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20 Jahre Mauerfall Zwei Billionen für den Osten

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Opel-Werk in Eisenach: Unter Quelle: AP

Und dann sind da noch die subventionsverwöhnten Solarfirmen: Wie aus dem Nichts sind im Osten Firmencluster entstanden, denen Deutschland seine derzeitige Führungsstellung auf dem internationalen Solarmarkt verdankt. 40 von über 60 deutschen Fotovoltaikherstellern sitzen in den neuen Bundesländern. Die massiven Subventionen, mit denen die Ansiedlung in Ostdeutschland gefördert wird, haben sich auch im Ausland herumgesprochen. Angelockt von 45,5 Millionen Euro Fördergeld zog die amerikanische Firma First Solar in Frankfurt an der Oder eine Fabrik hoch.

„Das Geld ist aber nicht der einzige Grund“, sagt Thomas Grigoleit von Germany Trade and Invest, der Bundesagentur zur Beratung ausländischer Investoren. Was hinzukommt, sind die ostdeutschen Fachkräfte aus der Halbleiterindustrie. Sie können sich schnell in die Produktion von Solarmodulen einarbeiten. Die Nähe zu den europäischen Absatzmärkten, zur Spitzenforschung und zu zahlreichen Maschinenbauern tut das Übrige.

Thüringer Autobauer: Umsatz seit 2000 verdoppelt

Doch diese Standortvorteile schützen nicht vor Globalisierung – die Subventionen noch viel weniger: Die Produktion von Solarzellen verlagert sich nach Asien, da dort die gleiche Qualität günstiger produziert werden kann. In Deutschland bleiben dagegen meist die Forschung und der Testbetrieb neuer Produktionslinien. Die Solarfirma Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen, eine Perle des sogenannten „Solar Valley“ im südlichen Sachsen-Anhalt, ist schon mitten in der Verlagerung nach Malaysia: Die Firma hat vier von sechs Produktionslinien in Deutschland stillgelegt und will 500 Mitarbeiter entlassen.

In Thüringen hatte 1992 der CDU-Politiker Bernhard Vogel, ehemals Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, die Regierung übernommen. Sein wohl größter wirtschaftspolitischer Erfolg war der Ausbau des Eisenacher Opel-Werks zu einer der modernsten europäischen Autofabriken. Weit mehr als eine halbe Milliarde Euro pumpten EU, Bund und Land seit dem Mauerfall in den Aufbau der Autoindustrie, allein 523 Millionen Euro über das Förderprogramm „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“. Offenbar mit Erfolg: Der Branchenumsatz verdoppelte sich seit 2000, die Zahl der Beschäftigten stieg um knapp 60 Prozent.

Situation für ostdeutsche Fahrzeugbranche verschärft sich

Lebenserwartung Ost/West im Vergleich

Der Standort symbolisiert den Versuch des Ostens, an seine historischen Wurzeln im Automobilbau anzuknüpfen. Schon die DDR-Regierung ließ hier, hart an der Zonengrenze, den Wartburg bauen. Mittlerweile steht die gesamte ostdeutsche Fahrzeugindustrie laut Interessenverband Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD) für mehr als 130.000 Beschäftigte, 17 Milliarden Euro Umsatz und 560.000 produzierte Autos.

Doch auch hier grassiert jetzt die Jobangst. In Eisenach musste Leo Wiels, Leiter des Opel-Werks, schon im November 2008 die Reißleine ziehen. Die Eisenacher waren die ersten Autobauer in Deutschland, die in der Krise die Bänder stoppten. Bislang hat Opel in Eisenach überlebt, der Abwrackprämie sei dank. Wie es weitergehen wird, weiß keiner. Für Thüringen aber geht es um viel: 3,8 Milliarden Euro Umsatz und rund 13.000 Beschäftigte machen die Autoindustrie zur wichtigsten Branche im Freistaat. 58 Zulieferer und Hersteller produzieren dort, neben Opel auch Bosch, Magna und BMW.

Wie robust die ostdeutsche Fahrzeugbranche tatsächlich schon ist, dürfte sich im kommenden Jahr zeigen. Dann werde sich die Situation für viele Unternehmen dramatisch verschärfen, sagt Michael Militzer, Vorstandschef des Eisenacher Autozulieferers Mitec und Vorsitzender des Zuliefererverbandes Automotive Thüringen. Er befürchtet, dass 2020 jede Woche bei einem Zulieferer die Lichter ausgehen – im Osten wie im Westen.

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