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5 Lehren aus Mecklenburg-Vorpommern Alle verlieren, nur die AfD gewinnt – was nun, Frau Merkel?

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SPD behauptet nach Rheinland-Pfalz zweite Staatskanzlei

Kurzum: Die CDU müsste ein bisschen mehr wie die CSU werden. Als Parteivorsitzende hatte Merkel die CDU über Jahre von konservativen Werten weggeführt. Wird sie jetzt tatsächlich den entgegengesetzten Weg einschlagen? Wie sie ihre Partei nun mit Blick auf die Bundestagswahl 2017 aufstellt, dürfte tatsächlich darüber entscheiden, ob Merkels Kanzlerschaft weitergeht oder im Herbst kommenden Jahres endet.

3. Sigmar Gabriel kann sich freuen – aber nur kurz

Erwin Sellering kennt außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns kaum jemand – und genau das dürfte ihm den Wahlsieg beschert haben. Sellering ist ein Landesvater durch und durch, selten an Bundespolitik interessiert und eben voll auf Mecklenburg-Vorpommern konzentriert. Das haben ihm die Wähler gedankt. Trotz Verlusten in der Größenordnung von fünf Prozentpunkten ist die SPD klar stärkste Kraft geblieben.

Für die SPD im Bund ist das eine gute und schlechte Nachricht zugleich. Nach Malu Dreyer, Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz, konnte ein weiterer Sozialdemokrat eine Staatskanzlei behaupten. Das zeigt: Wo die SPD den Regierungschef stellt, kann sie weiterhin Wahlen gewinnen. Soweit das Positive. Doch im Bund ist sie eben nur Juniorpartner. Trotz aller Probleme Merkels: Parteichef Sigmar Gabriel hat kaum Aussichten an ihrer Union vorbeizuziehen. Eine Kanzlerschaft ist für ihn nach dieser Landtagswahl nicht realistischer geworden.

4. Bedeutungsverlust der Linken

Zweiter Verlierer des Abends ist die Linke. Sie hat nicht nur knapp sechs Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl 2011 verloren. Viel gravierender: Der Negativtrend aus dem Frühjahr setzt sich fort. In Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg schaffte sie es gar nicht erst in die Parlamente, in Sachsen-Anhalt musste sie deutliche Verluste hinnehmen. Das zeigt: Im Westen ist die Partei weiterhin nicht etabliert und wird von der AfD ihres Potentials beraubt.


Und selbst im Osten, ihrer Hochburg, verliert sie Wähler an die rechte Partei. Das Führungsduo im Bund, Dietmar Bartsch und Sarah Wagenknecht, hat keine gemeinsame Strategie und keinen Plan gegen den Abwärtstrend. Die AfD hat als Anti-Einwanderungspartei ihre Rolle im rechten Spektrum der deutschen Parteien gefunden. Doch was ist die Funktion der Linken auf der anderen Seite? Wagenknecht probiert es hier und da mal mit nationalen Parolen in der Flüchtlingskrise. Für den Wähler verschwimmt links und rechts somit noch stärker. Fakt ist: Die Partei hat keine linken Antworten auf die Fragen der Gegenwart. Warum sollten Bürger dann links wählen?

5. Grüne und FDP werden zerrieben

Freie Demokraten und Grüne hatten es selten leicht in Mecklenburg-Vorpommern, im Nordosten fehlt beiden eine stabile Kernwählerschaft. Die FDP ist deutlich an der Fünfprozenthürde gescheitert, die Grünen mit 4,8 Prozent knapp.

Beide Parteien müssen sich nun fragen, wie sie sich in Parlamenten mit sechs Parteien und der AfD womöglich als drittstärkster Kraft behaupten können. Für die Grünen ist das dank ihres Öko-Markenkerns einfacher als für die FDP. Denn sie konkurrieren mit der AfD kaum um Wähler. Die Liberalen stehen im Bund derzeit zwischen fünf und sieben Prozent. Viele enttäuschte CDU-Wähler, die nicht für die AfD votieren wollen, geben der FDP ihre Stimme. Eine stabile Kernwählerschaft ist das nicht.

Parteichef Christian Lindner hatte Kanzlerin Merkel in den letzten Monaten immer wieder hart für ihre Flüchtlingspolitik kritisiert, zugleich aber klargemacht, dass seine Partei offen für Einwanderung ist. Viele Wähler nehmen die FDP daher als eine Art „AfD light“ wahr – eine riskante Strategie, die nicht erfolgreich sein muss. Der Wiedereinzug in den Bundestag im kommenden Jahr ist möglich, aber – und das zeigt der heutige Abend – ganz sicher keine Selbstverständlichkeit.

Anhänger der AfD jubeln am 04.09.2016 in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) nach der Bekanntgabe der ersten Ergebnisse zu den Landtagswahlen. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa
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