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Atomausstieg Ihr wollt gar nicht sparen!

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Und übrigens: Die Deutschen verheizen heute zwar weniger Öl und Gas, vom Strom aber verbrauchen sie sogar ein Zehntel mehr als vor zwanzig Jahren. Das ist ungut, sagt Berlin – und man beschloss in Anlage 3, dass das Zehntel wieder wegmüsse, und zwar binnen zehn Jahren. Wie es die Herausforderung zu stemmen gedenkt? Schweigen. Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium reagiert nicht einmal auf die Frage nach der Strategie.

Die Frage ist, warum sich die Regierung so quält. Warum sie sich so schwertut, dem eigenen Einsehen Taten folgen zu lassen. Immerhin kann sie darauf verweisen, dass selbst Umweltverbände beim Kampf für mehr Effizienz kapitulieren. Sie organisieren Kampagnen gegen Atomkraft und Gentechnik, verkaufen, wie Greenpeace, sogar selbst Ökostrom und fordern selbstverständlich die Politik zum großen Sparen auf. Doch – leider, leider – ist das Thema nicht »kampagnentauglich«, sagt Roland Hipp, der zuständige Geschäftsführer bei Greenpeace Deutschland.

Über Energiesparen wird nicht geredet

Schon vor mehr als sechs Jahren wollten sie die Basis für eine Strategie und für Aktionen zum Sparen schaffen: Greenpeace und die Deutsche Umwelthilfe, der Naturschutzbund und der Worldwide Fund for Nature, das Umweltbundesamt und einige mehr trafen sich, um eine gemeinsame Effizienzkampagne zu entwickeln. »Ein Aufbruch, der das Energieintelligenz-Prinzip umfassend verankert, ist überfällig«, heißt es in ihrem schlauen Papier. Eine Kampagne erwuchs daraus nie. Seinen Text von damals nennt der Autor, Gerd Rosenkranz, heute ein »Papier mit Patina«. Als hätte er das Elend schon geahnt, schrieb er damals, die Debatte über Effizienz sei meist »zu Ende, bevor sie begonnen hat«. Ein fiktiver Dialog zwischen einem Schwarzen und einem Grünen zeigt, warum.

»Wir müssen energieeffizienter wirtschaften und leben«, sagt der Grüne. Antwortet der Schwarze: »Klar, das müssen wir – und außerdem müssen wir Kraftwerke bauen, wenn nicht Atomkraftwerke, dann eben jetzt Kohlekraftwerke.« – »Quatsch«, sagt der Grüne, »wir machen das mit Windrädern ...»

Und schon wird darüber diskutiert, wie mehr Energie zu beschaffen ist – statt übers Sparen, diese »Geschichte verpasster Chancen«, wie nun nicht etwa ein altvorderer Grüner schreibt, sondern die neue Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz.

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