Afghanistan Deutschland will wieder mehr Soldaten schicken

Die Bundesregierung will die Zahl der deutschen Soldaten in Afghanistan angesichts der verschlechterten Sicherheitslage offenbar wieder aufstocken.

Das sind die Alternativen zum G36
Nun die Ausmusterung: Das G36 hat in seiner aktuellen Form "bei der Bundeswehr keine Zukunft mehr". Das hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen klargestellt - schon vor Monaten. Eine Untersuchung im Auftrag der Ministerin hatte ergeben, dass die Treffgenauigkeit des G36 bei hohen Temperaturen und im heißgeschossenen Zustand massiv leidet. Die Bundeswehr hat seit den 90er-Jahren knapp 180.000 Exemplare des Sturmgewehrs beschafft. Quelle: dpa
Nun braucht die deutsche Armee eine neue Standardwaffe. Die vielleicht einfachste Lösung: Eine modifizierte Version des G36 selbst. Der Hersteller Heckler & Koch könnte einen Teil der eingesetzten Gewehre unter anderem mit einem stärkeren Rohr versehen. Das würde die Waffen unempfindlicher gegen Hitze machen. Laut Medienberichten hat sich H&K-Chef Andreas Heeschen bereits mit Rüstungsstaatssekretärin Katrin Suder zu ersten Gesprächen getroffen. HK G36Kaliber: 5,56 × 45 mm NATO Schussfrequenz: 750 Schuss/min Magazingröße: 30 Gewicht: 3,63 kg Produktionszeit: Seit 1997 Quelle: dpa
In den Gesprächen zwischen Heckler & Koch und dem Verteidigungsministerium dürfte es aber auch um die Lieferung eines möglichen G36-Nachfolgers gehen. Der Hersteller aus Baden-Württemberg hat mit dem HK416 und dem mit einem größeren Kaliber ausgestatteten HK417 bereits jetzt Waffen im Angebot, die den Anforderungen der Bundeswehr entsprechen könnten. HK416 (417)Kaliber: 5,56 × 45 mm NATO (7,62 mm x 51 NATO) Schussfrequenz: 850 Schuss/min (600 Schuss/min) Magazingröße: 30 Patronen (20) Gewicht: 3,12 kg (4,22 kg) Produktionszeit: Seit 2005 Quelle: Screenshot
H&K rüstete die Bundeswehr bereits mit dem G36-Vorgänger G3 aus. Über Jahrzehnte hinweg war das Sturmgewehr die Standardwaffe der Bundeswehr. Die Waffe wird auch heute noch im Einsatz als Teil des Waffenmixes der Soldaten eingesetzt. Unter anderem, weil das G3 mit einem größeren Kaliber durchschlägskräftiger ist als sein Nachfolger. HK G3Kaliber: 7,62 × 51 mm NATO Schussfrequenz: 600 Schuss/min Magazingröße: 20 Gewicht: 4,38 kg Produktionszeit: Seit 1958 Quelle: dpa
Seit 1975 baut Frankreich beim staatseigenen Hersteller Nexter das Sturmgewehr FAMAS. Die Waffe in ihren verschiedenen Versionen wird unter anderem auch von der deutsch-französischen Brigade und in ehemaligen französischen Kolonien genutzt. Sie käme dem G36 sehr nahe, hat aber ein gravierendes Problem: Di e FAMAS verschießt aus Sicherheitsgründen nur Patronen mit Stahlhülsen, die von den anderen NATO-Staaten nicht eingesetzt werden.FAMASKaliber: 5,56 × 45 mm NATO Schussfrequenz: bis zu 1100 Schuss/min Magazingröße: 30 Gewicht: 3,7 kg Produktionszeit: Seit 1975 Quelle: dpa
Großbritannien hat die SA80-Serie in den 80er-Jahren als Standardwaffen eingeführt. Produziert wurde sie zunächst von der Armee selbst, später von BAE Systems. Doch auch dieses Sturmgewehr erwies sich als untauglich für den Wüsteneinsatz. 2001 wurde Heckler & Koch deshalb damit beauftragt, rund 200.000 SA-80-Gewehre zu modernisieren.SA80Kaliber: 5,56 × 45 mm NATOSchussfrequenz: bis zu 775 Schuss/min Magazingröße: 30 Gewicht: 4,52 kg Produktionszeit: erstmals 1984 Quelle: Handelsblatt Online
Unter andere die amerikanische Armee setzt auf das M-16 des US-Herstellers Colt Defense. Die seit den 1960ern produzierte und immer wieder überarbeitete Waffe zählt zu den weltweit meistgenutzen Sturmgewehren. Sie gehört in NATO-Staaten wie Kanada und Dänemark zum Standard, wird aber auch in Asien und in Israel (Bild) eingesetzt. Auch das M16 und die kompaktere Variante M4 sind nicht vor Kritik gefeit - und haben in Vergleichstests teils schlecht abgeschnitten. M16Kaliber: 5,56 × 45 mm NATO Schussfrequenz: bis zu 950 Schuss/min (abhängig vom Modell) Magazingröße: 30 Gewicht: 3,8 kg (abhängig vom Modell) Produktionszeit: Seit 1960 Quelle: REUTERS
Theoretisch möglich, aber extrem unwahrscheinlich wäre die Anschaffung eines Sturmgewehrs aus russischer Produktion. Die Kalaschnikow AK-74 ist Nachfolger des legendären AK-47. Nicht nur politisch wäre die Anschaffung vermutlich schwierig. Sie gilt auch als veraltet. Zudem verschießt die Waffen nicht das als Standardpatrone eingeführte Kaliber 5,56 mm. Das AN 94 vom gleichen Hersteller, gilt zwar als moderner, darf aber nicht aus Russland exportiert werden. AK-74Kaliber: 5,45 × 39 mm NATO Schussfrequenz: 600 Schuss/min Magazingröße: 30 Gewicht: 3,3 kg Produktionszeit: Seit 1976 Quelle: dpa
Auch andere Alternativen werden diskutiert: Die ö sterreichische Armee verwendet seit den Achtziger Jahren das Steyr Aug (Bild). Das Gewehr, von dem mittlerweile eine dritte Generation existiert, wird unter anderem von den Armeen in Australien, Irland und Malaysien eingesetzt. Israelische Spezialkräfte nutzen das Tar-21. Das Gewehr gilt als hochmodern, allerdings auch äußerst kostspielig. Gleiches gilt für die Sturmgewehre des belgischen Produzenten FN Herstal, der mit dem FN SCAR einen potentiellen G36-Nachfolger aus Europa herstellt. Quelle: AP

