Allensbach Renate Köcher: Die Deutschen fühlen sich reicher

Exklusiv

Anders als der aktuelle Armutsbericht der Bundesregierung suggeriert, sehen sich immer mehr Bundesbürger als Wohlstandsgewinner.

Wo die reichsten Menschen wohnen
Dutch soccer fans hold letters that spell 'ORANGE' to support their national team Quelle: REUTERS
A Squamish first nation canoe paddles down the Burrard Inlet during a protest in Vancouver Quelle: REUTERS
Triathlete Simon Whitfield of British Columbia, waves the Canadian Flag on Parliament Hill in Ottawa. Quelle: dapd
Ferrari Formula One team manager Jean Todt, at right on video screen at far right, is seen during the unveiling of the new Ferrari store in Rome's shopping district Via Tomacelli Quelle: AP
Outside view of Chateau-Giscours vineyards and main entrance,near Bordeaux, in southern France Quelle: AP
Karl Weber, Direktor von Schlösser und Gärten in Hessen Quelle: dpa
A view of British luxury retailer Harrods Quelle: dpa
An employee of the Mikazuki hotel group poses in an 18k gold bathtub during a press preview Quelle: REUTERS
Visitors look at fur coats, stoles and hats worn by Marilyn Monroe on display at Christie's Rockefeller Center galleries Quelle: AP
A woman has a painted Swiss flag on her face Quelle: Reuters

Das zeigt eine neue Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach. „Zogen 2006 lediglich 19 Prozent der Bürger die Bilanz, dass es ihnen besser ging als fünf Jahre zuvor, waren es 2010 bereits 26 Prozent – und aktuell sind es 30 Prozent“, schreibt Allensbach-Chefin Renate Köcher in einem Gastbeitrag für die WirtschaftsWoche. Der Anteil derjenigen, die sich als Wohlstandsverlierer sehen, sei hingegen von 37 auf aktuell 24 Prozent gesunken.

