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Auto Union Zwangsarbeit bleibt für viele Unternehmen dunkles Kapitel

Eine internationale Ausstellung zeigt die Geschichte der Zwangsarbeit im Dritten Reich – ein dunkles Kapitel in der Vergangenheit vieler Unternehmen. Vieles ist noch nicht aufgearbeitet, legen Untersuchungen zur Historie des Audi-Vorgängers Auto Union nahe.

Zwangsarbeiterinnen auf dem Gelände des Daimler-Werkes in Minsk, September 1942. Quelle: Aus der Ausstellung

Der Leiter der Spinnerei Gebr. Schüller in Venusberg südöstlich von Chemnitz sagte es deutlich. Im Januar 1945 protestierte Karl Wunderlich in Briefen an Behörden dagegen, wie die SS auf dem Spinnereigelände mit den 1000 überwiegend ungarischen jüdischen Zwangsarbeiterinnen umging. Die Frauen mussten Teile für Kampfflugzeuge der Junkers-Werke fertigen. SS-Aufseherinnen und Wachmänner misshandelten sie mit Peitschenhieben, Typhus grassierte, nur ein Drittel war arbeitsfähig. Der Fabrikchef pochte auf „das Menschenrecht unglücklicher Geschöpfe“.

Der Protest hatte – soweit bekannt – für Wunderlich keine negativen Folgen. Dennoch überlebten 46 Zwangsarbeiterinnen die Auflösung des Lagers nicht. Als die SS im April die Frauen in Viehwaggons in einer Irrfahrt zum KZ Mauthausen transportierte, starb „mindestens ein Viertel“, resümiert Ulrich Fritz, Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. „Dinge, die ans Mittelalter gemahnen“, hatte Werksleiter Wunderlich in einem seiner Briefe geschrieben.

„Ein öffentliches Verbrechen“

Zivilcourage wie der Sachse legten Manager im Nazi-Deutschland selten an den Tag. Viele trugen – aus Überzeugung oder gezwungenermaßen – dazu bei, dass sich Zwangsarbeit von 1939 bis 1945 in der deutschen Wirtschaft zum Massenphänomen entwickelte.

„20 Millionen Männer, Frauen und Kinder aus fast allen Ländern Europas wurden als ,Fremdarbeiter‘, Kriegsgefangene oder KZ-Häftlinge in das nationalsozialistische Deutschland verschleppt oder mussten in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten Zwangsarbeit leisten“ – so heißt es im Einladungstext zu der Ausstellung „Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg“, die heute im Jüdischen Museum Berlin von Bundespräsident Christian Wulff eröffnet wird. Von 2011 an wird sie in anderen europäischen Ländern sowie Israel und in den USA gezeigt.

Konzipiert hat den Rückblick ins finsterste Kapitel der deutschen Wirtschaftsgeschichte die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, die mit der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora für einen zentralen Ort der Erinnerung und des Gedenkens an die Zwangsarbeit in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern verantwortlich ist. Finanziert hat die Ausstellung die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, von der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft.

„Erstmals stellen wir die Geschichte der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in allen Facetten dar“, beschreibt der Direktor der Gedenkstättenstiftung, Volkhard Knigge, den Anspruch. 65 Jahre nach Kriegsende sind damit neue Debatten zu erwarten – auch in Unternehmen. „Zwangsarbeit war kein Geheimnis“, sagt Knigge, „sie war ein weitgehend öffentlich stattfindendes Verbrechen.“

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