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Arbeitsmarkt Hassobjekt Hartz IV ist ein Erfolgsmodell

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Zurückdrehen der Reformen

Ein Plakat in Handform des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit der Aufschrift

IZA-Vorstand Schneider widerspricht: „Mindestlöhne erweisen jenen Beschäftigten einen Bärendienst, denen sie eigentlich dienen sollen.“ Der Ökonom verweist auf die Geringverdiener: „Schließlich sind das genau die Menschen, die früher gar keine Arbeit hatten.“

Die Politik ist längst dabei, Teile der Reform zurückzudrehen. Was noch vor zehn Jahren als Chance galt, wertet die Öffentlichkeit heute als „prekäre Beschäftigungsform“. Ausgerechnet in der Regierungszeit von Konservativen und Liberalen gibt es einen neuen Regulierungsrekord: Mindestlöhne herrschen inzwischen in elf Branchen. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist daran gelegen, weil sie der SPD damit ein Thema für den Bundestagswahlkampf stiehlt. Ihre Bundesarbeitsministerin sagt, dass in den vergangenen Jahren die Tarifbindung abgenommen habe. „Deswegen benötigen wir unter anderem eine verbindliche Lohnuntergrenze, die auch in tariffreien Zonen Ausreißer nach unten verhindert.“

Das sind Deutschlands beste Arbeitgeber 2012
Große UnternehmenIn der Kategorie „Große Unternehmen“ belegt der Personaldienstleister DIS AG den 3. Platz. Die Düsseldorfer gehören damit zu den vier deutschen Unternehmen mit über 500 Beschäftigten, die den Sprung unter die Top 25 der beliebtesten Arbeitgeber in Europa schafften. Die Firma wurde bereits 1967 gegründet. Mittlerweile gehören bundesweit über 160 Niederlassungen zum Unternehmen. Quelle: PR
Neben Photovoltaikanlagen schafft der Solartechniker SMA Solar Technology sehr gute Arbeitsverhältnisse für seine Mitarbeiter. Das Unternehmen mit Sitz im hessischen in Niestetal belegt den 8. Platz. Aber auch ökonomisch läuft es für den Konzern besser als erwartet. Im vergangenen Quartal konnte SMA bei Umsatz und Gewinn kräftig zulegen und übertraf damit teilweise die Markterwartungen. Quelle: dpa
Mindestens 234.000 Kunden hat die Sparda-Bank München laut eigenem Bekunden. Und auch die rund 670 Mitarbeiter der Genossenschaftsbank scheinen sich wohlzufühlen. Immerhin schaffen es die Bayern auf Platz 15 der besten Arbeitgeber in der Kategorie „Große Unternehmen“ von Great Place to Work. Quelle: dpa
Und noch ein Preisträger kommt aus München. Die SBK-Siemens Betriebskrankenkasse belegt Platz 22 auf der Liste der besten Arbeitgeber. Quelle: PR
Kleinere und mittlere Unternehmen Auch In der Kategorie KMU gehören vier deutsche Unternehmen zu den Top 50 der beliebtesten Arbeitgeber in Europa. Auf Rang 3 schaffte es das IT-Beratungshaus Noventum Consulting aus Münster. Quelle: PR
Ebenfalls noch in der Top 10 der Unternehmen mit besonders hoher Arbeitsplatz- und Arbeitgeberattraktivität ist der Personaldienstleister Atrias Personalmanagement (im Bild Geschäftsführer Ziegler, l., und CEO Blersch). Die Hamburger belegen Platz 6 im Ranking des GPW-Instituts. Quelle: PR
Platz 17 geht an die Lego GmbH aus Grasbrunn. Dort werden nicht nur Spielsachen produziert, die Kindern Freude bereiten. Auch die Beschäftigten scheinen Spaß an der Arbeit zu haben und sich bei ihrem Arbeitgeber wohl zu fühlen. Quelle: dpa

Leitplanken für die Zeitarbeit

Vor allem die Boombranche Zeitarbeit, die inzwischen mehr als 900.000 Menschen beschäftigt, könnte bald vor einem Problem stehen. Ursula von der Leyen will die Unternehmen dazu verdonnern, die Leiharbeiter künftig so wie Stammbeschäftigte zu bezahlen. Experten nennen das „equal pay“. Um einer gesetzlichen Vorschrift zu entgehen, handelt die Branche nun eigene Tarifverträge für die gleiche Bezahlung von Stammbelegschaft und Leiharbeitern aus. „Auch die Zeitarbeit hat viele in Arbeit gebracht, die vorher kaum Chancen auf einen sozialversicherungspflichtigen Job hatten“, räumt von der Leyen ein. Es gebe aber „notwendige Leitplanken, um Auswüchse zu verhindern, die die Planer der Reform nicht vorausgesehen hatten.“

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    Michael Pottel schweigt lange auf die Frage, ob er sich jemals prekär beschäftigt gefühlt hat. Ihm war selten in den Sinn gekommen, dass man seinen alten Job in der Zeitarbeit auch kritisch sehen könnte. Immerhin war es ein Job und dazu noch einer „auf fairem Niveau“. Und ohne diesen Job hätte er heute vermutlich keinen unbefristeten Vertrag bei seinem neuen Arbeitgeber.

    Für Pottel war vor allem eines wichtig: „Ich möchte nie wieder als Arbeitsloser in diesem Seminarraum sitzen und Hartz-IV-Anträge ausfüllen.“ Das, sagt er, sei der schwärzeste Tag seines Lebens gewesen.

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