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Ärztemangel Jeder achte Arzt stammt aus dem Ausland

Exklusiv
Ärztemangel: Immer mehr Ärzte stammen aus dem Ausland Quelle: dpa

Die Zahl ausländischer Ärzte in Deutschland hat sich in zehn Jahren verdreifacht. Ärztekammer und NRW-Regierung warnen: Die Versorgungslücken sind so nicht zu schließen.

Ohne ausländische Ärzte würden Patienten in einigen Regionen Deutschlands kaum mehr versorgt. Nach der bisher unveröffentlichten Jahresstatistik der Bundesärztekammer stammt inzwischen jeder achte praktizierende Mediziner aus dem Ausland. Allein 2018 stieg ihre Zahl um 7,3 Prozent auf 48.672. Das sind fast dreimal so viele wie zehn Jahre zuvor. Die Neuen behandeln vor allem Patienten in Krankenhäusern, aber auch in ambulanten Praxen. „Gerade in ländlichen Regionen leisten Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung“, sagte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery der WirtschaftsWoche.

Bereits jeder achte der insgesamt 392.402 berufstätigen Ärzte in Deutschland ist inzwischen Zuwanderer. Nach den Zahlen der Kammer stammen die meisten aus Staaten Ost- und Südosteuropas – aus Polen, Ungarn und der Ukraine, aus Bulgarien, Griechenland und vom Balkan. Fast jeder zehnte der Zugewanderten stammt aus Rumänien. Eine andere größere Gruppe kommt aus Syrien, Ägypten, Libyen oder dem Iran.

Die Entwicklung bringt sowohl für die Versorgung hier als auch für die Herkunftsländer einige Probleme. Ärztepräsident Montgomery verweist auf kulturelle und Sprachhindernisse. „Es ist eine große Herausforderung, die für eine gute Patientenversorgung notwendigen Fachsprachen-Kenntnisse zu vermitteln und zu prüfen.“ Die Akademiker studieren meist in ihren Heimatländern, die ein im Vergleich eher schlecht ausgestattetes Gesundheitssystem haben. Montgomery: „Es muss uns bewusst sein, dass die zugewanderten Kollegen in ihren Herkunftsländern fehlen.“

Deutschland müsse dringend mindestens zehn Prozent mehr Studienplätze in Medizin schaffen, fordert Ständevertreter Montgomery. Zuwanderung allein löse den Ärztemangel nicht. Versorgungslücken bestehen vor allem in ländlichen Gebieten und ärmeren Teilen von Großstädten.

Auch der Gesundheitsminister des bevölkerungsreichsten Bundeslandes schlägt Alarm. NRW-Minister Karl-Josef Laumann (CDU) hält für sehr problematisch, dass inzwischen fast ebenso viele Ärzte aus dem Ausland nach NRW kämen wie Mediziner vor Ort die Approbation erlangten. 2017 hätten 1455 Ärzte mit einem ausländischen Studienabschluss eine Anerkennung erhalten und 1771 Mediziner nach einem Studium in Deutschland. Laumann verlangt mehr eigene Ausbildung statt Abwerbung: „Fachkräfte gezielt aus demografisch schwächeren Ländern abzuwerben, ist moralisch höchst fragwürdig.

In Deutschland ist die Zahl der praktizierenden Ärzte 2018 zwar noch einmal leicht um 1,9 Prozent gestiegen, so die Zahlen der Bundesärztekammer. Doch zunehmend arbeiten Mediziner als Angestellte in Praxen und damit weniger Stunden als Ärzte mit eigener Praxis. Der Anteil der Ärztinnen steigt, diese arbeiten aber öfter Teilzeit. Und in Krankenhäusern führen striktere Vorschriften zu geringeren Arbeitszeiten.

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