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Alte Wähler vs. junge Generation Wer über Deutschlands Zukunft entscheidet – und wer es sollte

Quelle: imago images

Der eigentliche Sieger der Bundestagswahl sind die Älteren – die vom Klimawandel nicht mehr viel spüren werden. Ganz anders die Unter-18-Jährigen. Warum dürfen sie nicht wählen? Ein Kommentar.

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Warum darf in Deutschland bis zum Tod gewählt werden, aber nicht ab 16? Eine der Fragen seit der Wahl. Die junge Generation träumte von einer lebenswerten Zukunft, in der die Erde nur etwas brennt. Die ältere Generation vom gemütlichen Lebensabend. Ihr Motto: Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter. Es sind ihre letzten, die Klimafolgen werden sie kaum erleben. Sie wählten die Sicherheit von Onkel Armin und Olaf. Die beiden bieten Sicherheit, bei ihnen heißt es zu vielen Themen „Weiter so“.

Und ihr altbekanntes Argument Wirtschaft vor Klima? Das macht auch wirtschaftlich nicht wirklich Sinn. Keiner kauft Kohle, wenn das Haus brennt.

Die Über-60-Jährigen machten rund 40 Prozent der Wahlbeteiligten aus. Ein großer Einfluss, der den Vorreiterstand der Traditionsparteien SPD und CDU maßgeblich beeinflusst hat. Denn die Hälfte der Erstwähler entschied sich dagegen für FDP und Grüne, bei Unter-18-Jährigen hätte Grün gewonnen, aber sie durften nicht wählen. Jetzt scheint die Klimaregierung in weiter Ferne, obwohl sie doch genau von denen gewünscht wurde, denen noch die meiste Zeit bleibt. Wie sollen die Jungen denn Einfluss nehmen, wenn die deutsche Bevölkerung vor allem eines ist: alt?



Über das Alter lässt sich zumindest nicht nachhaltig argumentieren, warum erst mit dem Eintritt in die Volljährigkeit in Deutschland gewählt werden darf. Biologisch gesehen ist das menschliche Gehirn etwa mit zehn Jahren auf das volle Volumen ausgebildet, das Nervensystem im Bereich präfrontaler Cortex sowieso erst etwa Ende 20. Da haben die meisten von uns Kinder gezeugt, stehen im Beruf, dürfen seit mehr als einer Dekade wählen.

Vor allem sollte also die Lebenserfahrung zählen, wenn es darum geht, wer wann wählen darf, oder? In Deutschland sind wir ab 14 strafmündig und können verurteilt werden. Vielerorts wird schon nach der vierten Klasse entschieden, welche Schulform ein Kind für den Rest seiner Schulzeit besuchen wird – mit Auswirkungen auf sein gesamtes Leben. Wenn diese einschneidende Entscheidung über ein Kind schon als Resümee aus vier Jahren Schulbesuch gezogen werden kann, wenn sie strafrechtlich verfolgt werden können und nicht mehr ihre Eltern haften, dann sollte Kindern wenigstens auch die Mündigkeit zur Wahl zugesprochen werden. Zumindest Jugendliche sollten schon wählen dürfen, vielleicht nicht mit 14, aber mindestens ab 16.

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Übrigens: Schon etwa nach dem ersten Drittel einer durchschnittlichen Lebenszeit wird das Gehirn wieder langsamer, Zellen sterben ab, die Synapsen bauen nicht mehr ständig neue Verbindungen. Alles wird dann so langsam. Langsamkeit aber können wir nicht gebrauchen, sondern Tatendrang: Für das Klima und damit für eine aussichtsreiche ökonomische Zukunft.

Mehr zum Thema: Sie diskutieren bei Pasta und Painkillern, streiten und tasten sich heran an die Macht: Der Politnachwuchs von Grünen und FDP trifft sich schon seit Jahren und lotet Gemeinsamkeiten aus. Ihr Programm soll zu Fans von Fridays for Future genauso passen wie zu Trade-Republic-Jüngern.

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