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Alice Weidel Alternative zu Frauke Petry

Die Ökonomin Alice Weidel ist die neue starke Frau der AfD. Sie wettert gegen den Euro und die Finanzpolitik der Regierung. Ob sie sich mit ihrem Kurs auch in Zukunft durchsetzen kann, bleibt aber fraglich.

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Alice Weidel: Alternative zu Petry Quelle: dpa

Alice Weidel holt tief Luft als sie ans Rednerpult tritt. Vor ein paar Minuten haben die Delegierten des AfD-Parteitages die 38-Jährige mit 68 Prozent zur Spitzenkandidatin gekürt. Zusammen mit Alexander Gauland wird sie ihre Partei in den Bundestagswahlkampf führen. Weidel lehnt sich auf das Pult, streckt sich, dann legt sie los.

Sie wolle wieder sicher über einen deutschen Weihnachtsmarkt schlendern können, ruft Weidel in den Saal. Sie wolle als Frau wieder ohne Angst die letzte S-Bahn nehmen können. Edogan-Ja-Sager solle man zurück in die Türkei schicken. „Wir werden für unser Deutschland kämpfen – so wahr Gott helfe!“ Es sind erstaunlich nationale Töne. Sätze, mit denen sie die Angst bedient – und die Delegierten in Köln in Ekstase versetzt.

Zu ihrem Kernthema sagt Weidel dagegen wenig. Ein paar allgemeine Spitzen gegen den Euro, gegen die Finanzpolitik der Regierung – für mehr reicht die Redezeit nicht. Dabei soll Weidel im Gespann mit Gauland den wirtschaftsliberalen Teil der AfD versöhnen. Er drohte in letzte Zeit immer bedeutungsloser zu werden.

Die Gesichter der AfD

Weidel bildet dafür die Antithese zu Gauland. Er ist alt – sie ist jung. Er trägt Tweed-Sakkos, sie steht in weißer Bluse und schwarzem Blazer auf der Bühne. Er ist ein Konservativer alter Schule, sie zieht mit ihrer Partnerin zwei Kinder groß.

Bevor Weidel in die Politik wechselte, sah es lange nach einer steilen Wirtschaftskarriere aus. Sie wächst in der Nähe von Gütersloh auf, Abitur, Wirtschaftsstudium, ein Job bei Goldman Sachs. Später arbeitet sie für Start-ups, macht sich selbstständig als Unternehmensberaterin.

Ihr Doktorvater war Gesundheitsökonom Peter Oberender. Bei ihm promoviert Weidel über das Rentensystem in China. In Interviews erzählt Weidel, dass sie von Oberender vor allem eines gelernt habe: Dass Märkte funktionieren, aber starke Institutionen brauchen. Dass es nur weniger Regeln bedürfe, wenn diese eingehalten werden.
Es sind die Werte, für die auch Bernd Lucke einmal angetreten war. Die Frage ist, ob Weidel sie wiedererwecken kann – oder ob Gauland die Ökonomin Weidel für seine Zwecke nutzt. Gauland steht für einen nationalkonservativen Kurs und will die „kleinen Leute“ begeistern. Ob das mit Weidels Finanzthemen und einem liberalen Kurs funktioniert, ist fraglich.

Die Sprüche der AfD

Eineinhalb Stunden nach ihrer Wahl treten Alice Weidel und Alexander Gauland im Kölner Maritim-Hotel vor die Presse. „Mir ist es völlig egal, wenn Leute meinen liberalen Lebensstil kritisieren“, sagt Weidel. Die FDP habe den Begriff des Liberalen ad absurdum geführt. „Ich stehe nun für den liberalen Arm der AfD.“ Dann will eine Journalistin wissen, was sie von den teilweise linken Positionen im AfD-Wahlprogramm hält. Was die Rentenpolitik angehe, habe man ein diversifiziertes Programm verabschiedet, sagt sie. „Das Wichtigste ist aber, eine gute Ordnungspolitik zu machen und die Steuer- und Abgabenlast zu senken.“

Am ehesten aber lässt sich ihre politische Einstellung erkennen als sie über ihre Zeit in China spricht. Dort könne Deutschland viel lernen, China sei ein enorm impulsives Land. „Die Leute da wollen alle nach vorne, jeder arbeitet dort, es gibt einen enormen Unternehmergeist.“ Dann macht sie eine kurze Pause und sagt: „Und noch etwas: Die Chinesen legen größten Wert auf Grenzsicherung.“ Selbst einen Auftritt mit Björn Höcke, den Weidel eigentlich aus der Partei werfen will, kann sie sich nun vorstellen. So lange die Causa Höcke beim Schiedsgericht liege, sei man eben zwei Teile einer Partei. Wenn es in Thüringen zu einem gemeinsamen Auftritt komme, sei sie dabei.

Alexander Gauland dürften solche Aussagen größte Freude bereiten. Und auch Höckes Kumpane André Poggenburg findet kurz nach der Wahl Gefallen an dem Spitzenduo. Auf Twitter verkündet er freudig die Wahl. Damit sei der „Flügel“, also der nationalkonservative bis rechtsextreme Teil der AfD, mit 50 Prozent und „politischem Übergewicht“ an der Spitze der AfD. „Bravo!“

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