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Altersarmut Kein Geld für die Altersvorsorge

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Dies legen zwar einige Prognosen mit Blick auf die wachsende Zahl von Minijobs und Berufsverläufe mit häufigen Unterbrechungen nahe. Dabei wird aber meist übersehen, dass der Anstieg unterbrochener Erwerbsbiografien teilweise auf Frauen zurückgeht, die nach der Familienphase in den Beruf zurückkehren – während sie früher in weit höherem Anteil dauerhaft ausgeschieden sind. Die Aussichten von Frauen auf eigene Alterseinkünfte haben sich durch ihre steigende Erwerbsquote deutlich verbessert, wenn auch die ausgeprägte Präferenz für Teilzeitbeschäftigung hier kontraproduktiv wirkt.

Die Zunahme der Minijobs wäre nur dann ein Indikator für künftig wachsende Altersarmut, wenn diese Beschäftigungsform Vollzeitstellen verdrängen würde. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Vollzeiterwerbstätigen zwar um etwa 1,5 Millionen gesunken; gleichzeitig ist jedoch die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter um zwei Millionen zurückgegangen.

Obwohl es nur eine begrenzte Zahl von Menschen betrifft, ist eine Aufstockung von Renten, die unterhalb des Sozialhilfeniveaus liegen, sinnvoll. Ob dies für alle Voraussetzungen gilt, an die diese Aufstockung geknüpft werden soll, ist jedoch fraglich. So sind nicht nur mindestens 30 Jahre Erwerbstätigkeit nötig, sondern auch der Nachweis eigenverantwortlicher Altersvorsorge: Mindestens über die vergangenen fünf Jahre der Berufstätigkeit sollen kontinuierlich Beiträge in die eigenverantwortliche Altersvorsorge investiert worden sein. Dies erfordert frei verfügbare Mittel, die bei Geringverdienern oft nicht vorhanden sind. Von den 50- bis 59-Jährigen mit niedrigem sozioökonomischem Status haben 41 Prozent nach dem Begleichen von notwendigen Lebenshaltungskosten keinerlei finanziellen Spielraum; weitere sieben Prozent beziffern den Spielraum auf weniger als 50 Euro.

Es ist zwar richtig, Anreize für eigenverantwortliche Vorsorge zu setzen. Die überwältigende Mehrheit der finanziell schlecht Gestellten hält die eigene Altersvorsorge auch für unzureichend und würde gern mehr dafür tun. Die meisten haben dafür jedoch nicht die finanziellen Mittel. Eigenverantwortung ist ein Konzept für Bevölkerungsgruppen mit finanziellem Spielraum – nicht für diejenigen, die jeden Monat neu bangen, ob sie über die Runden kommen.

Renate Köcher ist Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach und Mitglied des Aufsichtsrates mehrerer Dax-Unternehmen.

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