AfD-Bundesparteitag Die AfD versenkt Bernd Lucke

Die Mitglieder der AfD wollen, dass Frauke Petry künftig die Partei führt. Mitgründer Bernd Lucke erleidet eine schmerzhafte Niederlage und hat keine Zukunft mehr in der AfD. Daran ist der Ökonom selbst schuld.

Der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke hat eine bittere Niederlage gegen Frauke Petry kassiert. Quelle: dpa

Vor zwei Jahren gefeiert wie ein Erlöser, heute ausgepfiffen und aus der eigenen Parteien gedrängt: Bernd Lucke kassierte beim Bundesparteitag der AfD in Essen seine größte politische Niederlage. Seine Widersacherin, die sächsische AfD-Fraktionsvorsitzende Frauke Petry, wurde mit 60 Prozent der Stimmen zur Bundesvorsitzenden gewählt. Lucke (nur 37 Prozent der Stimmen) hatte vorab erklärt, mit Petry nicht weiterarbeiten zu können und zu wollen. Zu groß die inhaltlichen Differenzen, nahezu gigantisch die persönlichen Animositäten. Ein Rückzug des Partei-Mitgründers aus der AfD wäre nun die einzig logische Konsequenz. Lucke ist gescheitert, an dem Rechtsruck der Partei – und an sich selbst.

Rückblick: Düsseldorf, 2. September 2013. Wenigen Wochen vor der Bundestagswahl ist Bernd Lucke zu Gast in der Rheinmetropole. Neueste Umfragen räumen der AfD ernsthafte Chancen ein, in den Bundestag zu ziehen. Lucke wird bei einem Auftritt im Radschlägersaal der Rheinterrasse wie ein Erlöser gefeiert. 1200 Gäste drängen in den Raum und bilden Spalier für Lucke, der sich den Weg zur Bühne bahnen muss. Die Zuhörer klatschen euphorisch in die Hände, sie johlen und klopfen Bernd Lucke auf die Schulter. Der Rheinturm leuchtet in Blau, „Der Euro spaltet Europa“ und „AfD wählen“ steht auf dem Wahrzeichen der Stadt.

Lucke, der eigenwillige Ökonomieprofessor, eher kleingewachsen und mit einem Rucksack über den Schultern, hat so gar nichts von einem charismatischen Volkstribun. Und doch feiern ihn die AfD-Wähler, die endlich eine Alternative zum etablierten Berliner Politikbetrieb gefunden zu haben schienen. Lucke fühlt sich zu Großem bereit, er will die Bundesregierung herausfordern, den Euro abschaffen und – um die Kriminalität zu bekämpfen – die Hells Angels zerschlagen.

Die AfD – neue Volkspartei oder kurze Protestepisode?

Die AfD verpasst den Einzug in das Parlament; Lucke, der vor der Wahl davon ausgegangen war, in das Parlament einzuziehen, ist geschockt. Er spricht kurz zu seinen Anhängern, als die Hoffnungen, die Fünfprozenthürde noch zu überspringen, geringer werden, macht sich Lucke rar. Er schaltet sein Mobiltelefon aus.

Die nächsten Wochen werden wenig Glamourös. Die „Alternative für Deutschland“ hat Schwierigkeiten sich zu etablieren. In mehreren Landesverbänden herrscht Chaos, Rechtsradikale unterwandern die Professoren-Partei. Lucke reist durchs Land und versucht, die Wogen zu glätten. Er scheitert an der Aufgabe.

Lucke schaltet um, er zieht die Zügel an und denkt von nun an in klare Freund-Feind-Schemata. Zu den Freunden zählen alle diejenigen, die vorbehaltlos zu ihm stehen. So wie Hans-Olaf Henkel, der wie Lucke für die AfD 2014 ins Europäische Parlament einzieht, und seinen Chef vehement verteidigt. Während sich Lucke in Brüssel an der großen Politik versucht und in Deutschland immer weniger in Erscheinung tritt, poltern die ostdeutschen Fraktionsvorsitzenden ihre Parolen massenmedientauglich in die Öffentlichkeit. Brandenburgs Alexander Gauland kritisiert die USA und die Russland-Sanktionen der EU, Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke sucht den Schulterschluss mit Pegida – und Frauke Petry etabliert sich mehr und mehr zur Gegenspielerin Luckes.

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