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Ängste der Deutschen Wovor wir uns fürchten

Kriege, Krisen, Krankheit - doch die Deutschen sorgen sich im Jahr internationaler Konflikte trotzdem mehr ums Geld. Angst-Treiber ist vor allem die Euro-Schuldenkrise. Deutschland ist hierbei gespalten.

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In die Ecke gedrängt: Steigende Kosten sind der Angst-Treiber Nummer eins der Deutschen. Quelle: Getty Images

Von wegen IS-Terror und Ukraine-Konflikt, Unwetter oder NSA-Überwachung: Drei von fünf Deutschen (58 Prozent) sorgen sich wegen der Euro-Schuldenkrise und teurerer Lebenshaltung vor allem um ihr Geld. Das geht aus der aktuellen Studie „Die Ängste der Deutschen“ der R+V Versicherung hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Sie untersucht jährlich, welchen Einfluss Themen und Ereignisse des Jahres auf die Ängste der Deutschen haben und fragte im Juni und Juli in einer repräsentativen Studie daher bei 2435 Deutschen ab 14 Jahren insgesamt 16 Ängste ab.

„Die Bürger registrieren sehr aufmerksam, dass nicht nur die steigenden Nahrungsmittelpreise zu den hohen Lebenshaltungskosten beitragen“, sagte Manfred G. Schmidt, Politologe an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, der die Studie begleitet.

Die sieben größten Ängste der Deutschen

Die Angst ums Geld ist wie in den Vorjahren wieder die größte Sorge der Deutschen. Demnach fürchtet die Mehrheit der Deutschen, dass die Euro-Schuldenkrise die Steuerzahler teuer zu stehen kommt und die Lebenshaltungskosten weiter steigen.

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    Obwohl diese Angst gegenüber dem Vorjahr um acht Prozentpunkte zurückgegangen ist, bleibt sie mit 60 Prozent noch immer auf hohem Niveau. An Schrecken verloren hat dagegen die Befürchtung, dass die Schuldenkrise den Euro gefährden könnte (45 Prozent, Vorjahr: 53).

    Auch wenn sich die gesamtwirtschaftliche Leistung der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal etwas abgeschwächt hat, ist die Grundtendenz nach wie vor positiv. Das spiegelt sich auch in den wirtschaftlich-politischen Sorgen der Ängste-Studie wider: Mit neun Prozentpunkten am stärksten gesunken ist die Angst vor einer Verschlechterung der Wirtschaftslage. Sie liegt mit 41 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 15 Jahren.

    Auf Rekordtief ist auch die Sorge, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland zunehmen könnte (33 Prozent, Vorjahr: 39). Und ebenfalls nur noch jeder dritte Deutsche sorgt sich um die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes.

    Ostdeutsche haben mehr Angst

    Die Angst ist im Osten des Landes deutlich höher als im Westen: Während in den neuen Bundesländern 43 Prozent der Bevölkerung sorgenvoll in die Zukunft blickt, sind es im Westen nur 38 Prozent. Der größte Unterschied: Das Risiko, den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren, schreckt 43 Prozent der Ostdeutschen, im Westen sind es 30 Prozent. Im Osten ist mit 9,4 Prozent derzeit fast jeder Zehnte arbeitslos ist, die Quote im Westen liegt dagegen lediglich bei 5,9 Prozent.

    Seit Jahren beständig größer ist in den neuen Bundesländern die Angst vor höheren Ausgaben: Zwei Drittel aller Ostdeutschen (66 Prozent) befürchten, dass die Lebenshaltungskosten steigen. Im Westen ist diese Furcht um zehn Prozentpunkte geringer.

    Nach dem verheerenden Unwetterjahr 2013 vergeht auch in diesem Jahr kaum ein Monat ohne schwere Unwetterschäden. Mit 51 Prozent (Vorjahr: 56) liegt die Furcht vor zunehmenden Naturkatastrophen wie im vergangenen Jahr auf Platz zwei der Ängste-Skala.

