Allensbach-Studie Deutschen ist die Demokratie egal

Vor einigen Jahren geisterte die Warnung vor dem Prekariat durch die Schlagzeilen: Die Benachteiligten würden zur Gefahr für die Demokratie. Jetzt zeigt eine Studie: Die Benachteiligten finden die Demokratie gut, sie ist ihnen aber ziemlich egal.

Eine Allensbach-Studie erwartet sinkende Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl. Nicht aus Frust, sondern aus Gleichgültigkeit. Quelle: dpa

Die Zufriedenheit der Deutschen mit der Demokratie steigt, die Wahlbeteiligung aber sinkt. Und sie werde weiter zurückgehen, heißt es in einer Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts für Demoskopie Allensbach, die am Montag - gut 100 Tage vor der Bundestagswahl - veröffentlicht wurde. Grund für die Wahlmüdigkeit sei aber nicht Frust oder Protest, sondern eine wachsende Gleichgültigkeit.

Demnach verabschieden sich vor allem einkommensschwache und bildungsferne Menschen aus der aktiven Teilhabe an Demokratie. „Je geringer der Sozialstatus und je größer das politische Desinteresse im Freundeskreis, desto weniger wahrscheinlich wird der Gang zur Wahlurne“, stellt die Studie fest. Dafür wurden 1548 Menschen ab 16 Jahre befragt und Daten zur Wahlbeteiligung der vergangenen Jahre analysiert.

Wie das Einkommen das Wahlverhalten bestimmt
Die Anhänger dieser Partei würde wahrscheinlich diese Wahlkabinen nicht betreten - es ist die Partei der Nichtwähler. 18,5 Prozent der Nichtwähler verdienen weniger als 1.000 Euro pro Monat. Auch in der Einkommensgruppen über 2.500 pro Monat finden sich immer noch 26 Prozent der Nichtwählerpartei. Quelle: Abteilung Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig Quelle: REUTERS
Die Linkspartei kommt nicht richtig bei den Armen an. Lediglich 6,8 Prozent ihrer Wähler verdienen weniger als 1.000 Euro - 30,8 Prozent der Linke-Wähler stehen hingegen mehr als 2.500 Euro zur Verfügung. Quelle: dpa
Anders als die Vermutung nahe legt, befindet sich auch die SPD bei den Personen, die weniger als 1.000 Euro verdient, klar in der Minderheit. Nur 6,1 Prozent der SPD-Wähler kommen aus dieser Schicht, während bei den Personen mit einem Einkommen von mehr als 2.500 Euro bereits 31,3-Prozent der Wähler stammt. Quelle: AP
Die Piratenpartei hat eine breite Basis an Anhängern. Sie überholt alle etablierten Parteien im Spektrum der Personen, die weniger als 1.000 Euro verdienen: Sie finden hier 10,8 Prozent ihrer Wähler. Und bei den großen Einkommen über 2.500 Euro vereinen die Freibeuter gleich 31,8 Prozent ihrer Wählerschaft. Quelle: dpa
Untentschlossene Wähler stammen zu 32,9 Prozent aus der Einkommensgruppe über 2.500 Euro. Sie sind auch in der Gruppe unter 1.000 Euro mit 11,4 Prozent vertreten. Quelle: ZB
31,8 Prozent der Wähler, die ihr Stimme der CDU/CSU geben, verdienen mehr als 2.500 Prozent. In der Einkommensgruppe von unter 1.000 Euro sind lediglich nur 5,7 Prozent der Wähler. Quelle: dpa/dpaweb
Gut in den allen Einkommensgruppen vertreten: Die Rechtsparteien. 15,8 Prozent ihrer Wähler verdienen weniger als 1.000 Euro; 35 Prozent mehr als 2.500 Euro. Quelle: dapd
Die ökologische Partei punktet vor allem bei den Einkommen über 2.500 Euro. Aus dieser Schicht stammen immerhin 45,1 Prozent der Grünen-Wähler, nur 4,1 Prozent hingegen verdienen weniger als 1.000 Euro. Quelle: dpa
Die Wähler der FDP sind wohlhabend - 55,2 Prozent ihrer Wähler verdienen mehr als 2.500 Euro. Die Partei ist auf der anderen Seite der Skala klar unterrepräsentiert: Niemand der Befragten, der weniger als 1.000 Euro verdient, wählt die Liberalen. Die Universität Leipzig lies für diese Studie 2357 Personen zwischen 18-91 Jahren befragen. Quelle: dpa/dpaweb

Bis Mitte der 80er Jahre lag die Beteiligung an Bundestagswahlen noch bei 90 Prozent, 2009 nur noch knapp über 70 Prozent. Grund sei in erster Linie, dass immer mehr Einkommensschwache und Bildungsferne am Wahlsonntag zu Hause blieben. „Aktuell sagen 68 Prozent aus der oberen Schicht, dass sie bei der Bundestagswahl in jedem Fall wählen werden. In der unteren Schicht sind es dagegen nur 31 Prozent.“

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Zugleich wachse die allgemeine Zufriedenheit mit der Demokratie und dem politischem System, hieß es. Dies gelte besonders für die Ostdeutschen: 2003 äußerten sich lediglich 47 Prozent der Ost-Bürger zufrieden, inzwischen tun dies 74 Prozent (West: von 72 auf 84). Nur 11 Prozent der Bundesbürger geben an, mit der Demokratie unzufrieden zu sein. Zehn Jahre zuvor waren es 29 Prozent.

Besonders überraschend: Eine wachsende Mehrheit der Bürger (65 Prozent) macht der Studie zufolge durchaus große Unterschiede zwischen den im Bundestag vertretenen Parteien aus. Lediglich 24 Prozent finden demnach aktuell, die Parteien seien im Grunde alle gleich. Zu Beginn der 1990er Jahre sagten das noch 31 Prozent.

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