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AfD-Bundesparteitag Die AfD versenkt Bernd Lucke

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Lucke verschreckte selbst Gemäßigte

Statt den Dialog zu suchen, kämpft Lucke um die Macht. Dabei sucht er zu selten eigene Fehler bei sich; Lucke-Sympathisanten versuchen, auf die einstige Partei-Ikone einzureden, doch Lucke zeigt sich kritikunfähig und beratungsresistent. Gegen den Rat seiner Unterstützer grenzt er Parteifreunde aus, gibt kritischen Reportern keine Interviews mehr und arbeitet an dem Umbau der Partei. Lucke will die Parteisatzung ändern lassen und weg von der Dreier-Spitze. Statt drei gleichberechtigte Sprecher soll nur noch einer in der AfD das Sagen haben: Lucke selbst. Die Basis unterstützt die Pläne beim Treffen in Bremen, die Partei bricht endgültig in zwei Lager. Lucke gelingt es nicht, die Wogen zu kitten. Er versucht es auch nur halbherzig.

Das ist Frauke Petry

„Lucke ist kein Moderator, keiner der den Kompromiss sucht“, sagt ein AfD-Mitglied, das seit den ersten Stunden der Partei im Hintergrund die Fäden zieht. Lucke habe schon immer den Kurs vorgeben wollen – in der Partei, wie in der Wissenschaft. „Wenn Lucke zu Terminen unter Ökonomen zu spät gekommen ist, musste das Gespräch von Null starten, weil er über alles Bescheid wissen wollte“, erinnert sich das AfD-Mitglied im Hintergrundgespräch. Lucke sei zeitweilig pedantisch, oft besserwisserisch und fast immer anstrengend.

Konrad Adam kämpft öffentlich gegen den alleinigen Machtanspruch Luckes. Das gute Verhältnis der beiden ehemaligen CDU-Mitglieder leidet. "Der Selbstgerechte hält sich gern für den guten Hirten und alle anderen für die Schafe", sagt Adam in Essen in Richtung Lucke; mit dem Publizisten läuft ein gemäßigter Intellektueller zum Petry-Lager über. Der Anfang vom Ende von Lucke.

Wird die AfD langfristig erfolgreich sein?

Der Mit-Parteigründer gründet eine Partei innerhalb der Partei, den „Weckruf 2015“. Lucke versucht, seine Macht ein letztes Mal zu demonstrieren. Doch selbst die treuesten Lucke-Anhänger folgen dem Aufruf – wenn überhaupt – nur aus Pflichtgefühl. Die Resonanz auf Luckes „Weckruf“ ist jedenfalls enttäuschend. Vielmehr mobilisiert der „Weckruf“ seine Kritiker. Beim Parteitag echot ein lautes „Buh“ durch die Grugahalle als der Vereinsname ertönt; „Weckruf raus“, skandiert ein Großteil der Mitglieder und wedelt mit roten Abstimmungskarten. „Das war ein Versuch, eine Hand zu reichen, die augenscheinlich nicht von jedem genommen werden möchte“, kommentierte Lucke in Essen.

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    Er lässt es sich nicht anmerken, es folgt – später am Tag – noch eine kämpferische Rede. Doch insgeheim wusste schon ein Jeder am Vormittag: Dieser Samstag wird das Ende der Mitgliedschaft von Bernd Lucke in der AfD einleiten. Am Samstagabend wollte er noch keine Entscheidung über seine Zukunft treffen. Nur so viel: Das Schicksal der Partei liege ihm am Herzen. Die "teilweise pöbelnde Atmosphäre" aber habe ihn schockiert.

    Möglich, dass Bernd Lucke nun eine neue Partei gründet. Einzig: Sie wäre chancenlos. Bernd Lucke ist gescheitert und hat keine politische Zukunft.

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