WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

AfD Alexander Gaulands Krieg

Alexander Gauland war Vordenker des Bürgertums, jetzt personifiziert er die neue AfD. Die Partei versucht sich rechts von der Union als neo­konservative Kraft zu etablieren. Wie rechts ist die Partei?

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
40 Jahre lang war AfD-Vizechef Alexander Gauland mit Leib und Seele Christdemokrat. Dann kam Hermann Gröhe. Quelle: dpa

An diesem Montag bricht Alexander Gauland nach Indien auf, um der muslimischen Kultur seine Referenz zu erweisen. Zehn Tage Delhi, Agra, Jaipur statt Reutlingen, Bad Saulgau und St. Leon-Rot, ein lang gehegter Wunsch und ein Geschenk der Tochter zum 75. Geburtstag nächste Woche. Gauland freut sich riesig, endlich einmal Sendepause, raus aus den Brauhäusern und Stadthallen des Landtagswahlkampfs, hinaus in die weite Welt, zum Taj Mahal und zum Roten Fort, zum Palast der Winde und zur Jama Masjid, der größten Moschee Indiens.

Ironisch findet Gauland daran nichts. Der stellvertretende Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD) hält es mit dem britischen Kolonialherren Lord Curzon, der sich im geschichtsstolzen Indien vor gut 100 Jahren Respekt durch Respekt zu verschaffen wusste, durch Achtung vor dem kulturell Verschiedenen – durch die Restaurierung des baufälligen Taj Mahal. Gauland liebt solche Geschichten.

Die Ehrfurcht der Verwurzelten vor kultureller Differenz. Die stolze Behauptung traditionsbewusster Identität. Die Souveränität der Herkunftsgewissen, das Fremde und Andere in seiner Fremdheit und Andersartigkeit wertschätzen zu können.

Der Islam zum Beispiel. Genießt dank seiner Herkunftsgewissheit bei Gauland ausdrücklich Asyl vor den Nachstellungen der westlichen Welt. Weil die USA das „Lebensrecht“ der Araber einschnüren. Und weil der Gottesglaube vor seiner „kulturellen Überwältigung“ durch Coca-Cola-Demokratien geschützt werden muss.

Nachdem der Kapitalismus und die „permissiv-zynischen Spaßeliten“ die religiösen und ethischen Traditionsbestände des Westens geschleift haben, ist der Islam die „letzte große geschlossene geistige Kraft, die wir in ihrem Eigenwert respektieren und der wir ein Recht auf autonome Gestaltung ihres Andersseins zugestehen müssen“, sagt Gauland. Nur bitte: nicht hier. Nicht in Deutschland.

Das Recht auf die Gestaltung des Andersseins. Das ist es also, was Gauland meint, wenn er Bundeskanzlerin Angela Merkels (CDU) „Wir schaffen das“ entgegenhält: „Wir wollen es gar nicht schaffen.“ Der Islam gehört zu Indonesien und Pakistan, Ägypten und Syrien. Zu Deutschland gehört er nicht.

Was aber gehört zu Deutschland? Schon möglich, dass die meisten Deutschen das nicht mehr wissen. Dass sie mit den Schultern zucken, wenn sie Aussagen über sich selbst treffen sollen. Geschichtsvergessen sind sie, was Otto und Karl betrifft, Luther und Friedrich, Metternich und Bismarck. Von Schuld besessen wegen Hitler, Himmler, Goebbels.

Draußen vor dem Altbaufenster, im Frankfurter Nordend, gleich gegenüber vom Holzhausenpark, sind Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit einst um die Häuser gezogen, haben ihre Pläne zur Abschaffung des Deutschen ausgeheckt, das Fundament schwarz-rot-gold-geteilter Werte untergraben.

Wird die AfD langfristig erfolgreich sein?

Ausgerechnet hier hingen die junggrünen Spontis ihren postpatriotischen Eine-Welt-Träumereien nach, narzisstisch eingesponnen in das, was sie anything goes und Selbstverwirklichung nannten. Ausgerechnet hier: im Schatten der Banktürme, in denen die Geldeliten dann auf ihre Weise den Egoismus von der Leine ließen, um allem Bürgerlichen den Rest zu geben.

