Alternative für Deutschland Chaos-Partei? Die AfD kämpft um ihren Ruf

Richtungsstreit und Rücktrittswelle: Die AfD gibt derzeit ein bedenkliches Bild ab. Parteimitglieder versuchen, zu beruhigen – und fordern gleichzeitig den Bundesvorstand zum Handeln auf.

Ein Transparent wird beim Gründungsparteitag des Berliner Landesverbandes der eurokritischen Partei Alternative für Deutschland an einer Wand befestigt Quelle: dpa

Sie haben gekämpft. Und still gehalten. Die "Alternative für Deutschland" wollte unbedingt in den Bundestag einziehen. Alle Mitglieder der Neupartei haben deshalb an einem Strang gezogen und offensichtliche Konflikte hintenangestellt. Es galt, Geschlossenheit zu zeigen. Mit 4,7 Prozent der Zweitstimmen hat die AfD den Einzug ins Parlament knapp verpasst. Nun brechen die Konflikte mit neuer Stärke auf.

Die Partei streitet um die künftige Ausrichtung, ein liberaler Flügel fürchtet das Abdriften nach Rechtsaußen. Konservative Mitglieder warnen vor zu viel Toleranz und machen Stimmung gegen ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare und ungeordnete Zuwanderung. Darüber hinaus werfen persönliche Animositäten und eine Welle von Rücktritten ein schlechtes Bild auf die erst in diesem Jahr gegründete Partei: In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind die Landesvorsitzenden zurückgetreten, in NRW ebenso drei Beisitzer, in Berlin wird die gesamte Spitze des Landesverbands zum Rücktritt aufgefordert. Und in Rheinland-Pfalz fordern Mitglieder, bei den Neuwahlen der Sprecher darauf zu achten, dass die Kandidaten "ein Maß an Sozialkompetenz mitbringen".

Kritiker nennen die AfD schon Chaos-Partei und sehen Ähnlichkeiten mit den Piraten, die sich nach Anfangserfolgen selbst denunziert und geschwächt haben.

Parteimitglieder versuchen, zu beruhigen. So sei der Rücktritt von Alexander Dilger, Landessprecher der AfD in Nordrhein-Westfalen, "nicht die Folge von politischen Streitigkeiten", sagt Ulrich Wlecke, Bundestagskandidat der "Alternative" aus Düsseldorf gegenüber WirtschaftsWoche Online. Das bestätigt auch Dilger selbst auf Nachfrage. Bereits in einer internen Mail an die Parteifreunde, die er unmittelbar nach seinem Rücktritt versendete, nannte er Streit um "langweilige Organisationsfragen" als Hauptgrund. Politische Richtungsfragen seien nicht der Grund.

Schillernde AfD-Mitglieder aus NRW

Doch wie viel Wahrheit steckt hinter der lapidaren Begründung? Immerhin schreibt Dilger auf seinem Blog, dass er "nicht für immer mehr Vorstandsentscheidungen den Kopf hinhalten (will), denen ich selbst begründet nicht zustimmen konnte". Dass der Ökonom Dilger, der zuvor 23 Jahre lang Mitglied der FDP war, auch menschlich enttäuscht ist, zeigen diese Zeilen: "Um diese Querelen nicht in die Öffentlichkeit zu tragen, hatte ich einen gemeinsamen Rücktritt des gesamten Vorstandes vorgeschlagen. Die Mehrheit hätte sich damit sogar anfreunden können, doch nicht alle. Eigentlich halte ich es für ein Unding, meinen Rücktritt zu fordern, für sich selbst aber darauf zu verweisen, dass man vom Parteitag gewählt wurde, weshalb man nicht zurücktreten könne und wolle."

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