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Ärzte Angst vor dem Praxensterben

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Eine Ärztin hält ihr Quelle: dpa

Die privaten Klinikbetreiber investieren in die Versorgungszentren weniger des schnellen Geldes wegen – die meisten Zentren schreiben erst einmal rote Zahlen. Vielmehr brauchen sie die Krankenhausketten, um Patienten für ihre Häuser zu gewinnen. Wer sich im MVZ behandeln lässt, wird anschließend in die eigene Klinik überwiesen. „Das ist völlig normal, alle Krankenhäuser sind auf Einweiser angewiesen“, sagt Thomas Bublitz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Privater Kliniken. Das Interesse an MVZ sei aber auch deshalb so hoch, weil die Krankenhäuser „den Trend zur passgenauen“ Lösung für jeden Patienten nicht verpassen wollten: „Schnelle Diagnose, schnelle Behandlung, schneller Zugriff auf das Know-how des Krankenhausarztes.“

Hinzu kommt, dass Musik im Gesundheitsmarkt ist. Kaum ein Markt dürfte langfristig so krisensicher sein. Ernst & Young rechnen in ihrer Studie „Gesundheitsversorgung 2020“ vor, dass sich die Ausgaben in Deutschland auf 500 Milliarden Euro im Jahr verdoppeln werden. In dieser Goldgrube wollen auch andere private Investoren wie die Medpro Group mitschürfen, die Deutschland mit einem Netz aus MVZ überziehen möchte – überzeugt davon, dass sie „eine Nachfrage abdeckt, die das überkommene System nicht mehr bedienen kann“.

In vielen etablierten Praxen herrscht deshalb Alarmstimmung – vor allem in Bayern, wo seit 2004 die meisten Versorgungszentren entstanden sind. Patienten würden künftig an den freien Praxen vorbei in die MVZ gelenkt, warnt etwa der Allgemeinmediziner Jan Erik Döllein. Ärzte würden mit hohen Summen dazu angestachelt, ihre Praxen an solche Zentren zu verkaufen. Im Internet veröffentlichte Döllein, der für die CSU im Kreis- und Gemeinderat von Altötting sitzt, ein Dossier mit dem Titel: „Was derzeit wirklich passiert“. Darin malt er ein düsteres Bild: Niedergelassene Ärzte würden bis 2020 „aussterben“.

Gründliche Neusortierung im Gesundheitssystem

Die CSU, so kurz vor der Landtagswahl von Ärztedemonstrationen und Patientenprotesten alarmiert, verspricht, „eine Verdrängung der bewährten medizinischen Versorgungsstrukturen“ nicht zuzulassen, und hat angekündigt, die „weitere MVZ-Entwicklung gerade im Klinik-Bereich kritisch zu beobachten“, so der parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe in Berlin, Hartmut Koschyk.

Auch aus der KBV hört man Bedenken: „Für uns steht die Versorgung im Vordergrund. Wir sehen es kritisch, wenn ein MVZ von einem ausschließlich ökonomisch geprägten Investor übernommen wird“, sagt Stahl. Dabei gründen die Kassenärztlichen Vereinigungen jetzt selbst MVZ – und zwar über eine Aktiengesellschaft, an der die KV-Vorstände über eine Stiftung beteiligt sind. KBV-Chef Andreas Köhler: „Wichtig ist, dass jetzt Träger in den Markt eintreten, die den Vertragsärzten verbunden sind.“

An dem Kuchen wollen auch gesetzliche Kassen wie die Techniker Krankenkasse (TK) teilhaben. In Köln kooperiert die TK mit der Health Care Managers GmbH, die das Atrio-Med betreibt. TK-Versicherte haben Anspruch auf einen Sonderservice – so will die Kasse Kunden anlocken und bis zu 30 Prozent Kosten sparen.

So findet derzeit eine gründliche Neusortierung im deutschen Gesundheitssystem statt. Das, glaubt der Göttinger Professor für Ökonomie und Ethik im Gesundheitswesen Konrad Obermann, „ist der wahre Grund für den Unmut“. Doch die Gefahr einer Verdrängung der niedergelassenen Ärzte sieht Obermann nicht. Nur etwa drei Prozent von ihnen seien im MVZ beschäftigt. „Viele Mediziner haben berechtigte Angst vor einem sich massiv wandelnden Umfeld – und sie projizieren diese Angst auf das MVZ.“

Günter Neubauer, Direktor des Münchner Instituts für Gesundheitsökonomik, sieht die Zukunft in der engen Zusammenarbeit von Krankenhäusern und von Ärzten getragenen MVZ, in denen die Selbstständigkeit erhalten bleibt. Die Krankenhäuser seien zunehmend sensibilisiert für die Sorgen der Mediziner: „Sie merken, dass sie es sich mit den Niedergelassenen nicht verscherzen dürfen.“ Denn wenn in den unabhängigen Praxen gegen ein MVZ Stimmung gemacht würde, verliere das Krankenhaus am Ende mehr Einweiser, als es hinzugewinne.

Das kann dann auch das schicke Wartezimmer nicht mehr wettmachen.

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