AfD Die Zukunft der Partei ohne Bernd Lucke

Überlebt die AfD ohne Bernd Lucke? Nach dem heißen Sommer spricht vieles dafür – zumindest eine Zukunft als Ostpartei scheint erst mal sicher.

Bernd Lucke: Rechte Umtriebe unterschätzt Quelle: dpa

Die Aussprache ist schnell vorbei. „Wir wollen heute mit euch darüber sprechen, was der Abgang von Bernd Lucke für die Partei bedeutet“, verkündet Uwe Wurlitzer, Generalsekretär der sächsischen AfD, den Gästen des Leipziger Parteistammtischs. „Gut, dass der Lucke weg ist!“, schallt es zurück, zustimmendes Brummen. Das Thema ist damit erledigt, man tauscht lieber Ressentiments aus über Flüchtlinge und Linke.

Am anderen Ende der Republik sieht das ganz anders aus. „Quo vadis AfD?“ fragt die NRW-Gruppierung der Partei ihre Mitglieder im Bonner Stadtteil Bad Godesberg. Mehrere Stunden sind die regionalen Parteigranden damit beschäftigt, Sympathisanten zu besänftigen. Nein, es wird keinen Rechtsruck geben. Bitte bleibt bei uns.

Wird die AfD langfristig erfolgreich sein?

Vor gut sechs Wochen hat sich die AfD nicht für ihren Gründer Bernd Lucke entschieden, sondern dessen Konkurrentin Frauke Petry zur Vorsitzenden gewählt. Der Machtwechsel beendete auch einen erbittert geführten Richtungsstreit. Kaum zwei Wochen später gründete Lucke gemeinsam mit vier der sechs AfD-Europaabgeordneten eine neue Partei, die Allianz für Fortschritt und Aufbruch, kurz Alfa. Seitdem interessiert sich kaum noch einer für die politischen Forderungen der AfD oder die Frage, wie rechts und verfassungsverbunden ihre Mitglieder nun genau sind. Erst mal muss Grundsätzliches geklärt werden: Überlebt die Partei die Spaltung?

Wer in den Osten der Republik schaut, wird daran kaum zweifeln. Hier ist die AfD stark, in drei Landtagen ist sie mit stattlichen Fraktionen vertreten. In Thüringen sind ihr zwar drei Abgeordnete abhandengekommen, das war es aber auch schon mit den Folgen der Lucke-Abspaltung. Die Mitgliederzahlen sind stabil, die Lage ist ruhig. Das beherrschende Thema hier ist: Wie kann die Partei das größte Kapital schlagen aus dem stetig wachsenden Zustrom an Flüchtlingen?

Die AfD – neue Volkspartei oder kurze Protestepisode?

Ganz anders die Situation in vielen westdeutschen Bundesländern: „Wir sehen uns in der neuen Führung der AfD nicht mehr repräsentiert“, sagt Hans-Friedrich Rosendahl, Pensionär und Stadtverordneter in Bonn. Seit zwei Jahren vertrat er die AfD, in der vergangenen Woche haben er und seine Kollegen eine nur scheinbar minimale Änderung vorgenommen. Statt AfD heißen sie jetzt AfB. Das steht für „Allianz für Bonn“ und hat schwerwiegende Gründe: Die vier Ratsvertreter sind geschlossen aus der Partei ausgetreten, liebäugeln jetzt mit einem Übertritt zu Luckes Mannen.

Fast 20 Prozent der Mitglieder verloren

So wie in Bonn geht es der Partei in vielen westdeutschen Bundesländern. In NRW hat die AfD innerhalb weniger Wochen fast 20 Prozent ihrer Mitglieder verloren, dabei sind vor allem die Mandatsträger gegangen, in Bayern ging fast der gesamte Vorstand von Bord. Dagegen hat Luckes Allianz bereits 2000 Mitglieder gewonnen, 400 davon in Nordrhein-Westfalen, 300 in Baden-Württemberg. In den meisten ostdeutschen Bundesländern hat die Abspaltung hingegen eine „kaum nennenswerte“ Zahl an Mitgliedern, so Ulrike Trebesius, Generalsekretärin der neuen Partei.

In bundesweiten Umfragen spiegelt sich dieser regionale Exodus noch nicht wider. Da pendelt die Partei um die Fünf-Prozent-Hürde, zuletzt lag sie meist darunter.

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Eine Vorentscheidung über die Zukunftsfähigkeit der Partei im Westen dürften die Wahlkämpfe im nächsten Frühjahr in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg bringen. Luckes Alfa ist in den nächsten Wochen damit beschäftigt, dort überhaupt antreten zu dürfen. Bei der AfD gibt man sich offiziell entspannt. In Leipzig zeigt sich nach der Aussprache dann aber doch noch, wo die Probleme der Partei anfangen könnten, wenn der Lärm um die Abspaltung vorbei ist. „Abschiebungen beschleunigen, Grenzkontrollen wieder einführen, das waren alles unsere Ideen“, antwortet Generalsekretär Wurlitzer einem Sympathisanten, als der sich beschwert, in der Asylpolitik nichts von seiner Partei zu hören. „Aber das haben CDU und CSU ja inzwischen übernommen.“

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