Angst vor Terror ist falsch Was uns wirklich bedroht

Die neue Angst der Deutschen vor dem Terror ist zutiefst verständlich. Aber sie ist statistisch falsch – und gefährlich: weil wir so wahre Gefahren für unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft und Werte übersehen.

Ein Einsatzfahrzeug der Polizei steht in der Altstadt von Ansbach, einen Tag nach einer Bombenexplosion. Quelle: dpa

Der politische Terror ist nach Deutschland zurückgekehrt. Gegenüber dem Terrorismus früherer Jahre, der vor allem von links- oder rechtsextremen Gruppen begangen wurde, ist dessen neueste Variante besonders perfide: Sie tötet wahllos. Jeder Deutsche kann sich mittlerweile gut vorstellen, selbst Opfer eines terroristischen Anschlags zu werden.

Denn es wird niemandem gelingen, größeren Menschenansammlungen komplett auszuweichen, keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr zu benutzen oder alle Straßencafés und Flughäfen zu meiden.

Diese Zufälligkeit der Betroffenheit ist natürlich auch Kalkül: Die Terroristen wissen sehr gut, dass nichts mehr ängstigt als die Unsicherheit, einem Risiko ausgesetzt zu sein, ohne sich wirklich verlässlich davor schützen zu können. Erstmals sagen die Deutschen in Umfragen, Terrorismus als größte Bedrohung ihres Lebens anzusehen.

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Doch auch der Zufall lässt sich zumindest zum Teil berechnen. Angst vor dem Terror ist zwar psychologisch verständlich, aber statistisch kaum begründet. In den vergangenen 20 Jahren sind im Schnitt 48 Menschen pro Jahr in ganz Europa Terroranschlägen zum Opfer gefallen, in Deutschland waren es sogar weniger als einer alle zwölf Monate.

Statistisch gesehen ist die Zahl der Menschen, die etwa durch akute Pilzvergiftung europaweit ums Leben kommen, wesentlich höher. „Nur“ einer von 27,3 Millionen Menschen stirbt durch Terror, besagen die Zahlen.

Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen, liegt viel höher, einen von zehn Millionen Menschen trifft es. Autofahren wirkt im Vergleich lebensgefährlich, 3500 Männer, Frauen und Kinder sterben pro Jahr allein auf deutschen Straßen.

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