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Allensbach-Umfrage Mehrheit der Deutschen gegen höhere Ausgaben für Entwicklungshilfe

Entwicklungshilfe war lange Zeit ein Nischenthema. Durch die Flüchtlingskrise von 2015 hat sich das geändert. Trotz aller Skepsis halten 73 Prozent der Bundesbürger Entwicklungshilfe generell für gut und notwendig.

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Ein junges Mädchen in der von Dürre und Hunger geplagten Somali-Region in Äthiopien Quelle: dpa

Drei von vier Deutschen finden es richtig, dass ihr Land Entwicklungshilfe leistet. Dabei geht eine genauso große Mehrheit davon aus, dass nur ein Teil der Hilfe die Bedürftigen erreicht und Gelder durch Korruption entfremdet werden oder in der Verwaltung versickern.

Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach wäre allerdings nur jeder Fünfte mit einer Erhöhung der staatlichen Ausgaben in diesem Bereich einverstanden. Wird die Erhöhung allerdings damit begründet, dass dadurch „Fluchtursachen vermindert werden“ sollen, steigt die Bereitschaft, Geld auszugeben. Dann wäre fast jeder dritte Teilnehmer der repräsentativen Umfrage (32 Prozent) mit höheren Ausgaben einverstanden.

Wie die Ergebnisse der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage im Auftrag der Global Perspectives Initiative (GPI) zeigen, unterstützen nur 27 Prozent der Bundesbürger die Aussage, Entwicklungshilfe solle aus Solidarität und Mitgefühl geleistet werden, unabhängig davon, „ob wir selbst davon profitieren“. Dagegen stimmen 61 Prozent dem Satz zu: „Natürlich leistet man Entwicklungshilfe, um Menschen zu helfen. Ein weiteres Ziel sollte dabei aber auch sein, Probleme zu lösen, die uns sonst früher oder später einholen würden.“

Obwohl die Bundesregierung Afrika zuletzt oft als „Chancenkontinent“ bezeichnet hatte, denken die meisten Deutschen, wenn sie „Afrika“ hören, zuerst an Hunger, Krankheiten, Flucht, Korruption und Überbevölkerung. Den Angaben zufolge fällt 88 Prozent der Bundesbürger zu Afrika spontan „Korruption“ ein. An „Chancen“ denken dagegen nur 39 Prozent.

Die Umfrage zeigt außerdem: Von allen Akteuren im Bereich der Entwicklungshilfe genießen Kirchen und kirchliche Hilfsorganisationen das größte Vertrauen (51 Prozent). Den zweiten Platz belegen mit jeweils 46 Prozent die Vereinten Nationen und private Initiativen. Staatliche Stellen und Nichtregierungsorganisationen kommen etwas weniger gut weg. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass sich kirchliche Organisationen besonders häufig in der Not- und Katastrophenhilfe engagieren - ein Gebiet, auf dem die Spendenbereitschaft der Deutschen traditionell höher ist als bei langfristig angelegten Entwicklungsprojekten. Dem Engagement von Wirtschaftsorganisationen und Unternehmen bringen die Menschen allerdings noch deutlich weniger Vertrauen entgegen.

76 Prozent der Befragten sähen in deutschen Medien überwiegend oder ausschließlich Berichterstattung über Probleme in Afrika, ergab die Umfrage. GPI-Gründerin Ingrid Hamm kritisierte: „Afrika steht vor allem stereotypisch für Armut, Hunger, Krankheiten, Flucht und Überbevölkerung. Es wird nicht als Kontinent der Chancen wahrgenommen, auch, weil es an positiven Beispielen und erfolgreichen Geschichten in den Medien fehlt.“

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