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Abfall-Analyse des Umweltbundesamts Nicht alles, was im Restmüll landet, ist für die Tonne

67,4 Prozent des Mülls, der in die schwarzen Tonnen der Republik geworfen wird, gehört da eigentlich gar nicht rein. Quelle: dpa/dpaweb

Die Deutschen sammeln mittlerweile deutlich weniger Restmüll, trotzdem landen laut einer Analyse des Umweltbundesamts viele Fremdkörper in den schwarzen Tonnen. Dadurch geht auch ein kostbarer Stoff verloren.

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Kunststoff, Batterien, Gartenabfall und Getränkeflaschen: Die Liste an Stoffen, die jedes Jahr in Deutschland fälschlicherweise im Restmüll landen, ließe sich sogar noch weiterführen. 67,4 Prozent des Mülls, der in die schwarzen Tonnen der Republik geworfen wird, gehört da eigentlich gar nicht rein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Siedlungsabfällen in Deutschland für das Umweltbundesamt. Zum ersten Mal seit 35 Jahren schauten sich die Experten wieder die Menge und den Inhalt des Restmülls von mehr als 2800 Hausmülltonnen an.

„Die Umweltpolitik hat in den vergangenen Jahrzehnten bei der Abfallverwertung einiges bewegt, aber wir sind noch längst nicht am Ende dieses langen Weges. Es gibt noch viel zu tun. Immer noch landen wertvolle Rohstoffe in der Restmülltonne“, sagt Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth. Genauer gesagt heißt das: Mit beinahe 40 Prozent ist der Anteil von Bioabfall im Restmüll am höchsten.

Doch auch Wertstoffe wie Altpapier, Aludosen, Kunststoffverpackungen und Elektroaltgeräte kommen mit rund 27 Prozent häufig in den Tonnen vor. Problem- und Schadstoffe wie Farbreste, Lösemittel und Altbatterien und -akkus machen nur einen geringen Anteil von 0,5 Prozent aus. Letztere kommen aber in über 60 Prozent der analysierten Abfallstichproben vor, obwohl sie verpflichtend getrennt gesammelt werden müssen. Nur 32 Prozent des untersuchten Restmüll-Inhalts gehört auch wirklich in die Tonne, also Hygieneprodukte, Staubsaugerbeutel und Feinmüll wie Kehricht und Asche.

Denn vor allem der Bioabfall ist für die Restmülltonne viel zu kostbar. Winfried Bulach, Experte für Abfallwirtschaft und Bioenergie vom Öko-Institut sieht bei einer effizienteren Nutzung von Bioabfällen vor allem eine Chance für Deutschland, unabhängiger vom Import von phosphathaltigem Düngemittel zu werden. Denn „wenn die Bioabfälle einfach in die Restmülltonne geworfen werden, dann werden sie verbrannt oder in einer mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) vergoren und dann deponiert. Das im Biomüll enthaltende Phosphat geht dadurch aber verloren.“

Der Bioabfall hat aber noch einen weiteren Nutzen und kann als Energieträger dienen. Momentan sind in Deutschland dafür laut Umweltbundesamt etwa 9000 Biogasanlagen in Betrieb. „Dort wird durch Vergärung aus Bioabfall Biogas gewonnen. Aus den Gärresten entsteht anschließend auch noch Kompost“, sagt Bulach.

Ein Grund mehr für Flasbarth, die Dichte der Biomülltonnen zu steigern, damit mehr Bioabfall für die Weiterverwertung zur verfügen steht. Darüber sei man mit dem Verband kommunaler Unternehmen im Gespräch, so Flasbarth. Statt Biomülltonnen in den Haushalten nur zentrale Sammelstellen anzubieten, sei fürs Entsorgen von Küchenabfällen für viele Verbraucher aber lebensfremd. Ähnlich sieht das auch Winfried Bulach: „Es tut sich einiges. Aber man muss den Bürger auch mitnehmen und ihm erklären, warum es wichtig ist, Müll zu trennen.“

Restmüll hat sich in rund 35 Jahren fast halbiert

Zuletzt fand eine Restmüll-Analyse in Deutschland 1985 statt. Damals kamen pro Jahr und Einwohner noch 239 Kilo zusammen. 2018 waren es nur noch 128 Kilo pro Einwohner. Vor allem Altpapier, Altglas, Metalle und Kunststoffen landen heute deutlich seltener in der Restmülltonne als damals und werden von den Deutschen getrennt gesammelt. Hier sind Rückgänge von bis zu 80 Prozent zu verzeichnen.

Unterschiede bei der Restmüllmenge gibt es allerdings noch zwischen Städtern und Landbewohnern. Hier zeigte sich: In ländlichen Regionen kommt bei den Menschen weniger Abfall für die schwarze Tonne zusammen. Etwa 124 Kilo Abfall pro Jahr sind es beim Landbewohner, während der Städter auf 151 Kilo im selben Zeitraum kommt. Am sparsamsten sind aber Bewohner von Vororten, oder wie es in der Analyse heißt, ländlich dichter Siedlungsstruktur. Dort fallen pro Kopf nur 110 Kilo Restmüll im Jahr an.

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