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Atomausstieg Ihr wollt gar nicht sparen!

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Effizienzpolitik ist so sperrig, weil sie es nicht mit zwei oder zwanzig, sondern mit Hunderten von Produkten zu tun hat. Mit Pumpen, Lüftern und Motoren, mit Boilern und Lampen, mit Wohnhäusern, Bürogebäuden und Fabriken, mit Steckdosen und Ventilen, mit Waschmaschinen und Fernsehgeräten, mit Autos und mit Kraftwerken. Und so weiter.

Nahezu jedes Ding kommt auch mit weniger Energie zurecht. Jedes, genau das ist das Problem. Windräder sind Leuchttürme des grünen Stroms – aber was sind Leuchttürme der Energieeffizienz?

Alle reden von der Ökodiktatur

Hinzu kommt: Effizienzpolitik lässt etwas verschwinden, was vorher da war, ein Kraftwerk zum Beispiel oder einen Tanklastwagen, der seltener zum Auffüllen der Ölvorräte im Heizungskeller vorfahren muss. Verschwundenes ist aber untauglich als Beleg für Erfolg. Stattdessen wecken die Kämpfer für Effizienz noch neue Ängste. Weniger Energie? Da muss das Bier doch warm und die Stube kalt bleiben. Rationierung ist das. Ökodiktatur!

Diktatur? In anderen Lebensbereichen klagt niemand über diktatorisches Gehabe. Dabei pflastern Tausende Verkehrsschilder, Bauvorschriften und Steuerparagrafen den Alltag und sorgen für Kosten, die freiwillig kaum jemand tragen würde. Eine Flugreise beginnt heute fast mit einem öffentlichen Striptease. Aber wenn es um einen vernünftigen Umgang mit Energie geht, ist schnell von Zwang die Rede. Als der EU-Energiekommissar Günther Oettinger kürzlich seine Effizienzrichtlinie vorstellte, berichtete dpa über das »Energiespar-Diktat der EU«. Punkt.

Neugeräte sparen Strom

Bloß geht es nicht ohne Effizienz. Sie ist billig, umweltverträglich und sofort nutzbar. 21 Millionen alte Heizungspumpen in Wohngebäuden durch moderne Pumpen zu ersetzen spart 8,4 Milliarden Kilowattstunden ein, fast so viel, wie ein Kernkraftwerk produziert. Effiziente Elektromotoren in Industrie- und Gewerbebetrieben ermöglichen bis 2020 sogar den Verzicht auf 27 Milliarden Kilowattstunden. Und knapp 30 Millionen Kühlgeräte, die älter als zehn Jahre sind, durch effiziente Neugeräte zu ersetzen, macht laut Industrieangaben noch einmal mehr als acht Milliarden Kilowattstunden überflüssig. Wie lassen sich in elf Jahren neun Atomkraftwerke überflüssig machen? »Das geht leichter als bislang angenommen«, hieß es neulich in Focus-Money.

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