Die Obergrenze solle im neuen Bundestagsmandat von 850 auf 980 Soldaten erhöht werden, sagte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold der "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe) und bestätigte damit einen Bericht des Militärbloggers Thomas Wiegold. "Der Auftrag wird nicht verändert. Aber die Bundeswehr muss auch in die Lage versetzt werden, ihn zu erfüllen", sagte Arnold. Die deutschen Soldaten sollen die afghanische Armee beraten.

Die Debatte um das G36

Der Blogger Wiegold hatte auf seiner Internetseite "Augen geradeaus!" unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, die Bundeswehrsoldaten sollten die afghanischen Einheiten künftig auch unmittelbar im Einsatz beraten können. Dies war bisher nur eingeschränkt möglich. Eine Rückkehr zum Kampfeinsatz solle es nicht geben. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums hatte dazu lediglich erklärt, der Mandatsentwurf werde derzeit zwischen den Ministerien abgestimmt.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich seit dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014 massiv verschlechtert. Die Zahl der afghanischen Flüchtlinge in Deutschland stieg seither drastisch. Im Herbst eroberten die radikal-islamischen Taliban zeitweise die Stadt Kundus, wo die Bundeswehr lange ein großes Feldlager hatte. Es war einer der größten Erfolge der Extremisten seit ihrem Sturz 2001 und führte dazu, dass die internationalen Truppen nun länger als ursprünglich geplant im Land bleiben werden.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%