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AfD im Existenzkampf Bernd Luckes Ritt auf der Rasierklinge

Die AfD steht vor der Zerreißprobe zwischen Disziplin und Kakophonie. Wenn es sie zerreißt, hat das Folgen weit über die Partei hinaus.

Der AfD-Gründer Bernd Lucke steht vor Entscheidungen. Quelle: AP

Sein oder Nichtsein. Das ist für die AfD die Frage. Nach den ersten großen Wahlerfolgen entscheidet sich jetzt, ob die neue Partei mittelfristig überleben, also in weitere Landesparlamente und schließlich 2017 in den Bundestag einziehen kann. Oder ob ihr das Schicksal blüht, das ihr die etablierten Parteien zugedacht haben: der Untergang. Die „Alternative für Deutschland“ wäre dann nur eine weitere Episode in der langen Reihe kurzlebiger Protestparteien.

Bernd Lucke ist der Mann, der im Zentrum dieser Frage steht. Lucke hat jetzt öffentlich seinen Abschied von der Dreier-Spitze in Aussicht gestellt. Verbunden mit der Forderung, aus drei Parteisprechern einen einzigen Vorsitzenden plus Generalsekretär zu machen. Angeblich hat er parteiintern schon öfter mit seinem Rückzug gedroht, um den Laden zusammenzuhalten. Jetzt tut er es wenig verklausuliert öffentlich.

Die wichtigsten Köpfe in der AfD

Lucke muss auf einer Rasierklinge reiten. Die AfD als höchst unwillkommener Neuling im politischen Geschäft muss unter besonders erschwerten Bedingungen die für jede Partei unabdingbare Balance zwischen innerparteilicher Disziplinierung und Meinungsfreiheit finden. Für neue Parteien ohne etablierte Institutionen der Macht und Rituale der Entscheidungsfindung ist dies besonders schwierig ist. Die Piraten waren so naiv zu glauben, dass sie ganz ohne Macht auskommen. Darum sind sie schon jetzt fast vergessen. Zu dieser generellen Hürde kommt noch erschwerend hinzu, dass sich die AfD in der thematischen Todeszone der deutschen Politik befindet. In den von der CDU verlassenen Gefilden nämlich, in denen stets die Schmähung als „Rechter“ droht. Vor tatsächlich radikalen falschen Freunden und ihrer rufschädigenden Wirkung ist man in dieser Zone selten sicher.  

Die AfD und ihr Erfolgsgeheimnis

In der AfD ist die Disziplinierung besonders schwierig, da ein allzu schalldichter Maulkorb an der Basis leicht ebenjenen Antrieb ersticken kann, der zur Gründung der Partei geführt hatte: nämlich der Widerstand gegen angebliche Alternativlosigkeiten der etablierten Politik. Die Kakophonie ist auch das Erfolgsgeheimnis der AfD. Gerade in den Landesverbänden der früheren DDR reagieren viele AfDler mit realsozialistischer Lebenserfahrung sehr störrisch auf Vorgaben von oben.

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