Alternative für Deutschland AfD: Professoren werben für den Vorsitzenden Bernd Lucke

Exklusiv

Im Vorfeld des Parteitags der Alternative für Deutschland am kommenden Wochenende sprechen sich Ökonomie-Professoren für einen dauerhaften Verbleib ihres Kollegen Bernd Lucke an der Parteispitze aus.

Bernd Lucke Quelle: AP

„Es ist für mich ganz zentral, dass Lucke Vorsitzender bleibt“, sagte der frühere Tübinger Professor für Wirtschaftspolitik und heutige Europaabgeordnete Joachim Starbatty der WirtschaftsWoche. „Die Mitglieder und unsere Anhänger wissen: Es ist Lucke, der die Partei zusammenhält.“

Auch der Mannheimer Volkswirtschaftsprofessor Roland Vaubel, AfD-Mitglied der ersten Stunde, wirbt: „Anders als mit Lucke an der Spitze geht es nicht.“ Bei der Neuwahl des einzigen Vorsitzenden im November könne er sich „nicht vorstellen, dass Frau Petry eine Chance hätte“.

Schließlich habe sie mit ihrem Kurs in der Pegida-Debatte „keine Punkte gemacht“. Vaubel ist froh, dass die Parteiführung beschlossen habe, sich nicht an den Pegida-Aufmärschen zu beteiligen. „Einen Religionskrieg zu führen ist nicht unsere Sache. Ich halte Pegida für einen Versuch der NPD, die AfD zu zerlegen“, mutmaßt der Mannheimer Volkswirt.

Die wichtigsten Köpfe in der AfD

Der Unternehmensberater Gustav Greve, der im AfD-Bundesvorstand die Formulierung des Parteiprogramms koordiniert, verweist darauf, dass in Bund und Ländern noch eine ganze Reihe Professoren aktiv seien. „Wir haben uns nicht komplett gewandelt von einer analytischen Partei zu einer Partei des schrillen Wortes.“ Dirk Meyer, Professor für Ordnungsökonomik an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, setzt auf den amtierenden Vorsitzenden sowie den ehemaligen BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel, heute ebenfalls Europaabgeordneter der AfD.

„Für mich macht sich das an den Personen Lucke und Henkel fest“, sagt Meyer. „Wenn die verschwinden, sehe ich nicht, dass mein Sachverstand dort noch gebraucht wird.“ Meyer ist zwar nie der AfD beigetreten, arbeitet aber im wissenschaftlichen Beirat mit. „Wo kann ein Professor sonst sein Arbeitsfeld in die politische Praxis einbringen? Das ist ein schöner Transfer.“ Im Europawahlprogramm habe die Arbeit des Beirats „deutliche Spuren hinterlassen“.

Der Machtkampf an der Parteispitze rund um den Jahreswechsel habe „erhebliche Unruhe in die Partei reingebracht hat“, stellt Starbatty fest. Auch er geriet wegen seines Eintretens für das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP in die innerparteiliche Kritik. „Das hat mich sehr gewundert. Als Ökonom denkt man: Den Freihandel stellt man nicht infrage.“ Zudem seien mit Anti-TTIP-Kampagnen irrationale Ängste in der Öffentlichkeit geschürt worden. „Die Leute haben Angst vor amerikanischen Chlorhühnchen, aber bei uns sind die Hühnchen mit Antibiotika vollgepumpt.“

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