AfD Für Konservative (k)eine Alternative mehr

Nach Bernd Luckes Abgang bei der AfD können konservative Demokraten aufatmen: Eine alternative Alternative für Deutschland soll die politische Bühne erobern. Welche Chance hat „Neustart 2015“?

Bernd Lucke Quelle: dpa

Letztens konnte man sie in Stuttgart sehen. Fast 5000 Menschen trafen sich Ende Juni auf dem Schlossplatz, um gegen „Gender-Mainstreaming“ zu protestieren, gegen Homo-Ehe und Sexualerziehung in der Schule. Beseelte Evangelikale waren dabei, zugeknöpfte Verbindungsbrüder. Es war eine Versammlung wie aus einem Land vor unserer Zeit. Und dennoch war sie nicht von gestern.

Vielmehr belegen Treffen wie dieses: Es gibt in unserer Gesellschaft der Gegenwart ziemlich viele verzagte Konservative. Sie wollen vom Modernisierungskurs der CDU nichts wissen – aber vom Pegida-Sound genauso wenig. Sie kümmern sich voller Herzlichkeit um Flüchtlinge als Ausdruck ihrer christlichen Nächstenliebe. Aber sie finden es unschicklich, wenn ihre Töchter kurze Röcke tragen. Sie haben nichts gegen Muslime, solange man weiter Schnitzel essen darf. Sie sind eine Minderheit, aber sie tragen die Grundwerte einer offenen Gesellschaft und gehören deshalb dazu.

Bevor es die AfD gab, hatten sie nur eine Wahl: Abnicken oder Apathie. Viele wählten die CDU als geringeres Übel und ärgerten sich im Stillen. Darüber, dass Angela Merkel sich mit einiger Verzögerung jedem gesellschaftlichen Trend beugte. Darüber, dass die Partei der SPD immer ähnlicher werde. Darüber, dass nicht alles so bleibt, wie es mal war. Die anderen gingen der Demokratie verloren. Indem sie ihre Stimmzettel für sich behielten.

Wird die AfD langfristig erfolgreich sein?

Das änderte sich Anfang 2013. Plötzlich war da eine Alternative, die sich nicht nur so nannte. Deren Gründungsthema war die Kritik am Euro, aber dahinter stand Konservativismus in seinem reaktionären Wortsinn: der Wunsch nach der Wiederkehr einer Welt von gestern, als die D-Mark und Vater-Mutter-Kind-Familien die Gesellschaft in geordneten Bahnen hielten. Anführer Bernd Lucke mit seiner adretten Großfamilie und der stolz vorgelebten Spießigkeit war dafür die perfekte Identifikationsfigur.

Aggressive Abgrenzung gegen Rechts

Entscheidend für den Erfolg in diesem Milieu aber war etwas anderes: In dem Moment, wo Lucke realisierte, dass die Partei nach Rechtsaußen abzugleiten drohte, grenzte er sich ab; bis ins Aggressive. Mit den erfolgreichen Rechtspopulisten in anderen Ländern Europa wollte er partout nichts zu tun haben.

Rückblickend muss er sich vorwerfen lassen, dass er in den Wahlkämpfen in Brandenburg und Sachsen selbst mit rechtspopulistischen Ressentiments spielte. Das machte den Erfolg in einem Milieu erst möglich, gegen das er seitdem erbittert kämpfte. Am Ende ohne Erfolg.

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Seit Lucke am Mittwoch auch seinen Rückzug aus der Partei angekündigt hat, ist die AfD der Gründungsmonate endgültig Geschichte, denn mit Lucke gehen auch viele seiner Anhänger. Zwar versuchen sie unter dem vorläufigen Titel „Neustart 2015“ jetzt den Geist der Gründungszeit zu reaktivieren. Doch diese neue Partei fällt nicht mehr auf den gleichen fruchtbaren Boden wie 2013.

Zu sehr werden die handelnden Personen mit den Streitereien der vergangenen Monate assoziiert, zu verfestigt sind zudem die Parteistrukturen der verbleibenden AfD, als das sich daraus so einfach und ohne Reibungsverluste der konservativ-wirtschaftsliberale Teil herauslösen ließe.

Falls die AfD sich bis dahin nicht vollends zerlegt, dürfte der Neustart mit der Mandatszeit der übergelaufenen Spitzenkräfte sein Ende finden.

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