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Arbeitsmarktbilanz Der Osten hängt den Westen ab

Das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre hat für neue Jobs gesucht und die Arbeitslosenzahlen gesenkt. Aber nicht alle Regionen profitieren gleichermaßen von dem Boom.

Mittlerweile gibt es im Osten weniger Arbeitslose als im Westen. Quelle: Screenshot

Der Osten hängt den Westen ab – zumindest was die Arbeitsmarktbilanz angeht. Eine neue Studie des Institut der deutschen Wirtschaft (IW)  in Köln zeigt, dass es gerade im strukturschwachen Osten immer weniger Erwerbslose gibt. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise hat sich dort die Zahl der Arbeitslosen um drei Prozent verringert. Zwar ist weiterhin in Bundesländern wie Sachsen-Anhalt die Arbeitslosigkeit um rund vier Prozentpunkte höher als im Westen, doch dafür geht sie stärker zurück.

Den stärksten Rückgang der Arbeitslosigkeit verzeichnet die Region Ostprignitz-Ruppin. Die liegt im Nordwesten von Brandenburg, ist 2.509 Quadratkilometer groß und zählt fast 102.000 Einwohner. Ein Grund für den Rückgang ist die verkehrsgünstige Lage der Brandenburger an der Autobahn zwischen Berlin und Hamburg.

Die Internet-Riesen suchen Mitarbeiter
Der Pharmahersteller Sanofi-Aventis will einem Bericht zufolge in Frankfurt rund 1000 neue Stellen schaffen. Noch in diesem Jahr wolle der Konzern 500 zusätzliche Mitarbeiter an seinem Standort in Frankfurt-Höchst einstellen, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Samstag) unter Berufung auf „informierte Kreise“. Bis 2017 sei ein weiterer Personalaufbau um 500 Arbeitsplätze geplant. Für die Produktion von Medikamenten für Zuckerkranke werde mehr Personal benötigt, schreibt die Zeitung. Eine Sprecherin des Unternehmens wollte den Bericht am Samstag nicht kommentieren. Das Frankfurter Werk ist laut Sanofi der weltweit größte Produktionsstandort für Insulin. Quelle: dpa
Der Gabelstapler-Hersteller Kion will kräftig in seine Forschung und Entwicklung investieren. In China sollen in den nächsten eineinhalb Jahren bis zu 150 neue Entwickler eingestellt werden, sagte Vorstandschef Gordon Riske in einem dpa-Interview in Wiesbaden. Der weltweit zweitgrößte Gabelstapler-Hersteller hat insgesamt elf Entwicklungszentren mit rund 950 Beschäftigten, davon vier in den Wachstumsmärkten China, Indien und Brasilien. Alleine etwa 300 Entwickler arbeiten in China. Mit den neuen Jobs will Kion vor allem Fahrzeuge für den asiatischen Raum entwickeln, aber auch Produktplattformen für andere Wachstumsmärkte entwerfen. Quelle: dpa
Der Autobauer Daimler übernimmt an seinem größten Produktionsstandort Sindelfingen 200 Leiharbeiter in eine Festanstellung. Dies teilte der Betriebsrat mit. Hundert von ihnen bekommen zunächst allerdings auf ein Jahr befristete Verträge. „Daimler wächst weltweit“, erklärte ein Sprecher. „Deshalb schaffen wir im Konzern neue Stellen.“ Der Autobauer steht derzeit wegen seiner Werkverträge in der Kritik und bemüht sich nun um eine Besserstellung der nicht fest angestellten Arbeitskräfte. Zuletzt hatte der Dax-Konzern bereits zahlreiche Werkverträge in bessergestellte Leiharbeitsverhältnisse geändert. Für diese gelten Tarifrechte wie der Anspruch auf eine feste Stelle nach 24 Monaten. Quelle: REUTERS
Dank guter Auslastung in seinen deutschen Werken übernimmt der Volkswagen-Konzern zum Jahreswechsel rund 1500 Leiharbeiter. 912 Zeitarbeitskräfte im Wolfsburger Stammwerk und 572 Zeitarbeitskollegen aus den anderen deutschen VW-Fabriken werden fest angestellt. Die Regelung gelte für alle VW-Leiharbeiter, die im Dezember, Januar oder Februar seit drei Jahren durchgehend in den deutschen VW-Werken gearbeitet haben werden. Eine neue Befristung wäre für die rund 1500 auf Zeit Angestellten gesetzlich verboten gewesen - VW hätte sie also entlassen oder, wie nun geplant, fest übernehmen müssen. Quelle: AP
Bosch stellt in Deutschland, Italien, Portugal und Spanien zusätzlich 100 Ausbildungsplätze für Jugendliche aus Südeuropa zur Verfügung. Hintergrund der Maßnahme ist die dort hohe Jugendarbeitslosigkeit. Das Projekt soll mit Ausbildungsjahr 2014 starten. Zusätzliche 50 Ausbildungsplätze in Deutschland werden mit Bewerbern aus Spanien besetzt. Für die Initiative werden rund 7,5 Millionen Euro über die nächsten vier Jahre zur Verfügung. Quelle: dpa
Der Sportwagenbauer Porsche hat im vergangenen Jahr seinen Mitarbeiterstamm deutlich ausgebaut. Ende September beschäftigte die VW-Tochter 18.882 Mitarbeiter nach 17.066 im Vorjahr, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Rund 700 Stellen seien im neuen Macan-Werk in Leipzig geschaffen worden, sagte ein Sprecher, der Rest am Porsche-Stammsitz in Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum in Weissach nahe Stuttgart. Bis 2018 will Porsche seine Belegschaft auf gut 20.000 ausbauen. Der operative Gewinn der Sportwagenschmiede stagnierte allerdings in den ersten neun Monaten bei 1,89 Milliarden Euro. Grund seien die hohen Investitionen, sagte Porsche-Chef Matthias Müller. Porsche investiert in diesem Jahr rund 1,3 Milliarden Euro - unter anderem in die neue Macan-Produktion in Leipzig und rechnet deshalb 2013 mit einem Gewinn auf Vorjahresniveau. Bei Umsatz und Absatz ist der Sportwagenbauer dagegen auf dem Weg zu neuen Rekordwerten. Die Erlöse steigerte Porsche in den ersten neun Monaten um drei Prozent auf 10,4 Milliarden Euro. Dabei lieferte der Sportwagenbauer von Januar bis September fast 120.000 Fahrzeuge an Kunden aus - ein Plus von 15 Prozent. Quelle: dpa
BNP Paribas wird ihr Geschäft in Deutschland ausbauen und rund 500 Menschen einstellen. Es ist eine der führenden Geschäftsbanken in Frankreich - und eine der größten Banken Europas. Sie wird damit zum Konkurrenten der Deutschen Bank. Mit der Aufstockung der Mitarbeiter hat BNP Paribas dann rund 4000 Mitarbeiter in Deutschland. Quelle: REUTERS

