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Alternative für Deutschland Tumulte in der AfD

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Lucke und die AfD in der Defensive

Der dortige Landesverband stolpert von einer Verlegenheit in die nächste: Missgunst, Drohungen, Rücktritte – „wir fangen immer wieder ganz unten an“, klagten Mitglieder auf dem Parteitag am vergangenen Wochenende in Stadtallendorf (Hessen). Es gebe mehr Intrigen als bei der Union. Bernd Lucke war angereist, um zu verhindern, dass einer seiner schärfsten Kritiker, der frühere Landesvorsitzende Albrecht Glaser, erneut den schwierigen Landesverband anführt.

Glaser leitet die Satzungskommission. Lucke will die Parteisatzung ändern – den ersten (erfolglosen) Versuch unternahm er auf den Bundesparteitag in Erfurt im März diesen Jahres – und mehr Durchgriffsrechte bekommen. Glaser ist dagegen, er fürchtet „Machtfülle“ und „Brüssel-Probleme“ in der Partei.

Der phänomenale Aufstieg der AfD
AfD Bundesparteitag in Erfurt Quelle: dpa
AfD im Europaparlament Quelle: dpa
AfD Zeiungsabonnements Quelle: dpa
Bernd Lucke Europaparlament Quelle: dpa
AfD Bernd Lucke Europaparlament Quelle: dpa
DMark
Frauke Petry Quelle: dpa

Lucke schimpfte in seiner Rede auf dem hessischen Landesparteitag, Glaser sei der „spiritus rector“ der Leute, die mit der Arbeit des Bundesvorstandes „chronisch unzufrieden“ seien. Nach zähem Ringen setzte sich Lucke durch. Sein Favorit, Konrad Adam, wurde im dritten Wahlgang zum Landesvorsitzenden gewählt. Ein Teilerfolg für Lucke – aber kein Befreiungsschlag, wie sich nur wenige Tage später zeigte.

Auffangbecken für Verschwörungstheoretiker

Lucke sei ein „Kontrollfreak“, sagte Alexander Gauland, Vorsitzender der AfD-Fraktion im brandenburgischen Landtag, am Donnerstag gegenüber der „Zeit“. „Der Versuch, einen einzelnen starken Vorsitzenden zu installieren, erinnert mich an Frau Merkel“, so der 73-Jährige. Lucke reagierte empört, er sei „sprachlos“. Der Bundesvorsitzende kündigte an, sich erst auf dem Bundesparteitag Ende Januar in Bremen äußern zu wollen, „und eine persönliche Erklärung abgeben zu wollen“.

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Die einstige „Professorenpartei“, die für die Verteidigung des „No-bailout“-Prinzips in Europa antrat, die ihre Stimme erheben wollte gegen den Mindestlohn, gegen die Frauenquote und für eine kostengünstige Umsetzung der Energiewende droht bis dahin immer mehr zu einer rechtspopulistischen Gruppierung zu werden, wie wir schon nach den Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg gemutmaßt haben. Was die Lucke-Kritiker verkennen: Ohne ihre wirtschaftsliberalen Aushängeschilder wie Bernd Lucke oder Hans-Olaf Henkel ist die Partei für die Mitte der Gesellschaft – also weder für den Mittelständler oder Facharbeiter, noch für den Ökonomieprofessor oder Gewerkschafter – nicht wählbar. Die AfD wäre dann nur noch ein Auffangbecken für Verschwörungstheoretiker, rechte Kulturkämpfer und Ewiggestrige. 

Anmerkung: Der Autor des Textes nahm auf Einladung der Grünen als Redner an der erwähnten Diskussionsveranstaltung der Grünen in Greifswald teil.

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