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Arbeitsmarkt Wie Jobcenter den Sozialstaat reparieren

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Wenn er an solche Entscheidungen denkt, dann muss Otto Vierheilig ziemlich laut seufzen. Berlin sei manchmal einfach zu weit weg von den Problemen, sagt der Chef des Erlanger Sozialamtes. „Aber für die betroffenen Menschen sind wir vor Ort die letzte Bastion. Wenn wir hier scheitern, dann sitzen die Leute bei uns auf der Wartebank.“

Erlangen ist eine Optionskommune. Das heißt, dass die mittelfränkische Stadt alle Hartz-IV-Empfänger ganz allein betreut, ohne Unterstützung durch die Arbeitsagentur. 67 solcher Optionskommunen gibt es bislang in Deutschland, ihre Zahl soll künftig sogar auf 110 steigen. Sie sind das Konkurrenzmodell zu den Jobcentern, aber ihre Probleme mit der Kundschaft sind identisch. Auch in Erlangen hat jeder fünfte junge Hartz-IV-Empfänger keinen Schulabschluss. Die meisten sind schulmüde, wie es im Vermittler-Jargon heißt. Oder kurz: demotiviert und für jede Lernmaßnahme verdorben.

Einer von 3400

„Inzwischen frage ich mich, warum unsere Schulen nicht in der Lage sind, mit der modernen Gesellschaft umzugehen“, sagt Ina Thum von der städtischen Arbeitsvermittlung in Erlangen. Sie schickt frustrierte Schulflüchtlinge häufig erst einmal zum Malern. Wer eine Wand verschönern soll, muss schließlich ausrechnen, wie viel Tapete er braucht. Angewandte Geometrie, ganz ohne Lehrer.

Die effizientere Vermittlung, die die Bundesregierung für ihr Sparpaket fordert, wird also nicht einfach. Ina Thum zum Beispiel hat all ihre 3400 Kunden in Profile eingeteilt. Die leichten Fälle von A bis C, die chancenlosen von X bis Z. Ein A-Kunde beispielsweise ist der beliebteste Typus, einer mit Schulabschluss, Berufsausbildung und Motivation.

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    Ina Thum hat jetzt einmal nachgeschaut, wie viele ihrer Kunden überhaupt ganz schnell zu vermitteln wären. Die Auswertung allerdings war etwas schockierend.

    In ihrer Statistik hat sie nur einen einzigen A-Kunden entdeckt.

    Einen von 3400. 

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