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Armin Laschet auf Wahlkampftour "Wenn was ist, melden Sie sich!"

Armin Laschets Wahlkampfbus wälzt sich durch kilometerlange Staus quer durch Nordrhein-Westfalen. Wie der CDU-Spitzenkandidat vor Ort ankommt.

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Armin Laschet unterhält sich bei einer Wahlkampftour in Solingen mit einem Polizisten. Quelle: dpa

Armin Laschet ärgert sich schwarz. Der Wahlkampf des CDU-Spitzenkandidaten ist ausgebremst. Stau überall. Sein XXL-Bus kriecht voran - vorbei an CDU-Wahlplakaten „Schneller. Mehr Bewegung. Weniger Stau.“ Nur auf Umwegen und verspätet kommt der Herausforderer von NRW-Ministerpräsidenten Hannelore Kraft (SPD) zu seinen Auftritten. „Das macht mich rasend, dass man jeden Tag im Stau steht - verlorene Lebenszeit und eine Katastrophe für unsere Wirtschaft“, schimpft Laschet. „Man braucht jetzt absolute Priorität, um die Situation in den Griff zu bekommen.“ Da können alle, die auf dem Marktplatz im bergischen Remscheid auf ihn gewartet haben, nur heftig zustimmen.

Der Landesparteichef und CDU-Bundesvize will nach der Wahl am 14. Mai Regierungschef in Nordrhein-Westfalen werden. Bis auf seinen kleinen Wutausbruch ist der Wahlkämpfer ruhig bei der Sache, nickt, lächelt, schüttelt Hände, posiert geduldig für Fotos.

Kritiker werfen ihm vor, er sei zu brav, ungefährlich, es brauche mehr Profilschärfe und bissige Attacken gegen Rot-Grün. Allerdings: Laschet - er führt die Landespartei seit Sommer 2012 und die Fraktion seit Ende 2013 - agiert inzwischen deutlich weniger zurückhaltend, kommt schlagfertiger, eloquenter rüber. Beim TV-Duell gegen Kraft wählte der 56-Jährige auch mal eine schärfere Tonlage. Und seit dem CDU-Sieg bei der Saar-Wahl im März wirkt er unbeschwert, locker.

An Innenminister Ralf Jäger (SPD) lässt Laschet ohnehin kein gutes Haar. Die Innere Sicherheit bietet viel Angriffsfläche. Aber treiben die CDU-Themen Sicherheit, Bildung und Wirtschaft die Bürger denn überhaupt um? „Im ländlichen Raum, da wird Polizei abgezogen“, tragen Beamte im Städtchen Radevormwald dem Gast aus Düsseldorf vor. „Dagegen muss man dringend was tun“, erwidert Laschet.

Der Passant Ernst Krätzig moniert: „Diese Untersuchungsausschüsse, zum Beispiel zu Silvester, die zieht Ihr viel zu oft hoch, die dauern ewig und kosten viel Geld.“ Laschet zählt auf, warum er die Aufklärungsarbeit für wichtig hält. Krätzig ist nicht überzeugt.

Eine Bürgerin steuert strahlend auf Laschet zu: „Unser zukünftiger Ministerpräsident!“ Das hört der Politiker gern, der seit Wochen gegen 6:30 Uhr in Aachen in den Bus steigt und nach Mitternacht heimkommt. Laschet hat den größten CDU-Landesverband nach dem Wahldesaster 2012 wieder aufgerichtet.

Böse Zungen sagen, nach dem Rückzug des Wahlverlierers Norbert Röttgen habe die NRW-CDU keinen anderen Freiwilligen für die Parteispitze gefunden. Zum Spitzenkandidaten kürte die CDU Laschet dann Ende 2016 aber mit satten 97 Prozent.

"Nicht AfD wählen, selbst wenn man sich ärgert"

Das Laschet-Mobil nimmt Kurs auf die nächste Station - am Straßenrand schauen Kraft und FDP-Chef Christian Lindner von den Plakaten. Mit beiden wäre ein Bündnis denkbar. Laschet - früher Integrationsminister - spricht jetzt mit Passanten über Bildung, Unterrichtsausfälle oder was die CDU für Senioren tut.

Eine ältere Dame stellt klar, „wo der Schuh drückt.“ Laschet: „Wenn was ist, melden Sie sich.“ Antwort: Ja. Aber nein, keinen Mitgliedsantrag!

In Solingen geht es dann um Inklusion, Rente, Ehegattensplitting. Auch wenn es sich manchmal um reine Bundespolitik dreht, hört Laschet immer aufmerksam zu, Sorgenfalten auf der Stirn. Unmut über die Flüchtlingspolitik wird laut: „In die Flüchtlingsunterkünfte, da wird Geld reingeballert, für anderes fehlt es dann - für mehr Busse oder Sauberkeit in der Stadt“, meckert einer.

Laschet beteuert, er nehme solche Sorgen ernst und mahnt: „Aber trotzdem nicht AfD wählen, selbst wenn man sich ärgert.“

Wer eine Wahl gewinnen und in die Staatskanzlei einziehen will, muss auch mal über Spargelernte oder Kartoffelrezepte plaudern. Kontrahentin Kraft gelte da als unverkrampft - wie ist es mit ihm? „Das kann ich mindestens genauso gut“, sagt Laschet der Nachrichtenagentur dpa, während er in seinem Bus eine Krawatte umbindet - für einen Redaktionsbesuch und eine anstehende TV-Aufzeichnung.

Sollte der gelernte Journalist und studierte Jurist scheitern, hat er keinen „Plan B“. Aber er ist optimistisch, dass die CDU stärkste Kraft werden wird. Auch Rentner Dietrich Waldow ist überzeugt: „Der Laschet, der lässt sich nichts gefallen. Der wird das schon schaffen am 14. Mai.“



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