppe bis zum Studium - Kinder kosten viel Geld. Diese finanzielle Belastung schreckt viele Deutsche vom Kinderkriegen ab. Das hat eine Umfrage der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen ergeben. Demnach glauben 67 Prozent der Befragten, dass das Geld viele von der Familiengründung abhält. Der Wert habe sich besorgniserregend erhöht, 2011 seien es lediglich 58 Prozent gewesen, sagte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Professor Ulrich Reinhardt. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes geben Familien rund 550 Euro im Monat für ein Kind aus. Quelle: AP
Freiheit und Unabhängigkeit Am Wochenende feiern gehen, Freunde treffen, reisen: Die Deutschen wollen nach Ansicht von 60 Prozent der Befragten ihre Freiheit und Unabhängigkeit nicht für ein Kind aufgeben. Da scheinen auch finanzielle Anreize durch den Staat kein Argument zu sein. Eine Frau in Deutschland bekommt im Schnitt 1,36 Kinder, im EU-Durchschnitt sind es 1,57. Für die Untersuchung wurden 2.000 Personen ab 14 Jahren gefragt, warum so viele Deutsche keine Familie gründen. 
KarriereEin Karriereknick ist für 57 Prozent das Totschlagargument gegen Kinder. Auch wenn die Politik um flexible Arbeitsmodelle, einen leichteren Wiedereinstieg in den Job und Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen kämpft, so wollen die Deutschen ihren Job nicht für Nachwuchs in der Familie gefährden.
Auch die Meinung, Karriere lasse sich nur schlecht mit Familie vereinbaren, wurde öfter angegeben als noch vor zwei Jahren (54 statt 48 Prozent). Gefordert sind, so heißt es im Fazit der Studie, sowohl die Politiker, die Rahmenbedingungen zu stellen, als auch die Unternehmen, endlich flächendeckend mit der Möglichkeit einer Karriere mit Kind ernst zu machen.  „Die Unsicherheit, ja fast schon Angst vor der Familiengründung hält bei vielen Bundesbürgern an“, resümiert Stiftungsleiter Reinhardt. Quelle: dpa
Staatliche Unterstützung Auch wenn es ab dem 1. August einen Rechtsanspruch für unter Dreijährige auf einen Kita-Platz gibt - den Deutschen reicht dies längst nicht aus. 45 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass der Staat immer noch zu wenig tut, um die Geburtenrate in Deutschland zu steigern. Das Argument sei im Westen deutlich öfter zu hören gewesen als im Osten, teilte die Stiftung mit. Der Wert blieb in den vergangenen zwei Jahren unverändert.   Quelle: dpa
Unsichere ZukunftWirtschaftskrise, Klimawandel, Demografie: 39 Prozent der Befragten denken, dass eine unsichere Zukunft der Grund ist, warum sich viele Deutsche gegen ein Kind entscheiden. Der Stiftung zufolge hat das Argument jedoch deutlich an Bedeutung verloren (−7 Prozentpunkte).   Quelle: dpa
Der richtige PartnerManchmal ist es auch ganz simpel, warum kein Nachwuchs geplant ist - es fehlt einfach der richtige Partner. Für 39 Prozent der Befragten sei dies der Grund, warum die Deutschen so wenig Kinder kriegen. Seit zwanzig Jahren nimmt die Anzahl der Single-Haushalte in Deutschland zu, besonders Singles im Alter zwischen 30 und 59 Jahren leben immer öfter allein. Fast ein Drittel der deutschen Singles ist mit dem Alleinsein unzufrieden und wünscht sich einen Partner. Quelle: dpa

Hemsing warb bei den Betroffenen um Verständnis für die kommenden Streiks. „Qualifiziertes und motiviertes Personal ist in unser aller Interesse, damit das starke Netz aus sozialer Arbeit und Kindererziehung nicht löchrig wird.“ Nach fünf Runden hatten die Gewerkschaften die Tarifverhandlungen für die bundesweit 240 000 Erzieher und Sozialarbeiter in kommunalen Einrichtungen für gescheitert erklärt.

Verdi, GEW und dbb fordern eine finanzielle Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe unter anderem durch eine höhere Eingruppierung. Nach Angaben der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) beläuft sich die Gesamtforderung auf 1,2 Milliarden Euro.

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Die VKA kritisierte die geplanten Arbeitskämpfe scharf. „Die angekündigten Streiks sind vollkommen unangemessenen und überzogenen“, sagte Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann der „Rheinischen Post“ (Montag). „Mit den Streiks in Kindertagesstätten sorgen die Gewerkschaften immer wieder für massive Belastung von Kindern und Eltern, ohne dass dies die Verhandlungen inhaltlich weiterbringt.“

Die Verdi-Fachbereichsleiterin Manuela Schmidt sagte in Leipzig, dass es etwa in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wahrscheinlich ab Freitag unbefristete Streiks geben werde. Zunächst solle nicht flächendeckend, sondern nur in einigen Städten und Regionen gestreikt werden.

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