Abgaben Der deutsche Fiskus langt kräftig zu

Die Rentenbeiträge sinken – trotzdem bleibt die Steuer- und Abgabenlast der Bundesbürger auch 2015 unerfreulich hoch.

Schäuble und Merkel Quelle: dpa

Wenn die EU-Kommission die Lage in den Mitgliedstaaten vergleicht und dazu Papiere verfasst, bricht in den Hauptstädten oft Nervosität aus – vor allem dort, wo politische Defizite offenkundig werden. Im Dezember flog der Ball aus Brüssel nach Berlin. In einem Papier zur Finanzpolitik rügte die Kommission unverblümt, dass die Steuer- und Abgabenlast der Deutschen „deutlich über dem EU-Durchschnitt“ liege. Laut Brüssel muss ein alleinstehender Durchschnittsverdiener bei uns fast ein Viertel mehr an Fiskus und Sozialkassen überweisen.

Daran wird sich leider auch 2015 nichts ändern. Nicht nur auf EU-Ebene, sondern auch im Vergleich zu den meisten OECD-Staaten bleibe die Belastung „weit über dem, was üblich ist“, kritisiert Volker Stern, Ökonom beim Bund der Steuerzahler (BdSt). Stern hat für die WirtschaftsWoche anhand von drei Musterhaushalten errechnet, wie sich die Neuerungen im Steuer- und Abgabenrecht zum Jahreswechsel auf das verfügbare Einkommen auswirken. Dabei berücksichtigte er nicht nur direkte Steuern und Sozialabgaben, wie es gängige Belastungsvergleiche tun. Er rechnete auch die gezahlte Mehrwertsteuer auf Konsumprodukte und Verbrauchsteuern (Benzin, Zigaretten, Strom, Heizöl) mit ein, ebenso staatliche Zwangsabgaben und Monopolpreise (Rundfunk, Wasser) sowie Kommunalgebühren, etwa für Abwasser und Müllabfuhr. Grundlage der Berechnung waren haushaltstypische Verbrauchs- und Konsummengen.

Wie Staat und Sozialversicherung bei Ehepaaren zulangen (Doppelverdiener im Eigenheim, 2 Kinder, Köln)

Lohnsteuer steigt stärker als der Lohn

Das Resultat: Inklusive der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, die methodisch den Lohnkosten zugerechnet werden, überweist ein Doppelverdiener-Ehepaar aus Köln (zwei Kinder, Eigenheim) unverändert 56,5 Prozent an Staat und Sozialkassen. Bei einem Dresdner Alleinverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern steigt die Quote gar um 0,2 Punkte auf 48,8 Prozent. Ein gut verdienender Singlehaushalt in Göttingen ist wie 2014 mit 62,4 Prozent des Bruttolohns dabei (siehe Kurztextgalerien).

Wie Staat und Sozialversicherung bei Ehepaaren zulangen (Alleinverdiener, 2 Kinder, Dresden)

Auch ein Blick auf die absoluten Zahlen ist ernüchternd. Stern hat in seinen Rechnungen eine Lohnerhöhung von 2,1 Prozent unterstellt, doch davon wandert wegen der Steuerprogression ein überproportional hoher Teil in die Staatskasse. Der Dresdner Haushalt etwa verdient brutto 90 Euro mehr, netto sind es nur 52 Euro. Die abgeführte Lohnsteuer steigt um rund drei Prozent und damit prozentual stärker als der Lohn. „Um weitere Verschärfungen zu vermeiden, müssen heimliche Steuererhöhungen nachhaltig ausgeschaltet werden“, fordert Stern von der Bundesregierung.

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