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Armutsbericht Rund 13 Millionen Menschen gefährdet

Menschen droht in Deutschland Millionenfach Armut. Familien mit vielen Kindern, Alleinerziehende und Arbeitslose sind besonders gefährdet. Doch es gibt auch Zweifel an diesem dramatischem Befund.

Wie Milliardäre zu ihrem Geld kommen
Die Erfinder aus den USA Platz 1: Bill Gates (60)In Amerika scheint es ein Patentrezept für Reichtum zugeben: Patente anmelden. Vier der fünf reichsten US-Amerikaner haben sich mit zahlreichen Erfindungen im Patent und Trademark Office verewigt. Dort sind die Innovationen auf ihren Namen und für ihr jeweiliges Unternehmen angemeldet. Das trifft auch auf Bill Gates zu. Vermögen des Mitgründers von Microsoft (Software) liegt aktuell bei etwa 75 Milliarden Dollar (67 Milliarden Euro). Quelle: AP
USAPlatz 2: Warren Buffett (86)Es geht auch ohne Patent-Flut: Das Vermögen des Präsidenten der Berkshire Hathaway (Investmentholding) liegt aktuell bei etwa 60,8 Milliarden Dollar (54,5 Milliarden Euro). Quelle: dpa
USAPlatz 3: Jeff Bezos (52)Spitzenreiter der Patentanmeldungen ist der Elektroingenieur und Amazon-Chef Jeff Bezos, der es auf 107 Einträge bringt - unter anderem für eine wiederverwendbare Rakete. Das Vermögen des Gründers von Amazon, Jeff Bezos, liegt aktuell bei etwa 45,2 Milliarden Dollar (40,5 Milliarden Euro). Quelle: AP
USAPlatz 4: Mark Zuckerberg (32)Das Vermögen des Mitgründers und CEO von Facebook (soziales Netzwerk), Mark Zuckerberg, liegt aktuell bei etwa 44,6 Milliarden Dollar (40 Milliarden Euro). Quelle: REUTERS
USAPlatz 5: Larry Ellison (72)Das Vermögen des Mitgründers von Oracle (Software), Larry Ellison, liegt aktuell bei etwa 43,6 Milliarden Dollar (39 Milliarden Euro). Quelle: REUTERS
Die Erben aus Deutschland Platz 1: Beate Heister (62) / Karl Albrecht jr. (68)Von Beruf: Nachkommen. Deutschlands Superreiche haben ihr Vermögen größtenteils nicht selbst verdient, sondern geerbt. Die beiden vorderen Plätze belegen Mitglieder der Familie Albrecht, in deren Stammbaum die Gründer der Aldi-Supermärkte stehen. Die Kinder des Aldi-Süd-Gründers Karl Albrecht kommen so auf ein Vermögen von etwa 25,9 Milliarden Dollar (23 Milliarden Euro). Quelle: dpa
DeutschlandPlatz 2: Theo Albrecht jr. (66)Der älteste Sohn des Aldi-Nord-Gründers Theo Albrecht kommt auf ein Vermögen von etwa 20,3 Milliarden Dollar (18 Milliarden Euro). Quelle: dpa

Immer mehr Menschen in Deutschland drohen in Armut abzustürzen. „Deutschland hat mit 15,7 Prozent Armutsquote leider einen neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung erreicht“, sagte der Geschäftsführer des Paritätische Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider, bei der Vorstellung des neuen Armutsberichts am Donnerstag in Berlin. Somit lagen 2015 in Deutschland 12,9 Millionen Menschen unter der Grenze für Armutsgefährdung.

Der Verband beruft sich auf das Statistische Bundesamt, das den Anteil der Menschen mit einem Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens misst. Die Quote stieg von zuvor 15,4 Prozent auf den jüngsten Wert aus dem Jahr 2015 an. Zehn Jahr zuvor lag sie noch bei 14,7 Prozent. „Die wirtschaftliche Entwicklung schlägt sich schon lange nicht mehr in einem Sinken der Armut nieder“, sagte Schneider.

Das Bundesamt stuft die Betroffenen als armutsgefährdet ein, der Wohlfahrtsverband als arm. „Es ist ein zunehmender Trend“, sagte Schneider. Die Schwelle liegt bei einem Single bei 942 Euro Einkommen im Monat, bei einem Paar mit zwei kleineren Kindern bei 1978 Euro.

Armutsgefährdung in Deutschland

Einem extrem hohen Armutsrisiko ausgesetzt sind Arbeitslose mit einer Quote von 59 Prozent und Alleinerziehende mit 43,8 Prozent. Besonders betroffen sind zudem Ausländer (33,7 Prozent) sowie Familien mit drei und mehr Kindern (25,2 Prozent). Der Anteil armutsgefährdeter Rentner (15,9 Prozent) stieg innerhalb von zehn Jahren um 49 Prozent (von 10,7 Prozent). Der Präsident der Volkssolidarität, Wolfram Friedersdorf, sprach von einer „Lawine“ an Altersarmut. „Es ist schon beängstigend, wie mit Älteren in der Gesellschaft umgegangen wird.“

Minderjährige und junge Erwachsene sind häufig betroffen, wenn sie aus ärmeren Elternhäusern stammen, keinen oder einen niedrigen Schulabschluss haben. Zwei Millionen Kinder und Jugendliche bekommen Hartz IV. Die Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbunds, Cordula Lasner-Tietze, mahnte: „Aus Kindern und Jugendlichen in Armut werden nicht selten junge Erwachsene in Armut und aus diesen wiederum arme Eltern.“ Insgesamt stehen zehn Verbände hinter dem Bericht.

Armut ist im Ruhrgebiet und in Berlin am tiefsten verankert. In vier Ländern sanken die Quoten: in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, dem Saarland und Rheinland-Pfalz. In Nordrhein-Westfalen ist die überdurchschnittliche Armutsquote von 17,5 Prozent stabil geblieben. In elf Bundesländern wuchs die Armut - in Berlin stieg die Quote von 20 auf 22,4 Prozent, in Bremen von 24,1 auf 24,8 Prozent.

Das Armutsdefinition des Wohlfahrtsverbands - der Anteil der Menschen unter der 60-Prozent-Einkommensschwelle - ist umstritten. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund kritisierte den Armutsbericht als „zu pauschal“. Über die reale Situation der Betroffenen sage das 60-Prozent-Kriterium nichts, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Der Dortmunder Statistikprofessor Walter Krämer sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland, wer herausfinden wolle, wie sich Armut entwickele, müsse sie an Notlagen festmachen. „Die Wohlfahrtsverbände wissen genau, warum sie keine seröse Armutsstatistik wollen: Dabei käme nämlich heraus, dass Armut seit Jahren sinkt.“

Linke-Chefin Katja Kipping forderte eine „radikale Umverteilung von oben nach unten“. Der Sozialverband VdK verlangte „gezielte Investitionen für die ärmere Hälfte der Bevölkerung“.

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