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Analyse zum Anschlag in Berlin Ohnmächtig gegen den Terror?

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„Mit einem Nizza reloaded musste gerechnet werden“


Sicherheitsexperten, wie der stellvertretende Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamten (BDK), Ulf Küch, wiesen in dieser Hinsicht auch darauf hin, dass mit dem Flüchtlingsstrom viele Personen unregistriert ins Land gelangt seien. „Da sind mit Sicherheit etliche labile Gestalten dabei, die sich aus einer Endzeitstimmung heraus zu solchen Terrorattacken hinreißen lassen“, sagte Küch vor einiger Zeit dem Handelsblatt. Er riet seinerzeit dazu, Flüchtlingen eine „sinnvolle Beschäftigung“ zu geben, damit sie nicht erst auf den Gedanken kämen, in den kriminellen Bereich abzurutschen. „Wir müssen uns besser und intensiver um diese Leute kümmern.“

Doch auch wenn sämtliche Defizite aufgearbeitet würden, könnte die Polizei für absolute Sicherheit nicht garantieren. Gleichwohl kommt der Anschlag in Berlin und seine Machart auch nicht gänzlich überraschend. „Mit einem Nizza reloaded musste gerechnet werden. Zumal dieses Anschlagsszenario vom sogenannten Islamischen Staat propagiert wird“, sagt der Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel, Joachim Krause, im Interview mit dem Handelsblatt. „Der IS sagt ganz klar, dass man jedes Mittel nutzen soll, um Ungläubige zu töten. Lastwagen werden explizit empfohlen.“

Dass Anschläge von Einzeltätern wie in Nizza und Würzburg eine „bevorzugte Taktik“ der IS-Terrormiliz sowie auch von Al-Qaida sind, hatte vor Monaten auch schon die EU-Polizeibehörde Europol erklärt. „Beide Bewegungen haben mehrfach Muslime in westlichen Ländern aufgerufen, individuelle Anschläge in ihrem Wohnland zu verüben“, hieß es damals in einer Analyse.

Krause hält jedoch eine erneute Diskussion der Flüchtlingsfrage für nicht zielführend. „Viel wichtiger ist es, sich über präventive technische Maßnahmen Gedanken zu machen“, betonte der Politik-Professor. „Dieser Anschlag hätte verhindert werden können, wenn der Breitscheidplatz durch Betonblöcke gesichert gewesen wäre.“

Er würde sogar solche Plätze generell mit Pollern absichern. In Israel sei es gang und gäbe, öffentliche Plätze auf diese Weise zu schützen. In Deutschland sei dies bislang vernachlässigt worden. Krause hält generell Anschläge auf alle weichen Ziele für möglich. „Deshalb“, so sein Vorschlag, „müssen alle Fußgängerzonen in den deutschen Großstädten daraufhin überprüft werden, ob es Möglichkeiten gibt, Anschläge zu verhindern.“

Hier seien die Länder und die Kommunen gefordert. „Ich würde mir aber auch wünschen, dass der Bundesinnenminister deutlich zum Ausdruck bringt, dass hier mehr zur Verhinderung von Anschlägen gemacht werden muss.“ Dazu gehörten auch technische Mittel, die es erlauben, Anschläge aufzuklären, wie Videokameras an öffentlichen Plätzen.

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