Alexander Gauland beugt sich vor und nippt an seinem Tee. Er trägt britisches Garn, wie immer, einen blauen Wollpullover und gut gebürstete Wildlederschuhe. Das Parkett knarzt, die beiden Wellensittiche in der Voliere kreischen historische Holzmöbel an und verdrehen ihre Köpfe, als verlangten sie nach den Äpfeln und Trauben an der bemalten Stuckdecke. Gleich muss Gauland hoch nach Bad Homburg, um dort einen Vortrag zu halten über die Fehler in der deutschen Flüchtlings- und Außenpolitik, über offene Grenzen und innere Sicherheit, über die Demütigung Russlands und das Versagen von Angela Merkel. Das Übliche.

Geschenke für die AfD

Gauland hält seinen Vortrag wieder und wieder in diesen Wahlkampfwochen. Er braust mit seinem Jaguar von Potsdam nach Karlsruhe über Ludwigsburg, Friedrichshafen und wieder zurück, die Woche darauf nach Frankfurt, Heidelberg, Rems-Murr … Es ist anstrengend, gewiss, auch die Arbeit als Landes- und Fraktionschef der AfD in Brandenburg will erledigt sein. Aber die nationalverliebten Zuhörer lohnen ihm jede noch so unbequeme Nacht in winkligen Stadthotels und Landgasthöfen, weiß Gott: Sie stehen von ihren Sitzen auf und jubeln ihm zu.

Welche Parteien mit Anti-Flüchtlingspolitik punkten wollen
Marine Le Pen, Chefin des rechtsextremen Front National (FN) in Frankreich Quelle: REUTERS
Niederländischer Rechtspopulist Geert Wilders Quelle: AP
Matteo Salvini, Chef der rechtspopulistische Lega Nord in Italien Quelle: AP
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban Quelle: REUTERS
Alle großen Parlamentsparteien Tschechiens von links bis rechts sind gegen die Aufnahme einer größeren Zahl von Flüchtlingen. Die Regierung in Prag schickte Hunderte Polizisten an die Grenze zu Österreich und kämpft gegen dauerhafte EU-Flüchtlingsquoten. Am rechten Rand verbündete sich die Splitterpartei „Morgenröte“ mit der Bewegung „Block gegen den Islam“. Auch Europaskeptiker um den früheren Präsidenten Vaclav Klaus (hier im Bild) versuchen, mit dem Thema zu punkten. In einem Jahr finden in Tschechien Kommunal- und Teilwahlen zum Senat statt. Quelle: AP
Polens Regierungschefin Ewa Kopacz Quelle: dpa
Plakat der Schweizerischen Volkspartei Quelle: dpa

Die Flüchtlingskrise – ein „Geschenk“ für die AfD?

Walter Wallmann, Gaulands Mentor, ehemals Oberbürgermeister von Frankfurt, hessischer Ministerpräsident und Kabinettsmitglied von Kanzler Kohl, würde sich wundern. Politiker werden Sie nie, hat er Gauland einmal gesagt: Sie können nicht auf Menschen zugehen. Da ist was dran, auch heute noch. Aber Gauland muss in diesen Wochen auch nicht auf Menschen zugehen. Die Menschen gehen auf ihn zu. Das reicht.

Und auf die AfD versteht sich. Gauland hat die Flüchtlingskrise einmal als Geschenk für seine Partei bezeichnet. Man kann das als Ausdruck moralischer Kälte lesen oder machtpolitischer Nüchternheit, aber auch als Ausdruck ironischer Selbstehrlichkeit: Ohne Asylanten und Flüchtlinge, ohne Syrer, Afghanen und Albaner kann die AfD einpacken.

