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20 Jahre Deutsche Einheit: Welke Landschaften, blühende Inseln

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Bruttolöhne Bruttoinlandsprodukt

Während im Westen rund 45 Prozent der Industriebetriebe ihren Umsatz mit Auslandskunden erwirtschaften, liegt dieser Anteil im Osten bei einem Drittel. Hinzu kommt, dass die ostdeutsche Exportstruktur weniger anfällig ist, weil etwa der Maschinenbau sehr ausdifferenziert ist und seine Waren auf relativ stabilen Nischenmärkten absetzt. Die geringe Betriebsgröße – drei Viertel haben weniger als zehn Mitarbeiter – geht einher mit einem hohen Grad an Spezialisierung – und passgenaue Einzelfertigungen sind auch in konjunkturellen Abschwüngen gefragt.

Was sich in der Krise jedoch als relative Stärke erweist, hemmt im Aufschwung das Wachstum: Dem kleinteiligen Mittelstand fehlen Ankerunternehmen, die eine ganze Region prägen. Die industrielle Basis ist in Ostdeutschland immer noch deutlich schwächer als im Westen, es gibt fast keine Konzernzentralen, aber auch zu wenig forschungsnahe Unternehmen und wissensintensive Dienstleistungen.

Verlängerte Werkbank

Zugespitzt formuliert: Die Wertschöpfung findet noch immer in den Hauptquartieren der Konzerne im Westen statt, während der Osten die Innovationen des Westens exekutiert. Porsche, Volkswagen, BMW, aber auch Unternehmen aus Zukunftsbranchen wie SolarWorld oder Conergy nutzen den Osten vor allem als verlängerte Werkbank. Entsprechend niedrig sind dort die privaten Forschungsausgaben: Sie erreichen gerade mal ein Fünftel des Westniveaus.

Und damit beginnt und endet der Teufelskreis der ostdeutschen Wirtschaft – wie vor 20 Jahren, so auch jetzt: Die kleinen, mittelständischen Betriebe sind nicht so attraktiv wie die Dax-Arbeitgeber im Westen, sie können bei den Löhnen nicht mithalten und auch nicht bei den Karrierechancen. Ausgerechnet die Jungen und gut Qualifizierten suchen daher das Weite – und hinterlassen ausgedünnte Landstriche, die von potenziellen Neuinvestoren gemieden werden und in denen es die bestehenden Kleinunternehmen zunehmend schwer haben, geeignete Fachkräfte zu finden.

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    Selbst die Leuchtturmregionen in Sachsen, Thüringen (Jena) und Sachsen-Anhalt (Bitterfeld-Wolfen) „können diese Entwicklung nicht kompensieren“, warnt Klaus-Heiner Röhl vom Institut der deutschen Wirtschaft – zumal sich die wirtschaftliche Katalysatorfunktion der sächsischen Autoproduktion, Halbleiterindustrie und Solarbranche Milliarden-Subventionen verdankt, die den Standort nicht dauerhaft sichern können.

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