Deutschland wird immer ärmer
Menschen gelten, einer Definition der Europäischen Union zufolge, dann als armutsgefährdet, wenn sie mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen müssen. Das mittlere Einkommen ist der Wert an der Grenze zwischen ärmeren und reicheren Personen. Vor diesem Hintergrund galten 2011 Einpersonenhaushalte dann als armutsgefährdet, wenn sie ein Monatseinkommen von weniger als 848 Euro hatten. Im Vorjahr waren das noch 826 Euro. Quelle: dpa
Bremen22,3 Prozent der Bremer, also jeder fünftem sind von der Armut bedroht. Damit ist die Hansestadt nach einer zwischenzeitlich kleinen Entspannung, wieder auf dem Niveau von 2005. Aus einem Wohlstandsbericht ging schon 2009 hervor, dass nirgendwo sonst in der Bundesrepublik Deutschland so viele Menschen ohne einen allgemeinen Schulabschluss leben wie in Bremen, gleichermaßen verhält es sich auch mit der Berufsbildung. Die Bevölkerungsentwicklung ist rückläufig, was nicht zuletzt Folge des Geburtenrückgangs und einer immer älter werdenden Bevölkerung ist. Außerdem gibt es nirgendwo so viele überschuldete oder von der Überschuldung bedrohte Haushalte. Quelle: dapd
Mecklenburg-VorpommernObwohl Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen Jahr schrittweise das Armutsrisiko senken konnte, gehört das norddeutsche Bundesland mit 22,2 Prozent noch immer zu den am meisten von der Armut betroffenen Bundesländern. Nur noch Thüringen konnte noch einen Rückgang der Quote gegenüber dem Vorjahr erreichen. Die Armutsgefährdung sank von 17,6 Prozent auf 16,7 Prozent. Damit haben beide Länder den kontinuierlichen Rückgang der vergangenen Jahre fortgesetzt. 2011 erreichten sie den bislang niedrigsten Wert. Thüringen rangiert im Ländervergleich derzeit auf dem siebten Platz und konnte einen Rang gut machen. Quelle: dpa
BerlinObwohl Berlin erst auf Platz drei liegt, so hat es doch die höchste Veränderungsrate um 1,9 Punkte auf 21,1 Prozent. Im Vergleich zu den Vorjahren verzeichnet die Bundeshauptstadt ein Anwachsen des Armutsrisiko. Arm oder sexy, ein Satz, den der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erstmals 2003 in einem Interview mit dem Magazin Focus Money prägte, bekommt in diesem Zusammenhang eine ganz andere Bedeutung. Sachsen-Anhalt (20,5 Prozent), Sachsen (19,6 Prozent) und Brandenburg (16,9 Prozent) folgen auf den Plätzen vier, fünf und sechs der am meisten von der Armut betroffenen Bundesländer. Quelle: dpa
Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und SaarlandDer Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Kurt Beck - hier in hygienscher Schutzbekleidung während seiner Sommertour - liegt mit seinem Bundesland genau im bundesdeutschen Durchschnitt von 15,1 Prozent. Allerdings stieg die Quote bundesweit um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit 14,5 Prozent. Ebenso hat auch Rheinland-Pfalz einen kleinen Anstieg zu verzeichnen. Schlimmer ist das Risiko der Armutsgefährdung allerdings noch in Nordrhein-Westfalen (16,6 Prozent), Niedersachsen (15,7 Prozent) und im Saarland (15,6 Prozent). Quelle: dpa
Hamburg und Schleswig-HolsteinIn Hamburg leben nicht nur die glücklichsten Menschen, sondern auch ziemlich viele Millionäre. Trotzdem sind 14,7 Prozent der Menschen vom Armutsrisiko bedroht. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Hansestadt damit einen Anstieg von 1,4 Prozent zu verzeichnen. Allerdings hat die Armut im Vergleich zu 2005 um einen Prozentpunkt abgenommen. Schleswig-Holstein, ebenfalls im Norden der Bundesrepublik, folgt mit 13,8 Prozent Armutsrisiko auf Hamburg. Quelle: dpa
Hessen, Baden-Württemberg und BayernMenschen in Baden-Württemberg und Bayern sind am wenigsten von dem Armutsrisiko betroffen. 11,2 und 11,3 Prozent der Bürger und Bürgerinnen der südlichsten Bundesländer sind in Gefahr. Das bedeutet, dass nur jeder Zehnte in Gefahr ist. Dafür ist die Anzahl der Millionäre nach Hamburg am höchsten. Baden-Württemberg folgt auf Rang 4. Der Anteil der Menschen, die tatsächlich als arm gelten, wird von der Statistik hingegen nicht erfasst. Dazu fehle es an einer allgemeingültigen Definition der Armut, so eine Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa. Hessen schließlich folgt auf Bayern und Baden-Württemberg. Quelle: dpa
Das Statistische Bundesamt hat außerdem ausgerechnet, dass es noch immer einen deutlichen Unterschied zwischen Ost und West gibt. Der Ländervergleich sage aber nichts über die Entwicklung in den Ländern aus. Die Gefährdungsquote ging immer hin in Mecklenburg-Vorpommern binnen einen Jahres leicht zurück. Quelle: dpa

„Es ist besonders erfreulich, dass dieser positive Trend quer durch alle Einkommensschichten zu beobachten ist“, so Köcher. Von Personen aus Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen von weniger als 1750 Euro sah sich 2006 noch fast jeder Zweite als Wohlstandsverlierer. Heute sind es nur noch 29 Prozent. Der Anteil der Bürger, die sich als Wohlstandsgewinner sehen, hat sich in dieser Gruppe von 12 auf 25 Prozent verdoppelt.

Auch in die Zukunft schauen die Deutschen mit Zuversicht und gehen davon aus, dass die wirtschaftliche Lage mindestens stabil bleibt. „44 Prozent erwarten in den kommenden fünf Jahren keine nennenswerte Veränderung, weitere 20 Prozent rechnen mit Wohlstandsgewinnen“, schreibt Köcher in der WirtschaftsWoche. Das hat auch damit zu tun, dass die wenigsten um ihren Arbeitsplatz fürchten. Seit dem Konjunktureinbruch 2008/09 ist der Anteil der Erwerbstätigen, die sich akut um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes sorgen, laut Allensbach von 19 auf 7 Prozent zurückgegangen.

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