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AfD-Bundesparteitag Schweißperlen und Grabenkämpfe

In der Alternative für Deutschland tobt ein erbitterter Machtkampf. Der Bundesparteitag in Essen soll Klarheit schaffen, ob die Partei künftig von Gründer Bernd Lucke oder seiner Rivalin Frauke Petry geführt wird.

Wohin führt die Zukunft von AfD-Gründer Bernd Lucke? Quelle: dpa

Mit Pfeifkonzerten wie bei einem Fußballspiel hat am Samstag der Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) in Essen begonnen. Parteigründer Bernd Lucke wurde während seiner Begrüßungsansprache mehrfach durch laute Buh-Rufe der Anhänger seiner Rivalin Frauke Petry unterbrochen.

Lucke lehnte in seiner Rede die Bezeichnung Pegida-Partei für die Alternative für Deutschland ab und rief damit heftige Reaktionen hervor. Er wurde bei seiner Rede von Buhrufen und Pfiffen unterbrochen. Die Parteitagsregie musste die Mitglieder mehrfach auffordern, Lucke weiterreden zu lassen und auf Pfiffe zu verzichten.

Lucke hatte mit seiner Äußerung auf Vorredner reagiert. „Das haben wir nie irgendwo beschlossen“, sagte der Vorsitzende zum Begriff Pegida-Partei. Pegida ist die Kurzform der islamkritischen Bewegung „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Marcus Pretzell, Sprecher der AfD in Nordrhein-Westfalen, hatte die AfD als Anti-Euro- und Pegida-Partei bezeichnet.

Trotz großer Hitze fanden sich nach Angaben der Partei rund 3000 Mitglieder der Alternative für Deutschland in der Essener Grugahalle ein. Vor der Halle demonstrierten einige Dutzend Angehörige linker Gruppen gegen die AfD. Auf Spruchbändern forderten sie mehr Unterstützung für Flüchtlinge.

Das ist Frauke Petry

Zum Auftakt hatte Lucke bereits zur Beendigung der heftigen internen Konflikte aufgefordert. Es sei in aller Öffentlichkeit gestritten worden, bis die Fetzen flogen seien, sagte er. Dies sei für die AfD eine Belastung gewesen, die er bedauere. Die Konflikte müssten unverzüglich beendet werden. Luckes Konkurrentin Frauke Petry erklärte mit Blick auf die Auseinandersetzungen, die AfD habe Angriffe unter der Gürtellinie nicht nötig. Sie wies zudem den Vorwurf zurück, die AfD nicht gegen rechtspopulistische Tendenzen abzugrenzen.

Die AfD-Mitglieder sollen auf dem zweitägigen Parteitag einen neuen Bundesvorstand wählen. In der AfD tobt seit einem halben Jahr ein erbitterter Machtkampf zwischen dem liberalen und dem rechten Flügel. Der liberal-konservative Flügel steht mehrheitlich hinter Lucke. Rechte und Nationalkonservative unterstützen die Co-Vorsitzende Petry.

Konrad Adam, der im alten Vorstand neben Lucke und Petry der Dritte im Bunde war, erntete von den Parteimitgliedern viel Applaus für den Satz: „Als rechts gilt heute, wer einer geregelten Arbeit nachgeht, seine Kinder pünktlich zur Schule schickt und der Ansicht ist, dass sich der Unterschied von Mann und Frau mit bloßem Auge erkennen lässt.“

Lucke will nicht, Petry schon

Im Interview mit der „WirtschaftsWoche“ hatte Lucke ausgeschlossen, mit Petry im Vorstand zusammenzuarbeiten. „Das schlimmste Ergebnis wäre, wenn wir beide, Frau Petry und ich, in den Vorstand gewählt werden würden“, sagte Lucke. „Dann würde ja dieser zerstörerische Streit unvermindert fortgehen. Der Parteitag kann zerstörtes Vertrauen nicht dadurch wiederherstellen, dass er uns zur Zusammenarbeit zwingt. Deshalb werde ich auch für kein weiteres Vorstandsamt kandidieren, sollte ich gegen Frau Petry unterliegen.“

Petry bekräftigte hingegen vor dem Parteitag ihre Bereitschaft, mit Lucke in einer Doppelspitze zusammenzuarbeiten. „Wenn der Parteitag uns beide in den Vorstand wählt, dann müssen wir zusammenarbeiten“, sagte Petry am Samstag im WDR-„Morgenecho“.

Die Mitglieder würden auf dem Parteitag auch über das Selbstverständnis der Partei entscheiden, sagte Petry: „Ob man sich primär als Oppositionspartei versteht, in der man reifen oder sich politisch entwickeln muss. Oder ob man mit einer kleinen Anzahl von Getreuen wesentlich zum Mehrheitsbeschaffer einer großen Partei wird.“ Letzteres sei der Wille von Lucke, so Petry weiter. „Diese Meinung teile ich nicht, und ich glaube auch, dass die Mehrheit der AfD-Mitglieder sie nicht teilt.“

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