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20 Jahre Einheitswährung Der Euro – unbeliebt, aber nützlich

Der Euro – Vorteile der gemeinsamen Währung Quelle: imago images

Am 1. Januar 1999 wurde der Euro eingeführt. Seither streiten und schimpfen Millionen Deutsche über das Jahrhundertprojekt. Schade. Denn nicht nur die deutsche Wirtschaft profitiert gewaltig.

Hätten die Deutschen abstimmen dürfen, sie hätten sich mit großer Mehrheit gegen den Euro und für die Beibehaltung der D-Mark entschieden. Millionen Bundesbürger verbanden die D-Mark mit Stabilität und Prosperität, ja die 1948 in Nachkriegs-Westdeutschland eingeführte Währung stiftete innere Identität und Ansehen in der Welt.

Folglich ließ der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl vor zwei Jahrzehnten die Deutschen erst gar nicht über den Austausch ihres harten Geldes gegen einen vagen Euro abstimmen und schuf kraft seines Amtes als gewählter Regierungschef Fakten. Kohl war als eherner Europäer von der gemeinsamen Währung überzeugt. Er glaubte daran, dass ein einheitlicher Währungsraum den zerrissenen Kontinent weiter einen würde. Allerdings erlebte Kohl die Einführung des Euro nicht mehr als Bundeskanzler, mit den praktischen Konsequenzen mussten sich später andere herumplagen.

Die Geschichte des Euro wirkt wie eine Aneinanderreihung von Krisen. Erst verstießen Deutsche und Franzosen gegen die Stabilitätskriterien. Dann kam heraus, dass Griechenland sich den Beitritt in den gemeinsamen Währungsraum mit falschen Wirtschaftsdaten ergaunert hatte. Seither scheinen sich die inzwischen 19 Euro-Mitgliedstaaten nur noch zu zoffen, Nord gegen Süd, stabilitätsorientierte Deutsche und Niederländer gegen hallodrihafte Griechen und Italiener. Der Euro wurde sogar zum identitätsstiftenden Feindbild rechtsnationaler Bewegungen in vielen Ländern. Und die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank sorgt dafür, dass wir für unsere Ersparnisse auf dem Konto nichts mehr bekommen, dass Lebensversicherungen kaum noch Rendite abwerfen. Der Euro – ein einziger großer Flop?

Wissenswertes zur Gemeinschaftswährung Euro

Sicherlich nicht. Der gemeinsame Währungsraum bedeutet zuallererst auch, dass wir in Europa nicht mehr mit Dutzenden Währungen hantieren müssen. Wer reisen möchte oder muss, braucht nicht mehr diverse Döschen für Gulden, Francs, Lira, Peseten oder Escudos. Für die deutsche Exportwirtschaft entfallen Währungsrisiken und Kurssicherungsgeschäfte. Darüber hinaus profitieren unsere Unternehmen von dem im Vergleicht zur D-Mark nicht so starken Euro. Jede Aufwertung verschärfte früher die Wettbewerbslage für die Unternehmen, im Zweifel gingen Arbeitsplätze verloren. Heute aber kann die deutsche Wirtschaft im Währungsraum ihre Stärke mehr denn je ausspielen (nicht unbedingt zur Freude der Nachbarn). Der Euro sorgt hierzulande wachstumsfreundlich für niedrige Zinsen, für günstige Refinanzierungsmöglichkeiten, für vorteilhafte Wechselkurse, für Millionen Arbeitsplätze und letztlich auch für pralle Sozialkassen.

All die Vorteile nehmen wir stillschweigend zur Kenntnis, falls wir überhaupt daran denken. Es scheint eine menschliche Eigenschaft zu sein, eher Negatives zu registrieren. Der Krisenschein bestimmt unser Bewusstsein beim Euro. Hinzu kommt, dass die meisten europäischen Regierungen nach wie vor in nationalen Denkmustern agieren. Leider dreht dabei das Nationale zu oft ins Anti-Europäische ab, wird Europa nur allzu gern für heimische Versäumnisse zum Sündenbock gestempelt und zum Feindbild stilisiert. Von daher ist es mehr als fraglich, ob der Euro 400 Jahre bestehen wird, wie der frühere Finanzminister Theo Waigel (CSU) einst überschwänglich erklärt hatte. Es scheint das Schicksal des Euro zu sein, sich von Krise zu Krise hangeln zu müssen.
Schade.

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