Arbeit Rüstige Rentner gegen arme Alte

Eine neue Studie zeigt: Viele Senioren arbeiten auch jenseits des Rentenalters weiter. Warum das keine schlechte Nachricht sein muss.

Der 74-jährige Drechslermeister Klaus Weber steht an der Drechselbank in seiner Werkstatt in Seiffen Quelle: dpa

Da ist der Aufschrei wieder mal programmiert:  Immer mehr Rentner müssen in Deutschland arbeiten! Mit Ausrufezeichen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die Zahl der Ruheständler mit einem Minijob seit dem Jahr 2000 um knapp 60 Prozent auf rund 761000 geklettert ist.  Nun wettert der Sozialverband VdK, die Daten seien ein Hinweis auf die wachsende Altersarmut in Deutschland, während die Linkspartei  fordert, am besten alle schon beschlossenen Reformen zu kippen: „Der Absturz der Renten muss gestoppt werden“, sagt ihr rentenpolitischer Sprecher, Matthias Birkwald. 

Sobald eine Meldung mit der Formulierung  „immer mehr“ beginnt, sollte man misstrauisch werden und einen ganz genauen Blick auf die Zahlen werfen.  Statistik ist immer auch eine Frage der Interpretation. Dass Altersarmut sich schon heute zum Massenphänomen ausgeweitet hätte, mag sich zwar so anfühlen, ist aber nicht belegbar. Natürlich gibt es Senioren, die von ihrer mageren Altersvorsorge nicht leben können – und jeder, der einmal eine Suppenküche besucht, kann davon berichten.

Was arbeitswillige Rentner wissen sollten

Minijobs sind attraktiv für Rentner

Wahr ist aber auch: Derzeit sind kaum mehr als zwei Prozent aller Rentner auf die Grundsicherung, also auf zusätzliche staatliche Unterstützung und den unangenehmen Gang zum Amt angewiesen. Ihre  Zahl hält sich seit 2007 ziemlich konstant. Gestiegen ist sie nicht. Armut im Alter wird sich in einigen Jahren durch das absinkende Rentenniveau tatsächlich zum Massenproblem auswachsen, allerdings taugt sie heute nicht als flächendeckende Begründung dafür, dass die Älteren sich nicht von ihrem Job trennen. 

Eher schlagen da die politischen Rahmenbedingungen und die demografische Entwicklung durch. Im Jahr 2003 hat die damalige rot-grüne Bundesregierung  die neuen Minijob-Regeln eingeführt. Wer nicht mehr als 400 Euro im Monat nebenbei  verdient, muss dafür keine Sozialabgaben oder Steuern zahlen. Das ist für viele Menschen sehr attraktiv, auch für Rentner. Und mancher, der noch gut in Form ist und gut ausgebildet, mag sich nicht zur Ruhe setzen und sein Dasein auf den Fernsehsessel beschränken.

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