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Allensbach-Umfrage Deutsche rechnen mit höheren Staatsschulden

Exklusiv

Trotz der aktuell stabilen Haushaltslage erwartet die Mehrheit der Bundesbürger künftig wieder steigende Schulden.

Die Mehrheit der Bundesbürger hält die Einhaltung der Schuldenbremse nicht für realisitsch. Quelle: obs

„Nur 28 Prozent glauben, dass der Bund auf Dauer die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse einhalten kann“, schreibt Allensbach-Chefin Renate Köcher in einem Gastbeitrag für die WirtschaftsWoche. „Die Mehrheit hält dies für nicht realistisch.“ Den Bundesbürgern sei bewusst, dass der Staat derzeit vor allem wegen der starken Konjunktur und der hohen Steuereinnahmen so gut dastehe. Die Mehrheit wisse, dass „in Abständen immer wieder Konjunktureinbrüche drohen“.

Bürger loben Bemühungen

Immerhin attestiert die Mehrheit der Bundesregierung aktuell eine solide Haushaltspolitik. „Die finanzielle Situation des Staates wird heute so positiv bewertet wie seit Jahrzehnten nicht“, so Köcher. „59 Prozent halten sie für gut oder sogar sehr gut; vor zwei Jahren fällten nur 26 Prozent dieses Urteil.“ 64 Prozent der Bürger loben denn auch die Bemühungen der Regierung, die Neuverschuldung zu verringern und gering zu halten. „Nur knapp jeder Vierte hält die Bemühungen hier für unzureichend“, schreibt Köcher. Noch vor zwei Jahren fiel das Urteil wesentlich kritischer aus. „Damals attestierten nur 33 Prozent der Regierung auf diesem Feld Erfolge.“

Das sind Deutschlands Schuldenhochburgen
Noch im letzten Jahr war Nordrhein-Westfalen das deutsche Bundesland mit den meisten Schuldenstädten. Oberhausen belegte im Jahr 2013 den traurigen ersten Platz im Finanz- beziehungsweise Schuldenreport der Bertelsmann Stiftung. Auf einen Einwohner kamen 6.870 Euro Miese durch Kassenkredite. Die Stadt schloss Musikhäuser und machte fünf der acht Schwimmbänder dicht. Quelle: dpa
Die Plätze fünf und vier belegten im vergangenen Jahr ebenfalls Städte aus Nordrhein-Westfalen. In Remscheid (im Bild die Müngstener Brücke zwischen Solingen und Remscheid) lag die Verschuldung bei knapp unter 5.000 Euro Schulden pro Einwohner. Platz vier belegte die NRW-Stadt Hagen mit 5.618 Euro Schulden pro Einwohner. Quelle: dpa
19 der 30 besonders verschuldeten deutschen Städte lagen 2013 in Nordrhein-Westfalen. Auch Wuppertal belegte mit 4.215 Euro Schulden pro Einwohner einen Platz unter den Top Ten. Quelle: dpa
Essen im Ruhrgebiet war laut der Bertelsmann Stiftung mit 3.766 Euro pro Einwohner mehr als dreimal so hoch verschuldet wie alle bayerischen, sächsischen und baden-württembergischen Kommunen zusammen. Doch 2014 hat sich der Wind gedreht - Nordrhein-Westfalen ist nicht mehr länger Deutschlands Sorgenkind. Quelle: dpa
Binnen eines Jahres hat sich nämlich die finanzielle Lage der rheinland-pfälzischen Kommunen drastisch verschlechtert, wie die Bertelsmann Stiftung feststellt. Das Land gebe den Städten und Kreisen zu wenig Geld, weshalb vier Kommunen vor dem rheinland-pfälzischen Verfassungsgerichtshof in Koblenz gegen die Landesregierung klagen. Quelle: dpa
So belegt in diesem Jahr die Stadt Ludwigshafen mit rund 9.000 Euro Schulden pro Einwohner Platz vier des deutschen Schuldenrankings. Im vergangenen Jahr belegte die Stadt, in der BASF zuhause ist, noch Platz acht mit 4.043 Euro Schulden pro Bürger. Quelle: dpa
Auf dem dritten Rang liegt Pirmasens mit rund 10.000 Euro Schulden pro Einwohner. Schon 2013 belegte die rheinlandpfälzische Stadt einen der oberen Plätze: 2013 betrug die Pro-Kopf-Verschuldung allerdings noch 6.215 Euro Schulden pro Kopf (Platz zwei). Laut Bertelsmann macht vor allem der Rückgang der Einwohnerzahl macht der Stadt zu schaffen. Quelle: dpa

Nur 24 Prozent der Bevölkerung sind dafür, staatliche Investitionen über neue Schulden zu finanzieren. Gleichzeitig halten es viele Bürger nicht mehr für richtig, angesichts der internationalen Krisen bei der Bundeswehr zu sparen. „Vor drei Jahren forderten zwei Drittel, der Staat solle bei der Ausstattung der Bundeswehr sparen – heute sind es nur noch 42 Prozent“, berichtet Köcher in der WirtschaftsWoche. „Auch Entwicklungshilfe und Maßnahmen zur besseren Integration von Ausländern werden heute von signifikant weniger Bürgern zu Streichposten erklärt als 2012.“

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