Frauke Petry, Afd-Chefin: Ein Grenzpolizist muss „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen“. Quelle: REUTERS

Gauland läuft zur Hochform auf, wenn er seine Partei und ihren momentanen Erfolg rezensiert. Gott sei Dank, sagt er dann mit Blick auf die tagelange Diskussion, ob AfD-Politiker zu Fernsehrunden eingeladen werden sollen: Gott sei Dank, was Besseres konnte uns gar nicht passieren. Gott sei Dank, sagt er dann mit Blick auf den „Rechtspopulismus“, den die übrigen Parteien der AfD vorhalten: Gott sei Dank holt der „Rechtspopulismus“ der Bundesregierung die Asylpolitik der AfD mit ein paar Monaten Verspätung nach.

Gauland weiß: Es gibt die AfD nicht, weil wir so toll sind, sondern weil die anderen versagen.

Die Bundesregierung sei verliebt ins Scheitern – warum soll er ihr dafür nicht dankbar sein? Die AfD will nicht regieren. Sie will Opposition sein, Protest, dagegen. Will Merkel zwingen, sich wenigstens ein bisschen zu bewegen. Für den Moment ist alles Nötige getan, findet Gauland. Die Regierung gibt ihre Planlosigkeit jeden Abend in den Nachrichten zu Protokoll. Deshalb muss die AfD bis zu den Landtagswahlen am 13. März in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt jetzt nur noch maßhalten, stillhalten, bloß nicht von sich Reden machen.

Stimmenanteil rechter Parteien

Zehn Tage Indien also. Zehn Tage Zeit mit seiner Tochter, einer linken evangelischen Theologin, sagt Gauland und lächelt: Sie ist vor ein paar Monaten aus Nairobi nach Deutschland zurückgekehrt und hat eine Stelle als Pfarrerin in Rüsselsheim angetreten. Diskussionen gibt es viele zwischen uns beiden, sagt Gauland. Konflikte nicht. Die Politik berührt unser Leben, sagt Gauland. Aber nicht unser gutes Verhältnis.

Ob auch Frauke Petry, die Parteichefin, einen Gang zurückschaltet? Jeder macht mal Fehler, sagt Gauland und schüttelt den Kopf wie ein Internatsleiter, der seinem Zögling gleich die Ohren lang ziehen wird. Das mit dem Einsatz von Schusswaffen an der Grenze sei ihr falsch rausgerutscht. Ziemlich aufgeregte Briefe habe er erhalten. Nein, habe er geantwortet: Von Waffen Gebrauch machen wollen wir nicht. Bestimmt nicht. Ganz sicher nicht. Man werde der AfD das Petry-Zitat wieder und wieder aufs Brot schmieren in den nächsten Wochen, gewiss. Aber irgendwann werden die Leute sagen, dass es jetzt auch mal wieder gut sein müsse, sagt Gauland: In ein Umfrageloch fallen wir nicht. Zehn, elf, zwölf Prozent, vielleicht auch wesentlich mehr. Wenn wir den Ball jetzt flach halten.

Für einen Prozentpunkt mehr oder zwei

Wie aber kann eine Partei den Ball flach halten, die in den Worten ihres ehemaligen Sprechers Konrad Adam längst „in Teichen fischt“, in denen eine „demokratische Partei ihre Netze nicht auswerfen darf“? In der die vulgärrassistische Entgleisung zum Stilmittel gehört und eine Sprache gesprochen wird, die schwitzt vor tümelnder Bedeutsamkeit? Gauland selbst gehört zu denen, die gern in Sütterlin reden, um am rechten Rand mitzunehmen, was möglich ist. Deutschland ist „nicht verhandelbar“, sagt Gauland. „Das Boot ist voll“. Die „Horden junger Männer“, die an Deutschlands Bahnhöfen von „nützlichen Idioten“ willkommen geheißen werden, zeigen „oft keine Spur der ‚strapaziösen Flucht‘, die sie angeblich hinter sich hatten“, sagt Gauland und: Die AfD ist eine Partei für Leute, die „eben kein Asylbewerberheim neben sich haben wollen“. Für Brandanschläge sind „in erster Linie die Politiker der Altparteien“ verantwortlich, weil sie die Flüchtlingskrise nicht in den Griff bekommen, sagt Gauland und: Deutschland droht unterzugehen – wie ehemals das Römische Reich durch die „Völkerwanderung“ der „Barbaren“.

