WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

++++ Liveblog zum Wirecard-Ausschuss++++ Wirecard-Ausschuss: BND-Präsident Bruno Kahl sagt als Zeuge aus

Erneut tagt der Wirecard-Untersuchungsausschuss. Quelle: REUTERS

An diesem Freitag ging es im Wirecard-Untersuchungsausschuss weiter. BND-Präsident Bruno Kahl wurde als Zeuge vernommen. Unser Reporter war vor Ort, die Anhörung im Überblick.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:


Im Wirecard-Untersuchungsausschuss wurde Bruno Kahl vernommen. Er ist Präsident des BND. Erwartet wurden Fragen dazu, warum mit Bernd Schmidbauer, Spitzname 008, ein ehemaliger Staatsminister und längst pensionierter Beauftragter für die Nachrichtendienste des Bundes mehr über die Geheimdienstkontakte des umtriebigen Jan Marsalek wusste als die deutschen Dienste.

Am Donnerstag war unter anderem der Wirtschaftsprüfer Christian Muth von EY befragt worden. EY hatte die Bilanzen von Wirecard mehr als zehn Jahre lang geprüft und den Milliardenbetrug erst viel zu spät bemerkt. Vor allem für Anleger, die mit Wirecard-Aktien viel Geld verloren haben, ist der Auftritt von Muth interessant – sie hoffen, über Schadenersatzklagen Geld von EY zurückzubekommen.

Zweiter Zeuge war der ehemalige Wirecard-Anwalt Franz Enderle. Er hatte im Februar 2019 die Münchner Staatsanwaltschaft mit Informationen über eine angebliche Erpressung von Wirecard versorgt. Die Informationen waren an die Bafin weitergeleitet worden – die dann schließlich ein Leerverkaufsverbot auf Wirecard-Aktien verhängte. Dies wurde von Anlegern und Investoren als staatliches Gütesiegel für Wirecard interpretiert – der Zahlungsabwickler konnte weiter Geld einsammeln. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Informationen von Enderle höchst unseriös waren.

Der prominenteste Gast am Donnerstag, war zwar großes Thema – aber physisch nicht anwesend sein: Jan Marsalek, Ex-Vorstand von Wirecard, befindet sich nach wie vor auf der Flucht. Weil sie die Schlüsselfigur im Milliardenskandal nicht befragen konnten, hatten die Abgeordneten stattdessen seine ehemalige Assistentin bei Wirecard eingeladen.

Ebenfalls befragt wurden zudem Bernhard Kotsch und Bruno Kahl, die erst kurzfristig auf der Zeugenliste landeten. Kotsch ist im Kanzleramt als Abteilungsleiter für die Koordinierung der Nachrichtendienste des Bundes und für den Bundesnachrichtendienst (BND) zuständig. Kahl ist Präsident des BND.

Im vergangenen Sommer hatte Wirecard ein Bilanzloch von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Jahresabschlüsse mindestens seit 2015 gefälscht wurden. Die Wirtschaftsprüfer gaben diesen Abschlüssen jedoch immer wieder uneingeschränkt ihren Stempel. Es ist einer der größten Finanzskandale der Nachkriegszeit.

Mehr zum Thema: Der Wirecard-Untersuchungsausschuss beschäftigt sich mit der Frage: Ist die Wirecard-Story auch ein Agenten-Thriller?

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%