Ostprignitz-Ruppin ist kein Einzelfall – auch insgesamt hat sich der Arbeitsmarkt in Deutschland positiv entwickelt. Die Zahl der Arbeitslosen ist von 2008 bis 2013 um 308.000 gesunken; zugleich gab es 1,8 Millionen bzw. 6,6 Prozent mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Allerdings fällt die Bilanz in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich aus.

Seit Ausbruch der Krise 2008 hat sich die Arbeitslosenquote in Westdeutschland nur um 0,4 Prozentpunkte auf  6,0 Prozent verbessert. In Ostdeutschland fiel si dagegen um 2,8 Punkte auf 10,3 Prozent. Dennoch ist das Ergebnis relativ zu sehen: Denn die Zahl der Beschäftigten ist in den ostdeutschen Bundesländern lediglich um 3,6 Prozent gestiegen und damit deutlich geringer als im Bundesdurchschnitt.

Wie lässt sich dieser Widerspruch erklären? Das Lösungswort lautet: Demografische Entwicklung. Noch immer ziehen viele Menschen im erwerbsfähigen Alter aus Ostdeutschland weg – von 2008 bis 2012 waren es ohne Berlin per saldo über 130.000. Allein von den 18- bis 30-Jährigen verließen unterm Strich 113.000 ihre Heimat. Die Folgen könnten fatal sein: Ohne junge Fachkräfte sind ostdeutsche Unternehmen nicht wettbewerbsfähig und die Einkommens- und Beschäftigungslage verschlechtert sich weiter. Das wiederum veranlasst dann erneut, junge Leute dazu, wegzuziehen.

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Nicht nur im Ost-West-Vergleich zeigen sich Unterschiede in der Arbeitsmarktbilanz, auch die westdeutschen Regionen haben sich unterschiedlich entwickelt. Laut IW sind vor allem in einigen Städten und Kreisen Nordrhein-Westfalens und des Saarlands die Arbeitslosenquoten gestiegen. Gerade die früheren Kohle- und Stahlregionen kämpfen noch immer mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel. Die innerdeutschen Unterschiede könnten kaum unterschiedlicher sein: Während in Bayern die Arbeitslosenquote nochmals um einen halben Prozentpunkt auf 3,8 Prozent gesunken ist, lag im Kreis Baden-Württemberg die Arbeitslosigkeit 2013 noch immer bei 4,1 Prozent, wie schon 2008. Der Grund: Die zuvor wirtschaftlich relativ schwachen Regionen Oberfranken, Oberpfalz und Niederbay­ern haben zuletzt einen Aufschwung erlebt und damit den bayerischen Jobmotor zusätzlich angetrieben.

Trotz starker Unterschiede in der Rückläufigkeit der Arbeitslosigkeit steht Deutschlands Wirtschaft derzeit gut da, die Zahl der Erwerbslosen sinkt kontinuierlich. 2013 gab es rund 300.000 weniger Arbeitslose als noch fünf Jahre zuvor.

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