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Angela Merkel Die Kanzlerin gibt den Deutschen, was sie wollen

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Wie halten wir Deutschen es mit dem Islam?

Und schließlich: Wie halten wir Deutschen es mit dem Islam? Als eine Dame bei einer Bürgersprechstunde Merkel gerade fragte, wie sie Europa und seine Werte vor den Muslimen verteidigen wolle, antwortete sie klug und ruhig, auch Christen stünde doch frei, ihre Religion zu zelebrieren, so entstehe Dialog.

Doch der Zuzug vor allem muslimisch geprägter Menschen wird unsere Nation verändern, wie selbst Merkel-Vertraute offen zugeben. Sie sprechen aus, was derzeit nicht in die öffentliche Stimmungslage passt: Verlieren die noch so hilfsbereiten Deutschen die Lust am Helfen, wenn die bunte neue Flüchtlingswelt ihnen mehr abverlangt als Bilder auf Facebook zu teilen?

"Genau solche Leute suchen wir doch"
Frank Appel, Deutsche Post"Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es rund eine halbe Million offener Stellen. Wenn Flüchtlinge rasch Arbeitsbewilligungen erhalten, dann können deutsche Unternehmen dieses Potenzial nutzen", sagte der Deutsche-Post-Chef Frank Appel dem "Handelsblatt". Quelle: dpa
Dieter Zetsche, Daimler"Ich könnte mir vorstellen, dass wir in den Aufnahmezentren die Flüchtlinge über Möglichkeiten und Voraussetzungen informieren, in Deutschland oder bei Daimler Arbeit zu finden. Die meisten Flüchtlinge sind jung, gut ausgebildet und hoch motiviert. Genau solche Leute suchen wir doch. Sie können uns – ähnlich wie vor Jahrzehnten die Gastarbeiter – helfen, unseren Wohlstand zu erhalten beziehungsweise zu vermehren. Deutschland kann doch die freien Arbeitsplätze gar nicht mehr allein mit Deutschen besetzen", sagte der Daimler-Chef der "Bild am Sonntag". Quelle: dpa
Christian Illek, Deutsche Telekom„Die Deutsche Telekom hat viele Liegenschaften, die durch den technischen Wandel längst nicht mehr in dem Maße genutzt werden wie früher“, sagte Personalvorstand Illek der WirtschaftsWoche. „Nicht jede ist für die Unterbringung von Flüchtlingen geeignet, aber dort wo wir helfen können, sind wir gerne bereit, das zu tun.“ Sofern technisch möglich, will die Deutsche Telekom alle Flüchtlingsunterkünfte mit WLAN versorgen. Die meist kostenlosen Hotspots sind für die Flüchtlinge die einzige Möglichkeit, per E-Mail oder Messenger-Dienste mit ihren Verwandten in Kontakt zu treten. „Deswegen unterstützen wir die Hilfsorganisationen und die öffentliche Hand beim Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur“, sagt Illek. Quelle: PR
Matthias Müller, Porsche"Es ist an der Zeit, dass Wirtschaftslenker zu bestimmten Dingen ihre Meinung sagen. Wir müssen uns Extremismus entgegenstellen und Haltung zeigen. Die Industrie darf sich nicht aus Angst um den Aktienkurs oder vor persönlichen Angriffen zurückhalten. Das darf die Wirtschaft nicht, wir sind schließlich Teil der Gesellschaft. Ich wünsche jedem Menschen auf der Welt, dass er einmal am Tag warm essen und ruhig schlafen kann. Kein Mensch gibt doch freiwillig und leichten Herzens seine Heimat auf", sagte Müller der "Süddeutschen Zeitung". Quelle: dpa
Klaus Engel, Evonik"Wir können nicht so tun, als ginge es uns nichts an, wenn ertrunkene Kinder an die Küsten des Mittelmeeres gespült werden und verzweifelte Menschen durch Europa ziehen, auf der Suche nach einer friedlichen Zukunftsperspektive. Viele der Menschen, die jetzt zu uns kommen, werden bleiben", sagte der Chef des Essener Chemiekonzerns Evonik, Klaus Engel, dem "Handelsblatt". Quelle: dapd
Beiersdorf"Wir bauen derzeit ein Projekt auf, das den qualifizierten Flüchtlingen den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt erleichtert", teilte der Kosmetik-Konzern mit. Quelle: dpa
Kik"Wegen der fehlenden Arbeitserlaubnis besteht derzeit keine legale Möglichkeit, Flüchtlinge oder Asylsuchende zu beschäftigen", teilte der Textildiscounter mit. Quelle: dpa

Und wie lange wird es dauern, bis die Worte des Soziologen Heinz Bude wahr wirken, der gerade in der Zeit schrieb: „Der gute Mensch ist kein dummer Mensch. Immer sind die Plätze knapp und die Mittel beschränkt. Immer muss man auswählen und Vorkehrungen treffen, dass der Gast dem Gastgeber gegenüber sein Gesicht wahren kann.“

Auch „Dunkeldeutschland“ ist ja nicht verschwunden, selbst wenn Deutschland gerade so hell scheint. Rund 200 Brandanschläge auf Flüchtlingseinrichtungen hat es in diesem Jahr schon gegeben, mehrmals kam nur durch Zufall kein Mensch ums Leben. Beim Besuch im sächsischen Heidenau musste Merkel Plakate lesen, auf denen „Volksverräter“ stand. Im kleinen Kreis ließ sie keinen Zweifel daran, wie tief sie so etwas gerade in ihrer ostdeutschen Heimat traf.

Deutschland



Merkels Vorgänger Helmut Kohl und Gerhard Schröder haben gegen Ende ihrer politischen Karriere durchaus mutig politisches Kapital in Vorhaben investiert, die ihnen wichtig waren – Helmut Kohl in den Euro, Schröder in die Agenda 2010.

Das aktuelle Spätsommermärchen bietet Merkel unverhofft eine Mutprobe vergleichbarer Dimension. Sie muss nun die Flüchtlingseuphorie bewahren, aber auch unsere Werte und schlussendlich, so profan es angesichts der aktuellen Euphorie klingt, unseren Wohlstand.

Schließlich will Merkel, davon gehen alle aus, 2017 wiedergewählt werden. Und dafür muss sie so populär bleiben, wie sie derzeit ist, aber nicht im Irak, in Afghanistan, oder Syrien, sondern in Deutschland.

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