Björn Höcke, AfD-Politiker: „Im 21. Jahrhundert trifft der lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp auf den selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp.“ Quelle: dpa

Zu den schönsten Marginalien im Leben von Alexander Gauland gehört, dass der Schriftsteller Martin Walser ihm vor 20 Jahren einen Romananfang gewidmet hat: „Finks Krieg“ basiert auf der „Gauland-Affäre“, auf dem Feldzug eines Ministerialdirigenten gegen den damaligen Staatssekretär in Hessen: „Er spielte den Engländer. Und das nicht nur mit seinen Anzügen und Manieren. Auch was er über Politik verfasste, war immer aus feinstem englischen Stoff.“

Gauland kann immer noch der Anglo-Kavalier aus Potsdam sein, der gedanklich mit dem Alten Fritz spazieren geht und Edmund Burke in Gespräche verwickelt. Und doch hat er für die AfD Benimm und Anstand über Bord geworfen, seinen Ruf ruiniert. Der Essayist für große Tageszeitungen … Der Herausgeber der Märkischen Allgemeinen … Der Gentleman in den Salons der Hauptstadt … – Gaulands Karriere als Dr. Bildungsbürger von blauem Geblüt ist dahin. Ehemalige Freunde zucken ratlos mit den Schultern. Altersstarrsinn? Angry old man? Wie konnte das passieren?

Vier Jahrzehnte lang war Alexander Gauland mit Leib und Seele Christdemokrat. Dann kam Hermann Gröhe. Über die Kernkraft und die Wehrpflicht haben er und seine Mitstreiter im konservativen „Berliner Kreis“ mit Merkels General damals reden wollen, über die Homo-Ehe und die Euro-Rettungspolitik – über die Erosion der Prinzipien und Grundsätze in der Union. Aber Gröhe hat uns gar nicht zugehört, sagt Gauland, und uns behandelt wie den letzten Dreck: Da wusste ich, dass ich meine politische Heimat verloren habe. Seither herrscht „Gaulands Krieg“. Sein Rechtsruck hat auch was mit verletztem Stolz, mit Rache zu tun. Natürlich würde er das nie so sagen. Aber natürlich gibt es keinen anderen Grund, warum Gauland den unbedingten Erfolg sucht – und sei es auf Kosten der Redlichkeit. Warum er immer wieder giftet, raunt und wiegelt – für einen Prozentpunkt mehr oder zwei.

Beatrix von Storch, AfD-Abgeordnete: „Ich nehme Wetten an: Wenn sie (Bundeskanzlerin Angela Merkel) bald zurücktritt, wird sie das Land verlassen. Aus Sicherheitsgründen.“ Quelle: dpa

Der umfassende Triumph der AfD

Sein Triumph ist fürs Erste vollständig. Die Union ist angesichts von Merkels Sturheit verängstigt, panisch – und lustvoll in einen Überbietungswettbewerb der rhetorischen Fremdenfeindlichkeit eingestiegen. „In NRW werden Frauen wie Freiwild verfolgt“, sagte CDU-Präside Jens Spahn nach der Silversternacht von Köln. Und CDU-Vizechefin Julia Klöckner, die restdeutsche Antwort auf bajuwarischen Dirndl-Partriotismus, verlangt jetzt endlich ein „Zeichen an Flüchtlinge“, dass man nach Deutschland „nicht einfach so reingeschwappt kommt“.

Wenn aber Spahn und Klöckner nicht mehr rechtschaffen rechts sein können (oder wollen) im Deutschland der brennenden Flüchtlingsheime – besteht dann nicht der größte Erfolg der AfD darin, dass sie die übrigen Parteien längst auf ihr semantisches Spielfeld gezwungen hat? Dass sie den rechten Ton in Deutschland vorgibt – auch und gerade dann, wenn andere über sie reden?

Zurück zum Konservatismus?