    Angst und Schrecken in deutschen Büros
    Immer mehr Deutsche beklagen eine Kultur der Angst am Arbeitsplatz. Fehler werden nicht verziehen und Mitarbeiter leiden unter Despotismus und Überforderung ihrer Vorgesetzten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Personalberatung Rochus Mummert unter 1057 Deutschen. Was die Mitarbeiter im Büro erdulden müssen. Quelle: dpa
    Ängste im BerufslebenPsychoterror ist offenbar weit verbreitet. 28 Prozent aller Berufstätigen fürchten sich laut Umfrage vor Mobbing durch Arbeitskollegen. Die Angst vor Konflikten mit Vorgesetzten wiegt schwerer. Knapp 34 Prozent der Befragten fürchten sich vor Konflikten mit dem Vorgesetzten. Quelle: dpa
    Auch die Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes beschäftigt die Deutschen. Knapp 36 Prozent der Berufstätigen befürchten den Gang zum Arbeitsamt in naher Zukunft. Die größte Sorge der Deutschen in ihrem Berufsleben ist aber die Angst vor dem Versagen. Fast die Hälfe der deutschen Arbeitnehmer haben Angst einen Fehler zu machen. Quelle: dpa
    Angst macht krankImmer mehr Deutsche werden psychisch und körperlich krank. Durch die Belastungen am Arbeitsplatz flüchten viele Arbeitnehmer in den Alkohol. Auch der Medikamenten- und Drogenkonsum nimmt zu. Knapp 17 Prozent der Berufstätigen beobachten eine steigende Zahl von Alkohol- und Drogenabhängigen im eigenen Unternehmen. Dadurch steigt auch die Zahl der Krankschreibungen. 22 Prozent der Deutschen regristieren „angstbedingte Fehlzeiten“ am Arbeitsplatz. Quelle: dpa
    Angsterfüllte Mitarbeiter arbeiten deutlich unproduktiver. Das glauben zumindest knapp 35 Prozent der Deutschen. Für Unternehmen sind die Folgen gravierend. Schließlich sorgt die schlechtere Leistung der eigenen Mitarbeiter am Ende auch für weniger Gewinn des Unternehmens. Doch auch das Arbeitsklima leidet unter dem Einfluss von angsterfüllten Mitarbeitern. Knapp 60 Prozent der Arbeitnehmer gaben an, als Folge von Ängsten am eigenen Arbeitsplatz an Stresssymptome wie Reizbarkeit und Nervosität zu leiden. Quelle: dpa
    Die Gründe für ÜberstundenKollegen sind krank, einige Mitarbeiter sind im Urlaub: Für 41 Prozent der deutschen Arbeitnehmer sorgen regelmäßige Urlaubs- und Krankheitsvertretungen für einen besonders langen Arbeitstag. Die Vorgesetzten schauen selten auf die Uhr: Knapp die Hälfte aller Berufstätigen gaben an, dass Aufgaben zur späten Stunde oftmals für einen längeren Arbeitstag sorgen. Quelle: dpa
    Immer mehr Deutsche schaffen es regelmäßig nicht mehr pünktlich nach Hause. Der Grund: Mitarbeiter sind knapp, dass Arbeitsaufkommen aber allgemein hoch. Für knapp 60 Prozent aller deutschen Arbeitnehmer ist dies der triftigste Grund für einen besonders langen Arbeitstag. Quelle: AP

    Trotz der großen Furcht vor Naturkatastrophen befürchtet allerdings nur knapp jeder fünfte Bundesbürger, dass sein eigenes Haus durch Hochwasser, Hagel oder Sturm schwer beschädigt werden könnte. Das zeigt eine Sonderbefragung der diesjährigen Ängste-Studie. Offensichtlich sind sich die meisten Bundesbürger des hohen Unwetterrisikos durchaus bewusst, hoffen aber, dass sie und ihr Eigentum verschont bleiben.

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      Ähnlich viel Angst haben die Deutschen, im Alter ein Pflegefall zu werden. Rund 2,5 Millionen Pflegebedürftige gibt es derzeit in Deutschland – Tendenz steigend. Dementsprechend hoch ist auch die Besorgnis, im Alter anderen zur Last zu fallen.

      Ein Drittel fürchtet den Krieg

      Mit 51 Prozent liegt dieses Thema im Ranking der langjährig abgefragten Ängste gemeinsam mit der Furcht vor Naturkatastrophen auf Platz zwei. Frauen (58 Prozent) sind in dieser Frage wesentlich besorgter als Männer (45 Prozent).

      Auch, so schätzen die Studienautoren, weil Frauen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung ein viel größeres Pflegerisiko haben als Männer. Außerdem trügen sie bei der häuslichen Pflege in der Regel die Hauptlast und wüssten deshalb, wie nervenaufreibend und kostspielig die Situation ist. Entsprechend ist die Angst der Frauen mit 54 Prozent vor einer schweren Erkrankung ebenfalls höher als die der Männer (40 Prozent).

      Deutschland



      Mehr als ein Drittel fürchtet mittlerweile aber auch einen Krieg mit deutscher Beteiligung – eine der wenigen Ängste, die in diesem Jahr leicht gestiegen ist (plus drei Prozentpunkte). Mit 35 Prozent liegt sie dennoch nur auf Rang zehn. Fast genauso viele Deutsche haben Angst davor, dass die Ukraine-Krise zu militärischen Konflikten zwischen Russland und dem Westen führen könnte (37 Prozent). Das belegt eine Sonderfrage der diesjährigen R+V-Studie.

      Insgesamt sind die Deutschen jedoch recht entspannt: Der Index der Gesamtängste ist so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Der Angstindex, der Durchschnitt aller langjährig abgefragten Ängste, sank um zwei Prozentpunkte auf 39 Prozent – und damit auf den niedrigsten Wert seit 20 Jahren.

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