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Arbeitsmarkt Wie gefährlich ist der Mindestlohn?

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Kein Beitrag für mehr Gerechtigkeit

So fressen Steuern die Löhne auf
Steuerzahler: alleinstehendMonatliches Bruttoeinkommen: 2000 EuroLohnplus: drei Prozent bzw. 60 EuroAnstieg der Steuerlast: 6,5 Prozent bzw. 14,67 Euro Quelle: dpa
Steuerzahler: alleinstehendMonatliches Bruttoeinkommen: 2500 EuroLohnplus: drei Prozent bzw. 75 EuroAnstieg der Steuerlast: 5,7 Prozent bzw. 19,92 Euro Quelle: dpa
Steuerzahler: alleinstehendMonatliches Bruttoeinkommen: 3000 EuroLohnplus: drei Prozent bzw. 90 EuroAnstieg der Steuerlast: 5,3 Prozent bzw. 25,75 Euro Quelle: dpa
Steuerzahler: alleinstehendMonatliches Bruttoeinkommen: 4000 EuroLohnplus: drei Prozent bzw. 120 EuroAnstieg der Steuerlast: 5,5 Prozent bzw. 43,83 Euro Quelle: dpa
Steuerzahler: Ehepaar, DoppelverdienerGemeinsames monatliches Bruttoeinkommen: 35 00 EuroLohnplus: drei Prozent bzw. 105 EuroAnstieg der Steuerlast: 7,4 Prozent bzw. 24,42 Euro Quelle: dpa
Steuerzahler: Ehepaar, DoppelverdienerGemeinsames monatliches Bruttoeinkommen: 4000 EuroLohnplus: drei Prozent bzw. 120 EuroAnstieg der Steuerlast: 6,5 Prozent bzw. 29,17 Euro Quelle: dpa
Steuerzahler: Ehepaar, DoppelverdienerGemeinsames monatliches Bruttoeinkommen: 45 00 EuroLohnplus: drei Prozent bzw. 135 EuroAnstieg der Steuerlast: 6,0 Prozent bzw. 34,33 Euro Quelle: dpa

Mitte Februar hat US-Präsident Barack Obama eine Erhöhung des garantierten Einkommens auf neun Dollar pro Stunde gefordert sowie eine Kopplung an den Preis-Index. Bis 2015 soll der Lohn sogar auf mehr als zehn Dollar steigen. Ob Obama damit im Kongress durchkommt, ist fraglich.

In Deutschland Beschäftigte und ihr jeweiliger Stundenlohn

Die Opposition hält eine Erhöhung für schädlich, vor allem für Unternehmen, die viele Kleinverdiener beschäftigen. Das sind Fast-Food-Ketten oder der Handel, wo viele Mitarbeiter auch nur in Teilzeit beschäftigt sind. Die meisten dieser Betriebe wehren sich vehement gegen eine Erhöhung. Aber es gibt auch Ausnahmen: Das US-Handelshaus Costco – vergleichbar etwa mit der Metro in Deutschland – unterstützt einen höheren Mindestlohn, weil dies die Produktivität der Angestellten erhöhe und für weniger Fluktuation sorge.

Was folgt aus diesen Erfahrungen? Es muss also nicht sein, dass Mindestlöhne Arbeitsplätze en masse vernichten. Aber als Beitrag für mehr Gerechtigkeit taugen sie auch nicht automatisch.

Deutschland



Denn Probleme bleiben bei allen in Deutschland diskutierten Optionen: Wenn Löhne von drei Euro "nichts mehr mit Leistungsgerechtigkeit zu tun" haben, wie Guido Westerwelle findet, dann wird eine Kommission, die nur dort einen Boden einzieht, wo es keine Tarifverträge gibt, Friseuren trotzdem nicht helfen. Denn für sie gibt es einen Tarifvertrag. Gleichzeitig werden die 8,50 Euro, die sich die SPD wünscht, selbst bei 160 Stunden Arbeit im Monat allein kaum reichen, um eine Familie zu ernähren.

Ein gesetzlicher Mindestlohn für ganz Deutschland in dieser Höhe, der in der Uckermark genauso gilt wie in Stuttgart, dürfte am Ende mehr schaden als nutzen. 6,8 Millionen Menschen arbeiten derzeit für einen Stundensatz unterhalb dieser Schwelle (siehe Grafik). Sie alle könnten sich – theoretisch – Hoffnungen auf mehr Geld machen, auch wenn nur ein kleiner Teil dieser Beschäftigten tatsächlich in einem von Armut gefährdeten Haushalt lebt. Praktisch aber wird so mancher – gerade aus den untersten Lohngruppen – die Kündigung erhalten. Schmerzen wird das gerade die tatsächlich Armen.

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