Altbundespräsident Deutschland nimmt Abschied von Richard von Weizsäcker

Deutschland nimmt Abschied vom früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Bei einem Staatsakt im Berliner Dom würdigten ihn die 1400 erwarteten Gäste.

Eine nachhaltige Präsidentschaft
Richard von Weizsäcker (im Bild mit seiner Frau Marianne im Jahr 1968) hat den Start seiner politischen Karriere zu einem Gutteil Altkanzler Helmut Kohl zu verdanken. So verschafft Kohl dem zehn Jahre älteren Weizsäcker bei der Bundestagswahl 1969 einen sicheren Listenplatz. Mit seiner ersten Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten im Jahr 1974 scheitert er. Gewählt wird der bisherige Außenminister Walter Scheel, der als Kandidat der sozial-liberalen Koalition angetreten war. Foto: dpa
Nachdem Weizsäcker 1979 Bundestagsvizepräsident geworden war, erringt er 1981 im zweiten Anlauf gegen den SPD-Mann Hans- Jochen Vogel, das Bürgermeisteramt in der "Frontstadt" Berlin (mit im Bild der damalige US-Präsident Ronald Reagan und Bundeskanzler Helmut Schmidt). Foto: ap
In Berlin erbringt Weizsäcker (im Bild 1982 in Berlin auf einer Wirtschaftskonferenz mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, Unternehmer Rolf Rodenstock, Arbeitgeberpräsident Otto Esser und Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, v.l.) den Nachweis, dass er nicht nur der Mann für das intellektuell Feinsinnige, sondern auch für das politisch Grobe sein kann. Doch entgegen seiner Zusicherung, Berlin als "Lebensaufgabe" zu sehen, drängt er 1983 - gegen den Widerstand Helmut Kohls - ins Bundespräsidentenamt. Foto: ap
Im November 1983 wird Weizsäcker zum zweiten Mal als CDU/CSU-Kandidat für das Bundespräsidentenamt benannt und bei der Wahl am 23. Mai 1984 von der Bundesversammlung zum sechsten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Am 1. Juli wird er als Nachfolger von Karl Carstens in diesem Amt vereidigt (Foto). Bei der Wahl des deutschen Bundespräsidenten am 23. Mai 1989 wird Weizsäcker im Amt bestätigt. Es ist die bislang einzige Wahl eines Bundespräsidenten, bei der es nur einen Bewerber gibt. Foto: dpa
Kaum ein Jahr im Amt bietet er mit seiner historischen Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes 1985 eine Demonstration seiner Überparteilichkeit und Eigenständigkeit. Der 8. Mai sei ein Tag der Befreiung - das Kriegsende sei nicht mehr nur als Niederlage zu verstehen, sondern als Befreiung "von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft" und als neue Chance. Foto: dpa
Seinem Amt entsprechend, unternimmt Weizsäcker als Bundespräsident zahlreiche Auslandsreisen. So besucht er 1987 im Rahmen einer Lateinamerika-Reise den Titicacasee, den größten See Südamerikas, und wird dort von Hochlandindianern in traditioneller Kleidung musikalisch begrüßt. Foto: dpa
Vorsichtige Annäherung: Bundespräsident Richard von Weizsäcker empfängt 1987 Erich Honecker bei dessen ersten offiziellen Besuch in der Bundesrepublik Deutschland. Der Staatsratsvorsitzende der DDR und Weizsäcker waren sich erstmalig 1983 in Berlin begegnet, der Bundespräsident zu diesem Zeitpunkt noch in seiner Funktion als Regierender Bürgermeister. Foto: dpa
Dankbar zeigt sich Weizsäcker, dass die Wiedervereinigung in seine zehnjährige Amtszeit als Bundespräsident fiel (im Bild bei der Berliner Feier am 3. Oktober 1990 mit Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher). Trotz grundsätzlicher Würdigung der Entscheidungen Helmut Kohls: Die ökonomische Bewältigung der Einheit bewertet er kritisch. Die Politik habe die Bundestagswahl im Dezember 1990 im Blick gehabt und den Wählern im Westen vorgemacht, "die Vereinigung kostet euch nichts". Foto: dpa
Weizsäcker 1993 beim 100-Meter-Lauf für das deutsche Sportabzeichen; auch im Jahr 2010 ist der Alt-Bundespräsident noch gesundheitlich auf der Höhe. So sagte Weizsäckers Sohn Fritz über den damals 90-Jährigen: "Vater ist immer beschäftigt. Er ist wie ein Fahrrad - wenn es nicht fährt, fällt es um." Foto: dpa

Mit einem Gottesdienst im Berliner Dom haben die Trauerfeierlichkeiten für den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker begonnen. Bei einem Staatsakt gegen Mittag wollten neben Bundespräsident Joachim Gauck auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Bundestags-Vizepräsidentin Antje Vollmer (Grüne) das Lebenswerk des früheren Staatsoberhaupts würdigen. Unter den etwa 1400 Gästen waren auch Weizsäckers Ehefrau Marianne, Kanzlerin Angela Merkel und andere Kabinettsmitglieder. Im Anschluss war ein militärisches Abschiedszeremoniell vor dem Dom geplant.

Weizsäcker war am 31. Januar im Alter von 94 Jahren gestorben. Er war zwischen 1981 und 1984 Regierender Bürgermeister von Westberlin und von 1984 bis 1994 Bundespräsident. In seine Amtszeit fielen der Mauerfall und die deutsche Wiedervereinigung. Als bedeutendste politische Rede Weizsäckers ist seine Ansprache vom 8. Mai 1985 zum 40. Jahrestag des Kriegsendes in Erinnerung. Damals nannte er die Kapitulation Deutschlands einen „Tag der Befreiung“.

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"Wir müssen Richard von Weizsäcker dankbar sein für seine Rede vom 8. Mai 1985, in der er das Ende des Zweiten Weltkriegs eingeordnet hat. Sein Satz: "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung", ist zweifellos einer der wichtigsten Sätze der neueren deutschen Geschichte", würdigt WiWo-Chefredakteurin Miriam Meckel den Altbundespräsidenten.

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