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Analyse zum Nürburgring-Verkauf Ein Überraschungssieger und viele Verlierer

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Der erzielte Preis ist ernüchternd

Problembauten am Nürburgring
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Erst am Montagnachmittag erfuhren die Mitglieder des Gläubigerausschusses überhaupt von der Sitzung Dienstagfrüh, keine 24 Stunden vorher. Was sie dort genau erwarten würde, wussten die Ausschussmitglieder auch nicht, der Tagesordnung konnten sie lediglich entnehmen, dass es um den Verkauf des Nürburgrings gehen würde. Ebenfalls nicht vorab informiert wurde der Gläubigerausschuss über die Tatsache, dass von den Insolvenzverwaltern schon für Dienstag um 14 Uhr eine Pressekonferenz anberaumt wurde, auf der der Käufer der Öffentlichkeit präsentiert werden sollte.

Nach einem zehn Monate andauernden Verkaufsprozess, begleitet von heftigen öffentlichen Diskussionen und mehreren Protestaktionen, sollte der Gläubigerausschuss also ohne Vorbereitung in einer eilig einberufenen Sitzung innerhalb weniger Stunden zu einem Ergebnis kommen. Ein ziemlich fragwürdiger Umgang der Insolvenzverwalter mit dem Gremium.

Denn der Gläubigerausschuss ist kein Stimmvieh. Er soll laut Insolvenzordnung den Sachwalter in seiner Arbeit unterstützen, ihn aber auch überwachen. Zudem ist der Nürburgring-Kauf rechtlich ziemlich vertrackt. Kein Wunder, dass sich nicht alle Mitglieder einen Schweinsgalopp im Ungefähren gefallen ließen.

Lieser und Schmidt: „Eindeutiges“ Ergebnis

Dem Vernehmen nach soll es hitzige Diskussionen gegeben haben, sogar eine Vertagung der Entscheidung stand offenbar zur Debatte. Am Ende blieb es aber bei einer üppigen Verlängerung – und einem Ergebnis, das offensichtlich nicht einstimmig ausfiel. Lieser und Schmidt sprachen von einem „eindeutigen“ Ergebnis, mehrere Nachfragen dazu blockten sie ab.

Auch der erzielte Preis ist ernüchternd. Lieser, Schmidt und Nuvoloni verkündeten zwar ein Transaktionsvolumen von „über 100 Millionen Euro“, doch ein ordentlicher Batzen ist gar nicht Teil des Verkaufspreises. 25 Millionen will Capricorn in den Ring investieren, auf dem Preisschild für den Erwerb stehen dagegen nur 77 Millionen Euro. Das ist zwar mehr, als vorübergehend diskutiert wurde, aber trotzdem deutlich weniger als der dreistellige Millionenbetrag, der Lieser und Schmidt anfangs vorschwebte. Zwischenzeitlich ließen sie sich sogar von einem 275-Millionen-Euro-Fantasieangebot aus Hongkong blenden.

Auf der Verliererseite steht schließlich auch die rheinland-pfälzische Landesregierung – obwohl sie sich nach außen alle Mühe gab zu betonen, dass sie mit dem Ablauf des Verkaufsverfahrens nichts zu tun hatte. Stattdessen zeigte sie stets auf die Insolvenzverwalter. Diese allerdings waren nach Informationen der WirtschaftsWoche mehrfach in der Mainzer Staatskanzlei – auch wenn die Staatskanzlei es auf Anfrage im Februar ablehnte, konkrete Termine zu bestätigen. Sie räumte dabei allerdings ein, dass Mitglieder der Landesregierung „in regelmäßigem Austausch mit der Sanierungsgeschäftsführung und Sachwalter“ stünden.

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