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Arbeitsmarkt Unternehmer setzen auf Osteuropäer

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Deutsche Kunden im Blick Quelle: Simon Koy für WirtschaftsWoche

Dass die neue Konkurrenz aus Osteuropa das inländische Lohnniveau drücken könnte, fürchten vor allem die Gewerkschaften. Allerdings glauben weder die Bundesagentur für Arbeit noch der Sachverständigenrat, dass die Einkommen flächendeckend sinken. Dafür sei der Arbeitskräftebedarf einfach zu hoch. „Ein gravierender allgemeiner Lohndruck ist unwahrscheinlich“, sagt Wolfgang Franz, der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen.

Wenn aber die Politik über die Osterweiterung philosophiert, dann bedient sie vor allem Ängste. Die Parlamentarier kümmern sich wenig darum, ausländische Abschlüsse leichter anzuerkennen oder qualifiziertes Personal willkommen zu heißen. Vielleicht haben sie noch nie gehört von der russischen Gynäkologin, die im Prenzlauer Krankenhaus jahrelang nur die Böden schrubben durfte, weil ihr Studium in Deutschland nichts galt.

Hoffen auf hohe Löhne

Neulich flog der EU-Arbeitsmarktkommissar nach Berlin und bat um Mäßigung. „Mir ist bewusst, dass die Bevölkerung mit Blick auf den 1. Mai gemischte Gefühle hat“, sagte László Andor bei einer Diskussionsrunde in der bayrischen Landesvertretung. „Doch dieser Tag ist eine große Chance für ihr Land.“ Andor kann ein halbes Dutzend Studien zitieren, die die neue Freizügigkeit bejubeln. Schwarzarbeit und Scheinselbstständigkeit würden sinken, insgesamt könne die Offenheit gen Osten die deutsche Wirtschaft um zusätzliche 0,3 Prozent jährlich wachsen lassen, glaubt die EU-Kommission.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn hofft außerdem, dass die Sozialsysteme gesunden. Bisher seien die Grenzen nur für Menschen offen gewesen, die ohnehin nicht arbeiten wollten oder durften. Auch das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) prophezeit, dass die Inländer von der neuen Konkurrenz profitieren. Und das Wirtschaftsforschungsinstitut IWH aus Halle prognostiziert, dass die Nähe zu Polen „Attraktivitätshemmnisse der ostdeutschen Bundesländer kompensieren“ werde. Oder kurz: Wenn junge Inländer Brandenburg oder Sachsen-Anhalt verlassen, sollen die Osteuropäer bitte schnell nachrücken.

Die polnischen Unternehmen sind vorbereitet. Pünktlich zum 1. Mai hat die CPC Group aufgestockt: Vor vier Wochen stellte die Personalvermittlung aus Breslau eine Betreuerin für den deutschen Markt ein. Alicja Maszota-Gierko will nun polnische Zeitarbeiter über die Grenze vermitteln. Von Mai an ist das möglich – vorausgesetzt, die Unternehmen haben eine Genehmigung der BA. Den Antrag hat Maszota-Gierko schon abgeschickt.

Über mangelndes Interesse aus dem Westen kann sie nicht klagen. Soeben hat zum Beispiel ein Unternehmen aus Bayern angefragt. Reng Industriesysteme statten Anlagen und Raffinerien mit Elektrotechnik aus, 400 Mitarbeiter hat das Familienunternehmen derzeit. Zu wenig, klagt Finanzchef Rainer Rußwurm. Er sucht ein Dutzend Elektronikexperten, dazu Mess- und Regeltechniker. „Wir mussten schon Aufträge ablehnen, weil wir nicht genug Leute haben“, sagt er. Deshalb setzt Rußwurm auf Osteuropa.

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