Neuerdings finden Finanzminister Wolfgang Schäuble, Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) und CDU-General Peter Tauber Vokabeln wie „Dumpfbacke“, „Pack“ und „Drecksnazi“ angemessen, um AfD-Wähler zu beschreiben. Sie stabilisieren damit das narzisstische Selbstbild „besorgter Bürger“, die sich von „denen da oben“ im Stich gelassen fühlen. Und sie helfen der Partei, schleichend als Argument in Anspruch zu nehmen, was sie als böse Unterstellung in Umlauf gebracht hat: dass „Gutmenschen“ in Politik und „Mainstream“-Medien ein „Meinungskartell“ bilden, um die „schweigende Mehrheit“ linksgrün zu pädagogisieren. Dass das „Politbüro“ in Berlin deutsche Interessen auf dem Altar der „EudSSR“ in Brüssel opfert. Dass sich die „Altparteien“ um die Abgehängten in Deutschland weniger scheren als um Migranten und Flüchtlinge. Dass Merkel „weg“ muss, weil sie das Recht mit Füßen tritt und den Nationalautoritären in Russland, Ungarn, Polen Vorschriften macht.

Offenbar haben Union und SPD noch immer nicht verstanden, dass die AfD nicht nur einen Beutezug auf der Basis von Xenophobie und Ressentiment, sondern auch von Selbstviktimisierung und Desinformation, von Wertnihilismus und verhetzendem Anti-Merkel-Protest unternimmt – und dass viele AfD-Wähler jede Beschimpfung mit Dankbarkeit auf sich beziehen, um mit der Kraft ihres (Selbst-)Hasses besser denn je dem Bild entsprechen zu können, das sich „das System“ ihrer Meinung nach von ihnen macht. Dass nun auch noch der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) autoritäre Regime indirekt verharmlost, indem er Merkel zum demokratischen Systemfehler erklärt („Herrschaft des Unrechts“), macht den Etappensieg der AfD komplett. Einerseits dämonisiert als „rechtspopulistische“ Partei, die vom Verfassungsschutz beobachtet gehört, adeln die etablierten Parteien die AfD andererseits mit jeder weiteren Formlosigkeit zum Trendsetter des Ressentiments.

Das Vokabular von Pegida

Gibt es einen Weg zurück zum Konservatismus?

Gibt es einen Weg zurück vom gepflegten Hass auf gutmenschelnde Volkspädagogen zum skeptischen Konservativismus – zurück in eine Welt, in der man das Fremde und Andere für seine Fremdheit und Andersartigkeit schätzt? Nicht, wenn es nach Marc Jongen geht, inoffizieller Parteiphilosoph und AfD-Vize in Baden-Württemberg. Jongen, ein Schüler, nein: eine Parodie des deutschen Lieblingsintellektuellen Peter Sloterdijk, diagnostiziert eine thymotische Unterversorgung in Deutschland, einen Mangel an Zorn und Wut. Es ist ihm daher daran gelegen, seine Landsleute psychopolitisch zu kräftigen, sie in Sachen Wehrhaftigkeit gegenüber anderen Kulturen zu ertüchtigen. Er möchte das kernlose Helfer-Wir der Gutmenschen und das schwarzverbunkerte Volks-Wir der Fremdenfeinde einschmelzen in ein avantgarde-konservatives Programm zur Erhaltung Deutschlands. Kurz, Jongen gibt den rechten Volkspädagogen, den Kerngesundnationalen. Er möchte sichern, was deutsch ist. Und Zustände schaffen, deren Erhaltung sich lohnt.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Alexander Gauland lächelt. Die AfD ist nicht intellektuell, sagt er, und ich bin deshalb auch nicht traurig: Wir sind eine Partei, die an den Problemen wächst, die die Menschen als Problem empfinden, das ist alles. Das Beste an der AfD wäre demnach, dass sie Deutschland mal wieder mit seiner national-kleinbürgerlichen Kehrseite vertraut macht? Mit den Enttäuschten, Abgehängten, Unsichtbaren, die endlich mal wieder zur Wahl gehen? Mag sein, dass Gauland diese Menschen letztlich fremd bleiben. Dass sie ihm zu grob, zu rau, zu hölzern sind. Aber er braucht sie, weil er mit dem irisch-britischen Staatsphilosophen Edmund Burke buchstäblich immer nur das ihm nächstliegende denken möchte: deutsch.

Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%