Analyse zum Nürburgring-Verkauf Ein Überraschungssieger und viele Verlierer

Der Nürburgring-Verkauf endet mit einer formidablen Überraschung: Auf den letzten Metern überholt der mittelständische Autozulieferer Capricorn noch den favorisierten Finanzinvestor HIG Capital. Neben dem strahlenden Sieger aber gibt es fast nur Verlierer.

Auf der Pressekonferenz zum Verkauf des Nürburgrings sind die Erwerber Robertino Wild (l), Eigentümer der Capricon Group, und Adam Osieka, geschäftsführender Gesellschafter der GetSpeed GmbH & Co KG, zu sehen. Quelle: dpa

Der Gläubigerausschuss der bankrotten Nürburgring GmbH tagte und tagte und tagte, drei Verlängerungen später war die Überraschung perfekt: Nicht der favorisierte Finanzinvestor HIG Capital macht das Rennen um den Nürburgring, sondern der Außenseiter Capricorn. Der Zuschlag im Bieterverfahren geht somit an einen mittelständischen Automobil- und Motorsportzulieferer aus Düsseldorf, der mit seinen rund 350 Mitarbeitern kaum größer ist als die Nürburgring GmbH selbst mit knapp 300 Angestellten. Doch die Capricorn-Crew um Geschäftsführer Robertino Wild glaubte stets an ihre Chance und war fest entschlossen, sie zu nutzen.

„Wir haben bis zuletzt mit Hochdruck gearbeitet“, sagt Axel Heinemann, dessen Firma GetSpeed (sie ist ebenfalls im Motorsport zuhause) gemeinsam mit Capricorn hinter dem Angebot steht. Das Capricorn-Getspeed-Duo arbeitete lange am Finanzierungskonzept für den kühnen Plan und schien deswegen schon ins Hintertreffen geraten zu sein. Die Mühen haben sich jedoch gelohnt: Capricorn gab auf den entscheidenden Metern HIG Capital das Nachsehen und bekam den Zuschlag, ab dem 1. Januar 2015 den Nürburgring zu übernehmen – vorausgesetzt, die EU-Kommission segnet den Deal ab.

Viele Verlierer

Neben den strahlenden Siegern gibt es allerdings jede Menge Verlierer. Da ist zuallererst HIG Capital. Der Finanzkonzern aus Miami wähnte sich selbst schon als Sieger und wurde von der Niederlage völlig überrascht. Offiziell äußerte sich HIG zwar nie zum Bieterverfahren, aus Verhandlungskreisen war allerdings zu hören, dass HIG sich die Herausforderung Nürburgring zutraute, dem kleinen Konkurrenten Capricorn dagegen nicht.

Zumal HIG mit mehr als 15 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen nicht nur finanzstark ist, sondern auch zwei Motorsport-erprobte Partner ins Boot geholt hatte: Den britischen Investmentbanker und Rennfahrer Meyrick Cox sowie Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, einen der beiden Chefs der 2013 eröffneten Rennstrecke am Bilster Berg. Das Konsortium gab sich nach der Niederlage noch zugeknöpfter als ohnehin und kommentierte den Ausgang des Bieterverfahrens auf Nachfrage nicht.

Zu den Verlierern zählen aber auch Insolvenz-Sachwalter Jens Lieser aus Koblenz und Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt aus Trier, die gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG für den Verkaufsprozess verantwortlich waren. Gleich dreimal musste ihr Sprecher Pietro Nuvoloni den Beginn der Pressekonferenz verschieben.

Der Grund war hausgemacht: Der Gläubigerausschuss wollte nicht einfach so durch den Reifen springen, den die Insolvenzverwalter ihm vorhielten.

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